Von Olaf Standke
08.06.2013

Hacker unter sich

USA und China im Cyber-Konflikt

Wenn USA-Präsident Barack Obama an diesem Wochenende erstmals den neuen chinesischen Staatschef Xi Jinping zu Konsultationen empfängt, wird er auch die Vorwürfe zur Sprache bringen, dass Hacker aus dem Reich der Mitte gezielt Computernetzwerke des Militärs und von Firmen in den Vereinigten Staaten ausspähen. Berichte über die Verwicklung der Pekinger Regierung bereiteten Washington ernsthafte militärische Sorgen, wie es Pentagon-Chef Chuck Hagel unlängst formulierte.

Die »Washington Post« hatte einen Report des Defense Science Board an das Verteidigungsministerium öffentlich gemacht, wonach über 20 große US-amerikanische Waffensysteme – von »Patriot»-Abwehrraketen bis zu Kampfflugzeugen – durch chinesische Hacker ausspioniert worden sein sollen. Schon zuvor sorgte das Sicherheitsunternehmen Mandiant für Schlagzeilen, als es eine Eliteeinheit der chinesischen Armee für digitale Attacken direkt verantwortlich machte. Laut Ex-Geheimdienstchef Dennis Blair, der eine regierungsunabhängige Kommission leitet, sei Peking für »gut 70 Prozent« der Hackerangriffe gegen die USA verantwortlich. Datendiebstähle verursachten insgesamt einen Schaden von jährlich über 300 Milliarden Dollar.

Doch die Cyber-Spionage ist nicht einseitig. Gerade hat Huang Chengqing, Pekings oberster Beamter für Internetsicherheit, Hackern aus den USA tausendfache Angriffe auf Rechner in der Volksrepublik vorgeworfen. Es gebe Belege dafür, dass über 4000 Attacken von US-amerikanischen Servern 2,61 Millionen Großrechner in China gekapert hätten. Doch wolle man nicht pauschal die Regierung dafür verantwortlich machen. US-General Keith Alexander, Chef des Geheimdienstes NSA (National Security Agency) und des United States Cyber Command, hatte kürzlich vom Aufbau zusätzlicher »Offensivfähigkeiten« in diesem Bereich gesprochen. Allein die Mitarbeiterzahl des vor drei Jahren gegründeten Cyber Command des Pentagons mit Sitz in Fort Meade soll in den nächsten Jahren von 900 auf 4900 wachsen.

Huang forderte eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen elektronische Attacken und gab dem Pentagon einen guten Rat: Wenn man seine Rüstungsprogramme geheim halten wolle, sollte man sie nicht online zugänglich machen. Beide Seiten haben vereinbart, dass im Juli eine gemeinsame Arbeitsgruppe über Internetsicherheit und Industriespionage ihre Beratungen aufnimmt. Laut »New York Times« sei es der erste diplomatische Versuch, die Spannungen zwischen beiden Ländern abzubauen.