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Von Andreas Fritsche
08.06.2013
Brandenburg

Völkerfreundschaft im Infocafé »Der Winkel«

Der Verein »Belziger Forum« erhielt das Band für Mut und Verständigung

Das Infocafé »Der Winkel« in Bad Belzig ist ein Treffpunkt für Asylbewerber, Einwanderer und Alteingesessene. 1998 hat es angefangen mit einer gemütlichen Klause, vollgestellt mit Möbeln vom Sperrmüll wie eine Berliner Szenekneipe. Afrikaner und Russen gehörten zu den Gästen. Verschiedene Sprachen schwirrten durch den Raum. Dass es so etwas in der märkischen Provinz gibt - kaum zu glauben, aber wahr! Der Verein »Belziger Forum« machte es möglich.

Inzwischen ist »Der Winkel« in größere und schönere Räume umgezogen. Am Freitag erhielt das »Belziger Forum« im Roten Rathaus in Berlin das Band für Mut und Verständigung. Das Forum und sein Café sind eine Reaktion auf Probleme mit Rechtsextremismus in der Stadt. 1993 verprügelten zwei Skinheads den Marokkaner Belaid Baylal. Übergriffe auf Ausländer und linksalternative Jugendliche gehörten damals zur Tagesordnung. Der Asylbewerber Baylal erlitt innere Verletzungen, an deren Spätfolgen er acht Jahre später starb.

Das »Belziger Forum« hat sich bemüht, Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abzubauen, damit Nazipropaganda in der Stadt keine offenen Ohren mehr findet. Aber rechtes Gedankengut - »es flackert immer wieder auf«, bedauert Bürgermeisterin Hannelore Klabunde. Mehrfach sind die Scheiben des Infocafés eingeschlagen worden. Die Täter wurden nie gefasst. »Was wir tun, ist langfristiges Bohren an dicken Brettern«, weiß Götz Dieckmann vom »Belziger Forum«.

Im Verein viel getan hat auch Jean-Marce Banoho. Der 41-Jährige stammt aus Kamerun, bat in Deutschland um Asyl und besitzt inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Banoho und seine Freunde organisieren Turniere, bei denen Flüchtlinge und Deutsche gemeinsam Fußball spielen, oder sie helfen Schülern, die französische Sprache zu erlernen und etwas über die Kultur Afrikas zu erfahren. Banoho, genannt Buddy, kann sich nicht mehr erinnern, wie er zum Forum gekommen ist. Aber er freut sich, dort »nicht nur als Schwarzer aktiv sein zu können, sondern als Mensch«.

Ebenfalls mit einem Band für Mut und Verständigung ausgezeichnet wurde der Berliner Sportverein Rot-Weiß Viktoria Mitte 08, in dem Kinder und Eltern aus mehr als 80 Nationen trainieren. Als Besonderheit führte Viktoria für die Fußballspiele ein Linuistik-Foul ein. Sobald Kinder oder Jugendliche auf dem Rasen ein Schimpfwort benutzen, müssen sie zwei Minuten auf die Strafbank.

Das dritte Band für Mut des Jahres 2013 nahm Vera Egenberger für das Berliner Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung entgegen. Das Büro hilft Menschen, sich juristisch gegen Diskriminierung zu wehren. Dazu beruft man sich auf das 2006 in Kraft getretene Gleichbehandlungsgesetz, das bislang jedoch kaum angewendet wird, weil sich nur wenige Anwälte damit auskennen. Aus diesem Grunde rief Egenberger das Büro 2009 ins Leben. Betreut wurde beispielsweise der Fall eines Manns, dem aufgrund seiner Herkunft der Zutritt zu einer Diskothek verwehrt wurde.

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