Von Fabian Köhler
14.02.2013

++Livebericht: Dresden nazifrei?++

4 000 Demonstranten verhindern Naziaufmarsch

12 000 Menschen gedachten am Mittwoch in Dresden der Opfer des Nationalsozialismus sowie heutiger Opfer rechter Gewalt. Bis zu 4 000 Demonstranten stellten sich außerdem Hunderten Neonazis in den Weg. Diese erlebten ein einziges Desaster.

21:17 Gute Nacht! "Dresden Nazifrei" zieht Bilanz. Unser Korrespondent Hendrik Lasch hat seinen Abschlussbericht geschickt.. Die ersten Nazis steigen in die Züge am Hauptbahnof. Alles sind zufrieden, außer die Nazis. Ein guter Anlass, den Ticker zu beenden. Danke fürs Lesen, gute Nacht und vor allem den engagierten Blockierern in Dresden eine gute und sichere Heimreise!

21:00 Schluss! Offiziell ist jetzt Schluss. D.h. bis jetzt ist die Nazi-Demo angemeldet. Aber auch das tatsächliche Ende wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dresden Nazifrei hat sogar schon vor zehn Minuten Bilanz gezogen. Sprecher Silvio Lang:

"Wenn sich die Zahl von 600-800 Nazis bestätigt, haben wir einen weiteren Erfolg erzielen können. Denn somit wären nochmal deutlich weniger Nazis nach Dresden gekommen, als erwartet. Dem entgehen standen mehr als 3 000 Teilnehmer_innen beim Täterspurenmahngang und im weiteren Verlauf bis zu 4 000 Gegendemonstrant_innen an verschiedenen Blockadepunkten und im Nachgang der Menschenkette. Das ist deutlich mehr als wir im Vorfeld erwartet haben und zeigt, dass eine breite Masse der Bevölkerung genug von Nazidemos in der Stadt hat und über Symbolpolitik hinaus aktiv sein will."

20:53 Doch noch so etwas wie eine Nazi-Kundgebung Am Lennéplatz veranstalten Neonazis eine kleine Ersatzkundgebung. Fackeln brennen. Ein Redner schreit irgendwas. Ignoriert man das, verlief der Tag äußerst erfolgreich. Der Veranstalter sprach von 4 000 Blockierern, die es den Neonazis von Beginn an unmöglich machten, sich zu versammeln - geschweige denn zu marschieren. Ist eigentlich bekannt, ob sich ein Enkel von Kurz Biedenkopf unter den Demonstranten befindet?

20:35 Aufgeheizte Stimmung unter Neonazis Der Demonstrant Uwe Adler berichtet uns, dass Nazis am Hauptbahnhof mit Gegenstände auf Demonstranten werfen. Die Nazis sind in der Bahnhofsunterführung durch Gegendemonstranten eingekesselt. Die Polizei steht mittlerweile mit mehreren Reihe zwischen den Nazis. Soeben ist außerdem via Lautsprecher verkündet worden, dass die Nazi-Demo nur bis 21.00 Uhr angekündigt sei. Möglicherweise wird die Polizei die Neonazis langsam in den Bahnhof zurückdrängen.

20:20 Stellungskrieg am Hauptbahnhof Die Lage bleibt seit längerer Zeit unverändert. Unter den Demonstranten kursieren Gerüchte von Ausbruchsversuchen der Neonazis. Unser Korrespondent Hendrik Lasch konnte dies allerdings nicht bestätigen. Am Bahnhof zieht die Polizei immer weiter Kräfte zusammen. Wohin das führen soll, weiß niemand. Die Lage der wenigen Hundert Nazis ist sowieso aussichtslos. Eine Grünen-Politikerin, von der wir annehmen, dass sie lieber nicht namentlich genannt werden will, sprach vom "Stellungskrieg wie im Ersten Weltkrieg".

20:00 Holger Apfel im Kessel Noch einige Ergänzungen von unserem Korrespondenten Hendrik Lasch: Seinen Angaben zufolge sind mindestens 200 Neonazis am Hauptbahnhof durch Demonstranten eingekesselt. Eine zweite Gruppe von ca. 400 Neonazis steht in der Parkstraße 1500 Demonstranten gegenüber. Erfreuliches gibt es auch über die NPD-Führungsriege zu berichten. Mehrere Funktionäre, unter ihnen NPD-Bundesvorsitzender Holger Apfel, befinden sich im Polizeikessel Mathildenstraße, Ecke Tillnitzerstraße. Es scheint unmöglich, dass heute noch irgendwo in Dresden eine relevante Nazi-Kundgebung stattfindet.

19:50 Blockaden überall in der Stadt Leider musste unsere Livebericht eine Stunde lang aussetzen. In der Zwischenzeit ereignete sich allerdings viel Erfreuliches: Etwa 1500 Demonstranten blockieren momentan an der Dresdner Parkstraße den Weg der Neonazis. Diese befinden sich immer noch am Hauptbahnhof. Ca. 600 Demonstranten schneiden ihnen dort den Weg nach Norden ab.

18:30 Unübersichtliche Lage Am Hauptbahnhof ist es offenbar zu Angriffen von Neonazis auf Gegendemonstranten und Journalisten gekommen. Die Lage ist unübersichtlich, von vor Ort gibt es unterschiedliche Meldungen über Twitter. Rund 300 Leute versuchen, die Rechtsextremen, die sich gen Norden bewegen, zu blockieren.

18:20 Nazis marschieren los Am Hauptbahnhof haben sich unterschiedlichen Berichten von vor Ort zufolge zwischen 600 und knapp 1000 Neonazis in Bewegung gesetzt. Die Bundestagsabgeordnete der Grüne, Monika Lazar twitterte: "Ein Scheißgefühl wenn die Nazis am Hauptbahnhof direkt an einem vorbei laufen."

18:10 Trennlinie vor dem Rathaus Vor dem Dresdner Rathaus hat die Polizei angekündigt, auf einer vierspurigen Straße eine Trennlinie zu ziehen - auf der einen Seite sollen die Rechtsextremen marschieren, auf der anderen soll in Hör- und Sichtweite dagegen demonstriert werden dürfen. Die Beamten bitten darum, "die Trennlinie zu beachten".

18:05 Menschenkette geschlossen Unter Glockengeläut hat sich am Abend die Menschenkette in Dresden geschlossen. Schätzungen zufolge haben sich rund 12 000 Leute daran beteiligt. Detail am Rande: Auf der Augustusbrücke steht Sachsens Ministerpräsident Stanislw Tillich – nur zehn Meter von Antifaschisten entfernt, die die Fahne der VVN tragen, mit der ein Berliner Aktivist 2011 angeblich die Blockaden dirigiert haben soll.

17:50 Ruf zur Trümmerfrau Während zahlreiche Dresdnerinnen und Dresdner die Menschenkette bilden, rufen Aktivisten von "Dresden Nazifrei" die Teilnehmer dazu auf, danach zur Trümmerfrau vor dem Rathaus zu kommen. Dort ist offenbar eine Kundgebung angemeldet - sie liegt auf einer der potenziellen Routen der Neonazis vom Hauptbahnhof aus.

17:35 130 Nazis am Hauptbahnhof Von vor Ort erhalten wir die Meldung, dass derzeit rund 130 Rechtsextreme an der Südseite des Hauptbahnhofs stehen. die Polizei vor Ort rechnet nun damit, dass zwischen 700 und 1000 Neonazis dort eintreffen. Danach sollen sie von der Polizei eskortiert geschlossen zu ihrer Kundgebung geleitet werden.

17:15 Orosz lobt Schutzschild Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz hat zum Auftakt einer Kundgebung vor dem Rathaus die Menschenkette als „Schutzschild“ bezeichnet, berichtet nd-Korrespondent Hendrik Lasch. Mit der Aktion werde gezeigt, „dass Dresdens Straßen und Geschichte den Bürgern gehören und nicht den braunen Enkeln und Ur-Enkeln der Brandstifter von einst", so die CDU-Politikerin. Derweil verweist das Bündnis "Dresden Nazifrei" darauf, alle drei Blockadepunkte (Güntzplatz, Güntzstr./Pirnaische Str. und Straßburger Platz) mit ausreichend Menschen zu besetzen. Es sei "immernoch nicht klar wo die Nazis später" auftauchen würden.

16:50 Erste Nazis am Hauptbahnhof An der Südseite des Hauptbahnhofs sind die ersten Neonazis gesichtet worden. Dort hätten sich rund 14 Rechtsextreme eingefunden, wird via Twitter berichtet.

16:30 Noch mehr Blockaden Dresden Nazifrei meldet, dass die Güntzstraße erfolgreich blockiert wurde.

16:10 Erste Blockaden Knapp eineinhalb Stunden vor der Ankunft der Neonazis haben Demonstranten die ersten Blockaden errichtet. 200 Aktivisten besetzen seit einigen Minuten den Sachsenplatz. Dort sollte um 18 Uhr die Auftaktkundgebung der Nazis stattfinden. An der Güntzstraße ging die Polizei mit Pfefferspray gegen Demonstranten vor. Ca. 100 Demonstranten soll es gelungen sein, die Absperrungen zu umgehen.

15:39 Never Forget Das Infotelefon des Veranstalters klärt auf: Die Nazis kommen wahrscheinlich ab 17.30 Uhr am Hauptbahnhof an und werden dann in Kleingruppen zum Sachsenplatz geleitet. Am Rande des Gedenkrundgangs läuft übrigens immer mal Take That. Auch deren Fans trauerten, als sich die Band an einem 13. Februar auflöste. "Dieses traumatische Ereignis wiegt schwer für eine ganze Generation. Doch für ihr Gedenken war nie Platz. Stattdessen wird der Tag seit Jahren von Nazis und Bürgern vereinnahmt, um der Opfer des alliierten Luftschlags 1945 zu gedenken", lautet der Beitrag der Jungle World zum Thema Opfermythos.

15:12 Entspannte Polizeipanzer Wo wir gerade bei Nazis sind: "Die Seele brennt" hat das rechte "Aktionsbündnis gegen das Vergessen" ihre Demo, die um 18 Uhr starten soll, genannt. Der sächsische NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel trommelte zuletzt noch einmal für den Aufmarsch: "Den antideutschen Nestbeschmutzern darf nicht die Straße überlassen werden." Polizeipräsident Dieter Kroll rechnet allerdings mit einem gewaltfreien Einsatz: „Wir gehen von einem deutlich entspannteren Einsatz in diesem Jahr aus.“ Für wen sind dann wohl Wasserwerfer, Räumpanzer und Reiterstaffeln, die in der Stadt umher fahren?

14:59 Nazis zum Sachsenplatz Unserem Korrespondenten Hendrik Lasch zufolge, verdichten sich die Hinweise, dass sich die Nazis nicht wie geplant um 17.30 am Hauptbahnhof treffen. Stattdessen baue die Polizei am Sachsenplatz immer mehr Gitter auf. Außerdem werden am gleichen Ort gerade Zelte, die üblicherweise für Personenkontrollen genutzt werden, errichtet

14:36 Aufatmen in der Bombennacht Stieß gerade auf der Dresden Nazifrei-Seite auf folgendes Zitat. Mit eindringlicheren Worten kann man den Opfermythos wohl kaum dekonstruieren:

"Den Bomben die in jener denkwürdigen Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 die Stadt Dresden den Erdboden gleichmachten, verdanke ich mein Überleben. Was alles musste passiert sein, dass ein Mensch im Angesicht des verheerendsten Untergangs, den eine deutsche Stadt je erlebte, innerlich aufatmen konnte?"
14:28 Polizei geht gegen Teestand vor Der Täterspuren-Rundgang ist am Hygienemuseum angekommen, ein Redner informiert dort über Rassenhigiene und Eugenik der Nazis. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hat die Bundestagsfraktion der Linken einen Teestand aufgebaut. Ein weiterer Teestand vor dem Gefängnis in der Mathildenstraße wurde von der Polizei verboten.
14:13 Täterspuren Die Gedenkdemo ist weiter in Richtung Pirnaische Vorstadt unterwegs. Ihr Slogan ist übrigens "Täterspuren suchen statt Opfermythen pflegen". Erinnert werden soll daran, dass Dresden nicht nur Opfer von Angriffen wurde, sondern wichtiger Stützpunkt für den NS-Terror war. Der Rundgang führt vorbei an Gestapo-Gefängnissen, ehemaligen NSDPA-Einrichtungen und Fabriken, die Zwangsarbeiter beschäftigten.

13:45 Wo sind eigentlich die Nazis? Unser Korrespondent Hendrik Lasch ist der Frage einmal nachgegangen. Zwei Möglichkeiten deuten sich ab: Viele Nazis scheinen für ein Treffen am Hauptbahnhof zu mobilisieren. Dafür spricht auch, dass die Polizei dort massiv Gitter aufgebaut hat. Aber auch der Sachsenplatz ist voller Polizisten. Der Ort wäre besonders pikant: Hier steht das Gericht, an dem Tim H. verknackt wurde (s.unten). Auch Marwa El-Sherbini wurde hier ermordet. Unser Dresden-Korrespondent Hendrik Lasch hatte den Mord damals kommentiert. Ein paar hundert Meter entfernt liegt außerdem ein Flüchtlingswohnheim, vor dem die NPD unlängst demonstrierte.

13:34 Mehr als erwartet Schon eine halbe Stunde nach Beginn des Gedenkmarsches liegt die Teilnehmerzahl mit 3000 über den Erwartungen. Unser Korrespondent Hendrik Lasch berichtet, dass viele Demonstranten Megafone aus Pappe sowie Sprechblasen mit sich tragen. "Kommt nach vorne" steht dort drauf. Genau für jenen Aufruf wurde der Dresdner Antifaschist Tim H. jüngst vor einem Dresdner Gericht zu einer Strafe von 22 Monate ohne Bewährung verurteilt. Unser Blogger Markus Mohr hat darüber etwas geschrieben.

13:21 Kipping & König Kurzer Nachtrag dazu, wer auch noch dabei ist: Der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter, die Linke-Vorsitzende Katja Kipping und der Jenaer-Stadtjugendpfarrer Lothar König. Gegen Letzteren läuft zurzeit noch ein Ermittlungsverfahren wegen der Beteiligung am letzjährigen Dresden Nazifrei.

13:10 "Neonazis müssen sich warm anziehen" Ganz vorn am Gedenkzug läuft der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mayzek. Er hielt soeben auch die erste Rede: "Neonazis müssen sich nicht nur wegen der Kälte warm anziehen", sagte er vor dem Dresdner Hauptbahnhof. Man gedenke heute nicht nur der Dresdner Opfer der Bombardierung, sondern auch aller Opfer von Neonazis.

13:00 1 000 Mahngänger Am Dresdner Hauptbahnhof setzt sich gerade der "Mahngang Täterspuren" in Bewegung. Treffpunkt war der Platz, an dem einst die Gestapo-Zentrale stand. In dieser wurde die Deportiertung der Dresdner Juden geplant.

12:50 Worum geht’s? In der Nacht vom 13. Zum 14. Februar 1945 bombardierte die britische und amerikanische Luftwaffe Dresden. Der 13. Februar gilt seitdem als Gedenktag an die Opfer. Darauf aufmerksam wurden 1998 auch Neonazis. Bis zu 6 500 von ihnen marschierten in den vergangen Jahren in Dresden auf, um unter dem Deckmantel des Gedenkens ihre Propaganda zu verbreiten.

Aber nicht nur unter Neonazis gilt Dresden als Symbol des deutschen Opfermythos und der Umkehr von Opfern und Tätern des Nationalsozialismus. Zehntausende Demonstranten wiesen in den letzten Jahren immer wieder darauf hin. Sie schafften es auch, den zwischenzeitlich größten deutschen Naziaufmarsch zurückzudrängen. Trotzdem wird auch dieses Jahr wieder mit 1 000 Nazis gerechnet. Die Polizei ist mit ca. 3 000 Einsatzkräften vor Ort.

Für uns in Dresden ist Korrespondent Hendrik Lasch. Meine Name ist Fabian Köhler. Zusammen werden wir Sie den ganzen Tag mit aktuellen Nachrichten, Hintergründen, Einschätzungen und O-Tönen versorgen.

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