Thomas Guthmann (Bolivien) und Jutta Blume (Honduras) 24.11.2012 / Wochennd

Die eigene Stimme erheben

Antennen auf dem Land mit großer gesellschaftlicher Bedeutung: Ein Besuch bei Gemeinderadios in Bolivien und Honduras

Freie Radios in Bewegung: In Lateinamerika sind freie, kommunale Radios ein wichtiges Instrument für Gemeinden und soziale Bewegungen zur Übermittlung von Informationen und politischen Meinungsbildung. Auch in vielen bundesdeutschen Städten existieren Freie Radios als Teil der Gegenöffentlichkeit. Das Internet hat die Möglichkeiten erweitert. nd-Autoren berichten über Radios aus Bolivien und Honduras.

Bolivien: Von Thomas GuthmannDer Titicaca-See liegt nur gut zwei Autostunden von der Millionenstadt El Alto entfernt. Trotz der Nähe zum größten Ballungsgebiet Boliviens macht die Gegend bereits einen ländlichen Eindruck, bevor man El Alto verlässt. Die Stadt fließt ins Land über. Man taucht langsam vom urbanen Raum in die Kargheit des Hochlands ein. Die 4000 Meter hoch gelegene Ebene, das Altiplano, erscheint versteppt und fast menschenleer. Am frühen Morgen habe ich mich Richtung Titicaca-See aufgemacht, um kleine Gemeinderadios, von denen es in Bolivien Hunderte gibt, zu besuchen. Die Suche führt mich von Ort zu Ort. Mal klopfe ich an Klinkerbauten, mal an Lehmhäuschen. Zumeist sind die Stationen mit Metalltüren verrammelt. Auf den Häusern sieht man Holzpfähle, an denen die Antenne festgeklebt ist. Sie sind oft das einzige Zeichen, dass es sich hier um eine Radiostation handelt.Erst um die Mittagszeit werde ich am Ufer des Titicaca-See fündig. Radio Altitud liegt einen Steinwurf vom Ufer des größten und heiligen Sees Boliviens entfernt. Es gehört zur Gemeinde Achacachi. Hier treffe ich auf den Direktor Eduardo Mamani. Das Radio ist im Augenblick nicht auf Sendung. »Wir senden nur am Morgen drei Stunden und dann am Abend noch einmal«, erklärt mir Mamani, während er die blaue Metalltür aufschließt und mich ins Studio lotst. Ich habe Glück, dass ich ihn antreffe. Denn tagsüber ist er normalerweise auf Arbeit. Mamani betreibt in El Alto einen Buchhandel. Auf Sendung: »Die Stimme der Frau«»Viele Radios«, so fährt er fort, »werden ehrenamtlich betrieben, daher sind wir tagsüber nicht auf Sendung, sondern auf der Arbeit.« Es wird klar, warum ich bisher nie jemand angetroffen habe. Im Studio sitzt Hortensia Oynapac. Sie ist die Moderatorin bei Radio Altitud. Die junge Frau arbeitet als Fischerin. »Ich bin mehr durch Zufall zum Radio gekommen«, erzählt sie, als sie das Studio zeigt, »ein Cousin von mir arbeitete mit Don Eduardo zusammen. Aus Spaß sagte ich, lass mich doch auch moderieren.«Nach anfänglichen Bedenken zeigte der Vetter seiner Cousine, wie man Radio macht, »drei Monate schaute ich ihm über die Schulter, dann konnte ich es alleine«, fährt sie fort. Heute moderiert sie die Nachrichten und hat eine eigene Sendung, die »Die Stimme der Frau« heißt. Sie sendet in Aymara, einer Sprache, die um den See weit verbreitet ist.Radio Altitud sendet, wie die meisten Radios auf dem Land, nur für ein Dorf. »Ein Radio Comunitaria muss sich mit der Gemeinde abstimmen. Das heißt, wir müssen den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechen und uns danach richten«, meint der Direktor Mamani.

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