Ines Wallrodt 22.12.2012 /

Vermittelte Gefühle

Immer mehr Menschen suchen einen Partner über das Internet - das könnte unser Verständnis von Liebe verändern

Eigentlich hatte ihr ein anderer zuerst besser gefallen. Der sah gut aus auf dem Foto und sonst klang auch alles vielversprechend. Doch als sie sich in Berlin am Ostkreuz trafen, wusste sie schon im ersten Moment, das wird nichts. Deshalb kam Katja* noch mal auf Stefan*. Der war ihr auch vorgeschlagen worden von der Internet-Singlebörse. »Sein Foto war schrecklich, aber es gab viele Übereinstimmungen.« Die Liebe zu Motorrädern, der Musikgeschmack, der Familienwunsch und er wohnte sogar wie sie in Lichtenberg, fast um die Ecke. Da hat sie sich gesagt: Der mit dem schönen Bild war ein Reinfall, versuche ich es jetzt doch mal anders herum. Und das war eine gute Entscheidung. Seit zwei Jahren sind der IT-Kundenberater und die Sozialarbeiterin ein Paar.Vielleicht sind sie sich sogar schon über den Weg gelaufen, wer weiß, bemerkt haben sie sich jedenfalls nicht und auf den glücklichen Zufall in der S-Bahn oder im Freundeskreis warten wollten sie auch nicht mehr. Sie sind deshalb über das Internet gezielt auf die Suche gegangen. Zwei von über sieben Millionen Deutschen, die sich jeden Monat auf Partnerbörsen tummeln. Nicht alle suchen einen festen Partner, manche auch nur flüchtigen Sex oder eine lustige Partybegleitung. Für jeden Geschmack gibt es etwas: ein Portal für Senioren, eines für Akademiker, für Hobbyköche und Hundeliebhaber, für Schwule, Christen, Heavy-Metal-Fans oder auch für »sozial und ökologisch denkende Menschen aus dem links-alternativen Spektrum«.Stefan hat ziemlich lange gesucht, mehr als fünf Jahre. Dem 42-Jährigen war es am Anfang peinlich. »Haste das wirklich nötig«, dachte er sich damals. Katja, die neun Jahre jünger ist, hatte dagegen gar kein Problem. »Viele in meinem Bekanntenkreis machen das«, wusste sie, als sie sich im Sommer 2010 bei der Agentur anmeldete. Das Image von Internet-Partnerbörsen hat sich erst seit Kurzem verbessert, das könnte ein Grund für den Unterschied sein. Als die ersten Online-Dating-Seiten vor zehn Jahren starteten, war Stefans Meinung verbreitet: Das machen doch nur die, die im echten Leben niemanden abkriegen. »Dieser Ruf hat sich komplett gewandelt«, erklärt Pamela Moucha vom Portal Singleboersen-Vergleich.de. Das ist nichts mehr, was man erst spät verschämt in einem Gespräch offenbart. »Partnerbörsen sind salonfähig geworden.«Anders als noch vor ein oder zwei Generationen gibt es immer mehr Singles über 30. Sei es, weil sie vorher keine Lust auf eine feste Bindung hatten oder weil sie sich eben wieder getrennt haben. Das Problem: Nach der Ausbildungsphase lernt man plötzlich viel weniger Menschen kennen. Man hat einen festen Freundeskreis, sieht täglich dieselben Kollegen und wenn da keiner in Frage kommt, werden die Flirtgelegenheiten rar. Neben der Arbeit bleibt wenig Zeit für Sportverein, Kneipe, Club. Wenn man dann auch noch schüchtern ist, kann es schon passieren, dass aus einem Single-Jahr schnell zwei, drei oder fünf werden. Stefan, der beruflich viel unterwegs ist und dann auch noch in einer Männerdomäne, weiß: Je länger man allein ist, desto kleiner wird das Selbstvertrauen. »Da war das Online-Dating der praktischste Weg.«Das Internet macht die Partnersuche einfach: Man kann gemütlich im Schlabberpulli zu Hause vor dem Rechner sitzen und die Kandidaten sogar zusammen mit einer Freundin begutachten.

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