Krieg, Waffenlieferungen, Ausbeutung Fluchthelfer sind nicht das Problem.
Linker Journalismus gegen (geistige) Brandstifter.
Jetzt das »nd« unterstützen!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
Von Anna Maldini
24.10.2012

Haft für Erdbebenforscher

Urteil in Italien und international umstritten

Sieben namhafte Wissenschaftler sind in L’Aquila zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie wenige Tage vor dem verheerenden Erdbeben 2009 erklärt hatten, es bestehe keine größere Gefahr. Das Urteil ist in Italien und international sehr unterschiedlich aufgenommen worden.

Der Richter von L'Aquila ist sich sicher: Die Wissenschaftler, die dem vom Staat berufenen Ausschuss für »große Gefahren« angehörten, haben fahrlässig gehandelt und tragen deshalb eine Mitschuld am Tod von 309 Personen, die im April 2009 unter den Trümmern ihrer eingestürzten Häuser umkamen. Deshalb sollen sie für sechs Jahre in Haft. Dazu kommen Schadensersatz und Schmerzensgelder in Höhe von insgesamt 7,8 Millionen Euro.

Wenige Tage vor den schweren Erdstößen hatte der wissenschaftliche Beirat der Regierung in L'Aquila getagt: Damals hatte die Erde schon monatelang gebebt und die Einwohner waren verängstigt. Die Befürchtungen seien aber unbegründet, erklärte damals der Vorsitzende des Ausschusses vor der Presse, da sich die Energie im Erdinneren durch die permanenten Beben sozusagen Luft verschaffe und deshalb keine akute Gefahr bestehe. Wie viele Einwohner der Stadt diesen Besänftigungen vertrauten und deshalb in ihren Häusern blieben oder ob daraufhin die Lokalverwaltungen, denen der Beirat Entscheidungshilfen liefern sollte, ungenügende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hat, ist natürlich nicht klar auszumachen. Das Gericht allerdings hat die Wissenschaftler in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verurteilt.

Das Urteil ist sehr unterschiedlich aufgenommen worden. In L'Aquila selbst waren die Reaktionen zum größten Teil positiv. Die Angehörigen der Opfer, die als Nebenkläger aufgetreten waren, haben unterstrichen, dass dies ihnen nicht über ihren Verlust hinweghelfen könne, aber durch das Urteil doch ein gewisses Vertrauen in die staatlichen Institutionen wieder hergestellt sei. Stefania Pezzopane, die zur Zeit des Bebens Provinzpräsidentin war, bezeichnete den Richter als »mutig« und auch der Bürgermeister der Stadt Massimo Cialente ist der Ansicht, dass dies »ein erster Schritt in die richtige Richtung« auf dem Weg zur Gerechtigkeit ist.

Vor allem negativ hingegen fallen die Reaktionen der nationalen Politiker aus. Senatspräsident Renato Schifani sprach von einem »seltsamen und etwas beschämenden Urteil«, während es von Zentrumspolitiker Pier Ferdinando Casini sogar als »blanker Wahnsinn« definiert wurde. Pierluigi Bersani, Vorsitzender der Demokratischen Partei, sagte nur, man müsse die Justiz und ihre Urteilssprüche respektieren.

Besonders heftig aber reagierten Wissenschaftler und nicht nur in Italien; Stellungnahmen kamen auch aus den USA und Japan. Unter diesen Umständen, so der Tenor, würde sich nie wieder ein Kollege bereiterklären, beratend für die Regierung oder andere staatliche Institutionen tätig zu werden. Außerdem, so weiter, sei allgemein bekannt, dass man Erdbeben nicht vorhersehen könne. Befürworter des harten Urteils halten dem allerdings entgegen, dass man gerade deshalb auch ruhigen Gewissens keine negativen Voraussagen treffen könne und sie vor allem nicht mit viel Rummel in der Öffentlichkeit verkünden dürfe.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken