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Tom Strohschneider 11.12.2012 / Linksbündig

Lotse Steinbrück, Vorbild Bismarck?

„Welche Aufgabe hat eine Zeitung, die auf Beschluss eines Parteitages als ,Zentralorgan' gegründet wurde", fragt man sich beim sozialdemokratischen „Vorwärts" nach eigenen Angaben schon seit dem 1. Oktober 1876. Könnte sein, dass die Diskussionen darüber Dank der aktuellen Ausgabe noch einmal so richtig Schwung erhalten: Denn die Redaktion hat Peer Steinbrück aufs Titelbild gesetzt - in der Pose einer alten Otto von Bismarck-Karikatur. „Der Lotse geht von Bord", hatte der Londoner „Punch" 1890 zum Rücktritt des Reichskanzlers gefrotzelt. Das Bild vom Politiker als Bootsführer tauchte seither immer mal wieder auf Titelseiten auf: 1925 zum Beispiel ließ die Satirezeitschrift „Kladderadatsch" Paul von Hindenburg als Lotse das Schiff besteigen, jenen Mann, der später Hitler zum Reichskanzler ernennen sollte. Und 1982 betitelte der „Spiegel" seine Ausgabe zum Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt mit einem Lotsen, der von Bord geht. Eine Menge Geschichte in einem Bild, und wer diese Geschichte im Jahr 2012, für eine Titelseite zumal, wieder aufruft, konnte und musste mit Reaktionen rechnen. Die "Vorwärts"-Leser antworteten prompt: „Habt ihr sie eigentlich noch alle?!", kommentierte einer das Titelbild auf Facebook; „richtig daneben" habe die.

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Über diesen Blog

Linksbündig

Was die Linke ist? Sie ist auf jeden Fall viel größer als die gleichnamige Partei. Das ist gut so. Man kommt als Linker ohne Parteibuch aber auch nicht an der Partei vorbei. Was die klein und die groß geschriebenen Linken trennt und was sie verbindet, wo die Grenzen emanzipatorischer Politik liegen und welche Versuche es gibt, diese zu überwinden – davon soll dieses Blog handeln.

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  • Tom Strohschneider

    Tom Strohschneider, Jahrgang 1974, ist nd-Chefredakteur. Nach einem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie kam er mehr zufällig zum Journalismus. Er arbeitete unter anderem bei der Wochenzeitung "Der Freitag" und bei der "taz". Er denkt gern über die gesellschaftliche Linke nach, bloggt unter anderem "Linksbündig" und wartet stets vergeblich auf ein Rezensionsexemplar des jeweils neuesten 3D-Druckers. Strohschneider liest gern Dath und hat aus "South Park" und "Die Simpsons" mehr gelernt als aus vielen Sachbüchern. Selbst schreibt er auch manchmal welche. Zuletzt erschienen von ihm: "Linke Mehrheit?" über Möglichkeiten und Grenzen von Rot-Rot-Grün sowie “What's left?” über Europas Linke, den Rechtsruck und einen sozialistischen Kompromiss. Beide erschienen bei VSA.

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