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Von Barbara Lochbihler
29.04.2015

Ein Jahrhundert lang gegen den Militarismus

Barbara Lochbihler über die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, die in diesen Tagen 100 wird

Weite Teile Europas lagen bereits in Schutt und Asche, als im Jahre 1915 mehr als 1300 Frauen aus zwölf kriegführenden Ländern in Den Haag zusammenkamen, um die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ins Leben zu rufen.

Weite Teile Europas lagen bereits in Schutt und Asche, als im Jahre 1915 mehr als 1300 Frauen unter schwierigsten Umständen aus zwölf kriegführenden Ländern in Den Haag zusammenkamen, um die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ins Leben zu rufen. Heute, genau 100 Jahre später, stehe auch ich in der niederländischen Hafenstadt - ausnahmsweise nicht, um dem hier ansässigen Internationalen Strafgerichtshof einen Besuch abzustatten, sondern um anlässlich des Jahrestages gemeinsam mit Hunderten Friedensaktivistinnen aus aller Welt über die grundlegenden Ursachen von Konflikt und Krieg zu diskutieren; über Menschenrechte, Partizipation, Militarismus, Patriarchat und Abrüstung; über wirtschaftliche Gerechtigkeit und den Klimawandel. Vor allem aber wollen wir über die entscheidende Rolle sprechen, die Frauen in all diesen Debatten zukommt. Oder jedenfalls zukommen sollte.

Der 100. Geburtstag der Internationalen Frauenliga fällt in eine Zeit, da die Welt von Konflikten und Kriegen zerrüttet ist wie selten zuvor. Mehr als siebzig Jahre nach Gründung der Vereinten Nationen (deren Ziel es immer schon war, nachfolgende Generationen von der »Geißel des Krieges« zu befreien) zählen wir über 50 bewaffnete Konflikte, mehr zivile Kriegsopfer als je zuvor und über 50 Millionen Flüchtlinge weltweit - 80 Prozent davon weiblich. »Wir Frauen«, hatte die niederländische Ärztin Aletta Jacobs damals die Gründerkonferenz eröffnet, »sind hierhergekommen in dem gleichen Bewusstsein, mit den gleichen Hoffnungen, dem einen Wunsch, dass unsere Stimme bis ans Ende der Erde dringe im Protest gegen diesen fürchterlichen Massenmord und gegen die Annahme, Krieg sei der einzige Weg, internationale Konflikte auszutragen.« Der Satz wurde vor 100 Jahren gesprochen. Er ist aktueller denn je.

Ohnehin ist die Arbeit der ältesten internationalen Frauenfriedensorganisation alles andere als obsolet geworden. Die Frauenliga untersucht die Interdependenzen globaler Strukturen, sie erforscht die Ursachen von Gewalt gegen Frauen, sie analysiert gruppenspezifische Diskriminierung und globale Ungleichheit. Stets versucht sie dabei zu ermitteln, wie sich eben diese Elemente auf die globale Friedens- und Sicherheitspolitik auswirken, um schließlich die Ergebnisse dieser Arbeit in die internationale Debatte vor allem auf UN-Ebene einfließen zu lassen. Es ist eine komplexe, langwierige und abstimmungsreiche Arbeit, die nicht selten abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit geschieht. Aber sie ist wichtig.

»Ich hoffe, dass von diesem Kongress ein deutliches Signal ausgeht«, erklärt mir denn auch Edith Ballantyne. »Die unermüdliche, leidenschaftliche Arbeit für den Frieden muss die zentrale Aufgabe der Frauenliga bleiben. Den Militarismus zu überwinden und alle Formen von Ausbeutung und Diskriminierung auch in Friedenszeiten anzuprangern, das muss unsere Mission sein.« Edith ist mittlerweile 92 Jahre alt. 1938 war sie von Schlesien aus quer durch das kriegszerrüttete Europa nach Kanada geflohen. Nach dem Krieg kehrte sie zurück, um sich - nicht zuletzt als langjährige Vorsitzende und Generalsekretärin der Frauenliga - fortan dem Einsatz gegen Krieg und Militarismus zu verschreiben.

Kozue Akibayashi aus Japan will es ihr nachmachen. Sie wurde in Den Haag zur neuen internationalen Präsidentin der Frauenliga gewählt und setzt sich ein klares Ziel: »Ich werde auch weiterhin gegen jene globalen Strukturen ankämpfen, die zu Ausbeutung, zu Menschenrechtsverletzungen und in der Folge zu gewaltsamen Konflikten führen«, kündigt sie in ihrer Antrittsrede an. Ich wünsche ihr und der Internationalen Frauenliga den langen Atem, den es dafür zweifelsohne benötigen wird. Doch ich bin optimistisch: Eine Organisation, die 100 Jahre überstanden, die in all dieser Zeit nichts von ihrer begeisternden Überzeugungskraft eingebüßt hat - eine solche Organisation braucht auch vor den großen Herausforderungen unserer Zeit nicht zurückzuschrecken.

Gleichwohl hätte ich nichts dagegen einzuwenden, wenn der Internationalen Frauenliga eines Tages die Themen ausgingen. Wenn im Zuge des kommenden Jahrhunderts die vielen Konflikte beigelegt, neue verhindert, die Aufrüstung ausgebremst und die Gleichstellung von Mann, Frau und allen anderen Formen der sexuellen Identität tatsächlich Wirklichkeit würden. Es ist eine Utopie, ich weiß. Doch eine Utopie, für die es sich zu kämpfen lohnt.

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