Tobias Riegel 03.12.2015 / Kultur

Die Qual, der Wal

Im Kino: »Im Herzen der See« von Ron Howard

Ron Howard geht die metaphysische, religiöse und apokalyptische Ebene des Walfangs völlig ab. Hat man das aber akzeptiert, kann man »Im Herzen der See« als mitreißendes Abenteuer-Kino genießen.

Dieser Film führt nicht ins Herz der Finsternis. Ron Howards Verarbeitung des historisch verbürgten Angriffs eines weißen Pottwals auf seine Peiniger geht die metaphysische, religiöse und apokalyptische Ebene des Walfangs völlig ab. Howard ist nicht Melville. Wenn auch mit dramaturgischer Perfektion, viel Aufwand und Liebe zum Detail: Der Regisseur verharrt in der mitreißenden, aber dennoch unbefriedigenden Schilderung der Praxis harter Männer in Heldenpose bei der Arbeit und beim Leiden. Und auch die Szenen, die Hermann Melville bei der Recherche für seien auch von diesem Fall inspirierten Roman »Moby Dick« zeigen, kranken an dieser Oberflächlichkeit. So vermisst man das Mythische, das Doppelbödige und Abgründige, das Herman Melvilles Kapitän Ahab gerecht werden könnte - oder dem Colonel Kurtz von Joseph Conrad, an dessen »Herz der Finsternis« sich der Filmtitel offensichtlich anlehnt. Nur kurz blitzt es manchmal auf, etwa beim Besuch der Walfang-Crew in einer fernen, an Conrads koloniale Dschungelposten erinnernden spanisch/südamerikanischen Kolonie: Hier hören die Männer von sagenhaften Walvorkommen weit jenseits des Äquators - und von einem außerordentlich aggressiven weißen Wal. »Lasst uns an den Rand des Wahnsinns segeln«, raunen sich die Männer zu.

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