Gemeinsam sind wir stark– linker Journalismus ist mir etwas wert!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
Von Jürgen Amendt
15.01.2015

Unwort des Jahrhunderts

»Lügenpresse«: Medienkritik, Medienverdrossenheit, Medienverachtung

Es ist eine simple Tätigkeit, die doch nur durch viel Talent bewerkstelligt werden kann: Wer den Gang der Mediendebatte bestimmen will, muss seine Begriffe in selbige einfließen lassen, wie Honig in ein warmes Glas Milch - das Getränk sieht zwar noch wie ein Muntermacher aus, doch sein Geschmack ist von betäubender Süße - vorausgesetzt, man hat die richtige Dosierung getroffen.

Wie das funktioniert, zeigen seit einigen Wochen die gut organisierten Kader des deutschen Rechtsextremismus. In Dresden gelingt es ihnen Woche für Woche, Zehntausende unter dem Label »Pegida« auf die Straße zu bringen. Demonstranten halten dort Schilder hoch, auf dem in großen Lettern das Wort »Lügenpresse« zu lesen ist. Beide Begriffe - »Pegida« wie »Lügenpresse« - sind mittlerweile Bestandteile des Mediendiskurses. Während »Pegida« zum Markenzeichen einer Bürgerbewegung geworden ist, die zumindest anfänglich von den meisten Medien ohne Verweis auf ihren rechtsextremen Ursprung wahrgenommen und kommentiert wurde, hat sich die Rede von der »Lügenpresse« als Sammelbegriff der Medienbeschimpfung - von links bis rechts - etabliert.

Beiden gemein ist die Wirkung: Selbst im negativen Bezug der Medien auf die Begriffe wird Werbung für die Ziele der hinter »Pegida« stehenden Ideologie betrieben. In diesem Sinne haben die Sprachwissenschaftler aus Darmstadt, die am Dienstag »Lügenpresse« zum Unwort des Jahres 2014 kürten, für die Initiatoren von »Pegida« gearbeitet. Der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach hat deren Strategie kürzlich in einem Interview so beschrieben: Mit dem Begriff »Lügenpresse« transportierten die Organisatoren von »Pegida« zwar keine detaillierte Botschaft, sie drückten aber eine allgemeine Befindlichkeit aus: die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik und den Medien, die in eins gesetzt werden.

Diese Unzufriedenheit aber - und das macht den Begriff so gefährlich wie relevant - wurzelt in der Tat in einer zunehmenden Distanz der Leser, Zuhörer und Zuschauer zur journalistischen Elite. In den Augen einer wachsenden Zahl von Menschen berichten alle Medien nicht mehr so, dass die imaginären Normalbürger sich damit identifizieren können. Diese Medienverdrossenheit schlägt umso schneller in Medienverweigerung um, je mehr sich die Kanäle des Internets vom Alternativmedium zum Leitmedium wandeln. Ein Bild wie z.B. jenes, das den Augenblick des Hissens der Flagge der Sowjetunion auf dem Reichstagsgebäude am 2. Mai 1945 zeigt, wurde erst Jahrzehnte später als Inszenierung identifiziert (in Wahrheit wurde die Siegesfahne bereits am 30. April gehisst). Das Bild konnte so Eingang in das kollektive Gedächtnis finden. Der Aufmarsch der Politiker in Paris, die sich am Wochenende nur scheinbar an die Spitze des Trauerzuges zum Gedenken an die Ermordeten setzten, war dagegen in kürzester Zeit als Schauspiel offenkundig. Medien, die hierzulande die Bilder von der angeblichen Einheitsfront aus Volk und Herrschaft ohne Verweis auf die Inszenierung verbreiteten, waren somit schnell als Teil der »Lügenpresse« identifiziert.

Die Strategie, Zwischentöne leise zu stellen, ist nicht neu; sie gehört zum Geschäft der politischen Propaganda seit jeher. Bereits der oberste Propagandist der Nationalsozialisten, Joseph Goebbels, adaptierte die Rede von der »Lügenpresse« für den Nazijargon von den völkischen Nationalisten des frühen 20. Jahrhunderts, die damit kommunistische, sozialdemokratische und liberale Medien denunzierten. Goebbels hatte auch erkannt, dass man einen Begriff nur dann erfolgreich ins kollektive Bewusstsein implementieren kann, wenn er erstens einen komplexen Vorgang vereinfachend beschreibt, zweitens in seiner Definition im Ungefähren bleibt und somit drittens sich in den unterschiedlichsten Bedeutungszusammenhängen als Vorwurf erheben lässt.

Des Vorwurfs der »Lügenpresse« konnten sich so auch andere politische Lager bedienen. In der Studentenbewegung der 1960er Jahre in der BRD waren es die Medien des Springer-Konzerns, die als »Lügenpresse« angeprangert wurden, und auch in dieser Zeitung war das Wort bis Anfang der 1970er Jahre in Gebrauch - wahlweise mit dem Attribut »kapitalistische«, »bürgerliche« oder »Bonner« versehen.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken