29.10.2012

Sex sells - Blank ziehen für Menschenrechte

Protest gegen mangelnde Berichterstattung über das Refugee Camp

Trotz eisiger Temperaturen protestieren seit dem 24. Oktober Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor gegen die deutsche Asylpolitik. Um die Aufmerksamkeit der Medien auf die Situation der Flüchtlinge zu lenken, setzen Aktivist_innen auf den Sexismus der Medien.
(nd). Unter dem Motto »Sex sells« haben am Montag am Brandenburger Tor in Berlin mehrere Aktivist_innen gegen die mangelnde Berichterstattung der Medien über das Refugee Camp protestiert. Wie Laura Dornheim, eine der Initiatorinnen der Protestaktion auf dem Blog tits4humanrights.wordpress.com schreibt, wird das Refugee Camp von den Medien bisher weitestgehend ignoriert. Neben der 28-jährigen Piratenpolitikerin zählen unter anderem auch Unternehmerin Anke Domscheit-Berg und Julia Schramm (Piraten) zu den Initiatorinnen der Protestaktion.

Dornheim hat Journalisten per Twitter gebeten, über die Hungerstreikenden am Brandenburger Tor zu berichten. Nachdem ein Journalist der BILD sich jedoch hauptsächlich dafür interessierte, ob der umstrittene politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader, auch vor Ort sei, bot ihm die Aktivistin an, sich oben ohne hinzustellen, um die Aufmerksamkeit auf die Protestierenden zu lenken. Die Antwort des Journalisten: »Wenn Du das wirklich machst, schnapp ich mir jetzt nen Fotografen und komme sofort. Deal?«

»Es braucht Titten«

Anstatt das Angebot der BILD-Zeitung abzulehnen, bot Dornheim zum Schein an, gemeinsam mit anderen Aktivistinnen blank zu ziehen, um »Presse und notwendige Aufmerksamkeit für das Camp und die Forderungen der Hungerstreikenden« zu generieren. Diese Aktion hat sie mit den Flüchtlingen abgesprochen. Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass sich niemand ausziehen würde. »Als ob ich als vernunftbegabter Mensch tatsächlich derartige »Deals« mit der BILD machen würde« kommentierte Dornheim ihr nicht ernst gemeintes Angebot.
»Es gilt noch immer: Sex sells«, so Dornheim. Gemeinsam mit anderen Aktivist_innen stellte sie klar, dass sie das Zeigen von Brüsten für keine adäquate Protestform halten, um auf die Anliegen der Flüchtlinge hinzuweisen.

Refugee Camp von Räumung bedroht

Seit dem 24. Oktober harren trotz eisiger Temperaturen Flüchtlinge im Refugee Camp aus, um gegen Bedingungen für Asylsuchende zu protestieren. Trotz zahlreicher Schikanen durch die Polizei, die mehrfach bei Minusgraden Decken, Isomatten und Schlafsäcke der Aktivisten eingezogen hatte und gegen die 14 Hungerstreikenden mit immer neuen Auflagen vorgeht, waren am Montagmorgen weiterhin rund 20 Aktivisten und viele Unterstützer vor Ort. Allerdings drohte nach Auskunft von Beobachtern mehrfach die Räumung.

Die Polizei habe alles untersagt, »was zum Campen geeignet ist«, heißt es von vor Ort. Selbst Taschen müssten die vom Hungerstreik geschwächten in die Hand nehmen, da sie nicht als »Unterlage« auf dem Boden liegen dürften. In einer Verfügung heißt es unter anderem, es sei alles untersagt, das »dem Witterungsschutz, dem Sitzen, dem Liegen oder in sonstiger Weise der Bequemlichkeit von Versammlungsteilnehmern dient«.

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