Marcus Meier
26.10.2012
Warenwelt

»Akku kaputt, Gerät Schrott«

Nicht austauschbare Akkus in Elektrogeräten – für den Murks-Kritiker Stefan Schridde sind sie ein Skandal

Fest eingebaute Akkus seien ein klarer Beleg für geplante Obsoleszenz, für ein vorgeplantes Verfallsdatum von Elektrogeräten, ärgert sich Stefan Schridde. Denn das Gerät könne dann nur so lange genutzt werden, wie der Akku heile bleibe. Der Berliner Betriebswirt listet über 100 Elektrogeräte auf, bei denen das der Fall ist.
Roland ist anders als die anderen: Er ist befähigt, den Akku seines iPhones austauschen. Das ist durchaus nicht selbstverständlich: Ausgerechnet bei den hippen und teuren Smartphones kann man nicht einfach den Deckel des Gehäuses abheben, um flugs selbst mit zwei linken Händen einen kaputten oder leeren Akku durch einen heilen und vollen zu ersetzen. »Na ja, prinzipiell geht Akkutausch auch beim iPhone«, sagt Roland, grinst und verweist auf die Webseite ifixit.com, deren Macher vor zwei Jahren eine »Reparatur-Revolution« von unten ausriefen.

Natürlich wissen sie auch, wie man beim iPhone 3 eine neue Batterie – Achtung: – nicht einsetzt, sondern »installiert«. Man nehme: den Schraubenzieher einer bestimmten Marke für besonders kleine Schrauben, einen speziellen kleinen Saugnapf, der besonders geeignet ist, um iPhones und andere Apple-Geräte zu öffnen (Durchmesser: exakt 44 mm), man nehme ferner einen dieser Stifte, mit denen man besonders gut auf Touch-Screens schreiben kann (»Spudger«) und schließlich ein »iPhone SIM Card Eject Tool«, ein Werkzeug, das aussieht wie ein Zungenschaber mit Sollbruchstelle und dessen Name sich am ehesten mit »iPhone SIM-Karten-Auswerf-Instrument« übersetzen lässt.

Was dann zu tun ist, können Sie in diesem Video sehen

»Als vor ein paar Jahren mein iPhone-Display kaputt ging, habe ich den Akku nach dieser Methode gleich mit ausgetauscht«, erinnert sich Roland, dem dabei zum Vorteil gereichte, dass er einst den Beruf des Elektrikers erlernte. Bei den neueren Modellen mache es Apple den Bastlern unter seinen Kunden schwerer: »Das iPhone 4 wird von Spezialschrauben zusammengehalten, die aussehen wie ein Stern mit runden Ecken«. Natürlich weiß ifixit.com auch dafür eine Lösung. Ermöglicht die Bestellung des Spezialschbraubers. Doch für Normalsterbliche gilt immer häufiger das Motto »Akku kaputt, Gerät Schrott«.

Kurzlebige Produkte dank eingebautem Verfallsdatum

»Akku kaputt, Gerät Schrott«, so fasst Stefan Schridde ein Phänomen zusammen, das er »Akkuskandal« nennt. Fest eingebaute Akkus würden die Nutzungszeit eines Produktes begrenzen – und zwar auf die Nutzungsdauer des Akkus. Geht der kaputt, kann er nicht ausgetauscht werden. Also kriegt das Gerät keinen Saft mehr. »Das ist ein klarer Beleg für geplante Obsoleszenz«, ärgert sich Schridde. Geplante Obsoleszenz ist das »eingeplante rasche Unbrauchbarwerden von Produkten zwecks Umsatzbelebung« – so sah es der Schriftsteller Norman Mailer bereits Ende der 1960er-Jahre.

Und das Unbrauchbarmachen durch kaputte Akkus ist durchaus kein Ausnahmefall. 100 Geräte listet Schridde, der seit Februar die Kampagnen-Webseite »Murks? Nein, danke!« betreibt, auf. Smartphones, MP3-Player, Rasierer und Zahnbürsten – sie alle sind zu entsorgen, wenn der Akku es nicht mehr tut.

Und das gilt nicht für Geräte aus dem Ramschladen. Nein, die Herstellernamen sind illuster: Von A wie Apple und B wie Braun (einst ein klangvoller Name, der für Spitzendesign stand!) über Falk, Garmin, HP, Nokia, Phillips, Samsung und Sony und TomTom bis Z wie Creative Zen.

Doch mit 100 Produkten ist die Liste noch lange nicht vollständig – Schridde ruft dazu auf, weitere Produkte zu melden. Er hat zudem eine Petition gestartet (»AKKU-Austauschbarkeit sicherstellen«) und wirbt um Unterschriften.

Behörden bleiben untätig – trotz klarer Regelung

»Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten, deren Akkus während der Nutzung nicht problemlos und kostenfrei entnommen werden können, verletzen geltendes Recht«, glaubt Schridde. Also dürften die Produkte eigentlich nicht in Verkehr gebracht werden. Doch blieben Politik, Hersteller und Behörden untätig.

So würden aber die Interessen der Käufer und der Umwelt grob fahrlässig missachtet. Und Elektroschrott im Übermaß und ohne notwendiges Erfordernis immer stärker aufgehäuft. Zwar gebe es kein Gesetz, das verbietet, schlechte Qualität zu verkaufen. Doch immerhin sei da der §4 des Elektro- und Elektorgeräte-Gesetzes, in dem es heißt: »Elektro- und Elektronikgeräte, die vollständig oder teilweise mit Batterien oder Akkumulatoren betrieben werden können, sind so zu gestalten, dass eine problemlose Entnehmbarkeit der Batterien und Akkumulatoren sichergestellt ist.«

Das klingt eindeutigt, hat aber praktisch offenbar keine Konsequenzen: »Immer mehr Hersteller gehen dazu über, die Nutzungsdauer ihre Produkte an die Lebensdauer fest verbauter Akkus zu binden«, moniert Stefan Schridde.