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Übersicht: Einwurf

  • 22.05.2012

    Zu Recht

    Einwurf von Jirka Grahl

    Jirka Grahl

    Gefühlt ist die Sache klar: Ja, die Hertha hätte es nach dieser Saison verdient, abzusteigen. Was für ein schlimmes Gekicke, was für eine Stümperei im Management, was für ein arrogant-teilnahmsloser Trainer in der Schlussphase dieser unseligen Saison 2011/2012, die nun »dank« der Berliner Rechtsmittel noch immer keinen Abschluss gefunden hat. Ja, der Aufstieg wäre den Düsseldorfern zu gönnen, nach einer beeindruckenden Relegationsphase den Aufstieg unbeschwert zu feiern und nach 15 Jahren Abwesenheit endlich mal wieder ganz oben mitzumischen, mit einem großen Anhang in einem modernen Stadion.

    Doch am Ende geht es vor den DFB-Gerichten um das, was sich da in jenen unglaublichen zwei Stunden in der Düsseldorfer Arena zugetragen hat. Vor allem, was sich auf dem Rasen abgespielt hat. Und hier scheint die Berliner Argumentation ganz und gar logisch: Man stelle sich vor, die Berliner hätten nach ihrer Rückkehr ins Stadion tatsächlich noch auf wundersame Weise ein Tor erzielt und wären sich vor den Augen der Fans jubelnd in die Arme gefallen. Es hätte womöglich wirklich jene körperlichen Angriffe gegeben, die dem DFB-Gericht gestern noch in der Begründung des Hertha-Einspruchs fehlten.

    Berlin drängt nun weiterhin auf ein Wiederholungsspiel. Wohl zu Recht.

  • 21.05.2012

    Trauma

    Einwurf von Alexander Ludewig

    Geschichte wiederholt sich. Vergleiche mit anderen deutschen Vereinen lehnt der FC Bayern aus seinem Selbstverständnis und ob seiner erfolgreichen Historie ab. Doch nach der Niederlage im Finale der Champions League fällt der Blick unweigerlich zehn Jahre zurück.

    »So schlimm ist es noch nicht, dass wir uns mit Leverkusen vergleichen müssen«, spottete Münchens Manager Christian Nerlinger vor fünf Wochen nach dem 0:1 gegen Borussia Dortmund. Damit war die Meisterschaft verloren. Auf den Tag genau einen Monat später folgte die Pokalklatsche gegen den BVB. Nun ist, nach dem Elfmeter-K.o. gegen Chelsea, auch der letzte von drei möglichen Titeln verspielt. Vize-Bayern! Nicht nur die simple Tatsache, sondern auch die Tragik des Scheiterns verbindet die Münchner unweigerlich mit dem Leverkusener Team aus dem Jahr 2002.

    Für Nerlinger ist aus dem Traum vom Finalsieg im heimischen Stadion ein »Alptraum« geworden. Doch womöglich ist es noch schlimmer. Bayer Leverkusen erlebte in der Folgesaison einen unglaublichen Absturz und wäre fast abgestiegen. Ganz so hart wird es den FC Bayern sicherlich nicht erwischen. Ein schnelles Erwachen aus dem Alptraum ist ihm zu wünschen. Doch auch die Gefahr, dass aus dem Traum ein Trauma wird, besteht. So fokussiert waren sie auf das »Finale dahoam«, auf den Titel, auf den Pokal.

    Und nun? Nun sind sie allesamt in ein tiefes dunkles Loch gefallen, in dem nur absolute Leere und Bitterkeit sie umgeben. In jedem Gesicht war es zu erkennen, aus jedem Mund zu hören. Eine Lösung, das zu verarbeiten, hatte so kurz danach noch niemand. »Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Es wird auf jeden Fall sehr lange dauern«, sagte Nerlinger.

    Vielleicht bietet dem ein oder anderen Spieler die Europameisterschaft die Chance zur emotionalen Erholung. Aber die schrecklichen Erinnerungen haften eben am roten Trikot des FC Bayern. Zumal sich die Münchner auch nicht mehr an der nationalen Vormachtstellung laben können. Die zweite titellose Saison in Folge nagt am erfolgsverwöhnten Rekordmeister.

    Selbst Uli Hoeneß, seit über 40 Jahren als Spieler, Manager und Präsident beim FC Bayern, »weiß nicht, wie ich das verarbeiten soll«. Aber zumindest hat er eine Idee, wenn auch keine sehr kreative: »Wir werden unsere Mannschaft so lange verstärken, bis wir wieder alleine an der Spitze sind. Wir haben das Geld dazu.« Und das Beispiel Chelsea zeigt ja: Geld schießt manchmal eben doch Tore. Alexander Ludewig

  • 18.05.2012

    Biosprit schadet nur

    Brüsseler Spitzen

    Von Martin Hofstetter
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    Der Autor ist Agrarwissenschaftler und Experte für Landwirtschaft bei Greenpeace.

    Die zunehmende Erzeugung von Agrarsprit aus öl- und zuckerhaltigen Ackerpflanzen verknappt das weltweite Angebot an Lebensmitteln, lässt die Nahrungsmittelpreise steigen und ist letztendlich Mitauslöser für Hunger in der Welt. So weit, so schlecht. Dass aber Agrosprit auch ungeeignet ist, einen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Erwärmung zu leisten, ist eine relativ neue Erkenntnis.

    Dabei ist der Zusammenhang klar: Immer mehr Ackerflächen werden mit Pflanzen für die Kraftstoffproduktion bestellt. Da aber weltweit die Nachfrage nach Lebensmitteln nicht sinkt, sondern ebenfalls steigt, werden alle produktiven Böden bis an ihre Grenzen genutzt. Flächenstilllegungen sind passé, stattdessen werden Urwälder zu Äckern gemacht. Das aber schädigt das Klima massiv.

    Nun gilt in der EU die Vorgabe, dass Agrosprit über seinen gesamten Lebenszyklus, also vom Anbau über die Verarbeitung bis zur Zapfsäule, mindestens 35 Prozent weniger CO2 freisetzen darf als herkömmlicher Kraftstoff. Zusätzlich ist festgeschrieben, dass der Anbau nicht auf frisch gerodeten Urwaldflächen und entwässerten Torfmooren erfolgen darf. Doch wirkt dieses Verbot kaum. Denn Landwirte roden weiter Regenwald, produzieren dort Futter- und Nahrungsmittel und säen die Agrospritpflanzen auf ihren bisherigen Ackerflächen.

    Berücksichtigt man diese indirekten Landnutzungsänderungen, ist die Klimabilanz vieler Agrotreibstoffe laut einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie verhagelt. Demnach belasten herkömmliche Kraftstoffe aus Erdöl das Klima mit 87,5 Gramm CO2 je Megajoule. Diesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl haben einen deutlich höheren Wert, teilweise über 100 Gramm.

    Ein Ende der Nutzung von Rapsöl für Treibstoffe ist daher im Gespräch, doch das ruft hierzulande vor allem die Rapsölerzeuger auf den Plan. In Deutschland werden knapp eine Million Hektar Energieraps angebaut und von den Ölmühlen zu Sprit gemacht. Ein Verbot der Rapsverwendung würde die Gewinne von Rapsbauern und Verarbeitern deutlich schmälern. Der Deutsche Bauernverband und die Agrartreibstoffhersteller versuchen daher alles, um die Neuberechnung der Kraftstoffe zu verhindern. Ursprünglich hatte die EU-Kommission geplant, spätestens in diesem Frühjahr konkrete Vorschläge zu machen, wie die realen Klimabilanzen in den Richtlinien berücksichtigt werden können. Doch daraus wird wohl nichts. EU-Kommissar Günther Oettinger erweist sich als Erfüllungsgehilfe der deutschen Agrarindustrie und hat vor wenigen Tagen alle Vorschläge der für Klimapolitik verantwortlichen EU-Kommissarin Connie Hedegaard abgeschmettert.

    Dabei sind beim Thema Agrosprit eigentlich dringend Konsequenzen geboten. Erstens: Es macht ökologisch keinen Sinn, klimaschädlichen Agrosprit als Kraftstoff bei Pkws einzusetzen. Um Treibhausgase im Pkw-Bereich einzusparen, müssten die Autobauer vielmehr in die Pflicht genommen werden, den Spritverbrauch ihrer Neuwagen drastisch zu senken sowie Solarautos günstig anzubieten.

    Zweitens: Zur Erfüllung der gesetzlich vorgegebenen Beimischungsquoten werden Soja- und Palmöl in die EU importiert. Die heimische Ölerzeugung reicht bereits heute nicht aus, um die Mengenvorgaben zu erfüllen. Die vorgegebenen Biokraftstoffquoten sollten daher dringend abgeschafft werden.

    Drittens: Nur wenn alle Ackerpflanzen - unabhängig ihrer Verwendung als Futter-, Lebensmittel oder Kraftstoff - gleichermaßen strengen Nachhaltigkeitskriterien unterliegen, können die negativen Effekte eingedämmt werden. Die EU-Kommission muss hierfür dringend Vorschläge machen.

  • 08.05.2012

    Reif

    Einwurf von Alexander Ludewig

    Schon das Lob des Bundestrainers verriet, dass die einzig wirkliche Überraschung im erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft die Fußball-EM wohl nicht erleben wird. »Er hat Potenzial für die nächsten Jahre«, sagte Joachim Löw über Julian Draxler vom FC Schalke 04. Der 18-jährige Mittelfeldspieler ist neben dem Gladbacher Torwart Marc-André ter Stegen der einzige Neuling.

    Viel muss Löw ja auch nicht verändern. Zumal sich auch sonst niemand zwingend aufgedrängt hat. Die Mannschaft funktioniert und hat seine Spielphilosophie und das System über Jahre verinnerlicht. Und sie ist mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren immer noch jung, was aus Sicht des Bundestrainers im modernen laufintensiven Fußball eine Voraussetzung für den Erfolg ist.

    Aber vor allem hat dieses DFB-Team wertvolle Erfahrungen gesammelt - und scheint reif für den ersten Titel nach 16 Jahren. Bei der EM vor vier Jahren und der WM 2010 scheiterte es noch an den überragenden Spaniern. Danach folgten eine makellose Qualifikation zur Europameisterschaft und Siege gegen Mannschaften wie Brasilien und die Niederlande. »Im Vergleich zu den letzten Turnieren haben wir aufgeholt. Ich bin überzeugt, dass wir die Qualität haben, Spanien zu schlagen«, sagte Löw Ende vergangenen Jahres entsprechend selbstbewusst.

    Im Wissen um die Stärke seiner Mannschaft präsentierte Löw auch am Montag gelassen und gut gelaunt die Namen der 27 Spieler, von denen er vier vor dem Turnier wieder streichen muss. Den Konkurrenzkampf will er »so lang wie möglich ausreizen«.

    Alexander Ludewig

  • 25.04.2012
    Einwurf

    Vertrieben

    Oliver Händler

    Steigende Mieten und die Verdrängung der armen Bevölkerung aus Stadtzentren sind bei weitem kein rein deutsches Problem. Seit Jahren klettern die Mieten in London drastisch, und die Olympischen Spiele beschleunigen diesen Trend auch noch.

    Sir Robin Wales, Bürgermeister des Stadtteils Newham rund um den Olympiapark, griff nun zu drastischen Mitteln: Er kündigte die Ausweisung von 500 der ärmsten Familien an, die Sozialleistungen der Kommunen beziehen. 1179 Sozialwohnungsgesellschaften - teilweise mehr als 200 Kilometer entfernt - wurden gebeten, die Menschen aufzunehmen. Die Gemeinde könne die Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht mehr aufbringen, und das Kappen des Wohngeldes durch die Regierung verschärfe das Problem, so Wales. Immer mehr Menschen aus wohlhabenden Gegenden würden ins Londoner Armenhaus getrieben.

    Der Bürgermeister bekommt nun von allen Seiten Kritik. Sozialverbände werfen dem Labour-Politiker »soziale Säuberungen« vor. Der konservative Wohnungsstaatssekretär Grant Shapps sagt, Wales versuche nur, polemisch die bevorstehenden Bürgermeisterwahlen in London zu beeinflussen.

    Die 1379 Sozialwohnungen, die nach den Spielen vom Olympischen Dorf übrigbleiben, werden auf Dauer jedenfalls nicht ausreichen, um den Exodus aufzuhalten. Das Problem gab es schon in Vancouver, doch darüber redet das IOC nicht gern.

  • 16.04.2012
    Einwurf

    Kapituliert

    Alexander Ludewig

    Einen Funken Hoffnung hatte der FC Bayern noch. Doch nach dem Sieg im direkten Duell versetzte Dortmund den Münchnern am Sonnabend gleich den nächsten Nackenschlag. Den Sieg der Borussia im Derby gegen Schalke verfolgten die Bayern-Spieler vor dem Anpfiff gegen Mainz.

    »Psychologisch war das eine schwierige Situation«, gestand Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Die Kapitulation vor dem BVB erfolgte dann auf dem Rasen gegen Mainz. Motivationslos gingen die Münchner beim torlosen Remis zu Werke. Nur fünf Fouls zeugen von der kampflosen Aufgabe in der Meisterschaft. Die Fans verabschiedeten die Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert.

    Ein Wiedersehen mit dem eigenen Anhang gibt es schon am Dienstag, im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid. Und worauf kommt es da an? Richtig, auf die Einstellung. »Ich hoffe, dass wir die Mentalität ausstrahlen, für die der FC Bayern steht«, blickte Bastian Schweinsteiger voraus. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie den Schalter umlegen können. Hilfreich war der lustlose Auftritt gegen Mainz sicher nicht.

  • 12.04.2012
    Einwurf

    Ebbers erleben

    Jirka Grahl

    Der gemeine Fußballjünger kommt ja immer mal wieder ins Grübeln, wohin sich denn der Fußballgott dieser Tage wohl verkrümelt hat: Bei all dem unverhohlenen Kommerz, den unsittlichen Gehältern, den ungerechten Kollektivstrafen gegen die Fans, den regelmäßigen Schmierenkomödien, wenn Spieler zu Boden sinken und sich theatralisch die Hände vors Gesicht schlagen, als müssten sie weinen, dabei ist es doch nur die Scham, weil jeder sehen konnte, dass da kein Foulspiel war. Oder wenn das alles entscheidende Spitzenspiel nur für teures Geld oder aber in der »sky«-Kneipe zu erleben ist.

    In Hamburg gab's am Dienstagabend in Liga zwei mal ein herzerwärmendes Argument für den Glauben an das Gute im Fußball: In der 80. Minute erzielte Marius Ebbers ein Tor für St. Pauli. Mit der Hand. 2:1? Womöglich der Siegtreffer für Pauli, das vom Wiederaufstieg träumt! Der Schiedsrichters fragte nach beim Schützen, und Ebbers gab zu, Hand und Kopf zugleich benutzt zu haben. Das Tor zählte nicht.

    Doch der Fußballgott sah, dass es gut war, und siehe: In der 93. Minute traf ein Kollege von Ebbers zum 2:1. Nicht auszudenken, wie Ebbers' Eingeständnis sonst von vielen bewertet worden wäre: als Verrat, als Dummheit, als Sünde? Der FC St. Pauli jedenfalls gewann drei Punkte, der Spieler Ebbers wohl sämtliche Fairplay-Preise, die in nächster Zeit so vergeben werden. Amen.

  • 11.04.2012
    Einwurf

    Zynisch

    Oliver Händler

    Als aktiver Freizeitgolfspieler tut es ein bisschen weh, mal wieder die Elitekeule zu schwingen. Nun ja: US-Profi Bubba Watson gewann am Osterwochenende das Masters in Augusta, für viele das prestigeträchtigste Turnier der Welt neben den British Open und dem Ryder Cup. In seiner Dankesrede vergaß Watson nicht, die 1100 fleißigen freiwilligen Helfer zu erwähnen. Sehr ehrenwert, doch war sein folgender Satz irgendwie zynisch: »Wir brauchen Euch. Ein solches Golfturnier könnte ohne Freiwillige nicht gestemmt werden.«

    So ganz korrekt ist das nicht - schon gar nicht in Augusta. Das Masters 2012 verteilte unter den Bestplatzierten ganze acht Millionen US-Dollar Preisgeld. Watson bekam für den Sieg über 1,4 Millionen. Das allein wären schon über 1000 Dollar, über die sich jeder Freiwillige gefreut hätte. Und kein Golfprofi hätte die Einladung nach Georgia ausgeschlagen, wäre das Preisgeld um ein paar Millionen geringer ausgefallen. Der Ruhm, der dem Sieger hier winkt, ist einfach zu verlockend.

    Beim Ryder Cup ist es ähnlich. Da spielen alle zwei Jahre die besten US-Amerikaner gegen die besten Europäer. Die reichsten 24 Golfer auf einem Fleck und keiner bekommt einen Cent dafür. Es geht auch so. Immer mal.

    Und Bubba Watson sollte es besser wissen. Er ist nicht gerade der Musterprofi, der seit der Kindheit auf Erfolg und Etikette getrimmt wurde. Er hatte noch nie eine Trainerstunde, was man seinem Stil ansieht. Er springt mit beiden Füßen beim Schlag, bewegt den Oberkörper nach oben, lässt die Hände nicht am Schaft. Sein Schwung wirkt ehrlich, unverfälscht, in keine Schablone gepresst. Ein paar ehrliche Worte ins Mikrofon wären ebenso angebracht gewesen. Vielleicht mit ähnlichem Erfolg.

  • 02.04.2012

    Lächerlich

    Einwurf von Alexander Ludewig

    Alexander Ludewig
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    Robin Dutt

    Wenn die typische Reißleine gezogen wird, dann erwischt es natürlich das schwächste Glied. Im Fußball sind das nun mal die Trainer. Gezogen haben gestern in der ersten Liga Leverkusen und in der zweiten Liga Alemannia Aachen. Robin Dutt und Friedhelm Funkel sind also wieder auf dem Markt.

    Häufen sich Entlassungen derart, geht eine Saison verlässlicherweise in ihre entscheidende Phase. Also gute Chancen für die gerade Geschassten bald wieder irgendwo als Hoffnungsträger aufzukreuzen. Vielleicht beim 1. FC Köln? Stale Solbakken kann man da gerade auch nicht mehr so richtig leiden.

    Insgesamt gab es in den ersten beiden Ligen in dieser Spielzeit schon 19 Trainerwechsel. Die kosten zusätzliches Geld, wovon die meisten Vereine immer zu wenig haben. Zu Recht lächerlich erscheint das zuvor übliche Gerede von Kontinuität.

    Es geht auch anders. Der FC Augsburg bekannte sich selbst als abgeschlagener Tabellenletzter zu seinem Aufstiegstrainer. Und ist mit Jos Luhukay nun auf einem guten Weg zum Klassenerhalt.


  • 30.03.2012
    Einwurf

    Abwarten

    Oliver Händler

    Die Dopingaffäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke erhitzt weiter die Gemüter. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Minister und Bundestagsabgeordnete werfen prominente Dopinggegner der Regierung nun die Duldung Dopings vor.

    Nach der Auffassung von Biathlonolympiasiegerin Antje Harvey-Misersky, Antidoping-Kämpferin Brigitte Franke-Berendonk u.a. habe Franke das Blut von 30 Athleten eindeutig manipuliert. In dem Brief beklagen sie die Einmischung der Politik in die Deutungshoheit der Antidoping-Agenturen. Blutmanipulation werde »von NADA und WADA eindeutig als Doping deklariert«.

    Dass sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Unionsabgeordnete bereits vor der Expertenanhörung vergangene Woche darauf festlegten, dass Frankes Methode kein Doping sei, ist wirklich zu kritisieren. Pharmakologieprofessoren als »Apotheker« abzukanzeln oder Pressemeldungen vor dem Ende einer Anhörung herauszugeben ebenso.

    Trotzdem hat die Politik das Recht zur Analyse, wenn Mediziner wie Franke vom Staat bezahlt werden. Und sollte sich herausstellen, dass er wirklich nur Infekte behandelte - so naiv die Annahme auch sein mag -, und Rechtsgutachten die Methode zum damaligen Zeitpunkt als nicht verboten einstufen, hätten sich die Dopinggegner zu früh festgelegt. Lassen wir den Schiedsgerichten doch mal ein wenig Zeit.

  • 29.03.2012
    Einwurf

    Ein Sieg?

    Alexander Ludewig

    Geschlossen, über Vereinsgrenzen hinweg, haben die Fans des 1. FC Union Berlin und Eintracht Frankfurt, so sieht es auf den ersten Blick aus, einen Sieg errungen. In gemeinsamer Planung hatten sie es am Montagabend geschafft, die vom Deutschen Fußballbund (DFB) von dieser Partie ausgeschlossenen Frankfurter Fans ins Stadion zu bringen. »Wir werden keinen Teilausschluss von Gästefans mehr beantragen«, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch darauf.

    Der Verband musste eingestehen, dass derlei Sanktionen nicht wirken. Zudem offenbarte die Aktion in Berlin die Ratlosigkeit beim DFB. Andere Lösungen, um Straftaten Einzelner zu ahnden, hat er momentan nicht parat. Das heißt jedoch nicht, dass Kollektivstrafen, gegen die der Fanprotest gerichtet war, aus dem Maßnahmenkatalog des DFB verschwinden.

    Möglicherweise ist es auch ein Pyrrhussieg. Den Affront und die lautstarken Beschimpfungen, zudem in einem Livespiel vor laufenden Kameras, wird der DFB so schnell nicht vergessen. Und auch die Ankündigung der Lösungssuche verspricht nichts Gutes. »Wir müssen uns alle, der DFB, der Ligaverband und die Klubs an einen Tisch setzen«, sagte Koch. Alle? Die Fans hat der DFB-Vizepräsident nicht genannt. Dabei bieten sie sich, organisiert in großen Interessenverbänden, immer wieder als Gesprächspartner an. Gewalt im Stadion lehnen diese kategorisch ab. Eine gute Basis für einen Dialog!

  • 27.03.2012
    Einwurf

    Hilflose Bayern

    Alexander Ludewig
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    Wieder angriffslustig: Uli Hoeneß

    Was müssen sie gejubelt haben am frühen Sonntagabend in München: über die Führung der Kölner gegen Dortmund, und über sich selbst. Denn der FC Bayern schießt wieder scharf - außerhalb des Platzes.

    Und wer kann das besser als Präsident Uli Hoeneß. »Das ist ein Zermürbungskampf, in dem man immer wieder Nadelstiche setzen muss«, fuhr der Chef der Abteilung Attacke nach dem Sieg gegen Hannover die ersten Geschütze auf.

    Ach, wie haben sich die Zeiten geändert. Mittlerweile sehen die Münchner einen engen Heimerfolg gegen 96 als Nadelstich, um den Druck auf die Dortmunder Spitzenreiter zu erhöhen. Die Angst, die Schale zweimal in Folge nicht in den Händen zu halten, spricht mit. Aber dass Hoeneß »sehr, sehr gute Chancen« auf den Titel sehe, ist ja auch verständlich. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison hatte Bayern 14 und nicht nur fünf Punkte Rückstand.

    Die von Hoeneß zwar selbstbewusst vorgetragene, aber tatsächlich hilflose Hoffnung, dass die Nadelstiche »wirken werden«, ließen die Dortmunder vorerst eindrucksvoll platzen. Sechs BVB-Tore folgten der Kölner Führung. »Das Ergebnis ist immer eine Antwort«, freute sich der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp. Der Meister schießt weiter nur auf dem Platz.

    Was müssen sie sich geärgert haben am späten Sonntagabend in München: über Dortmunder, die sich partout nicht beeindrucken lassen wollen, und vielleicht über sich selbst. Können Nadelstiche Ansporn sein?

  • 26.03.2012

    Alles?

    Einwurf von Alexander Ludewig

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    Wütende Hertha-Fans

    Schade, dass nur 2000 Fans Hertha BSC zum Spiel nach Mainz begleitet haben. Freilich, diese bejubelten den Sieg und vor allem den Doppeltorschützen Adrian Ramos. Das zweite Tor sei ihm leichter gefallen, weil er nach dem ersten wieder Selbstvertrauen hatte, sagte der Stürmer.

    50 000 Berliner Fans verabschiedeten Ramos vergangene Woche im Spiel gegen Bayern München mit einem schrillen Pfeifkonzert. Ihr Vorwurf: Lustlosigkeit und kein Tor seit neun Spielen. Dabei war der Kolumbianer einer unter vielen. Alle Herthaner ergaben sich beim 0:6 willenlos. Und eine Torflaute hatte schon jeder Stürmer.

    Auch gegen den FC Bayern: Ein riesengroßes Transparent in der Ostkurve, Herthas Fanblock, mit der Aufschrift »Wir halten unser Wort«. Gemeint war das gegenseitige Versprechen nach einer Aussprache von Fans und Team, Alles zu geben, um den Abstieg zu verhindern.

    Rechtfertigen, wie jeder Spieler, müssen sich die Fans nicht, hinterfragen sollten sie ihre Aktionen schon. Persönliche Angriffe nach kollektivem Versagen? Geben sie Alles? Alexander Ludewig

  • 12.03.2012

    Von wegen!

    Einwurf von Florian Gafert

    Und wieder steht die Null, wieder hat Mönchengladbachs 19-jähriges Torwart-Juwel Marc-André ter Stegen sein Tor dicht gehalten - zum elften Mal in dieser Saison, diesmal gegen Freiburg. Gladbach hat mit nur 15 Gegentoren den Bestwert aller europäischen Spitzenligen inne. Doch was nutzen derlei Parameter, wenn es in der Offensive schließlich hapert?

    Nach dem 0:0 gegen den Vorletzten ist nun mancherorts von Krise die Rede, gar von Absturz. Spieler und Trainer lässt das kalt. Sie wollen sich nicht von außen hineinreden lassen. »Viele müssen aufhören, Dummheiten zu erzählen«, mit diesen Worten versucht Trainer Lucien Favre, alle Kritiken schon im Keim zu ersticken.

    Doch auch die Fans erwarten mittlerweile viel von ihren Lieblingen - was die Ergebnisse anbetrifft und neuerdings auch in Sachen spielerische Qualität. Am Sonnabend gellten nach Spielende erstmals seit langem Pfiffe durch das Stadion.

    Ein zu hartes Urteil. Erinnern wir uns: Als Beinahe-Absteiger übernahm Favre im Februar 2011 die Schießbude der Liga, schaffte den sensationellen Klassenerhalt. Nun jährt sich am 18. März die letzte Niederlage in der »Festung« Borussia-Park (0:1 gegen Kaiserslautern).

    Neun Spieltage vor Saisonende ist der Mannschaft kaum mehr die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb in der nächsten Saison zu nehmen. Gladbach steuert erstmals seit 16 Jahren wieder auf das europäische Geschäft zu und hat im Pokalhalbfinale gegen Bayern München sogar noch reelle Chancen auf einen Titel. Krise? Von wegen!

    Florian Gafert

  • 05.03.2012
    Einwurf

    Schuldfrage

    Alexander Ludewig

    Zugegeben, das Wort Krise kommt einem beim FC Bayern immer etwas früher über die Lippen als bei anderen Klubs. Grund dafür sind die - derzeit absolut unbegründeten - Ansprüche auf die nationale Vormachtstellung.

    Somit ist klar: Nach dem 0:2 in Leverkusen steckt der Rekordmeister in der Krise. Sieben Punkte Rückstand auf Dortmund, null Tore in den letzten drei Auswärtsspielen - »Von der Meisterschaft reden wir nicht mehr«, so Manager Christian Nerlinger zu den ernüchternden Fakten.

    Jetzt seien die Medien natürlich wieder schuld, schüttelte ein Journalist einer großen Münchner Zeitung jüngst den Kopf über die von Präsident Uli Hoeneß beklagte »Hetzjagd« auf Arjen Robben. Deshalb spiele er so schlecht. Doch schuld ist, wer noch immer denkt, dass individuelle Klasse eine Spielphilosophie ersetzt. Solang nicht der Trainer, sondern die unbestritten verdiente Klubführung entscheidet, welcher Spieler verpflichtet wird, ändert sich daran nichts.

    Nur mit einem innovativen Trainer, der - ohne Titeldruck und somit genügend Zeit - eine Mannschaft (!) samt Spielidee entwickeln kann, wird der FC Bayern auf Dauer wieder Spitze sein.

  • 29.02.2012
    Einwurf

    Oberflächlich

    Alexander Ludewig

    Viel wurde in letzter Zeit über Fans und das Gewaltproblem im Fußball diskutiert. Lobend wurde dabei von fast allen Seiten der Rückgang fremdenfeindlicher und antisemitischer Tendenzen erwähnt. Spätestens seit Sonntag wissen wir, dass der alltägliche Rassismus wie in der Gesellschaft so auch im Fußball immer noch seinen Platz hat. Itay Shechter, israelischer Stürmer beim Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern, wurde von einigen Fans beim Training mit rechtsradikalen Parolen beschimpft - inklusive Hitlergruß.

    Die Bestürzung darüber ist zurecht groß. Die Entschuldigungen beim 25-Jährigen vonseiten des Vereins und der Fanvertretung wahrscheinlich ebenso ehrlich gemeint wie die Ächtung des Vorfalls. Dringend notwendig ist die Aufklärung. Die Polizei geht, nach dem Aufruf des Klubs, dass sich Zeugen melden und Fernsehsender ihre Bilder zur Verfügung stellen sollten, ersten Hinweisen nach.

    Die Mitteilung von Klubsprecher Christian Gruber - es handele sich lediglich um fünf bis zehn einschlägig vorbestrafte, bereits mit Stadionverbot belegte Personen - greift jedoch viel zu kurz. Weil nur wenige ihre Gesinnung offen demonstrieren, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass derart dummes Gedankengut nicht viel weiter verbreitet ist.

    Die Fanszene wird immer mehr von geschlossenen Gruppierungen wie den Ultras dominiert, die sich oft bewusst unpolitisch geben. Aufgenommen wird, wer den Verein liebt und alles für ihn zu geben bereit ist. Politische Einstellungen spielen keine Rolle und werden nicht hinterfragt. So ist die Feststellung des Rückgangs von Rassismus im Stadion leider nur allzu oberflächlich.


  • 23.02.2012
    Einwurf

    Unerfreulich

    Oliver Händler

    Ach Claudia Pechstein! Kopfschütteln oder Mitleid - wie soll man es mit der Eisschnellläuferin nur halten. Vor drei Jahren waren die meisten von ihrer Dopingschuld überzeugt, zwei Jahre später schien sie entlastet und zu Unrecht gesperrt. Im neusten Fall der Erfurter UV-Behandlung wuchsen wieder Zweifel, zumal Pechstein und ihr Umfeld derzeit jeden unsäglich beschimpfen, der es wagt, sie zu kritisieren. Bei einer Aktion der Staatsanwaltschaft war sie gestern dann doch mal wieder zu bemitleiden.

    An ihrem 40. Geburtstag wurde das Grundstück Pechsteins nahe Berlin von der Polizei durchsucht. Hätte sie damit nicht noch einen Tag warten können? Schließlich ging es nicht mal um Pechstein selbst, sondern um Rocker, die das Grundstück mal bewacht und womöglich als Versteck für Waffen genutzt hatten.

    Dieser Fall scheint einfacher lösbar zu sein als jener der Erfurter Kollegen gegen den Sportmediziner Franke, dessen Patient Pechstein gewesen sein soll. Dieser Eindruck wurde gestern nochmals verstärkt, als der Bund Deutscher Radfahrer Jakob Steigmiller für die Bahnrad-WM im April vorschlug. Im Gegensatz zu Pechstein läuft gegen ihn sogar ein Verfahren vor der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit wegen der mittlerweile verbotenen Behandlung Frankes.

    Dass Steigmiller trotzdem nominiert werden soll, ist ein Indiz dafür, dass die Verantwortlichen im Radsportverband sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund nicht mit einer Dopingsperre rechnen. Das müsste dann für die restlichen Beschuldigten auch gelten. Claudia Pechstein dürfte sich darüber gestern aber kaum gefreut haben.

  • 16.02.2012
    Einwurf

    Sinnfreie Idee

    Oliver Händler

    Die FIFA vermisst Geld. Der Fußballweltverband ist berüchtigt dafür, dass seine Transaktionen nicht immer geordnete Wege nehmen, doch dieses Mal trifft es die Ärmsten. Spenden in Höhe von 190 000 Dollar (umgerechnet 145 000 Euro), die für die Erdbebenopfer Haitis bestimmt waren, sind dort nie angekommen. Von den angewiesenen 250 000 Dollar blieben in Port au Prince nur 60 000 übrig.

    Der Rest wird in einem weiteren Karibikstaat vermutet: Trinidad & Tobago. Die FIFA hatte nämlich das Geld anstatt direkt nach Haiti zunächst an den Fußballverband Trinidads überwiesen, der es dann weiterleiten sollte. Diese für die Opfer völlig sinnfreie Idee kam angeblich vom ebenso korruptionsberüchtigten ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner, der 2010 auch noch seinen Heimatverband auf Trinidad & Tobago leitete. Schon damals war er Mittelpunkt mehrerer Skandale, doch seine Freunde bei der FIFA spielten mit.

    Dass sie nun ausgerechnet an ihm ein Exempel statuieren, da er beim großen Boss Joseph Blatter in Ungnade gefallen ist, hat einen sehr faden Beigeschmack. Niemand zwang die FIFA, das Geld ins von Haiti 1500 Kilometer entfernte Port of Spain zu überweisen. Dass dabei etwas schief gehen müsste, war sicherlich bekannt, vielleicht gar gewollt. Die FIFA will sich auf diese Weise reinwaschen. Ob die Haitianer das Geld noch sehen, ist fraglich.

  • 07.02.2012

    Ineffizient

    Einwurf von Oliver Händler

    Für die Annahme, dass Alberto Contador dopte, gab es zahlreiche Indizien in den vergangenen Jahren. Der kilometerlange Bergsprint des damals 24-Jährigen gegen den kurze Zeit später als Doper entlarvten Dänen Michael Rasmussen hinauf zum Col de Peyresourde bei der Tour de France 2007 war das erste. Hinzu kamen Berechnungen von Wissenschaftlern, nach denen Contadors Siegesfahrten die Fähigkeiten einer normalen Lunge überschritten, sowie Plastikspuren im Blut des Spaniers, die auf verbotene Transfusionen schließen ließen. Insofern ist das Urteil zu begrüßen, auch wenn letztlich nur 50 Picogramm Clenbuterol pro Milliliter Blut den Ausschlag gaben. Das sind 50 Billionstel eines Gramms! Man hätte sich einen überzeugenderen Nachweis der Schuld gewünscht.

    Noch schlimmer ist jedoch, dass Contador mehr als ein Jahr seiner viel zu spät ausgesprochenen Sperre im Sattel verbrachte und Rennen fuhr. Sein Team zahlte ihm dafür geschätzte fünf Millionen Euro, weitere Werbeeinnahmen nicht inbegriffen. Schmerzlich kann man diese Sperre kaum nennen. Das Geld muss er sicher nicht zurückzahlen, trug er doch die Sponsorenlogos werbewirksam auf Rücken und Brust von Rundfahrt zu Rundfahrt. Wenn Sperren effektiv sein sollen, müssen die Sportgerichte künftig effizienter arbeiten. Oliver Händler

  • 06.02.2012

    Fehlstart

    Einwurf von Alexander Ludewig

    Alexander Ludewig
    Drei Spiele, drei Niederlagen. So sieht ein klassischer Fehlstart aus. Der Trainerwechsel zu Michael Skibbe hat Hertha BSC kein Glück gebracht. Nach der Heimniederlage gegen Hannover sind die Berliner noch tiefer in den Tabellenkeller gerutscht.

    Zwar wurde der Abstiegskampf ausgerufen, akzeptiert haben sie ihn nicht. »Deutlich besser als zuletzt«, hat Manager Michael Preetz das Team gegen 96 gesehen. Michael Skibbe will »nicht zu viel negativ interpretieren«. Mittelfeldmann Fabian Lustenberger meinte gar: »Zum gleichen Zeitpunkt hatten wir 2010 neun Punkte, jetzt 20.«

    Der Schweizer spricht vom Abstiegsjahr, das gerne als »Betriebsunfall« abgetan wird. Schaut man aber genau hin, sind durchaus Parallelen auszumachen. Denn der Negativtrend ist nicht erst seit der Winterpause und dem Trainerwechsel zu erkennen. Keines der letzten neun Spiele konnte Hertha gewinnen, der letzte Sieg gelang im Oktober.

    Auch die eklatante Heimschwäche erinnert an 2010. Nur zwei Siege in zehn Spielen vor heimischem Publikum sind im Kampf um den Klassenerhalt einfach zu wenig. Um diesen zu gewinnen, muss man ihn zuerst einmal annehmen.

    Alexander Ludewig

  • 30.01.2012

    Heimlich

    Einwurf von Alexander Ludewig

    Alexander Ludewig

    Im vergangenen September wurde die Occupy-Bewegung nahe der New Yorker Wall Street geboren. Da trifft es sich in diesen Tagen, dass der Deutsche Fußballbund seinen Sitz in der Finanzmetropole Frankfurt am Main hat.

    »Occupy-DFB« hieß es am Freitag vor der Zentrale, wo der Berliner Sportjournalist Andreas Rüttenauer sein Zelt aufgeschlagen hatte. Drinnen tagte das 18-köpfige DFB-Präsidium und einigte sich auf Wolfgang Niersbach als Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Theo Zwanziger. Am 2. März soll er von 261 Bundestagsdelegierten bestätigt werden.

    Auch wenn Rüttenauers Gegenkandidatur chancenlos ist - sein Protest, ist richtig und unterstützenswert. Der DFB ist mit über 6,7 Millionen Mitgliedern der weltweit größte Sportfachverband. Die Entscheidungen trifft jedoch ein kleiner Machtzirkel hinter verschlossenen Türen. Heimlich - so wie Niersbach am Freitag durch die Hintertür kam und ging.

    Dass Transparenz und Demokratie keineswegs nur utopische Ideen von Fußballromantikern sind, zeigen viele wohlwollende Reaktionen von Fans, Politikern und DFB-Funktionären, die die Vordertür nutzten. Weiter so!


  • 24.01.2012
    Einwurf

    Gegenschlag

    Oliver Händler

    Sepp Blatter und Uli Hoeneß sind als Stammgäste dieser Rubrik immer für einen Kommentar gut. Dass sie heute gemeinsam auftreten, liegt an einer fragwürdigen »Enthüllung« des FIFA-Präsidenten. Bayern Münchens Chef Hoeneß hatte Blatter und dessen korrumpierten Fußball-Weltverband kritisiert. In seinem Gegenschlag gab der Schweizer nun Hoeneß die Schuld an Münchens Olympia-Aus.

    Hoeneß hätte vor der Fußball-WM 2010 in Südafrika (das Lieblingsprojekt Blatters) zu sehr gelästert. Angeblich habe Afrikas Verbandschef Issa Hayatou - selbst mehrfach der Bestechlichkeit bezichtigt - Blatter nun verraten, dass alle Afrikaner gegen München gestimmt hätten, weil Hoeneß ihre WM kaputt machen wollte. Ohne die zwölf Stimmen Afrikas bekomme man Olympia nicht mehr, meint der FIFA-Chef.

    Mal davon abgesehen, dass Pyeongchang auch ohne die Afrikaner gewonnen hätte, ist Blatters Aussage - so sie denn stimmt - doch nur Beweis für jenen Filz, den Hoeneß kritisiert hatte. Wenn Stimmen nach Sympathie vergeben oder aus Rache verwehrt werden, und nicht die Qualität einer Bewerbung entscheidet, ist die Kritik berechtigt. Und dann trägt nicht Uli Hoeneß Schuld an der Niederlage Münchens, sondern ein fehlerhaftes Wahlsystem. Das hatte schließlich auch Pyeongchang zuvor zweimal schmerzlich erfahren müssen.

  • 23.01.2012

    Behäbiger Tanker

    Einwurf von Alexander Ludewig

    Alexander Ludewig

    Herbstmeister waren sie, Tabellenführer sind die Münchner auch nach dem 1:3 in Mönchengladbach noch. Doch die fünfte Saisonniederlage ist mehr als nur ein verpatzter Rückrundenstart - geradezu bezeichnend für die Situation beim FC Bayern.

    Die Münchner wollten von Beginn an angreifen und die Verfolger unter Druck setzen. Stattdessen führen sie das Klassement nur noch dank der besseren Tordifferenz an - der Druck hat sich deutlich in Richtung Säbener Straße verlagert. Damit kommt der Rekordmeister gewöhnlich noch relativ gut zurecht.

    Fehlt es aber am nötigen Selbstvertrauen, gelingt auch erfahrenen Nationalspielern im Münchner Trikot nicht viel. Nach der ersten Herbstmeisterschaft seit drei Spielzeiten, einer problemlosen Gruppenphase in der Champions League und der laut Bastian Schweinsteiger (Foto: AFP/Hussain) »perfekten Vorbereitung« im Trainingslager redeten sie ihr siegessicheres Selbstverständnis förmlich herbei: »Wenn wir so spielen wie in der Vorrunde, wird es schwer, uns zu stoppen. Wir wollen gewinnen und gleich eine Serie starten«, so Schweinsteiger. Kapitän Philipp Lahm sah die eigene Mannschaft gar in der Nähe des FC Barcelona.

    Nun der Dämpfer gegen Gladbach. Wieder hat ein qualitativ schlechter besetztes Team die Bayern mit einfachen Mitteln düpiert: perfekte Raumaufteilung, laufintensive Abwehrarbeit, schnelles Umschalten von Defensive auf Angriff mit wenigen präzisen Pässen. Die Bayern wirkten wie ein behäbiger Tanker im Rennen gegen ein Schnellboot: ideenlos und ohne Plan.

    »Bayern München wird immer eine qualitativ bessere Mannschaft haben«, unterstrich Schweinsteiger noch Anfang Januar den eigenen Vormachtanspruch. Dass es glücklicherweise nicht mehr reicht, wie noch vor ein paar Jahren, nur die besten Spieler zu kaufen und so die Liga zu beherrschen, zeigte schon die vergangene Saison.

    Doch die Probleme sind nicht nur freche Gegner und Selbstüberschätzung nach Kantersiegen gegen harmlose Freiburger oder Nürnberger. Wenn die Champions League mit dem Finale in München höchste Priorität genießt, kann die Konzentration im Alltag schon mal fehlen.

    Alexander Ludewig

  • 18.01.2012
    Einwurf

    Und täglich ruft der Clásico

    Oliver Händler

    Lange her ist es noch nicht: knapp sechs Jahre. 2006 hatten die in der »G-14«-Gruppe versammelten reichsten Fußballklubs Europas eine geschlossene Champions League gefordert. Immer die gleichen Teams, keine Qualifikation. Zum Glück wurde der Vorstoß von der UEFA abgeschmettert. Das Argument der Langeweile sehen nun selbst die Reichsten ein.

    Heute Abend treffen im 249. (!) Clásico der FC Barcelona und Real Madrid aufeinander. Mal wieder. In einer Woche folgt das Rückspiel im spanischen Pokal - die Duelle sechs und sieben in den vergangenen zehn Monaten. Von Jahrhundertspielen kann da wirklich nicht mehr die Rede sein. Sogar Spaniens Nationaltorwart Iker Casillas von Real Madrid gestand kürzlich, dass ein Clásico »eher fade« geworden sei.

    Man stelle sich nur vor, was wäre, wenn Real und Barca neben den vier üblichen Duellen in Meisterschaft und Pokal auch noch in Vor-, Zwischen- und K.o.-Runde der Champions League ständig gegeneinander spielten. Dann werden selbst die legendären Arenen Nou Camp und Bernabeu nicht mehr voll.

  • 17.01.2012

    Nicht gucken!

    Einwurf von Oliver Händler

    Da wunderte sich der geneigte Fernsehzuschauer am Sonntagvormittag beim Start von Maria Höfl-Riesch in Cortina d'Ampezzo. Nicht über die deutsche Skirennläuferin, sondern über das, was sie sahen, just bevor sich Höfl-Riesch mit den Stöcken abstieß. Die bis dahin führende Slowenin Tina Maze öffnete in der »Leaders box« den Reißverschluss ihres Rennanzugs und entblößte ihren Sport-BH. Darauf konnte man lesen »Not your business« - Geht Euch nix an!

    Maze griff zu der ungewöhnlichen Protestform, da sie zuvor wegen ihrer Unterwäsche mit der Konkurrenz und dem Weltverband FIS aneinandergeraten war. Die Schweizer hatten eine Woche zuvor gegen Mazes Unterwäsche Protest eingelegt: Sie ließe nicht genug Wind hindurch. Also überprüfte die FIS das Kleidungsstück. So weit ist die Technisierung des Wettkampfsports schon gekommen, dass die Unterwäsche der Athleten normiert und kontrolliert werden muss.

    Maze findet jedenfalls, dass das, was sie drunter trägt, niemanden etwas angeht. Leider sieht das die FIS nicht so, denn es gibt tatsächlich eine Vorschrift dazu, wie durchlässig Unterwäsche im alpinen Rennsport zu sein hat. Das Dumme ist nur, dass der Verband sich selbst schwer tut mit der Einhaltung der Regeln. Nach der Untersuchung bescheinigte er Maze die Legalität der Wäsche, riet aber trotzdem vom Verwenden der gleichen ab. Nun weiß keine so richtig, was sie anziehen darf.

    Die FIS war Maria Höfl-Riesch jedenfalls dankbar für ihre schnelle Fahrt. Maze musste den Platz vor der Kamera räumen. Wer weiß, was sie noch so alles vorbereitet hatte. Oliver Händler

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Frisch gebloggt
26.05.2012 | Marcus Meier

Sind Frauen die besseren Politiker?

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