Pedram Shahyar 31.07.2013 / Ausland

OccupyGezi: Eine Gravur im kollektiven Gedächtnis

Serhan ist Tanzlehrer, ein Star in der boomenden Tangostadt Istanbul. In den frühen Morgenstunden sitzen wir bei einem Tee zusammen und unterhalten uns über die Gezi-Proteste. Jeder, der hier mit uns sitzt, war dort. »Ich war zum ersten Mal auf einer Demonstration und habe mich nicht wiedererkannt. Ich hatte solch eine Wut«, sagt Serhan. Er hat damals Barrikaden gebaut und Polizei-Gitter eingerissen. Seinem Cousin wurde fünfmal die Nase gebrochen, eine Tränengasgranate flog ihm direkt ins Gesicht. »Ein paar Zentimeter weiter oben und er hätte die Augen verloren«, erinnert sich Serhan. Endam, die mich zu der Gruppe gebracht hatte, war mehrere Tage im Gezipark, bis zu seiner Räumung. Sie arbeitet bei der Fluggesellschaft »Türkish Airlines« und befindet sich nun schon seit über 70 Tagen im Streik. Die Gewerkschaft beteiligte sich mit einem Zelt und einer Streikperformance auf der Hauptbühne an den Protesten im Gezi-Park, erzählt sie mit einem stolzen Lächeln. Aber die Streikenden sind in der Belegschaft isoliert: »Wir haben ein unabhängiges Aktionskomitee für die Streikenden gebildet, konnten aber das Blatt nicht wenden«. Jetzt organisieren sie ihre Aktionen über eine geschlossene Facebook-Gruppe. Schon über 150 Leute sind dort aktiv. »Vielleicht brauchen wir eine neue Gewerkschaft, wir diskutieren gerade darüber«, sagt sie. Von einer am Samstag anstehenden Demo wissen die Aktivisten nichts. »Es macht jetzt keinen Sinn mehr, zu demonstrieren«, sagt Serhan. Nicht mehr als ein paarhundert Leute kommen an diesem Samstag zur regelmäßigen Demo in die belebte Istiklal-Strasse südlich vom Taksim-Platz. Die Polizei ist den ganzen Tag mit Wasserwerfern und sogar Maschinengewehren präsent. Ganze Hundertschaften patrouillieren auf der Einkaufstraße. Am Sonntag wird der Gezi-Park wieder gesperrt. Die Gruppe »Antikapitalistische Muslime« hat ein Iftar (Fastenbrechen am Ramadan) auf der Istiklal organisiert. Es wird zusammen gegessen, Transparente wehen, Parolen werden gerufen. Hier treffe ich Ramazan. Er ist Strafverteidiger und koordinierte die rechtliche Betreuung der Gefangenen während und nach den Protesten. Ob er zur Demo gehen will, frage ich ihn. »Lieber nicht, ich darf nicht festgenommen werden und muss für die Anderen da sein«.

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