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Von Tom Strohschneider
25.09.2012

Angriff auf NS-Zwangsarbeiter

Neun Verletzte bei Reizgas-Attacke während Einweihung eines Mahnmals

Im Hamburger Bezirk Bergedorf sind ehemalige NS-Zwangsarbeiter bei der Einweihung eines Mahnmals attackiert worden. Der Täter wurde in die Psychiatrie eingewiesen; der Künstler Jan de Weryha, nach dessen Plänen die Stele entstand, glaubt indes nicht an einen verwirrten Einzeltäter.

Es waren bestürzende Szenen, die sich Ende der vergangenen Woche im Hamburger Bezirk Bergedorf ereigneten: Während der Einweihung eines Mahnmals für frühere NS-Zwangsarbeiter griff am Freitagnachmittag ein 42-Jähriger die polnische Delegation an. Mehrere hochbetagte Überlebende der Nazidiktatur wurden aus kürzester Entfernung mit Reizgas attackiert. Neun Menschen wurden verletzt, sieben von ihnen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Die Polizei nahm den Täter unmittelbar darauf fest - er ist unterdessen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.

Der in Polen geborene Künstler Jan de Weryha, der in Hamburg lebt und nach dessen Plänen das Mahnmal für die Zwangsarbeiter entstand, wies die These von einem verwirrten Einzeltäter allerdings zurück. »Die Bestie ist auf die Menschen losgegangen! Das war von langer Hand geplant«, zitierte ihn eine Lokalzeitung. Auch die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg verwies darauf, dass der Angreifer »als einschlägig bekannter und verurteilter Rechtsradikaler polizeilich bekannt gewesen« sei. Erst vor wenigen Tagen habe der Mann einen Strafbefehl über 3000 Euro für die Verbreitung von rechtsextremem Propagandamaterial erhalten.

In Bergedorf waren während der Nazi-Zeit tausende Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme in Betrieben der Rüstungsproduktion ausgebeutet worden, darunter auch Kinder. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft erklärte inzwischen, der Angriff vom Freitag habe die Öffentlichkeit »schmerzlich daran erinnert, dass kriminelle Rechte nicht davor zurückschrecken, das Gedenken an Faschismus, Zwangsarbeit und Vernichtung von Menschenleben zu stören«.

In Chemnitz zum Beispiel wurde im April das Ehrenmal im Park der Opfer des Faschismus mit einem Hakenkreuz und dem Geburtsdatum Hitlers beschmiert. Im Juli waren auf einer Stele zum Gedenken an die Opfer des Bochumer Zwangsarbeiterlagers Saure Wiesen Hakenkreuze entdeckt worden; gleiches passierte im Juli an einem Mahnmal für Naziopfer in Wolfsburg. Erst Ende der vergangenen Woche hatten offenbar rechtsextreme Täter in Wismar an der Ostsee mehrere »Stolpersteine« zur Erinnerung an NS-Opfer mit den Daten deutscher Wehrmachtsangehöriger überklebt.

Die Bergedorfer Linkspartei sprach nach dem Angriff auf die überlebenden Zwangsarbeiter von einem »abscheulichen Attentat«. Der Vorfall zeige, wie wichtig das Mahnmal ist. »Der braune Spuk geht in Bergedorf immer noch um, auch mit gewalttätigen Ausschreitungen.« Ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in dem Bezirk war mehrfach zum Ziel von rechtsextremen Attacken geworden.

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