Felix Bartels 30.05.2015 / Wochennd

Was erlaube Strunz?

Was wäre, wenn plötzlich alle BWL studierten? Neues vom Hyperopportunismus, dem Utopieverbot und der Anbetung des freien Marktes. Von Felix Bartels

Aus der Tageszeitung »Die Welt« konnte man kürzlich die Klage vernehmen, Geisteswissenschaftler hätten hierzulande »für alles 
studiert, nur nicht für den Markt«. Dabei sei ein Hochschulstudium kein »Selbstfindungstrip«. Es gehe vielmehr ums Geldverdienen und Markttauglichkeit. Studenten, »die Begriffe wie Marktangebot und -nachfrage zu spät begriffen« haben, brauche niemand. Ist das so?

Es gibt Menschen, die gewohnheitsmäßig ihre Probleme zu Problemen von anderen machen. Säuglinge gehören unbedingt in diese Gruppe. Säuglinge und unerfreulich viele Journalisten. Der bald erwachsene Filipp Piatov z.B. hat in der »Welt« vom 15.5. eine Denkschrift gegen das Studieren von Geisteswissenschaften hinterlassen (»Wer das Falsche studiert, wird keinen Job finden«). Sein Vortrag hat den Charme einer Registrierkasse, und die Motivation bleibt kaum verborgen. »Jahrelang musste ich mir anhören«, erläutert der Autor auf Facebook, »wie spießig mein BWL-Studium doch ist.« Darf man sich vorstellen, wie er auf sprudelnden Festen abseits stand, indessen andere seines Alters mit Plänen zum ersten Roman oder geistreichen Exkursen punkten? Darf man bei dem Satz »Das Studium ist kein Selbstfindungstrip« an das szenische Bedauern von Funny van Dannens Anita denken, an den Hohn des Aufsteigers? Wie meistens versäumt Piatov auch in diesem Text nicht, darauf hinzuweisen, dass er Kind von Einwanderern ist. Jeder trägt einen Mythos über sich spazieren, der das eigene Trachten untermauert. Und gerade demjenigen, der sich schwer tut, sein Trachten in theoretische Form zu bringen, hilft es, wenn er das, was er vertritt, wenigstens verkörpert. Piatovs Biographie soll mitteilen: Deutschland ist ein kerngesundes Land; hier kann jeder Tüchtige Erfolg haben. Und kein Zweifel, dass die eigenen Entscheidungen unbedingt auch jedermanns Entscheidungen sein müssen.

Warum endet dieser Text denn jetzt schon? Mittendrin? Ich möchte den Artikel gerne weiterlesen!

Um den ganzen Artikel zu lesen, benötigen Sie ein entsprechendes Abo. Wenn Sie schon eins haben, loggen Sie sich einfach ein. Wenn nicht, probieren Sie doch mal unser Digital-Mini-Abo: