21.01.2014

»Ich bin der Gott, Affe!«

Übergriffe auf Flüchtlinge am Hermannplatz

Die Sudanesin Napuli Paul Langa wurde in ihrer Heimat gefoltert, weil sie für eine NGO arbeitete. Am Freitag wurde sie wieder verhaftet - in Berlin, dem Ort, der ihr Zuflucht sein sollte. Das Gespräch führte Benjamin Beutler.

nd: Sie waren auf dem Weg zu Verhandlungen mit Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD). Bei einer BVG-Kontrolle hätten Sie laut Polizei um sich geschlagen und gebissen. Sind Sie so aggressiv, wie viele Medien das berichten?
Napuli Paul Langa: Natürlich nicht. Ich bin Verhandlungsführerin der Flüchtlinge am Oranienplatz, eine von fünf. Auf dem Weg zu Kolat kontrollierte uns BVG-Personal. Bis auf einen hatten wir alle gültige Fahrkarten. Einer hatte ein 10-Uhr-Ticket. Trotzdem wurden wir um 9.57 Uhr alle aus der Bahn gedrängt.

Dafür hat sich die BVG entschuldigt. Wie eskalierte die Situation?
Auf einmal waren überall Polizisten, sie warfen sich auf mich. Sie knieten auf meinem Körper. Als ich versuchte, mich zu befreien, schlug mir eine Polizistin mehrmals auf den Arm. Ich bekam Tritte gegen die Knie: Die sind schon ramponiert, seitdem ich in Sudan vom Geheimdienst gefoltert wurde. Mit Handschellen gefesselt und auf dem Boden trat man mir weiter gegen die Beine, die ich vor Schmerz nicht mehr bewegen konnte. Wie ein Paket schleppten mich vier Polizisten weg. Den Kopf in meinem Schal hochgezogen musste ich würgen, bekam keine Luft, die Lippen blutend.

Wohin wurden Sie gebracht?
Auf die Wache, mir war schwindlig und übel. Zuerst bekam ich einen Anruf meiner Anwältin. Danach wieder aus der Zelle, für Fingerabdrücke. Als ich mich weigerte, wurde ich auf den Boden geworfen, mein Kopf knallte hart auf.

Konnten Sie dann gehen?
Ich musste noch mal aus der Zelle. Endlich sprach man Englisch. Ich rief: »Kein Mensch ist illegal«. Da wurde mir der Mund zugehalten. Ein Polizist zog mir einen roten Mülleimer über den Kopf, was richtig wehtat. Ich bekam Angst, begann zu beten. Ein Beamter sagte: »Ich bin nicht Gott. Ich bin der Gott der Fingerabdrücke, Affe!« Ich aus dem Dunkeln des Eimers: »Danke, bin ich also dein Affe. Gott segne Dich!«. Worauf ich hören musste: »Oh ja, I fuck your ass! That’s what we do in Germany!« Witze dieser Art gingen weiter, ich wurde verhöhnt. Jemand kniff mir in die Beine. Am Abend ließ man mich frei, ich ging sofort ins Krankenhaus. Mein Arm ist jetzt verstaucht, überall Schmerzen, mein Hals ist gezerrt, wie nach Folter.

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