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Übersicht: Einwurf

  • 15.03.2010
    Einwurf

    Schlechter Jubel

    Oliver Händler

    Die Bilder sind schon verstörend genug, doch das, was zu hören ist, lässt das Problem in seiner Gesamtheit erahnen. Etwa 150 teils vermummte, feige Randalierer trauten sich, mit Stangen bewaffnet hinter Ordnern und Spielern hinterherzujagen, bevor sie vor der Polizei wieder wegrannten. Aus dem Herthablock gab es keine Pfiffe während der Exzesse. Tausende Fans riefen lieber »Auf die Fresse!«. Als Polizisten erste Festnahmen durchführten, brüllten die Fans »Da kommen die Bullen. Ha Ho He, Hertha BSC«.

    Die Randale schockierte die Fans nicht, sie wurde ihnen zum Happening. Aus dem Nürnberger Block nicht viel Besseres: Jubel, als die Polizei vorrückte und »Hier regiert der FCN!« Das war Schlachtfeldatmosphäre, kein Ort, an dem man mit der Familie einen netten Samstagnachmittag verbringen will.

    So lange die Reaktion der nicht das Spielfeld stürmenden Fans nur Beifall ist, helfen weder Stadionverbote, noch Kameras oder größere Polizeieinheiten und härtere Strafen. Die Fanszene muss endlich wieder lernen, dass ein Fußballspiel im Grunde nichts anderes ist als ein Fußballspiel. Hier ist ein Stück Fankultur abhanden gekommen.

    Die Arbeit der Fanbeauftragten in den Vereinen richtete sich in den vergangenen Jahren zu sehr darauf, Stadionverbote oder die Orientierung der Anstoßzeiten an Wünschen der Fernsehsender zu geißeln. Wenn ihnen auch diesmal nur einfällt, einen Brief an die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen zu schreiben – wie zuletzt in Nürnberg –, machen sie sich selbst obsolet.

  • 11.03.2010
    Einwurf

    Fan mit Einfluss

    Oliver Händler

    Jan Ullrich wird sich ärgern, dass er im Februar 2007 zurückgetreten ist – offenbar aus Furcht vor einer Dopinsperre. Die, so wissen wir und Ullrich nun, war unbegründet. Selbst wenn Spanien sein Antidoping-Gesetz ändert, wie Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky gestern ankündigte, wäre es für Ullrich wohl gut ausgegangen.

    Der Einzige, der je wegen der Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gesperrt wurde, ist Ivan Basso, weil der Italiener zugegeben hatte, Doping »geplant zu haben«. Mittlerweile sitzt er wieder im Sattel.

    Der Spanier Alejandro Valverde, der wie Ullrich trotz gegenteiliger Beweise bestreitet, betrogen zu haben, ist nur in Italien gesperrt. In Spanien schützte ihn jenes Gesetz, das die Weitergabe von Beweisen von der Justiz an Sportverbände bislang verhinderte. Nur Italiens Justiz bekam einmal einen Beutel mit Blut aus dem Hause Fuentes und stellte fest, dass es von Valverde stammte. Sie leitete die Information ans Italienische Sportgericht weiter, das Valverde in Italien sperrte. Der Weltverband bekam den Beutel nie.

    Die Gesetzesänderung ist dringend notwendig, auch wenn sie für eine Verurteilung Valverdes wohl nicht angewandt werden wird. Dafür sorgt Lissavetzky schon. Er selbst bestritt stets die Verwicklung Valverdes in die Affäre Fuentes. Wohl dem, der solch einflussreiche Fans hat.

  • 10.03.2010
    Einwurf

    Zugemüllt

    Oliver Händler

    Man kommt nicht daran vorbei. Am Wochenende beginnt die neue Formel-1-Saison. Das Marktforschungsinstitut Emnid kam jetzt mit einer Umfrage heraus, nach der 39 Prozent der Befragten Michael Schumacher den erneuten Gewinn des Weltmeistertitels zutrauen, so viele wie keinem anderen. Das beweise, so der übertragende Pay-TV-Sender, wie hoch das Interesse an der Formel 1 und das Vertrauen in Schumacher sei.

    Hier mal ein anderer Erklärungsversuch: Seit Monaten wird der gemeine Bürger von RTL, Bild und Konsorten mit Schumi hier und Schumi da zugemüllt. Besagter Bezahlsender führt sogar einen eigenen Schumi-Kanal ein! Es gibt immer noch viele Menschen, die sich gar nicht für die Formel 1 interessieren. Da aber Schumacher der einzige ist, von dem sie ständig hören oder lesen müssen, fällt ihnen auch nur der Kerpener ein, wenn sie danach gefragt werden, wer denn Weltmeister wird – so hätten sie vielleicht auch 2009 geantwortet, obwohl Schumi schon seit drei Jahren nicht mehr fuhr.

    24 Fahrer gehen am Freitag an den Start, und Schumacher ist der einzige, der noch in den Sechzigern geboren wurde! Daher hier ein ungewagter ND-Tipp gegen die Mehrheitsmeinung: Michael Schumacher wird nicht Formel-1-Weltmeister 2010!

  • 09.03.2010
    Einwurf

    Keine Köpfe

    Mark Wolter

    Es war lange nichts mehr zu hören in Sachen Wettmanipulation im Fußball. Gestern gab es nun gleich zwei Meldungen. Im Fokus zum einen das deutsche Spiel der 2. Bundesliga zwischen 1860 München und Rot-Weiß Ahlen, das vor vier Wochen 0:1 endete. Zum anderen China, wo mehrere Schiedsrichter betrogen haben sollen.

    In China macht man Nägel mit Köpfen und nagelt die verantwortlichen Köpfe fest. Der nationale Verbandschef Nan Yong musste nach seiner Verhaftung zurücktreten, Schiedsrichter Huang Junjie, der zuletzt international in der WM-Qualifikation pfiff, packt jetzt bei den Ermittlern aus, andere Kollegen wurden zu Verhören abgeführt und der Ligastart um eine Woche auf Ende März verschoben.

    In Deutschland hingegen fischt man im Ungewissen und lässt die ins Gerede Gebrachten unwissend. Sind Spieler im Verdacht? Ein Schiedsrichter? Kein Kommentar vom Deutschen Fußball-Bund, der auf die Staatsanwaltschaft Bochum verweist. Was war mit dem Frühwarnsystem? Dort habe es »keine signifikanten Bewegungen« gegeben. Schon im Dezember wurde ein Spiel von 1860 München verdächtigt – ohne konkrete Anhaltspunkte. So langsam darf gezweifelt werden, ob hierzulande noch schuldige Köpfe gefunden werden.

  • 08.03.2010
    Einwurf

    Einwurf

    Hinter der Zeit

    Mark Wolter

    An diesem Wochenende hätten nicht nur Schalke in der Bundesliga, Real Madrid in Spanien oder Juventus Turin in Italien wichtige Siege feiern können. Der gesamte Fußball wäre ein großer Gewinner gewesen, hätte sich der Fußballweltverband FIFA nicht wieder einmal möglichen Neuerungen und Änderungen versperrt. Zusammen mit den obersten Regelhütern des International Football Association Board prüfte die FIFA am Samstag in Zürich, ob entweder die Torkamera oder der Chip im Ball in Zukunft als technische Hilfsmittel für einzelne Entscheidungen infrage kämen. »Die Antwort ist ganz klar: Nein«, sagte Generalsekretär Jérome Valcke.

    Die FIFA hat wieder eine große Chance vertan. Mittlerweile ist der Fußball beinahe die einzige populäre Sportart, die keine technischen Hilfsmittel anwendet. Fußball solle menschlich bleiben, das Ärgern über Fehlentscheidungen sei doch gerade das Schöne an diesem Sport, so die FIFA. Für die Sportler, die durch manchen Fehler um den Erfolg gebracht werden, und Vereine oder Verbände, die im Milliardengeschäft Fußball um Prämien und Werbepartner streiten, ist vor allem die antiquierte Haltung des Weltverbandes ärgerlich. Dabei erfüllt der technische Entwicklungsstand der möglichen Hilfssysteme längst die vorher formulierten Anforderungen des Fußballweltverbandes: Funktionssicherheit, einfache Umsetzung, Schnelligkeit. All diese Eigenschaften besitzt die FIFA leider nicht.

  • 06.03.2010
    Einwurf

    Streikdrohung

    Wenn gestandene Sportler mit Streik drohen, ist etwas schief gelaufen. So geschehen beim olympischen Wettkampf der Nordischen Kombinierer in Whistler. Trotz irregulärer Bedingungen wurde der Wettkampf durchgepeitscht. Die Besten waren chancenlos. Nun fordern die Kombinierer in einer dreiseitigen Erklärung eine Entschuldigung und »das Ende der Funktionärs-Willkür«.

    Der Olympiajury werden Inkompetenz und Ignoranz vorgeworfen, da sie nicht auf Athleten und Betreuer gehört und die Termine schlecht geplant hätten. Sollte sich das nicht ändern, wird das Weltcupfinale in Oslo bestreikt, deutete Athletensprecher Felix Gottwald an.

    Zwei Probleme hat die Drohung: Es haben zwar fast alle Anwesenden beim Weltcup in Lahti unterschrieben. Doch die besten US-Amerikaner sind nicht da. Sie hatten mit Gold und Silber am meisten profitiert. Hätten Gottwald oder Björn Kircheisen auch unterschrieben, wenn sie gewonnen hätten? Nur eine lückenlose Front der Athleten kann hier wirksam sein.

    Außerdem steht im Papier noch ein interessanter Satz: »Fernseh-Übertragungen können nur stattfinden, wenn auch die Athleten mitspielen.« Richtig. Doch ohne Fernsehen keine Sponsoren. Ergo auch kein Geld für die Sportler. Solch eine Drohung darf nur ausgesprochen werden, wenn sie ernst gemeint ist. Wie ernst, wird sich bald zeigen. Oliver Händler

  • 05.03.2010
    Einwurf

    Plaudertaschen

    Mark Wolter

    Wie gut, dass die Bayern-Arena in Fröttmaning nur ein paar U-Bahn-Stationen vom Justizpalast in der Prielmayerstraße entfernt ist und dass das zweite Duell des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in München nur ein paar Stunden später stattfand. So konnte sich der DFB nach dem Argentinienspiel bei der gestrigen juristischen Auseinandersetzung mit Manfred Amerell über das Interesse von mehr als 100 Journalisten freuen.

    Freuen? Könnte man denken, so wie der Verband in letzter Zeit nur zu gern mit unangenehmen Angelegenheiten in die Öffentlichkeit prescht. So wie im Fall Amerell, der laut DFB und Aussagen von einigen Schiedsrichtern sein Amt für sexuelle Nötigungen missbraucht haben soll. Amerell bestreitet und wollte nun geklärt wissen, ob der DFB derlei behaupten darf. Beide Seiten einigten sich vor dem Landgericht München darauf, dass der DFB darf, aber im Gegenzug Amerell Einsicht in die eidesstattlichen Aussagen erhält.

    Dennoch mutet abenteuerlich an, wie der Verband einen bloßen internen Verdacht nach außen trug, den Fall danach sogar als aufgeklärt und Amerell als Täter verkündete. Noch ist nichts erwiesen. Amerell könnte schuldig sein, aber auch nicht. Schlecht stehen beide da, Amerell und der DFB.

    Schon vorher hatte der Verband bei den Vertragsverhandlungen mit dem Trainerteam der Nationalmannschaft gepatzt. Mit dem Ausplaudern interner Vertragsdetails wurde beinahe Trainer Joachim Löw verscheucht, der zu raff- und machtgierig gewesen sein soll.

    Im Mai sollten nicht nur die Nationalspieler sondern der gesamte Verband ins Trainingslager fahren. Dem DFB fehlt es derzeit nicht nur auf dem Rasen an Ball-, sondern auch abseits am nötigen Feingefühl.

  • 02.03.2010
    Einwurf

    Kurz oder lang?

    652 Tage sind eine verdammt lange Zeit. In knapp zwei Jahren kann man sich zum Beamten ausbilden lassen, ganze olympische Dörfer bauen oder mehr als 100 Mal zum Mond und zurück fliegen. 652 Tage waren die Bayern nicht Spitze in der Fußball-Bundesliga. Nun sind sie es gerade ein paar Stunden und schon ist es wieder da, dieses zelebrierte »Mia san mia«-Gefühl, zum Jubiläum sogar als Leitfaden in Buch gebunden. Schon ist der Titel nur noch Formsache und vergessen sind ganz plötzlich das fast ein Jahr dauernde Missverständnis Jürgen Klinsmann und die Anfangsprobleme unter Louis van Gaal.

    Es läuft derzeit rund in München, der Meisterdrops ist für den FC Bayern aber noch lange nicht gelutscht. Bis zum Ligafinale sind es noch 67 Tage, in denen auch viel passieren kann. Zehn Partien haben die Bayern vor sich, darunter die Gastspiele beim FC Schalke 04, dessen Trainer Felix Magath schon vergangene Saison mit Wolfsburg den Münchnern in die Suppe spuckte, und bei den noch ungeschlagenen Leverkusenern. Die lang ersehnte Rückkehr an die Spitze könnte ein kurzes Vergnügen werden. Mark Wolter

  • 22.02.2010
    Einwurf

    Flauten-Poldi

    Mark Wolter

    Können Sie sich an das letzte Bundesligator von Lukas Podolski erinnern? Nein? Ganz ehrlich, die ND-Sportredakteure auch nicht. Nach langem Zurückblättern findet sich in den Statistiken ein Treffer gegen Schalke 04 am 13. September letzten Jahres. Seit seinem einzigen Saisontreffer wartet der Nationalstürmer schon 1300 Minuten auf ein Erfolgserlebnis und ist damit noch schlechter als Uli Hoeneß. Der heutige Bayern-Präsident war nämlich mit 1249 Minuten der bisherige Spitzenreiter in der zweifelhaften Liste der Nationalspieler mit den längsten Durststrecken.

    Lukas Podolski ist derzeit nur noch ein Schatten seiner früheren fußballerischen Unbekümmertheit. Verschwunden ist der vor Energie sprühende, sprint- und angriffsstarke Liebling der Nation. Kein lustiger Fernseh-Clown mehr, nur noch genervter Flauten-Poldi. Sein Auftritt vor zwei Wochen im DFB-Pokalspiel gegen Augsburg mit der Gelb-Roten Karte acht Minuten nach seiner Einwechslung war der jüngste negative Höhepunkt, die erneut schwache Leistung am Samstag gegen Stuttgart sah auch National-Co-Trainer Hansi Flick.

    Sicherlich bekommt Podolski von seiner offensivschwachen Kölner Mannschaft kaum Unterstützung. Und es ist auch bekannt, dass der 24-Jährige in der DFB-Elf trotzdem glänzen kann. Dennoch sollte auch hier das Leistungsprinzip gelten und Nationaltrainer Joachim Löw mal ernsthaft darüber nachdenken, ob Podolski es noch verdient hat, mit zur WM nach Südafrika zu reisen.

  • 11.02.2010
    Einwurf

    Hintertürchen

    Jürgen Holz

    Der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne legt völlig zu Recht Wert darauf, ein international unabhängiges Forum zu sein. Das ist auch gut so für den immer öfter zerstrittenen Weltsport, der nicht nur mit der leidigen Dopingproblematik vor das CAS zieht. Doch nun hat der Sportgerichtshof im Falle der australischen Bobfrauen ein Urteil gefällt, das sich als Bumerang erweisen könnte.

    Die ad-hoc-Kammer des CAS hat nämlich entschieden, dass die Australierinnen an dem olympischen Zweierbobrennen in Vancouver teilnehmen dürfen – trotz verpasster Qualifikation. Geklagt hatte das Nationale Olympische Komitee Australiens, das beim Bob-Weltverband FIBT einen Platz für seine Bobfrauen zugesprochen haben wollte, weil sie das beste Team Ozeaniens seien. Die FIBT lehnte das Startrecht aber ab, woraufhin sich das australische NOK an das CAS wandte – mit Erfolg.

    Ein Sieg der Vernunft? Das kann juristisch kein Maßstab sein. Und so bleibt ein fader Beigeschmack zurück, weil durch das CAS-Urteil olympische Qualifikationskriterien schlicht und einfach ausgehebelt werden. Wenn die CAS-Entscheidung Schule macht, könnten sich noch weitere Gescheiterte durch die Hintertür die Olypiateilnahme erstreiten.

  • 09.02.2010
    Einwurf

    Geheimsache Doping im TV

    Gestern Nacht, zur allerfeinsten Sendezeit um 0.15 Uhr, sendete die ARD ihren Beitrag zum Dopinggeschehen im Wintersport: »Geheimsache Doping: Eiskalter Betrug«. Eine Viertelstunde nach Mitternacht kam ein anonymer nordischer Skisportler (WM- und Olympiateilnehmer) zu Wort, der berichtete, im Ausdauerbereich des Skisportes werde genauso gedopt wie im Radsport. Ohne EPO- oder Blutdoping sei es unmöglich, »dass man jetzt irgendwo vorne mitläuft«. Jetzt, also auch in Vancouver bei den Spielen.

    Leider will der Geständige seinen Namen nicht nennen; angeblich aber erwäge er, in Zukunft die Anonymität aufzugeben. Ein anderer Kronzeuge, ein namentlich bekannter österreichischer Skifunktionär, sagt nach der Dopingaffäre um die Wiener Blutbank, es gebe Hinweise auf illegale Bluttransfusionen bei deutschen Wintersportlern. Namen? Kann er keine nennen. Geheimsache Doping. Der Titel passt, leider.

    Er passt sogar zur Prominenz des Sendetermins, den der Olympiasender ARD seinen investigativen Reportern kurz vor Beginn der Spiele einräumte. Wo doch an den letzten Wochenenden ach so wenig Sendezeit für Wintersport im Fernsehen übrig war! Das muss doch wohl jeder Zuschauer. verstehen. Außerdem: Olympia wird ja schließlich auch hauptsächlich nachts übertragen. Jirka Grahl

  • 08.02.2010
    Einwurf

    Einwurf

    Ramsch-Meister

    Wie die Zeiten sich ändern. Am 4. April 2009 erklomm der VfL Wolfsburg nach einem berauschenden 5:1-Sieg gegen Bayern München die Tabellenspitze und feierte am Ende den Titel. Zehn Monate und zwei Trainerwechsel später verblasst der Ruhm. Die Fanartikel mit der Aufschrift »Deutscher Meister 2009« gibt's zu Ramschpreisen im Vereinsshop..

    Dass die Wolfsburger den Titel verteidigen würden, hatte niemand erwartet. Doch das internationale Geschäft wollte der VfL auch 2010 wieder erreichen. Nun aber droht das Gebilde, das dereinst von Meistertrainer Felix Magath geschaffen wurde, zu zerfallen. Der von vielen europäischen Topklubs umworbene Stürmer Edin Dzeko wird nicht zu halten sein, wie auch so manch anderer Spieler. Namhafte Neuzugänge lockt die niedersächsische Provinz ohne den Glamour der Champions League ebenfalls nicht an. Der VW-Klub hat seinen Reiz verloren . Er steht vorm nächsten Neuanfang.

    Alexander Ludewig

  • 06.02.2010
    Einwurf

    ND vor Springer

    Sollte es den Fußballern von Real Madrid dieses Jahr gelingen, die Champions League zu gewinnen, werden 575 000 Euro Prämie fällig. Pro Spieler, wohlgemerkt. Kann es da verwundern, dass Bundestrainer Löw für seine Vertragsverlängerung ein Jahresgehalt fordert? Drei Millionen extra fürs Weitermachen?

    Ja, das kann verwundern. Es kann einen sogar anwidern, immer mal wieder, trotz aller Gewöhnung an die Tatsache, dass aus einem faszinierenden Mannschaftssport ein wucherndes Unterhaltungsgeschäft mit gigantischen Umsätzen geworden ist. Immer mal wieder ist Fußball einfach abstoßend.

    Doch immer mal wieder ist Fußball auch herrlich, vor allem, wenn man selbst spielt. So lautete gestern das Aha-Erlebnis für die ND-Redaktionsmannschaft beim Berliner Sportjournalisten-Fußballturnier in der Sömmeringhalle: Es roch nach Bohnerwachs, nach Erbsensuppe und ein bisschen nach Kaffee, die Beleuchtung war nur halb eingeschaltet und die Ränge leer. Nicht jeder Kicker war ein Modellathlet, nicht jeder Pass landete beim Adressaten.

    Aber: Was für eine Freude, gleich im ersten Spiel den Vorjahressieger ZDF zu schlagen! Welch ein Jubel, nach einem 3:1 gegen Deutschlandradio im Halbfinale zu stehen! Welche Enttäuschung nach dem knappen 0:1 im Spiel um Platz 3 gegen die Deutsche Welle! Gratulation den Kickern des »kicker«, den Turniersiegern!

    ND war am Ende Vierter – glücklicher Vierter, denn hinter uns lagen starke Teams wie ZDF, 11Freunde und die Auswahl des Axel-Springer-Verlags.

    ND vor Springer. Fußball kann so schön sein. Jirka Grahl

  • 05.02.2010
    Einwurf

    Unfeine Chance

    Oliver Händler

    Zum Glück kommt Bruno Banani nicht aus den Niederlanden, sondern aus Tonga. Gleiches gilt für die Jamaikaner Hannukkah Wallace, Marvin Dixon, Richardo Brown und Khan Marr. Sie alle haben noch eine kleine, wenn auch unfeine Chance, an den Olympischen Spielen in Vancouver teilzunehmen. Dazu müssten sie nur einem bereits qualifizierten Teilnehmer für dessen Startplatz genug Geld anbieten. In den Niederlanden ist dies gerade verboten worden.

    Hintergrund ist das Gerücht, dass die Trainerin der niederländischen Olympiazweiten im 5000-Meter-Eisschnelllauf von 2002, Gretha Smit, einer Polin in Turin 50 000 Euro angeboten haben soll, damit Smit als erste Nachrückerin deren Platz bekäme.

    Die Offerte sei abgelehnt worden, heißt es, aber Banani könnte vielleicht mehr bieten. Schließlich wird er seit Jahren direkt von der Königsfamilie Tongas unterstützt. Banani fehlte nach einem Sturz in Königssee letztlich nur ein Punkt zur Qualifikation.

    Auch die erwähnten jamaikanischen Bobfahrer wären Nachrücker, sollte ein Kontrahent kurzfristig ausfallen. Von reichen Unterstützern ist hier allerdings nichts zu hören. Und schließlich ist der Ruf der »Cool Runnings«-Nachfolger viel ehrenhafter als der der Europäer. So bleibt André Lange das unmoralische Angebot wohl doch erspart.

  • 04.02.2010
    Einwurf

    Einwurf

    Bildstörung

    Man darf sich schon wundern, was den Beobachtern des Deutschen Fußball-Bundes so alles auffällt. Aktuell im Visier der Kontrolleure: die langen Unterhosen von Bayern Münchens Flügelflitzer Arjen Robben. Tragen darf er sie, aber bitte schön nicht in der Farbe. Das milchige Weiß-Grau unter bajuwarisch roter Hose – das geht so nicht. In den DFB-Statuten steht's schließlich geschrieben: »Werden Unterziehhosen getragen, muss ihre Farbe mit der Hauptfarbe der Hosen übereinstimmen.«

    Jetzt stockt ganz München der Atem – soll dem niederländischen Zauberdribbler der Glücksjogger ausgezogen werden, in dem er zuletzt zweimal in Folge traf und gewann? Die Bayern-Fans wittern Verschwörung und Benachteiligung. Warum darf Bremens Mesut Özil mal in grüne, mal in rote Schuhe schlüpfen? Und wer nimmt den Bochumern die mutig pinken, aber in den Augen schmerzenden Auswärtstrikots weg?

    Zugegeben, so richtig nachvollziehen lässt sich der Zugriff der DFB-Modepolizei nicht. An Robbens Schlabberhöschen stört sich wohl niemand ernsthaft. Wenn der Verband sich tatsächlich um das Erscheinungsbild der deutschen Fußballligen sorgt, sollte er sich mehr um andere Störbilder in den Stadien kümmern: Gewaltbereite Hooligans, Fanatiker und Provokateure mit schwulen- oder fremdenfeindlichen Spruchbändern – die passen nun wahrlich nicht gut ins Bild. Mark Wolter

  • 03.02.2010

    Einwurf

    Skandalerprobt

    Walter Mayer unterschätzt offenbar die kanadische Polizei und den Hang mancher Sportjournalisten zum Investigativen. Auf die Frage, wo der österreichische Skandaltrainer während der Olympischen Spiele sein werde, antwortete er kürzlich: »Womöglich dort, wo man mich am wenigsten erwartet – in Vancouver.« Mayer wird dort erwartet, dessen kann er sich sicher sein.

    Zur Erinnerung: Wegen einer Blutbeutelaffäre im Zuge der Winterspiel in Salt Lake City 2002 wurde Mayer von den Spielen in Turin vier Jahre später ausgeschlossen. Er fuhr trotzdem hin und übernachtete sogar beim Biathlon-Team Austrias. Daraufhin durchsuchten die Carabinieri das Domizil und stellten umfangreiches Beweismaterial für Doping sicher. Mayer flüchtete spektakulär nach Österreich und verursachte einen Autounfall.

    Die Sperre gegen Mayer besteht noch immer. Als Tourist darf er zu den Spielen reisen, doch kaum jemand glaubt daran, dass er nur das sein wird. Um ganz sicher zu gehen, wird das IOC sicher mal ein paar kanadische Drogenfahnder bei ihm vorbeischicken, und einige Journalisten werden ihn mit Sicherheit auf Schritt und Tritt begleiten. Solch eine Story will sich doch keiner entgehen lassen.

    Oliver Händler

  • 02.02.2010
    Einwurf

    Einwurf

    Trauern tut gut

    Wenn es um penible Bürokraten ohne Sinn für Realität und Umstände geht, kommt einem eher Deutschland als Paradebeispiel in den Sinn und nicht der afrikanische Kontinent. Und doch haben die Verantwortlichen des dortigen Fußballverbandes (CAF) die togolesische Nationalmannschaft von den nächsten beiden Turnieren um den Afrika-Cup ausgeschlossen, weil sie sich auf Geheiß ihrer Regierung nach dem Anschlag auf ihren Bus mit zwei Toten von der diesjährigen Ausgabe des Cups zurückgezogen hatten.

    Togos Spieler hätten also Fußball spielen und nicht trauern sollen. Sie hätten grätschen und nicht die Schüsse auf ihre Körper verarbeiten sollen. Sie hätten über unwichtige Tore tanzend jubeln und nicht am Krankenhausbett ihrer verletzten Kollegen um deren Genesung beten sollen. Das ist die Botschaft des CAF.

    Egal, wer die Rückreise in die Heimat angeordnet hatte – ob Politiker oder Trainer –, die Entscheidung war richtig. Und nur das sollte wichtig sein. Die Regelung, dass sich die Politik aus dem Sport raushalten solle, mag bei der Korruptionsbekämpfung in dem ein oder anderen Fall Sinn machen, aber hier tut sie es nicht. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand, denn jetzt werden diejenigen bestraft, die beschossen wurden und trauern wollten.

    Die togolesische Regierung will nun gegen die Sperre klagen. Hoffentlich wird die Mannschaft deswegen nicht noch länger gesperrt.

  • 01.02.2010
    Einwurf

    Einwurf

    Aufholversäumer

    Mehr als 10 000 T-Shirts mit dem Aufdruck »Aufholjäger« hat Hertha BSC vor den beiden Heimspielen gegen Mönchengladbach und Bochum an nimmermüde Optimisten unter den Berliner Fans verkauft. Über die Kreativität bei der Wortschöpfung konnte man schon vorher streiten – über ihre inhaltliche Richtigkeit spätestens nach dem zweiten torlosen Remis am Samstag gegen die Bochumer.

    Natürlich können die Herthaner sich die Statistiken zupassrechnen und sich über nun drei Spiele in Folge ohne Niederlage und Gegentor freuen: »Drei Mal zu null ist doch gut«, wie Herthas Abwehrmann Steve von Bergen meint. Die Bilanz von nur zwei Unentschieden im eigenen Stadion gegen Teams, die ebenfalls nur um den Verbleib in der ersten Liga spielen, erzählt aber die derzeit wohl entscheidendere Wahrheit.

    Das mutlose Auftreten und das harmlose Offensivspiel gegen den VfL Bochum lassen kaum vermuten, dass die Herthaner selbst noch daran glauben, dem Abstieg entkommen zu können. Mit mageren zwei Punkten gegen die Abstiegskonkurrenten haben die Berliner es versäumt, Anschluss zu finden. Die Aufholjagd ist vorbei, bevor sie begonnen hat. Mark Wolter

  • 29.01.2010

    Einwurf

    Sicher unsicher

    Oliver Händler

    »Da hat der Uli Hoeneß wieder etwas gesagt. Ich glaube, eher aus Unkenntnis«, hofft Franz Beckenbauer. Da hat der Kaiser vermutlich Recht. Hoeneß hatte die Vergabe der Fußball-WM an Südafrika als Fehlentscheidung bezeichnet. Überhaupt solle eine WM nicht in Afrika stattfinden, solange Sicherheitsaspekte nicht zu 100 Prozent geklärt sind.

    Wo gilt das eigentlich? Welches Land hat seine Sicherheitsaspekte zu 100 Prozent geklärt? Bei der WM in Frankreich wurde 1998 ein Polizist von deutschen Hooligans fast tot geprügelt. Das kann noch heute überall in Europa passieren. Also scheidet diese Region schon mal aus, nicht wahr, Herr Hoeneß?

    Wohl kaum. Die WM nach Südafrika zu vergeben, war richtig, allein schon weil das Interesse der europäischen Fans, live dabei zu sein, sehr gering ist. Denn: Je weniger Hooligans aus England, Italien oder Deutschland kommen, desto weniger sind zum Randalieren da. Immerhin muss in Südafrika nicht so viel Geld für Terrorabwehr ausgegeben werden, der Friedfertigkeit der südafrikanischen Außenpolitik sei Dank.

  • 28.01.2010
    Einwurf

    Kalter Pelz

    Oliver Händler

    Johnny Weir ist kein Meister der Logik, er war nur mal US-Meister im Eiskunstlauf. Er kümmere sich lieber um Menschen, begründet der 25-Jährige seine Entscheidung, weiter mit Fuchspelz am Arm übers Eis zu drehen. Tierschützer hatten den Schönling aufgefordert, auf die Tierhaut am Kostüm zu verzichten, doch Weir helfe lieber »Obdachlosen in New York oder Haiti«, sagt er. Warum er deshalb nicht auch ohne Pelz den dreifachen Axel springen kann, leuchtet so recht nicht ein.

    Dabei weiß Weir nach eigenen Angaben, »wie schrecklich das für die Tiere ist«. Es sei nur eben nicht das Wichtigste in seinem Leben. Muss es ja auch nicht. Weir hat das Recht, die Rettung eines Menschen über die eines Tieres zu stellen. Den Tod eines Tieres billigend in Kauf zu nehmen, ohne dabei einen Menschen zu retten, und nur um vielleicht ein Zehntelpünktchen mehr vom russischen Preisrichter zu ergattern, ist jedoch unmenschlich.

    Das weiße Stück Pelz hängt übrigens etwa zehn Zentimeter lang von Weirs linker Schulter herab. Reine Zierde, die nicht ziert. Lächerlich, sinnlos und tödlich. Nicht für einen Menschen, natürlich.

  • 27.01.2010
    Einwurf

    Kriegsspiel

    »In dem Spiel geht es um Leben und Tod. Für beide Mannschaften ist es wie ein Krieg«, hat Mohamed Zidan gesagt. Der Ägypter spricht von einem Fußballspiel seiner Nationalmannschaft gegen Algerien! Wie einfältig kann man sein?

    Auch wenn diese Bemerkung nicht wörtlich gemeint sein sollte, sprudelt sie doch nicht einfach so aus einem heraus. Und was bedeutet sie überhaupt? Heißt es, dass Zidan – man kann wohl davon ausgehen, dass er gewinnen will – seine Gegner töten will? Ist das eine Bedrohung, die einschüchtern soll?

    Alles, was Zidan damit erreicht, ist noch mehr Hass zwischen ohnehin fanatisierten Anhängern. Als beide Mannschaften vor wenigen Wochen das letzte Mal aufeinander trafen, wurden Algeriens Spieler mit Steinen beworfen und 21 Ägypter von algerischen Anhängern verletzt. Egal, welche Mannschaft morgen gewinnt, die Krawalle sind programmiert, und niemand kann garantieren, dass es nur bei Verletzungen bleibt.

    Der Afrika-Cup begann mit Toten im Mannschaftsbus von Togos Nationalteam. Er könnte mit Toten auf den Straßen Algiers oder Kairos enden. Hoffentlich wird aus Einfalt keine Tragik.

    Oliver Händler

  • 26.01.2010
    Einwurf

    Veh geht spät

    Mark Wolter

    Sieben Bundesligaspiele ohne Sieg, zehn Punkte Rückstand auf einen Europapokalplatz – für den deutschen Fußballmeister ist das zu viel des Schlechten und deshalb entließ der VfL Wolfsburg gestern Trainer Armin Veh. Der Rauswurf kommt wenig überraschend, hatte der Klub den 48-jährigen Nachfolger von Meistercoach Felix Magath doch schon auf Raten entmachtet. Bereits zum Jahreswechsel musste Veh seine wenig erfolgreiche Managertätigkeit dem Ex-Herthaner Dieter Hoeneß überlassen. Vehs Bilanz: 20 Millionen Euro Transferausgaben für gefloppte, kaum spielende Neuzugänge.

    Auch in seiner Trainerfunktion war Veh mit seinem Latein am Ende – vor allem mit der Organisation der Hintermannschaft. 38 Gegentreffer werden nur noch vom Tabellenletzten aus Berlin getoppt. Vehs Kommentar: »So viele banale Gegentore in dieser Häufigkeit habe ich noch nie erlebt.« Das »Problem der Psyche«, wie der Trainer es selbst nennt, ist hausgemacht und von der zuletzt offenkundigen Ratlosigkeit Vehs nur noch gesteigert worden.

    Die Entscheidung der VfL-Führung ist sicher richtig – vielleicht aber verspätet. Die Probleme des am schlechtesten in die Rückrunde gestarteten Bundesligisten sind die gleichen wie in der Hinrunde. Eine Trennung zur Winterpause hätte einem neuen Trainer die Chance gegeben, die Spieler in Ruhe kennenzulernen, und die Zeit, dass Selbstvertrauen zurück zu gewinnen.

  • 25.01.2010
    Einwurf

    Unstreitbar

    Mark Wolter

    Bundestrainer Joachim Löw ruft Deutschlands beste Fußballer zur Nationalmannschaft – und schon geht das Theater um Sinn und Unsinn, Dauer und Terminlage der Vorbereitungstreffen wieder los. Diesmal an vorderster Front der Kritiker: Louis van Gaal. Der Trainer des FC Bayern München echauffiert sich über den heute in Stuttgart beginnenden Kurzlehrgang der deutschen Fußball-Nationalmannschaft samt Marketingmaßnahmen und Leistungstest. Der störe seine Vorbereitung und wäre unnötige Belastung für die Spieler. »Das ist Wahnsinn und respektlos«, meint van Gaal, und die benötigten Fitnessdaten könne er Löw schließlich auch liefern.

    Über den sportlichen Wert und den Trainingseffekt manches vergangenen Testspiels gegen unterklassige Gegner lässt sich sicherlich streiten – über einen rechtzeitigen Leistungstest in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Südafrika mit allen möglichen Nationalmannschaftskandidaten wohl kaum. Löw muss sich einen Überblick verschaffen, um frühzeitig alle eventuellen Schwächen zu erkennen. Die Kritik von van Gaal ist unangebracht, zumal sich die körperliche Belastung des Tests auf ganze 30 Minuten beschränkt. Außerdem wurde das Treffen mit der Liga und allen Klubs im Vorfeld im Rahmenterminkalender vereinbart – unter anderem mit der Bedingung, dass die Nationalmannschaft aus Rücksicht auf das straffe Programm von Bundesliga und Europapokal auf mögliche Testspiele im Februar und April verzichtet.

  • 21.01.2010
    Einwurf

    Größenwahn

    Heinrich Haussler ist fraglos ein sehr guter Radfahrer. Zweite Plätze bei Mailand - San Remo und der Flandernrundfahrt sowie Etappensiege bei Vuelta und Tour de France sprechen eine deutliche Sprache. Kein Wunder, dass der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) den Cottbuser mit australischen Wurzeln in seinem WM-Team für Melbourne im Herbst sehen will. Doch Haussler ziert sich. Auch für die Australier könnte er fahren. Jetzt stellt er die Bedingung, nur für Deutschland anzutreten, wenn er Kapitän sein darf und alle Kollegen für ihn fahren. Ziemlich größenwahnsinnig für einen 25-Jährigen und völlig unangebracht obendrein.

    Am Anfang einer Saison, in der André Greipel gleich die ersten beiden Rennen – in Australien! – gewinnt, hätte nicht mal Erik Zabel solche Forderungen gestellt, und der hat mehrfach bewiesen, WM-Medaillen erringen zu können, aber auch, wie schwer das ist. Ein Titel blieb dem Sprinter verwehrt.

    Der BDR muss sich zumindest keine Sorgen machen, dass die Australier das »unmoralische Angebot« als Erste aussprechen. Immerhin stellen die den aktuellen Weltmeister Cadel Evans. Der wird nur ein müdes Lächeln für Haussler übrig haben. Das sollten die Deutschen auch aufsetzen.

    Oliver Händler

  • 20.01.2010
    Einwurf

    Fußballunrecht

    Mark Wolter

    Eine Halbzeit schoben die Fußballer von Angola und Algerien gestern beim Afrika-Cup den Ball ohne Torambitionen hin und her – beiden Seiten reichte das 0:0, um ins Viertelfinale einzuziehen. Das leidtragende Team aus Mali, das einen Sieger gebraucht hätte, wittert eine Verschwörung und legte Protest beim Afrikanischen Fußballverband CAF ein. »Keine Punkte für dieses Verhalten«, fordert der malische Verband. »So ist eben Fußball«, kontert der algerische Trainer Rabah Saadane, dessen Land bei der WM 1982 ähnlich benachteiligt wurde, als Deutschland und Österreich im Skandalspiel von Gijón ein 1:0 verwalteten.

    Ungerechtigkeiten wie Nichtangriffspakte, übersehene oder zu Unrecht gegebene Tore, Schwalben verursachende Elfmeter oder mithelfende »Hände Gottes« wie bei Maradona oder Thierry Henry gibt es immer wieder. Bereinigen oder bestrafen kann man sie leider kaum, den Gelackmeierten bleibt oft nur Galgenhumor. Schön, wenn man's so locker nehmen kann wie der FSV Frankfurt, der am Samstag in Duisburg ein »Wembleytor« kassierte und deshalb nun am Wochenende für Fans ein »Phantom-Tor-Gedächtnisschießen« veranstaltet: Jeder, der den Ball so an die Latte schießt, dass er vor die Torlinie springt, bekommt freien Eintritt. Leider können Malis Fans sich so nicht wieder aufrappeln – ein »Arbeitsverweigerungs-Gedächtnisrumstehen« bringt wahrlich keinem etwas.

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