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Von Andreas Fritsche
22.10.2012
Brandenburg

Reisefreiheit für Behinderte

Brandenburg gilt als Musterland des barrierefreien Tourismus

Seine ganze Leidenschaft habe dem Turnen gehört, erzählt Ronny Ziesmer. Der Cottbuser siegte 2003 bei den Deutschen Meisterschaften in der Disziplin Mehrkampf und qualifizierte sich im Jahr darauf für die Olympischen Spiele in Athen. Er gehörte zu den Favoriten. Doch dann beendete ein tragischer Sportunfall seine Karriere. Beim Training am Pferd scheiterte er an einem Doppelsalto rückwärts, schlug mit dem Kopf auf den Boden und brach sich die Halswirbelsäule. Seitdem ist Ziesmer querschnittsgelähmt.

Doch er gab nicht auf, treibt weiterhin Sport, fährt jetzt Handbike, einen tiefergelegten Rennrollstuhl. Auf diese Weise ist er viel in Brandenburg unterwegs, und er ist Botschafter für einen barrierefreien Tourismus im Bundesland. »Ich möchte Menschen mit Behinderungen Mut machen und ihnen zeigen, was es hier für tolle Möglichkeiten gibt, die Landschaft aktiv kennenzulernen und sich zu erholen.«

Es gibt eine Menge Angebote, die auf die jeweiligen Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern, Blinden und Sehschwachen oder geistig Behinderten eingehen. Selbst an Menschen mit verschiedenen Lebensmittelallergien ist gedacht. Brandenburg gilt in dieser Hinsicht als Musterland. Beispiele werden in der Broschüre »Brandenburg für alle« vorgestellt. Darin gibt Hartmut Smikac Tipps für Ausflüge nach Potsdam. Der Mann aus Wolfen in Sachsen-Anhalt weiß, wovon er spricht. Er sitzt wegen einer Beinamputation im Rollstuhl und hat die brandenburgische Landeshauptstadt bereits mehrfach besucht. Abgesehen vom Schloss Charlottenhof mit seinen engen Gängen gebe es in den Gebäuden im berühmten Park Sanssouci kaum Beschränkungen für Rollstuhlfahrer, verrät Smikac. Für Elektrorollstühle sei das Schloss Sanssouci allerdings nicht geeignet.

Das Heft enthält auch einen Bericht über Wilma Otte, die sich bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten etwas für behinderte Besucher ausdenkt. Schließlich dürfen auch Blinde die wertvollen Antiquitäten nicht anfassen, und für geistig Behinderte sind Vorträge mit vielen Geschichtszahlen und anderen Details nicht angemessen. Darum besorgte sich die 46-jährige Witte in den Werkstätten der Restauratoren Tapetenstücke, Stoffreste und Brocken aus Marmor und Stuck, damit Blinde bei extra Führungen dieses Material betasten können. Schwerstbehinderte dürfen auf dem Fußboden des Festsaals herumrutschen.

Viel weiter als die Broschüre geht eine Datenbank der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (TMB). Sie enthält mehr als 900 Einträge und kann im Internet abgerufen werden: barrierefrei-brandenburg.de. Der Benutzer erfährt beispielsweise, wo es stufenlose Unterkünfte mit mindestens 90 Zentimeter breiten Türöffnungen und Bäder mit Haltegriffen neben dem WC gibt. Wer auf einen Rollstuhl mit Elektroantrieb angewiesen ist, für den ist dies ein absolutes Muss.

Bei der Erstellung der Datenbank ließ sich die TMB von Experten helfen. In einer Testphase griffen Menschen wie Nina Waskowski auf die Informationen zu. Die junge Frau ist hochgradig sehbehindert und überprüfte am eigenen Leib, ob andere Betroffene die Internetseite möglichst problemlos benutzen können. Nach Waskowskis Ansicht handelt es sich bei barrierefrei-brandenburg.de um ein sehr hilfreiches und praktisches Angebot. Ein wichtiger Hinweis für die Recherche: In Brandenburg beginnt die Stufe schon bei einem Absatz von lediglich drei Zentimetern. Hotels und Pensionen mit maximal einer Stufe sollte man als Rollstuhlfahrer also eventuell eine Chance geben und sich dort näher erkundigen.

Indes konnte die Neugier von Jens Ulbricht auf das Lausitzer Seenland gestillt werden. Wie sich die Baggerschaufel, die Ketten und Förderbänder der alten Förderbrücke F 60 im Braunkohletagebau bei Klettwitz anfühlten, weiß der blinde Mann nach einem Ausflug noch ganz genau. Und im Hütten- und Fischereimuseum Peitz hatte die Führerin extra für ihn Eisenerz zum Anfassen mitgebracht. Den Weg vom Bahnhof Senftenberg nach Großräschen legte der 48-Jährige übrigens ähnlich zurück, wie sich Sportler Ziesmer oft bewegt - mit einem Drahtesel. Im Fall von Ulbricht war es aber kein Handbike, sondern ein Tandem. Vorn saß ein Freund und lenkte.

»Brandenburg für alle. Barrierefrei reisen«, Ausgabe 2012, terra press GmbH, 75 Seiten (brosch.), 2,80 Euro

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