Von Katharina Dockhorn
08.06.2013

Kampf um das Selbstbild

Das Programm »Cine Romani« beleuchtet die Filmkunst von Sinti und Roma

Vier Worte aus der Sprache der Roma. Erst wenn sie perfekt nachgesprochen sind, haben die Besucher den »Talking Circle« von Katalin Bársony und anderen jungen Filmemachern absolviert, der Teil des Programms »Cine-Romani - Enpowering Roma Filmmakers« ist. Bis 30. Juni sind die visuellen Kunstwerke im Centrum Hungaricum in Berlin zu sehen. Außerdem gehören Workshops für die Filmemacher und eine Retrospektive von Filmen von und über Roma im Zeughaus-Kino zum Programm. Bis 22. des Monats werden neben den Klassikern »Time of the Gipsys« von Emir Kusturica, Peter Nestlers »Zigeuner sein« und Katrin Seyboldts »Wir sind Sinti-Kinder und keine Zigeuner« neue Filme aus Serbien, Rumänien und Ungarn gezeigt

Die künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Alltag der Roma sind auch ein wichtiges Lebenszeichen der Zivilgesellschaft in dem politisch nach rechts gerückten Ungarn, in dem deren Verfolgung und Ausgrenzung für Schlagzeilen sorgte. Die ungarische Regierung unterstützt das Filmprogramm. Vom Centrum Hungaricum ging vor knapp 18 Monaten auch die Initiative zur Gründung der International Roma Film Commission aus. Sie will ein Netz unter den Künstlern der zerstreuten Roma-Gemeinde aufbauen und junge Leute ermuntern, die Geschichte der Roma als Teil der europäischen zu erzählen und das heutige visuelle Bild ihres Volkes zu bestimmen. So wird Katalin Bársody im Sommer einen Workshop für Teenagerinnen aus Roma-Siedlungen anbieten, bei dem sie die Grundlagen des Geschichtenerzählens und der Technik vermittelt.

Das Bild der Roma werde von Künstlern bestimmt, die über sie berichten. Nur wenige Filmemacher haben Roma-Wurzeln. Tony Gatlif, dessen »Korkovo/Lieberté« zur Eröffnung der Filmschau lief, ist das Vorbild für die jungen Leute. Aber auch Yul Brunner wird genannt, der langjährige Präsident der Roma Organisation in den USA. Und Charly Chaplin, über den in Großbritannien spekuliert wird, dass seine Mutter aus einer Roma-Familie stammt.

Die Roma Film Commission soll Filmemacher ermutigen, sich zu ihren Roma-Wurzeln zu bekennen, sagt Lidija Mirkovic. Von ihr stammt die eindrucksvolle Installation »Dialog mit Carmen«. In der Fotoserie hinterfragt sie das Stereotyp der Roma am Bild der Carmen. Die Aufnahmen sind während eines Dokumentarfilms entstanden, den sie in Belleville, der größten Roma-Siedlung in Belgrad, gedreht hat. Neun Monate hat sie dort gelebt, dabei die Zerstörung der Hütten und die Umsiedlung der Roma in eine Containersiedlung gefilmt. Der Film ist im Schnitt, nur eine Rohversion wurde gezeigt. Lidija Mirkovic hofft, dass »Slumdogs« von der Berlinale angenommen wird.

Die Lebensbedingungen für Roma haben sich in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens verschlechtert. Unter Tito seien die Kinder in die Schule gegangen, auch wenn das insbesondere bei den nicht sesshaften Roma-Familien nicht immer konfliktfrei abgelaufen sei, erzählt Lidija Mirkovic. Das zahlt sich heute aus. Von den sechs Filmemachern, die nach dem Workshop im Hungaricum Rede und Antwort standen, stammen zwei aus Serbien und dem Kosovo. In dem kleinen Land streben sie bald die Organisation eines ersten Film-Festivals an.

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