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Übersicht: Left Forum New York 2011

  • 21.03.2011

    Vom Dialog zur Organisierung?

    Letzter Tag mit grossen Fragen

    Transatlantischer Dialog

    Letzter Tag an der New Yorker “Pace University“. In den Veranstaltungen mit deutscher Beteiligung, d.h. mit unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, ging es um linke Strategie- und Organisationsfragen (Margit Mayer, Christina Kaindl, Florian Moritz) und Rechtspopulismus in spätkapitalistischen Gesellschaften (Rainer Rilling), aber auch um die Marx´schen Grundrisse (Frieder Otto Wolf, Michael Krätke). Tags zuvor sassen schon Albert Scharenberg und Wilfried Telkämper auf weiteren „panels“. Tatsächlich existiert seit einiger Zeit ein informeller transatlantischer Austausch zwischen Linken auf beiden Seiten namens „North Atlantic Left Dialogue“ (www.left-dialogue.org), eine Gruppe, die aus ungefähr 35 Linken universitärer, akademischer Herkunft besteht. Die Dialoggruppe wird vermutlich mehr Gewicht bekommen, wenn die RLS ihr New Yorker Büro eröffnet und damit in der Stadt auf Dauer präsent sein wird. Bisher ging es nur um einen losen Austausch von Ideen, Papieren und gelegentlichen Zusammenkünften in Berlin und New York.

    Noch einmal: Wisconsin!

    Sehr viel wichtiger für den Ideenaustausch und organisatorische Verbindlichkeiten war das „Left Forum 2011“ für linke Gewerkschafter. Dutzende waren aus allen Teilen der USA nach New York gekommen, und weit über 100 aus der Grossregion New York, um das gemeinsame Vorgehen gegen die Austeritätsprogramme zu beraten, die auf Einzelstaatsebene zu erwarten sind. Das warnende Beispiel heisst Wisconsin. Der Staat ist aber gleichzeitig wegen seiner Massendemonstrationen gegen den neoliberalen Rotstift auch eine Art Leuchtturm. In welche Richtung man die Ohren auf dem New Yorker Linkentreffen auch spitzte – es ging oft um die Frage, die von allen gestellt wird, die aber niemand zu beantworten wagt: ist dies die Phase des letzten Aufbäumens der Gewerkschaften vor ihrem Untergang, oder handelt es sich um das Ende der jahrzehntelangen Talfahrt? Einig ist man sich, dass ein Wendepunkt erreicht ist.

    Nachbereitung...

    Für den grossen Rest, der nicht gewerkschaftlich organisiert ist, lässt das Left Forum nach dem Wochenende mit dem Rekordbesuch von über 5000 Teilnehmern Zeit zum individuellen Nachdenken. Mehr aber leider nicht. Denn am Sonntagabend ging man nach Hause, ohne zu wissen, was und mit welchem Ergebnis in 98 Prozent der anderen Veranstaltungen eigentlich diskutiert wurde, in denen nämlich, für die man wegen zeitlicher Überschneidungen keine Zeit hatte. Aber vielleicht kümmern sich die Organisatoren ja doch noch um einen Ort für eine kollektive Nachbereitung, zum Beispiel im Internet.

  • 20.03.2011

    Rosa in New York

    Erstmals mehrfache Präsenz von Rosa Luxemburg am Hudson-Fluss

    Rosa Luxemburg ist beim Left Forum 2011 so stark vertreten wie nie zuvor. Hatte sich die gleichnamige Stiftung (www.rosalux.de) in den zurückliegenden Jahren auf die Entsendung mehrerer unabhängiger Linker, vor allem aus Universitäten, zur Teilnahme an New Yorker Diskussionen beschränkt, so ist der Name der Revolutionärin dieses Mal in mehrfacher Hinsicht zu hören.

    Complete Works of Rosa Luxemburg

    Schon vor der Eröffnung der Konferenz wurde ein Probeband mit Briefen Rosa Luxemburgs auf Englisch veröffentlicht: vom Verlag Verso Books, der seinen Sitz in London wie in New York hat. Über den Verlauf von zehn Jahren werden die 14 Bände der Gesamtausgabe herausgegeben werden, die die Werke und die Briefe umfassen. Auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung heisst es dazu auch:

    Die englischsprachige Ausgabe stützt sich auf die deutsche Ausgabe (Gesammelte Werke, bisher fünf Bände in sechs Büchern (dietz berlin 1970 bis 1975), sowie Gesammelte Briefe in sechs Bänden (dietz berlin bis 1993) folgt ihr aber nicht. Die deutsche Ausgabe entstand im Prozess der Forschung, stellt also eine Sammlung dar, deren Briefteil vollständig ist, während bei den Werken noch zwei Bände ausstehen, an denen im Moment noch gearbeitet wird: Band 6, Bearbeiterin: Prof. Dr. Annelies Laschitza und Band 7 (der das polnischsprachige Werk Rosa Luxemburgs präsentieren wird), Bearbeiter: Dr. Holger Politt.

    Das Erbe Rosa Luxemburgs war denn auch Thema einer Veranstaltung am Sonntagnachmittag. Leider konnte Annelies Laschitza nicht mehr daran teilnehmen, weil sie nach Berlin zurückfliegen musste.

    Rosa Luxemburg Foundation

    Etliche US-Linke fragten auf dem Left Forum nicht zuletzt nach dem zu erwartenden Umfang und der Politik des Büros, das die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Manhattan einrichten will. Es soll Nordamerika, d. h. nicht nur die USA, sondern auch Kanada, abdecken. Vertreter der Stiftung waren während des Left Forums auch damit beschäftigt, Büroraum in der Nähe des UN-Gebäudes zu inspizieren. Beschlossen ist jedenfalls nur, dass die Stelle so schnell wie möglich besetzt werden soll. Wer, was und wo – darüber konnte niemand etwas sagen. Das „Warum" ist einfach beantwortet: Nordamerika ist der einzige Kontinent, auf dem die Stiftung bisher nicht vertreten ist. Und New York wegen den United Nations. Der alternative Standort Washington würde bedeuten, dass sich die Stiftung wegen des komplizierten deutschen Stiftungswesens auf die Weltbank einlassen müsste.

  • 20.03.2011

    Erster Konferenztag überlaufen

    Alle da beim "Left Forum" in New York: vom "Geist von Wisconsin" bis "Fox News"

    Mehr als 4000 registrierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen – zurückblickend auf ein Vierteljahrhundert ein Rekordergebnis für eine explizit linke Konferenz in den USA.

    Am ersten vollen Konferenztag fiel die Auswahl aus 130 Veranstaltungen schwer - nicht einmal einen Bruchteil davon kann man sich als Sterblicher zu Gemüte führen. Das „Left Forum“ lässt auf den ersten Blick ins 108-seitige (!) Programm dabei doch tatsächlich an einen linken Gemischtwarenladen denken. Das Angebot reicht von der fortschrittlichen Lesart der Bibel über „linke Bewegungen in Indien Teil 2“ bis hin zu – zum Glück in ihrer Mehrheit – Themen, die für die amerikanische Restlinke, wenn sie ihr Verschwinden in der Versenkung aufhalten will, relevant sind. Zwar sind ML-Sekten mit trotzkistischer oder maoistischer Prägung auch in den USA nicht ausgestorben. Auch die Kehrseite dieser Medaille, das „New Age“-Phänomen verschwindet nicht. Aber deren überraschend ruhige Präsenz, die nicht marktschreierisch auftritt - sie stört nicht.

    Wisconsin realistisch betrachtet

    Die knapp zwei Dutzend Veranstaltungen zum Thema US-Gewerkschaften waren heute so gut besucht wie noch nie auf einem „Left Forum“ oder einer ihrer Vorgängerkonferenzen. Und die Anwesenheit von Gewerkschaftern war atemberaubend. Insgesamt müssen es 300, vielleicht 400 gewesen sein, darunter Linke aus allen Sparten und Branchen. Der Grund auch hier - gerade hier! - heisst Wisconsin. Gewerkschafter aus dem Bundesstaat im Mittleren Westen, der wegen seiner Massendemonstrationen gegen Haushaltkürzungen und Tarifrechtbeschneidungen weltweit bekannt wurde, bemühten sich bei allem „Geist von Wisconsin“ um ein realistisches Bild der Lage, auch bei den Gewerkschaften. In Wisconsin sind die arbeitende Bevölkerung und die Unions entlang vieler Linien fragmentiert – Spaltungen, die während der Proteste nicht oder kaum mehr mehr sichtbar waren, soziale (etwa zwischen Arbeitslosen, prekär Beschäftigten und fest Angestellten), kulturelle (z. B. zwischen Stadt und Land), auf „race“ basierende und politische. Wer wusste schon beziehungsweise hat verdrängt, dass in Wisconsin 37 Prozent aller Haushalte, in denen mindestens ein Mitglied Teil einer Gewerkschaft ist, den neoliberalen Gewerkschaftszerstörer, den Gouverneur Scott Walker, und den rassistischen Tea-Party-Republikanern im vergangenen November per Stimmabgabe zur Mehrheit verholfen haben?

    Fox bei Francis

    Eine Samstags-Anekdote am Rande: der mächtige Rechtsaussen-TV-Sender „Fox News“ des Murdoch-Konzerns schickte doch tatsächlich ein Kamerateam zur Konferenz, um Francis Fox Piven zu filmen. „Kein Problem“, mussten die Left-Forum-Organisatoren dazu sagen. Denn Pressefreiheit hat Vorrang. Immerhin: das Kamerateam war ausgesprochen höflich und verliess eine Stunde, nachdem es Francis Fox Piven beim Vortrag gefilmt hatte, die Pace University wieder, ohne Aufsehen zu erregen. Der „Fox News“-Hetzer Glenn Beck ist jedenfalls auf der Suche nach weiteren verwertbaren Bildern von der 79-Jährigen, um irgendwelche Satzbausteine von ihr in ein faschistoides TV-Segment einzubauen. Und das vor Millionen und Abermillionen von Fernsehzuschauern, vor denen die bescheidene, alte Dame dann der „Zersetzung Amerikas“ angeklagt wird. Weshalb der mediale Tea-Party-Guru sich ausgerechnet die New Yorker Soziologeprofessorin zum Sündenbock auserkoren hat, darüber wird gerätselt. Über Glenn Beck gibt es allerdings auch Gutes zu berichten. Seit den Demonstrationen in Tunesien, Ägypten, Jemen...und Wisconsin ist der Zuschaueranteil an seiner Show um ein Drittel geschrumpft. Danke an einen Leser dieses Blogs für den Link zu einem wunderbaren Interview mit Francis, das man hier (www.labournet.de/internationales/usa/piven1.html) auf Deutsch nachlesen kann.

  • 19.03.2011

    Je später der Abend...

    Linke Showeinlagen mit Überraschungsgast

    Das Auditorium der New Yorker Pace University war auf zwei Geschossen bis auf den letzten Platz gefüllt. Waren es mehr als 1000 Menschen, die die Left-Forum-Auftaktveranstaltung besuchten? Wer wegen Platznot draussen bleiben musste, konnte auf jeden Fall trotzdem indirekt teilnehmen und die bissig-spritzigen Redner und Rednerinnen auf Bildschirmen mitverfolgen.

    Nicht „trickle down", sondern „piss down"

    Der Moderator, Wirtschaftsprofessor Richard Wolff, liess es nicht nicht nehmen, vor der feierlichen Vorstellung der linken Prominenz selbst ein paar spitze Bemerkungen zur Lage zu machen. Die nach wie vor gepredigte Wirtschaftstheorie vom „trickle-down"-Effekt (wenn die Reichen reichen werden, werde es auch den Armen besser gehen, das Geld würde sozusagen nach unten durchsickern – to trickle down) stelle sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit 75 Jahren als „piss down" von oben heraus. Als Koalition, die einen Neubeginn in den USA in die Wege leiten könnte, beschwor der Alt-68er Wolff eine neue Koalition aus „links Gebliebenen, die sich aus Altergründen nicht mehr um die Kinder kümmern müssen, sondern politische Organisationsarbeit leisten können" und den „massenhaft enttäuschten jungen Leuten", vor allem verarmten Akademikern. Das „happy face", die der Kapitalismus in den vergangenen Jahrzehnten zeigte, stelle sich vor aller Augen „als Maske" heraus, so Wolff.

    Dampfwalze gestoppt

    Die neoliberale Dampfwalze aus staatlichen Institutionen, stinkreichen rechtsextremen Tea-Party-Spendern und politischer Korruption sei in Wisconsin erstmals – und möglicherweise nur für kurze Zeit – aufgehalten worden, sagte die Fernsehjournalistin Laura Flanders. Es handele sich dabei um einen „very big deal". Denn die Zehntausende, die in Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, wochenlang gegen die Beschneidung von Gewerkschaftsrechten und Mitteln auf die Strassen gingen, hätten den Moment der Angst hinter sich gelassen. Die Nachrichtenmeldung des Tages dazu: ein Gerichtsbeschluss in Wisconsin legt das rechte Gesetz bis auf Weiteres lahm.

    Cornel West

    Russia TV, Al Dschasira und viele weitere Kameras legten frische Filmerollen ein, als der berühmte Kulturkritiker und Princeton-Professor Cornel West seine Rede zum Thema „Solidarität" – so das Motto des diesjährigen Left Forum – in einer sehr unterhaltsamen Mischung aus Baptistenpredigt und Vorlesung zum Besten gab. Er erzeugte viele Lacher, Zurufe aus dem Publikum – und donnernden Applaus, als er, der Barack Obama im Wahlkampf 2008 unterstützt hatte, dem US-Präsidenten attestierte, er sei „das freundliche Gesicht des amerikanischen Imperialismus". Aber auch Nachdenklichkeit hinterliess West, als er konstatierte, Solidarität sei ohne historisches Bewusstsein nicht zu haben. Solidarisches Verhalten erstrecke sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

    Überraschungsgast kündigt nationales Teach-In an

    Überraschungsgast war die 79-jährige Soziologieprofessorin Francis Fox Piven. Der nach wie vor agilen und sehr beredten Linken wird seit Monaten vom rechten TV-Hetzer Glen Beck immer wieder namentlich vorgeworfen, seit Jahrzehnten den gewaltsamen Umsturz vorzubereiten. Das Problem: unter den Millionen von Beck-Fans gibt es vermutlich Hunderte, die die Lachnummer, die dieser Unsinn darstellt, für bare Münze nehmen und die alte Frau deshalb umbringen wollen. Francis Fox Piven hält immer noch Vorlesungen - und muss dies seit Becks Tiraden unter Polizeischutz tun. Sozusagen zu ihrem persönlichen Schutz war ihr Auftritt deshalb nicht angekündigt worden. Auch sie sagte – wie ihre Vorrederin, die Buchautorin Barbara Ehrenreich, „wir haben die Angst verloren". Und kündigte, wie vor 40 Jahren schon einmal, ein US-weites Teach-In am 5. April an. Dutzende von studentischen Gruppen aus dem ganzen Land werden an dieser Mobilisierung teilnehmen. Reaktion des Publikums: Stehender Applaus.

  • 18.03.2011

    Abendlicher Auftakt mit Prominenz

    Linker Showman Cornel West eröffnet den Reigen

    Heute Abend geht´s los im grossen Auditorium der Pace University. Mehrere Gründe sprechen dafür, dass nicht nur die Auftaktveranstaltung, sondern das gesamte Wochenendprogramm Teilnehmerrekorde brechen wird.

    Denn aufs Podium steigen in ein paar Stunden der bis weit in den Mainstream hinein bekannte Professor an der Eliteuniversität Princeton Cornel West, die viel gelesene und zitierte Buchautorin Barbara Ehrenreich sowie Paul Mason, der in der BBC inhaltlich Einiges zu sagen hat, und nicht zuletzt Laura Flanders, die seit Jahren professionelles linkes Fernsehen macht. Ich habe unten ein Youtube-Video angehängt, das diese linke Prominenz mit Wiedererkennungswert zeigt und kurz zu Wort kommen lässt.

    Aber die "personality show" ist nicht alles. Weitere Gründe für die zuerwartenden überfüllten Hörsäle ist das gestiegene Interesse enttäuschter junger Obama-Anhänger, die die beiden Parteien der USA sowie die rechtsextreme Tea Party ablehnen und nach Alternativen suchen. Dazu kommen die Hoffnungsschimmer, die die Massenmobilisierungen von Gewerkschaften im Mittleren Westen verbreiten. Auf keinen Fall unerwänht bleiben dürfen diejenigen links gebliebenen „Babyboomers" der 68er-Generation, die das „Left Forum" in monatelanger Vorarbeit mit auf die Beine gestellt haben. Die heute über 60-Jährigen haben den Jungen, die langsam ihre anarchistische Organisationsfeindlichkeit hinterfragen, Einiges an Erfahrung voraus . Aber auch die Alten können - und müssen – sich bei den Jungen Vieles abkucken, Organisierung und Mobilisierung per Internet zum Beispiel. Der tief liegende Hintergrund liegt natürlich und letzten Endes in der Wirtschaftskrise, die die Seifenblase namens "American Dream" zerplatzen lässt.

    Die Abendveranstaltung wird wegen des Auftritts von Cornel West zahlreiche Kamerateams und Reporter der Mainstream-Presse anziehen, und das nicht nur wegen seiner markanten Erscheinungsform. Denn West, Professor für afroamerikanische Studien, hat den akademischen Elfenbeinturm verlassen und bewegt sich ziemlich erfolgreich in der amerikanischen Popkultur herum. Zum Beispiel spielte er sich selbst in dem Kino-Kassenschlagern „Matrix Reloaded" und "Matrix Revolution". Den Wahlkampf Barack Obamas 2008 unterstützte er mit grossem Aufwand und Enthusiasmus. Doch inzwischen attestiert er dem US-Präsidenten den „Ausverkauf". Cornel West ist zwar Ehrenmitglied in der grössten sozialdemokratisch-sozialistischen Organisation der USA „Democratic Socialists". Aber ein typisch amerikanischer "Showman" wie er zieht das freischwebende Agitieren vor, Michael Moore nicht unähnlich. Schlecht für die Neuformierung der US-Linken ist Cornel West jedenfalls nicht.

  • 17.03.2011

    Linkes Forum in New York

    Wachsendes Interesse nicht nur in den USA

    Von Max Böhnel
    Wie in den Vorjahren treffen sich an diesem Wochenende in New York mehrere Tausend Linke aus Universitäten, Gewerkschaften, »community organizations« und Kultur sowie interessierte Einzelkämpfer zum »Left Forum«.
    Nach Angaben der Organisatoren verspricht die Konferenz die bisher größte zu werden. Mehr als 1000 Redner werden auf 300 Podiumsveranstaltungen vom heutigen Freitag bis Sonntag Themen erörtern, die linke Herzen und Hirne bewegen. Das Motto lautet treffend »Towards a politics of solidarity« (Hin zu einer Politik der Solidarität). Als hätten die Organisatoren es bei ihren Planungen vorausgeahnt, passt das Thema exakt zur politischen und sozialen Situation und macht das »Left Forum« dieses Jahr umso interessanter.

    Nicht nur die Aufstände und Revolten in Nordafrika und am Persischen Golf, sondern auch die Massenproteste gegen staatliche Austertitätsprogramme im Bundesstaat Wisconsin und darüber hinaus werfen die Frage nach Solidarität auf. Ob angesichts der Katastrophe in Japan auch eine Wiederbelebung des Widerstands gegen die Atomindustrie in den USA diskutiert wird, bleibt abzuwarten. Den Auftakt an der »Pace University«, die direkt an der berühmten Brooklyn Bridge und ein paar Gehminuten von den Hochhausschluchten der Wall Street entfernt liegt, machen am Freitagabend (Ortszeit) unter anderem die Buchautorin Barbara Ehrenreich und der »Hiphop«-Professor Cornel West. Zum Abschluss am Sonntagabend konnte die Forumsleitung die linke afghanische Feministin Malalai Joya gewinnen.

    Das »Left Forum« war Ende der 1960er Jahre unter einem anderem Namen von Akademikern ins Leben gerufen worden. Erst vor etwa zehn Jahren öffnete sich die als »Socialist Scholars Conference« bekannte Veranstaltung Nicht-Akademikern. Seitdem ist das Frühjahrstreffen der USA-Linken jährlich gewachsen und schließt zunehmend außeruniversitäre und internationale Linke mit ein. Der New Yorker Wirtschaftsprofessor Richard Wolff, der an der Vorbereitung der Konferenz führend mitwirkte, gab sich im ND-Gespräch mit Blick auf das Anwachsen progressiver und linker Kräfte in den USA optimistisch. Er verwies auf die jüngsten Massenproteste in Wisconsin. Dort hatten, von den Massenmedien ausgeblendet, rund 150 000 Menschen gegen das jüngst durchgepeitschte gewerkschaftsfeindliche Rotstiftgesetz demonstriert, so viele wie nie zuvor. Auch an den Universitäten gebe es ein wachsendes Interesse von Studierenden an marxistischer Theorie. In den USA herrsche kein Mangel an fortschrittlich denkenden Menschen. Die Crux bestehe in der Organisationsfrage, so Wolff.
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    Marcus Meier ist Journalist und arbeitet zu den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für das nd schreibt er seit Oktober 2009 regelmäßig – und meist zu NRW-Themen. Meier betreibt Das SPRUSKO-Prinzip, ein Weblog »zur Kritik des Ramsch-Kapitalismus«. Er lebt und arbeitet in Bochum. Seine Webseite: www.marcusmeier.de.

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