Von Ingolf Bossenz
17.12.2012

Grausames Kalkül

Standpunkt von Ingolf Bossenz

Leben wir in einer Welt der ewigen Wiederkehr des Gleichen, wie sie Friedrich Nietzsche beschrieb? Eines Gleichen, das gleichwohl stets schlimmer wird? Mit dem Namen Newtown ist fortan die Erinnerung an das schrecklichste Schulmassaker der US-Nachkriegsgeschichte verbunden - bis zum nächsten, noch schrecklicheren? Verstreicht bis dahin genügend Zeit, ist die Debatte um die Ursachen lange verebbt. Werteverfall, Egoismus, Vereinzelung, Gewaltverherrlichung, soziale Kälte, psychische Verrohung. Die bekannten Ingredienzen werden das Unerklärliche auch diesmal nicht befriedigend erklären.

Doch selbst, wenn Tatanalyse und Motivsuche erfolgreich sein sollten - es wird weiterhin Menschen geben, die entschlossen sind, ihrem Leben mit der Vernichtung anderer Leben einen makabren Höhe- und meist auch Endpunkt zu setzen. Fatalerweise stehen solchen Menschen, namentlich in den USA, immer wieder die wirksamsten Werkzeuge für ihren Vernichtungswahn zur Verfügung: Schusswaffen. Befürworter schärferer Waffengesetze sehen nach Newtown Hoffnung für ihre Forderungen. Das Wort Hoffnung mag in diesem Kontext gespenstisch klingen. Wahrhaft gespenstisch sind indes Versuche seitens der US-Waffenlobby, das Waffenverbot an Schulen zu kippen: Dann könnten Lehrer (und Schüler?) nämlich zurückschießen. »Grausamkeit empört, Dummheit entmutigt«, schrieb Albert Camus. Leider ist es nicht nur Dummheit, sondern Kalkül, grausames Kalkül.

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