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Bernd Zeller
08.06.2013
Kolumne

Bevölkerung

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Vignette: Bernd Zeller

Über die Ergebnisse der Volkszählung wundern sich anderthalb Millionen Einwohner weniger, als man geschätzt hätte, denn sie sind nicht da. Man war jahrelang von einer viel zu hohen Dunkelziffer an Volksmitgliedern ausgegangen. Dabei sind viele von den Leuten immer wieder dieselben Personen.

Die Korrektur der Bevölkerung hat nicht nur weitreichende Folgen, sondern auch kurzgreifende. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist nun noch höher als vermutet. Die Wahlbeteiligung ist doch nicht so niedrig, es gibt ja gar nicht so viele Wahlberechtigte wie geglaubt. Ebenso sind die Einschaltquoten höher, wenn man von geringeren absoluten einhundert Prozent ausgeht. Die Fernsehgebühren sind aber zu niedrig, weil man die fehlenden Haushalte ja querfinanzieren muss.

Allerdings lässt die Statistik noch mehr Deutungen zu, zum Beispiel, dass anderthalb Millionen Bürger im Untergrund wohnen. Sie könnten nicht nur eine eigene Stadt, sondern sogar verfassungsmäßig garantiert ein eigenes Bundesland gründen. Es wäre ja denkbar, das gerade dieses Bundesland die Bundesrepublik retten könnte. Die verschwundenen Menschen sind ganz offensichtlich nicht auf staatliche Zuwendungen, Behörden und EU-Richtlinien angewiesen, sie leben ohne Sozialversicherung, aber eben auch ohne Steuerlasten. Sie haben mutmaßlich ein geringes Interesse, ihre Steueroase zu offenbaren. Aber man muss es auch nicht von ihnen abhängig machen, man kann sie aufdecken. Das wäre eine schöne Aufgabe für den Verfassungsschutz, die anderthalb Millionen Versteckten in den Geltungsbereich des Grundgesetzes zurückzuführen.

Wahrscheinlicher jedoch ist, dass nichts unternommen wird und die Kanzlerin den bestehenden Zustand als Erfolg darstellt. Sie legt ein Bevölkerungsschrumpfungsprogramm vor, wegen Klimaschutzes, Kohlendioxidausstoßes, Mieten und Pflege, dann fordert sie mehr gemeinsame Anstrengungen und stellt fest, das sie 1,5 Millionen schon geschafft hat.

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