Von Martin Ling
13.02.2013

»Robin Bank« drohen acht Jahre

In Barcelona begann der Prozess gegen den Kapitalismuskritiker Enric Duran

In Barcelona läuft seit Dienstag der Prozess gegen den Kapitalismuskritiker Enric Duran. Sein Vergehen: Umverteilung von Krediten in Höhe von 492 000 Euro von Banken in soziale Projekte. Sein Mittel: gefälschte Sicherheiten. Dafür fordern die Staatsanwaltschaft und die Banken acht Jahre.

Angst vor dem Prozess hat Enric Duran nicht. »Wir machen kraftvoll weiter«, versichert Duran gegenüber »nd«. Mehr Zeit zur Vorbereitung hätte er jedoch gerne gehabt. Deswegen hatte er noch am Montag per Eingabe beim Gericht erneut versucht, eine Verschiebung zu bewirken. Erfolglos, obwohl seine Argumente stichhaltig sind: Statt wie üblich mindestens drei Monate vorher über den Prozessbeginn unterrichtet zu werden, geschah dies bei Enric Duran lediglich drei Wochen davor, und das per Zufall.

Als Duran Ende Januar beim Provinzgericht in Barcelona vorstellig wurde, um ein Schreiben abzuholen, teilte ihm eine freundliche Mitarbeiterin Fakten mit, die ihm längst bekannt sein hätten müssen: unter anderem die für den 12. Februar geplante Einberufung des Verfahrens. Seinen Anwalt, der weder erklären konnte, warum die per Bürobote zugestellten Schreiben nicht ankamen noch warum er selbst trotz Kenntnis um die Sachlage von Oktober bis Ende Januar keinen Anruf unternommen hatte, entband Duran daraufhin vier Tage vor dem Verfahren von seinen Diensten.

Das Gericht lehnte eine Verschiebung des Prozesses ebenso ab wie die Demission des Anwalts von Duran, die der Advokat selbst dem Gericht unterbreitet hatte. Zudem hat es sämtliche 23 Zeugen der Verteidigung abgelehnt, während alle 15 Zeugen der Anklage bewilligt wurden. Der Hintergrund: Durans Zeugen sind Kapitalismuskritiker, die die Banken und das Geldsystem im Prozess als wahre Übeltäter präsentieren wollten.

Bei der Suche nach dem Maximalprofit drängen Banken ihren Kunden leichtfertig ohne eingehende Prüfung Kredite geradezu auf und manövrieren viele in die Schuldenfalle - auch wenn Durans Fall selbst anders liegt.

Bereits 2005 - lange vor der Finanzkrise - sann Duran über einen systemrelevanten Angriff auf die Banken nach und setzte ihn in die Tat um. Mit fingierten Unterlagen, darunter eine gefälschte Einkommensbescheinigung, erleichterte er 39 Banken und Kaufhäuser um insgesamt 492 000 Euro, was ihm den Beinamen Robin Hood der Banken einbrachte. Das Geld floss in finanzschwache linke Projekte und antikapitalistische Gratispublikationen, in denen neben Systemkritik auch Selbstverwaltungsinitiativen vorgestellt wurden. Dazu gehört die Cooperativa Integral Catalana (CIC), die Duran seit dem Frühjahr 2010 mit seinen Mitstreitern aufbaut. Dort werden die Geldbeziehungen Schritt für Schritt durch freiwillige soziale Vereinbarungen ersetzt.

Die Umstände des Prozesses beschreibt Duran als »Justizfarce«. Er blieb ihr zum Auftakt als Akt des zivilen Ungehorsams fern. 20 000 Menschen haben im Internet einen Freispruch gefordert. Die Staatsanwaltschaft fordert seine Verhaftung.

Bisher hat 1 Leser diesen Artikel in seiner Favoritenliste empfohlen.