24.12.2012

Gysi verlangt Lohnoffensive im kommenden Jahr

Wirtschaftsweiser Franz will Tarifabschlüsse unter 2 Prozent - DIW-Chef Wagner für vier Prozent und mehr

Berlin (nd). Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hat „einen endgültigen Abschied von der deutschen Niedriglohnpolitik" gefordert. „2013 muss das Jahr der Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns und einer nachhaltigen Lohnoffensive in Deutschland werden", sagte Gysi am Heiligabend in Berlin. Dies sei sowohl im Interesse der Arbeitnehmer in Deutschland als auch wichtig im Kampf gegen die Euro-Krise. Nur mit einer durch Kaufkraft gestärkten Binnenwirtschaft könne sich die Bundesrepublik gegen den Exportrückgang wappnen. Dieser wiederum sei nötig, um den „maßgeblich für die Krise verantwortlichen wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa abzubauen", sagte der Linkspartei-Politiker.

Zuvor war der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, in der „Rheinischen Post" auf die Lohnbremse getreten. „Der Sachverständigenrat geht für das nächste Jahr von einem Produktivitätsfortschritt in Höhe von 0,6 Prozent aus und erwartet eine Preissteigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent", sagte der Ökonom. „Der gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum beträgt also rund 2 Prozent." Diesen sollten Gewerkschaften und Unternehmen aber nicht einmal ganz ausschöpfen, was Franz als Beitrag für die Schaffung neuer Arbeitsplätze ansieht. In einzelnen Branchen könnten die Lohnsteigerungen auch „nach oben oder unten abweichen, je nachdem wie hoch der Verteilungsspielraum dort zu veranschlagen ist", so Franz.

Dagegen zitieren Medien den Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Gert Wagner, mit einem Plädoyer für deutlich höhere Tarifabschlüsse. Diese sollten 2013 „im Durchschnitt vier Prozent oder mehr" betragen, so Wagner. Dies sei „sinnvoll, um die Binnennachfrage anzukurbeln und so die extrem ausgeprägte Exportabhängigkeit zu mindern".

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken