Fabian Lambeck
08.06.2013

Sudan in Farbe

Als der berühmte Zoologe Alfred Brehm in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Sudan bereiste, galt das Land als Sinnbild des mysteriösen, wilden Afrikas. Der junge Brehm zeigte sich begeistert von der Gastfreundschaft der Nubier und Araber, geißelte aber auch den »schändlichen« Sklavenhandel, der schon damals das Land korrumpierte. Der Süden Sudans galt als schier unerschöpfliches Reservoir für Sklaven. Dieser organisierte Menschenraub durch europäische und arabische Sklavenjäger ist den Stämmen im Süden als »das große Verderben« in Erinnerung und noch heute Teil ihrer mündlichen Überlieferungen.

Es war der Sklavenhandel, der die Teilung des Landes in einen muslimischen Norden und einen christlich-animistischen Süden zementierte. Seit 2011 ist der Süden nun unabhängig. doch nach wie vor gibt es Scharmützel zwischen Nord und Süd. Und im Norden selbst tobt seit 2003 ein blutiger Konflikt zwischen Nomaden und Bauern. Der Darfur-Krieg ist ein Novum. Er ist einer der ersten Konflikte, die ihren Ursprung im Klimawandel haben. Durch die Verschiebung der Monsunzeiten leidet die Region unter Wassermangel. Und so kämpft man nun ums nackte Überleben, denn der fruchtbare Boden ist zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern umkämpft. Das macht Menschen zu Mördern, deren Gastfreundschaft und Güte den Besucher sonst so sprachlos machen. Man fragt sich, wie es sein kann, dass diese Menschen einander umbringen. So fern scheinen die Konflikte, wenn man das ruhige Landesinnere des Nordens bereist. Hier, wo sich der Nil durch die nubische Wüste schlängelt, dessen Wasser einen dünnen Uferstreifen zum Leben erweckt. Wo freundliche Nubier unter hohen Dattelpalmen sitzen und sehnsüchtig auf die Kühle des Abends warten.

Wo stolze Wüstenvölker wie die Bedscha oder Rashaida immer noch in Zelten leben, damit sie ihren Kamelen, Schafen und Ziegen besser folgen können. Die Tiere sind ständig auf der Suche nach dürrem Grün. Doch auch in der Wüste macht sich der Klimawandel bemerkbar. Die wenigen Regentropfen, die früher einmal fielen, bleiben immer öfter aus. Die stolzen Krieger der Bedscha, die schon der griechische Geograf Ptolemäus als Blemmyer kannte, verloren so einen Großteil ihrer Herden an einen Klimawandel, den ganz andere verursacht haben. Trotzdem tragen sie ihre Schwerter mit Stolz, auch wenn das verbliebene Vieh ihre Familien kaum noch ernähren kann.

Und wenn die in bunte Tücher gehüllten Frauen den Besucher mit einem Lächeln bedenken und die Luft erfüllt ist vom süßen Duft der Mimosenbäume, dann entfaltet das Land eine Magie, der man sich nur schwer entziehen kann.

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