Marcus Meier 30.03.2013 / Kolumnen

Polizei gegen Religionsfreie?

In Bochum sorgt die Aufführung einer Uralt-Komödie an Karfreitag für Zwist

34 Jahre hat die dogmatismus-kritische Komödie »Das Leben des Brian« mittlerweile auf dem Buckel, doch in Bochum sorgt eine für den heutigen Karfreitag geplante Aufführung des Films für einigen Wirbel. »Bochumer Atheisten provozieren mit ›Das Leben des Brian‹«, titeln an durchaus prominenter Stelle die im Ruhrpott bedeutsamen Medien der WAZ-Gruppe. Dürfen aufgeklärte Menschen in einem angeblich säkularen Land auch an jenem Tag unterhaltsame Filme aufschauen, an dem Christen in aller Welt des angeblichen Kreuzigungtodes ihres »Heilandes« gedenken? Oder wird die Polizei ausrücken, dies zu unterbinden? Mit dem Aktivisten Martin Budich, der den geplanten Filmabend als »gezielte Provokation« mitorganisiert, sprach für »nd« Marcus Meier.

Martin Budich ist Politaktivist aus Bochum und Mitbetreiber des Webportals bo-alternativ.de. Seit 25 Jahren leitet er das Ludwig Quidde Forum, eine staatlich anerkannte radikaldemokratische Weiterbildungseinrichtung

nd: Die Initiative »Religionsfrei im Revier« will heute, zwei Tage vor dem Hasenfest, jenem Tag also, der manchen gläubigen Christen als Karfreitag gilt, den Film das »Leben des Brian« der Komikertruppe Monty Python aufführen. Vorab entspann sich ein reger Briefwechsel mit diversen Behörden. Warum?

Martin Budich: Der Wortlaut des Feiertagsgesetzes NRW hatte uns zu Fragen angeregt. Dort heißt es, dass am Karfreitag »die Vorführung von Filmen, die nicht vom Kultusminister oder der von ihm bestimmten Stelle als zur Aufführung am Karfreitag geeignet anerkannt sind«, verboten ist. Da wollten wir gern wissen, welches die »bestimmte Stelle« ist und ob es einen Katalog von »geeigneten Filmen« gibt. Die Bezirksregierung hat uns dann mitgeteilt, dass die »Freiwillige Kontrolle der Filmwirtschaft« die zuständige Zensureinrichtung sei. Korrekt heißt die Firma »Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH« (FSK). Die FSK betonte allerdings, dass sie ausschließlich Aussagen für die Filmwirtschaft treffe. Sie prüfe die Eignung für kommerzielle öffentliche Filmvorführungen. Sie treffe ausdrücklich keine Aussagen über die Eignung für private Filmvorführungen. Die Bezirksregierung hat dann wiederum verlauten lassen, dass das Kultusministerium die Feststellung zur Eignung von Filmen für alle Bereich übernehme.

Verstehe ich Sie richtig? Eine GmbH, die für die private Filmwirtschaft spricht, übernimmt für den Staat quasi-hoheitliche Aufgaben, indem sie bestimmt, welche Filme an Karfreitag aufgeführt werden dürfen. So werden die Interessen der Kirche im Jahr 2013 gewahrt?

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