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Foto: Charlotte Noblet
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"Warum müssen wir überhaupt schneller Zug fahren? Das Leben vergeht schon viel zu schnell!"
"Ein Kopfbahnhof ist barrierefrei, uns ist es wichtig, aber keiner denkt daran!"
"Sie denken nur noch an Geld und Macht, nicht an Interessen der Bürger!"
"Es geht um Steuergeld, die Bürger dürfen was sagen!"
"Man muss sich nicht für jeden Scheiß als Beamter einstellen lassen"
"Wasserwerfer und Tränengas einsetzen, wenn Jugend- und Schülerstreiks angemeldet sind: Perfider geht es nicht!"
"Demokratur- Autokratie!"
"Die Politiker sprechen heute zu ihren Bürger wie Eltern zu ihren Kindern in den 50er Jahren."
Die Studenten Lisa Sperling und Florian Kläger haben seit Januar 2010 bis Anfang dieses Jahres die Stuttgarter_innen begleitet, ihre Proteste dokumentiert. "Wir hatten kein Konzept, wir wollten es nur festhalten", sagt Lisa Sperling. "Erst nach der Gewalt gegen die Demonstranten am 13.09 haben wir uns entschieden daraus einen Film zu machen", ergänzt Florian Kläger. "Im Dezember haben wir uns mit Lars Pienkoß für den Schnitt in Verbindung gesetzt und heute kann der Film gezeigt werden. Es war knapp, sehr knapp, aber es hat geklappt!" Applaus.
Die Dokumentation wurde als Sondervorführung in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" gezeigt. "Ich freue mich darauf, wenn junge Leute Initiative zeigen, sich so engagieren. Ich finde es unterstützungswert", sagt Linda Söffker, Leiterin der Sektion "Perspektive deutsches Kino". Dem Produzent Peter Rommel ist wichtig, dass möglichst viele Leute den Film schauen können: "Wir hatten keinen Anspruch an filmische Qualität, wir wollten nur diesen demokratischen Vorgang dokumentieren, damit die Bürger viel mehr mitdenken. Wir sind noch dabei, aber bald wird es möglich sein den Film für Veranstaltungen und so weiter auf einer Internet-Plattform hochzuladen." Applaus und nochmal Applaus.
Viel Lob kommt aus dem Publikum. "Die Stuttgarter_innen waren vorbildlich: Sie wollen sich nicht für blöd verkaufen lassen, sondern teilhaben an den politischen Entscheidungen. Es hat in Berlin einen Impuls für den erfolgreichen Volksentscheid über die Offenlegung der Berliner Wasserverträge gegeben", teilt eine Zuschauerin mit. Für ein ATTAC-Mitglied sind es die ersten Schritte in die direkte Demokratie.
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Foto: Charlotte Noblet
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Noch eine Frage zum Film: "Warum habt ihr kaum das Pro-Stuttgart 21 gezeigt?" "Unser Film soll nur ein Fragment des Ganzen sein", sagt Lisa Sperling. "Eine Momentaufnahme, die die Tür aufmacht, damit alle reinschauen können." Die Debatte geht weiter - eher um die Frage der Demokratie in Deutschland, der Teilnahme der Bürger_innen an der Politik - als um den Film selbst. Daten von Aktionen und Demonstrationen werden am Mikrofon ausgetauscht.
Und geht's in Stuttgart weiter, wo Anzugträger, Schüler und Senioren immer noch auf die Straßen gehen, wo alte bürgerliche CDU-Wähler auf einmal auf die Grünen stehen?
Eine richtige Schlichtung gab es noch nicht, das umstrittene Bauprojekt "Stuttgart 21" steht nach wie vor im Mittelpunkt der politischen Diskussion. Nun gibt es am 27. März 2011 die Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Wird der Souverän bei dieser Gelegenheit erhört? Schließlich hat er das Wahlrecht.
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Foto: dfjw.org
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Ich freue mich sehr darauf: Es war auch mein Favorit! Toll ist es ebenfalls, dass zum ersten Mal bei dem Panorama PublikumsPreis, eine Auszeichnung an den besten Dokumentarfilm vergeben wird.
Die offizielle Preisverleihung findet am Berlinale-Publikumstag morgen um 17.00 Uhr im CinemaxX 7 am Potsdamer Platz statt. Der Dokumentarfilm von Britta Wauer wird direkt im Anschluss an die Preisverleihung noch einmal gezeigt.
Panorama PublikumsPreis-Gewinner Dokumentarfilm 2011:
Im Himmel, Unter der Erde. Der Jüdische Friedhof Weißensee
Deutschland 2010 - Regie: Britta Wauer (Artikel auf dem Blog)
2. Platz : Mama Africa (Artikel auf dem Blog)
Deutschland / Südafrika / Finnland 2011- Regie: Mika Kaurismäki
3. Platz: We Were Here
USA 2010 - Regie: David Weissman
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Foto: berlinale.de
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„Fahr doch nach Casablanca!“ An die 80er kann sich Chantal gut erinnern. Selbst in den Zentren der schwulen Emanzipation in West-Berlin, wie das damals gerade erst von Martin Kippenberger gegründete „SO36“ hatten Transsexuelle es schwer. „Sie sind nicht mehr schwul, sie wollen Frauen werden“, wurde über uns gesagt. „Wir waren meistens im Entertainment und Party-Milieu unterwegs. Es war wie ein Lifestyle.“
Schließlich geht es darum die Hormon-Behandlung zu bezahlen. „Entweder Titen von Sozialamt oder vom Straßenstrich!“ Heute lacht Chantal vor der Kamera. Seit zehn Jahren ist sie Veranstalterin der legendären Donnerstags Party „House of Shame“ in Bassy Club. Davor ging sie siebzehn Jahren lang auf den Transenstrich in der Frobenstraße anschaffen. „Am Anfang war es faszinierend, Du hattest Sex und Geld, leicht verdientes Geld. Viele waren da auf harten Sachen und nach zehn Jahren waren viele verschwunden oder gestorben. Und Du, Du wirst nur noch saurer. Es wurde kein einfaches Geld mehr und es kam immer wieder die Frage: Wo solltedas hinführen?“
Der Schritt weg vom Straßenstrich hat Chantal Anfang der 90er geschafft und unter dem Kunstnamen „Nachwuchs-schwanzlutscherin“ ist sie als Drag aufgetreten. „Chantal gehört zu dem was Berlin ausmacht. Sie ist wirklich wild, nicht eine dieser „Be Berliner“, sagt der Chef der Gay-Bar Hafen in der Motzstraße.“Es gab eine Zeit, da war der Hafen wie ihr Wohnzimmer, quasi ihr Schlafzimmer. Und dann hatte sie die Idee von „House of Shame.“ Das ist zehn Jahre her.
In der Queer-Szene ist ihre Partyreihe „Chantals House of Shame“ mittlerweile eine Referenz. Das bezeugen auch die Musikmitschnitte in der Dokumentation: „Chantals House of Shame“ gehört zum experimentellen Underground. „Egal ob Du Dich als Drag, Gay, Transsexual, Electro oder Punk bezeichnest: Hauptsache Du hast Sex Appeal“, sagt Chantal als Heidi der Subculture. „Chantal ist faszinierend, sie hat so ein Wechselspiel an Persönlichkeit“, sagt ihre langjährige Freundin Lola. „Chantal ist einfach geil“, fügt Gloria Viagra hinzu. Von Zürich bis New York City haben die Transen was über Chantal zu sagen.
Durch alle Interviews zeichnet der Film "House Of Shame / Chantal All Night Long" von Johanna Jackie Baier eine Chantal als Veranstalterin, Gastgeberin, Frontfrau und Rampensau der „House of Shame“-Parties. Sex, Drogen und Rock'n Roll, aber vor allem Sex und Drogen. Die schrille Party, die dem Film den Namen gibt, steht im Zentrum. Aber die große Leistung des Films steckt woanders und zwar im Wiedergeben der schnörkellosen Erzählungen Chantals, in der sich Chantals selbstbewusste und radikale transsexuelle Identität spiegelt.
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Foto: Charlotte Noblet
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Foto: Charlotte Noblet
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Foto: berlinale.de
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Zum 25. Jahrestag geht es wieder um die Katastrophe von Tschernobyl. Oder besser gesagt, um Valerij Kabysh: Der junge Parteifunktionär begreift, wie grenzwertig die Situation ist. Lebensgefahr, tödliche Strahlung aber großes Schweigen der Verantwortlichen. Er weiß, dass jede Sekunde zählt (mehr Infos über den Film HIER, bei dem Feuilleton).
Erneut erzählt der Regisseur Alexander Mindadze über eine Katastrophe: „Mich interessiert das Verhalten der Menschen in solchen Situationen, wie sie handeln zwischen ihrem eigenen Leben und dem Leben der Anderen. Die Unfälle selbst interessieren mich weniger.“ Bei der Pressevorstellung von "V Subbotu" (An einem Samstag) erzählt er von der „genetische Mentalität“, die es in Russland gibt: „Wir leben immer nah an dem Gefahren, an dem Tod. Nur ein Russe kann für den gebrochenen Schuhabsatz der Freundin sein Leben auf Spiel setzen.“
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Im Film sind viele solche Matrjoschka: Erst den abgebrochenen Absatz, dann einen verlorenen Pass und eine Hochzeit. Valerij Kabysh (Anton Shagin) kommt nicht dazu, die Stadt sofort zu verlassen. Mit beweglicher Kamera und vielen Nahaufnahmen inszeniert der Film eine persönliche Tragödie mit sehr privaten Empfinden. „In Russland weiß man, dass man jederzeit umkommen kann. Trotzdem blüht das Leben, paradoxerweise sehr stark und sehr hell in solchen Momenten wie am Samstag, den 26. April 1986. Es ist die genetische Verbindung zur Gefahr“, erklärt der Regisseur.
Viele Dokumentarfilme um die Katastrophe von Tschernobyl hat Alexander Mindadze schon Ende der 80er Jahren hergestellt. Was dort wirklich vorgefallen ist, weiß er aber immer noch nicht. „1986 war ich selbst in Minsk bei der Dreharbeit von „Plumbum“. Am 27. April haben wir angefangen, uns mit Rotwein zu dekontaminieren. Es war ein tolles Gefühl, wir wollten gar nicht mehr weg! Es wurde uns allerdings auf einmal auch klar, dass unser Leben uns nichts wert ist…“
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Foto: berlinale.de
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Tschernobyl ist nicht nur ein Ereignis, das mehr als hundert Tausende Menschen umgebracht hat. „Eine der Nachwirkungen von Tschernobyl ist auch das Zusammenfallen der Sowjetunion“, sagt der russische Produzent Alexander Rodnyansky. „Man kann sich noch kaum vorstellen, welches Drama des Verschweigens es sich gegeben hat.“
Die „große Lüge“ ist auch ein Grund, warum der Film trotz seiner unpolitischen Tarnung doch sehr politisch ist: "Einmal im Blick auf das schreckliche Verschweigen“, sagt der deutsche Produzent Dr. Matthias Esche. „Der Systemfehler, man könnte vermuten, hat letztendlich zum Sturz von Gorbatschow beigetragen. Und zum anderen erinnert der Film daran, dass die technischen Risiken eben nicht immer beherrschbar sind. Gerade hoch aktuell in Deutschland: Abgeschriebene Kraftwerke sind um 15 Jahre Laufzeit verlängert worden. Mit dieser Aussicht ist der Film sehr wichtig.“
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Zum dritten Mal sind sie verheiratet: Sandrine Kiberlain und Fabrice Luchini spielen ein bürgerliches Paar. Er, Jean-Louis Joubert, ist Börsenmakler wie sein Vater und wohnt immer noch in seinem Geburtshaus, mitten in Paris. Sie, kommt aus der Provinz und versucht versnobten Pariser Damen gleichzukommen. Auf diesem Weg lässt sich Madame ein spanisches Dienstmädchen von ihren The-Freundinnen empfehlen: „Es ist vorbei mit denen aus der Bretagne, jetzt sind die aus Spanien dran!“ Wir sind im Paris, Anfang der 60er Jahren.
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Das neue Dienstmädchen der Joubert, Maria (Natalia Verbeke), sowie die andere spanischen Hausangestellten (Carmen Maura, Lola Dueñas, usw.) sind voller Clichés: temperamentvoll, streng katholisch oder Anti-Franco und Kommunistin, essen Paella, tanzen Flamenco und gehen Sonntag in die Kirche. Wie eine Familie wohnen sie eng zusammen, auf dem 6. Stock über die Joubert. Und diese Lebenslust ist verführerisch, selbst für einen Petit Bourgeois!
Der französische Regisseur Philippe Le Guay hat auf seine Kindheitserfahrungen zurückgegriffen: "Wir hatten zuhause auch ein spanisches Dienstmädchen, das sehr stark in meiner Erinnerung geblieben ist", sagte Le Guay bei der Vorstellung der Komödie, die in der Sektion „Wettbewerb außer Konkurrenz“ läuft. „Warum ich das Thema Integration thematisieren möchte, kann sicherlich ein Psychoanalyst erklären!“ Der Regisseur lacht. Mit seinem Film möchte Philippe Le Guay alle dieser Frauen aus anderen Ländern, die in Frankreich zum Arbeiten kommen, „ein Gesicht geben“. „Es gibt in das heutige Frankreich eine ganz andere Herangehensweise an die Migration, es gibt sehr rigide Gesetze. Die Hausangestellten kommen heutzutage nicht nur aus Spanien sondern aus der ganzen Welt und ich wollte die Frage deren Integration im Raum stellen, mit einer Geschichte in leichtem Ton. Ich wollte die Gesellschaft einen Spiegel vor halten.“
Die Schauspieler zaubern: Sie übertreiben ohne Ende und sorgen dabei für die Leichtigkeit des Ganzes. Der Film ist charmant, die Komödie hoch witzig. Und ein Thema wird auf der Leinwand gebracht. Selbst wenn außer Konkurrenz, selbst wenn viele „Patrioten“ schmollen.
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„Schatzi“ will sich nur amüsieren. Auch mit Frauen. „Geld macht Geil. Frauen stehen nicht nur auf Playboys, sondern auch auf Geld! Ich kaufe Titten, Po, ich verschönere die Frauen nach meinem Geschmack und es hat sich rum gesprochen.“ Mit sieben Frauen und sieben Kindern hat Rolf Eden sein Leben nach seinen Bedürfnissen gestaltet. Eine Playboy-Parodie? Eher eine Lebenseinstellung.
„Der ist immer so positiv“, sagt Kai (13), sein jüngster Sohn. Unerträglich positiv, wie manche berichten. Blumenstrauß zum Valentinstag, mittlerweile auch zum Muttertag: alles Profispielchen oder echte Persönlichkeit? Spielt der Diskokönig eine Art Dauerrolle? Keiner kann ihn durchschauen, auch nicht seine Verwandtschaft. Nur eine Sache ist sicher: „I love myself“ lautet sein Tenor. Dies zeigt auch das großzügige Archivmaterial: Rolf Eden hat sein ganzes Leben tagebuchartig auf Film festgehalten! Eine echte Schatzkiste für den Regisseur Peter Dörfler.
Wie sein Sujet ist „The Big Eden“ unterhaltsam. Damit präsentiert Peter Dörfler erneut einen Berliner Paradiesvogel. 2009 ging es mit „Achterbahn“ um den ungewöhnlichen Besitzer des Spreeparks (Berlin-Treptow), diesmal geht es um einen anderen Egomane, der den KuDamm im alten Westberlin überlebt hat.
Der schräge Boulevardtype ist im Jahr 1930 im Berlin-Tempelhof geboren, im Israel groß geworden und im Jahr 1956 nach Berlin zurückgekehrt. Mit den 6000,00 DM Startgeld für die Berliner Rückkehrer eröffnet er 1957 seinen ersten Jazzclub, das "Old Eden". Der Diskokönig von Berlin war also ein Jude. Das verstehen viele seiner in Israel gebliebenen Freunde nicht. Für einen Juden ist schon verpönt, in der Nachkriegszeit nicht in Israel zu leben, aber nach Deutschland zurückzukehren… und noch dazu für die Berliner Nächte zu sorgen und die Deutschen zu amüsieren!
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Das „Old Eden“ wird ziemlich schnell von lauter Promis besucht. Rolf Eden veranstaltet die ersten Misswahlen, beschäftigt bereits DJs – oben ohne. In den sechziger Jahren war der Lebemann ein „enfant terrible“ der Berliner Nächte: „I love myself und alle Frauen lieben mich“. 1967 war Rolf Eden Besitzer von fünf Diskos im Westberlin und machte im prüden Westdeutschland den Striptease populär. „Alles immer happy“, sagt der mittlerweile alte Man im legendären weißen Anzug.
Sicherlich darum wirkt der Macho der 70er Jetset sympathisch: Rolf Eden steht rund um die Uhr auf „happy end“. Der beklagt sich nie. „Ich habe im Leben immer nur Glück gehabt“, sagt er, obwohl er wegen den Nazis Deutschland verlassen sollte und mit 18 Jahren seitens der israelischen Armee in den Krieg geschickt wurde. Der alte blondierte Playboy lächelt. Sein Ego ist überdimensional. Gibt es noch was Anderes hinter Edens Maskenball?
Auf alle Fälle bleibt der Achtzigjährige von gesellschaftlichen Zwängen unabhängig und gestaltet sein Leben konsequent nach seinen eigenen Vorstellungen. An seinem eigenen „Happy End“ hat er sogar schon gedacht: Die „Sterbehelferin“, die es schaffe, dass er sich beim Sex tot umfalle, würde testamentarisch 250 000 Euro bekommen. „So sollten sie sich beim Sex anstrengen“ sagt er und blickt auf seiner jungen blonden Frau Brigitte (à la Französisch ausgesprochen). Ich würde sagen: Mesdames, kollektiv spielen!
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Viele Programm-Heftchen werden unter der Sonne gelesen, in Gruppen und Paaren wird über Kino geredet und Filme ausgewählt, bis in die Ticket-Schlangen, wo alles wieder neu entschieden wird, je nach Vorrat an Karten.
Mehr dazu auf dem Video mit Click auf dem Titel.
So ein herrlicher Tag: Es war heute eine Menge los auf dem Potsdamer Platz! Kleines Video über das sonnige Treiben auf dem „Boulevard der Stars“
Mit einem Click auf den Titel!
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Der erste Film spielt in einem französischen Gefängnis im Norden von Paris, der Zweite in einem albanischen Gefängnis in Tirana. Und beide zeigen wie unmöglich das Lieben im Gefängnis ist.
Schwerpunkt von „Amnistia“ ist die Sexualität im Gefängnis. Albanien möchte gerne in die EU eintreten, deswegen dürfen Ehepartner sich einmal im Monat zu sexuellen Kontakten treffen. So lautet die Erklärung eines Aufsehers zu einem Mann, Spetim, der seine Frau zu Besuch hat.
Einen Bettbezug und eine Stunde in einer Zelle mit Doppelbett und undichtem Waschbecken: Über diese spartanische und standardisierte Ausrüstung verfügen Ehepaare im Knast Tiranas. Kein Ort und keine Zeit für Liebe. Trotz der Zigarette danach ist der Frust bei Spetim schnell da. Freude beim Sex mit ihrem inhaftierten Mann hat Elsa auch nicht. Beide kommen aber jeden Monat wieder. Langsam entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonisten. Es wird kaum gesprochen aber viel verstanden.
Diese „Zimmer zum Lieben“ sind zwar Avant-Garde im Vergleich mit anderen Ländern, wo Sex im Gefängnis komplett verboten wird. Aber von Lieben kann keine Rede sein. Und dahinter steckt die große Frage der Sexualität im Gefängnis.
Bisher enthielt der Entzug der Bewegungsfreiheit auch den Entzug von sexueller Freiheit. So einfach haben Menschen sich noch keine andere Freiheit wegnehmen lassen!
Nach vielen Berichten über Vergewaltigungen in Gefängnissen und „Sprechzimmer-Babies“ wurden Rückzugswohnungen für Familien in Gefängnissen eingebaut. Aber von sexueller Freiheit redet noch keiner.
Der Spielfilm „Amnistia“ deutet auch die Frage an, wie sich Ehepaare nach der Entlassung wiederfinden? Auch wenn die Geschichte etwas langsam vorwärts kommt, es sind oft schöne Bilder von Albanien zu sehen, trotz Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not. So z.B. wenn die Frau den weiten Weg zu ihrem gefangenen Mann mitfährt. Denn auch die Entfernung zu den Angehörigen ist ein wichtiges Thema.
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Wie die Matrjoschka läuft der Film „Hände Frei“ (Free Hands / Les Mains Libres) von Brigitte Sy. Ein System im Sytem. Die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen sind klar. Aber nicht zwischen Film und Realität.
Im Film ist der dunkelhaarige Gefangene Roel Opfer vom rassistischen Benehmen eines Aufsehers. Im Film sitzt ein Mouloud mit Pariser Akzent im Gefängnis, weil er nicht in ein Land das er nicht kennt, vertrieben werden will. Im Film träumt ein Gefangener von Tatoo´s und Motorrädern. Im Film wollen Gefangene einen Kinofilm drehen, um Rollen zu spielen, die sie im Leben nie haben werden. Im Film wird die Liebe zwischen einem Gefangenen und der Filmregisseurin verboten.
In der Wirklichkeit arbeitet die französische Regisseurin viel mit Gefangenen. In der Wirklichkeit wollte Brigitte Sy einen Film mit Gefangenen machen. In der Wirklichkeit hat sie sich in einen Gefangenen verliebt. Und wie die Hauptdarstellerin Barbara im Film: Sie hat ihren Michel geheiratet.
Das Szenario ist aber autobiographisch. „Deine Geschichte mit Michel sieht so aus, als ob es kein Kino mehr wäre“, sagt die Assistentin im Film.
Die Rolle von Brigitte Sy spielt die beeindruckende israelische Schauspielerin Ronit Elkabetz. Die Regisseurin selbst erscheint kurz als blonde Dame, setzt sich auf eine Bank, tauscht ein paar Wörter mit der Hauptdarstellerin und verschwindet wieder in die Pariser Nächte.
Verwirrend. Und Berührend. Mit viel Gründlichkeit wird alles für den Film dokumentiert: Die blinden Regel im Gefängnis sowie die Gefühle, die dort auch gefangen sind. „Keine Fiktion kann der Realität des Gefängnisses wiederstehen“, sagt die Hauptdarstellerin, um ihr Interesse für die persönlichen Geschichten der Gefangenen zu betonen.
„Free Hands“ (les Mains Libres) ist ein engagierter Spielfilm: Die Punkte zwischen Gefangenschaft und Liebe sind hart gezählt. Pour Michel.
Trailer (mit einem Clic auf den Titel)
Auf Französisch – Der Film zählt nur 15 Kopien. Es ist ein Glück, ihn mit Englisch-Untertitel auf der Berlinale schauen zu können. Wer Französisch versteht, wird auch die metaphorische Sprache im Gefängnis genießen können:
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Foto: Charlotte Noblet
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Von dem Supergipfel, der ursprünglich als gemeinsames NATO- und G8-Treffen in Chicago geplant war, nahm die US-Regierung schnell wieder Abstand.
Die Proteste wären wohl aus dem Ruder gelaufen. An diesem Wochenende tagen die Vertreter der G8-Länder in einer militärisch abgeschirmten Sperrzone in Camp David in der Nähe der US-Hauptstadt. Die NATO-Strategen halten dagegen Chicago in Atem. Von dort berichtet Max Böhnel über die internationale Gegenkonferenz namens „NATO Free Future“, zu der auch Vertreter der deutschen Friedensbewegung anreisen. Am Sonntag soll als Höhepunkt gegen den Willen von Stadtverwaltung und Polizei eine Grossdemonstration gegen das Militärbündnis stattfinden.
Blog von Marcus Meier: Welche Chancen erwachsen aus technischen Innovationen - für eine soziale und umweltfreundliche Gesellschaft, für mehr Demokratie, für ein rationaleres Wirtschaftssystem? Wo verhindern kapitalistische Mechanismen den technischen Fortschritt oder den fortschrittlichen Technikgebrauch? Wie, wo und warum generiert der Kapitalismus schlicht Fortschrott? Das sind die Fragen, die das neue nd-Weblog "Linke und Technik..! Fortschritt, Fortschrott und die Folgen " beantworten will. Autor Marcus Meier ist übrigens beides: Technikfreund und Technikskeptiker.
Hausblog: Aus dem nd über das nd: In unserem Hausblog halten wir Sie über alles berichtenswerte aus Redaktion und Verlag auf dem Laufenden.

Marcus Meier ist Journalist und arbeitet zu den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für das nd schreibt er seit Oktober 2009 regelmäßig – und meist zu NRW-Themen. Meier betreibt Das SPRUSKO-Prinzip, ein Weblog »zur Kritik des Ramsch-Kapitalismus«. Er lebt und arbeitet in Bochum. Seine Webseite: www.marcusmeier.de.

Max Böhnel lebt seit dreizehn Jahren in der Nähe von New York und berichtet als freier Journalist für deutschsprachige Radiosender, Print- und Internetmedien, unter anderem auch für nd.
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