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Von Karin Leukefeld, Beirut
15.10.2012

Syrien-Konflikt weitet sich aus

Damaskus und Ankara sperren gegenseitig den Luftraum / Libanon hilft Flüchtlingen

Mit der gegenseitigen Sperrung des Luftraums für türkische und syrische Flugzeuge hat sich der Konflikt zwischen Damaskus und Ankara weiter verschärft. Nach Presseberichten hat die Türkei rund 250 Panzer an der Grenze zusammengezogen. Auch in Libanon ist die Lage angespannt.

»Natürlich merken wir die syrischen Unruhen hier, Libanon ist tief gespalten.« Der Mann der das sagt, möchte namentlich nicht genannt werden, er mache sich »große Sorgen« um seine Heimat. »Ich bin ein Libanese und ich sage Ihnen, 99 Prozent der Syrer wollen und brauchen einen politischen Wandel.« Was in Syrien geschehe, habe aber mit einer Revolution nichts zu tun. Das religiöse Element im Aufstand sei nicht zu übersehen, so der Mann: »In Aleppo kämpfen 5000 Dschihadisten (Gotteskrieger), sie haben die Aleppiner als Geiseln genommen.«

Die Internationale Krisengruppe wies am Wochenende auf die hohe Zahl von salafistischen Kämpfern bei den bewaffneten Gruppen in Syrien hin. Das sei eine »unwiderlegbare, schädigende aber nicht unbedingt unumkehrbare Entwicklung.« Das könne sich nur ändern, wenn »die Opposition deren Einfluss eindämmt, Angehörige der internationalen Gemeinschaft ihre Politik koordinieren und der gefährliche militärische Stillstand in eine politische Lösung überführt wird«.

Verschiedene Medien berichteten am Samstag, dass die Jabhat al-Nusra, eine islamistische Gruppe, die Al Qaida zugerechnet wird, den bewaffneten Aufständischen »geholfen« haben soll, eine Raketenabwehrbasis in Nordsyrien (Al-Taaneh) einzunehmen. Von offizieller syrischer Seite wurde die Angabe nicht bestätigt.

Von Seiten des Syrischen Nationalrates war kürzlich berichtet worden, die libanesische Hisbollah kämpfe an der Seite der syrischen Armee. Das behauptet der »Nachrichtendienst« des »Strategischen Forschungs- und Kommunikationszentrums« SRCC, für das Osama Monajed verantwortlich zeichnet, Mitglied des Syrischen Nationalrates. Die Rebellen hätten »mindestens 75 bewaffnete Milizionäre der libanesischen schiitischen Hisbollah in einem Hinterhalt in der Nähe von Qusair getötet«, hieß es am 8. Oktober.

Der Chef der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah wies die Angaben zurück. Es sei bekannt, dass 23 Dörfer im syrisch-libanesischen Grenzgebiet Hermel (Bezirk Bekaa Ebene) von etwa 30 000 libanesischen Familien bewohnt seien. Einige seien ermordet oder entführt worden, viele seien geflohen. Die geblieben seien, hätten sich gegen die Aufständischen bewaffnet. »Nicht, um mit der syrischen Armee zu kämpfen«, sondern um sich, ihre Familien und Dörfer »zu verteidigen«. »Sie wählen hier, sie sind Mitglieder libanesischer Parteien«, wie der Hisbollah, Amal und der KP.

Der libanesische Ministerpräsident Najib Mikati hat am Wochenende weitere Hilfe für syrische Flüchtlinge im Zedernstaat angekündigt. Zwar gebe es einen Regierungsbeschluss, wonach das Land sich aus dem innersyrischen Konflikt heraushalten will, allerdings helfe man den Flüchtlingen, sagte Mikati am Samstag.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind derzeit 94 213 Syrer im Libanon registriert oder warten auf ihre offizielle Registrierung.

Unterdessen sind bei einem Autobombenanschlag am Samstag in der Nähe von Damaskus nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London acht Menschen getötet worden.

2 Kommentare

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  • guenter1952 / 15. Okt 2012 10:33

    Das 99% der Syrer

    einen politischen Wandel befürworten, ist nachvollziehbar.
    Selbstverständlich wollen sie nicht mehr den Geheimdiensten der Assad-Regierung ausgeliefert sein, wollen politische Freiheit und Demokratie.
    .
    Aber sie wollen auch keinen Bürgerkrieg, der von aus dem Ausland eingesickerten Kämpfern geführt wird, der vom Ausland angeheizt und unterstützt wird. Sie wollen keine militärische Lösung.
    Der Wirt eines syrischen Lokals, dessen Familie z.T. noch in Syrien lebt,
    hat mir genau dies bestätigt. Seiner Meinung nach ist das, was in Syrien passiert, eine einzige Katastrophe, für die primär das Ausland verantwortlich ist - die USA, Israel, die arabischen Golf-Diktaturen (so seine Worte).
    Die Menschen in Syrien haben Angst - vor den fremden Soldaten. Sie wollen
    einen friedlichen Wandel, keinen Bürgerkrieg. Die Situation jetzt empfinden sie als noch wesentlich schlimmer als die Diktatur Assads.
    .
    Es ist unglaublich, das Diktaturen wie SaudiArabien in einem anderen Land einen Bürgerkrieg unterstützen (und ohne die Unterstützung des Auslands wären die Rebellen nichts), und der Westen ist mit dabei.
    Und Deutschland mischt heimlich und propagandistisch natürlich auch mit.

  • Hamurabi / 18. Okt 2012 01:21

    99% der Syrer und Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Londo

    Würde mich Karin Leukefeld interviewen, würde ich auch sagen, 99% der Deutschen brauchen einen politischen Wandel. Nur käme meine Meinung nie in deutsche Zeitung, weil diese eben nichts über den Wahrheitsgehalt aussagt.

    Und dass obige Jounalistin für den ND diese ominöse Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London zitiert, ist schon ein Stück aus dem Tollhaus. Aber vielleicht auch gar nicht, wenn man berücksichtigt, dass nun Michel Kilo als "linker" Oppositioneller von der Linkspartei, ND etc. hofiert wird, der die FSA reinzuwaschen versucht und die Moslembrüder der AKP in der Türkei durch die Blume auffordert, im Norden Syriens einzumarschieren.

    Linkspartei, CIA-Linker Michel Kilo und Islamisten Hand in Hand?
    Erleben wir nach Oliv-Grün nun Oliv-"Rot"?

    Nach dem wir bei den GRÜNEN unter Multikulti die Toleranz gegenüber Islamisten genießen durften, nun auch bei der Linkspartei Toleranz für Moscheebau und sonstige Gedöns unter dem Label "Religionsfreiheit" und religiöse Gleichberechtigung?

    Warum nicht eine landesweite Diskussion über Laizismus vom Zaune brechen? Das wäre ein Denkrichtung nach vorn. Das wäre aber zuviel verlangt von der Linkspartei, die die Bevölkerung gerne zu Verfassungsschützern machen will. Die Linkspartei eine in deutscher Tradition steckende staatstragende ("besssere") Sozialdemokratie, von wegen "wir müssen mehr Demokratie wagen" und doch Berufsverbote aussprechen?

    Die Linkspartei wird scheitern! Das wird sie in nächster Zeit noch mehr zu spüren bekommen.

    Bashar Asad wird bleiben. Einen Wandel gibt es nur mit dem syrischen Volk und dem Regime. Alles andere wird zur großen Katastrophe führen. Keine westlichen Marionnetenregierungen wird es geben!
    Syrien bleibt antiimperialistisch und antizionistisch!
    Syrien wird jeglichen arabischen Boden verteidigen und Palästina niemals aufgeben.
    Da kann sich die Linkspartei auf den Kopf stellen, auch Karin leukefeld.

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