|
Claude Nobs ist der Gründer des legendären Montreux Jazz Festival.
Foto: dpa/Laurent Gillieron
|
Amy Macdonald wird am 29. Juni 2012 das 46. Montreux Jazz Festival eröffnen. Beim Programm setzen die Macher ein weiteres Mal auf die altbewährte Formel Stars und Newcomer im spannenden Mix. Höhepunkte werden sicher Auftritte von Bob Dylan, Van Morrison, Tony Bennett, Katie Melua, Noel Gallagher (ehemals Oasis-Mitglied) sowie der wiederbelebten Jethro Tull sein.
Spannend dürfte das Zusammentreffen von Nile Rodgers von Chic mit Mark Ronson sein. Ronson, britischer Produzent und DJ, ist durch seine Zusammenarbeit mit Amy Winehouse einem größeren Publikum bekannt geworden. Frauenpower unterschiedlicher Couleur verspricht ein Abend mit Jane Birkin und Juliette Gréco. Der Star des letzten Festivals, Trombone Shorty, wird am 9. Juli gemeinsam mit Dr. John einen New Orleans-Abend gestalten.
Rumer, Rufus Wainright, Sinéad O'Connor, Bombay Bicycle Club, Alanis Morisette oder Lana des Rey runden die Gästeliste im Auditorium Stravinski und der Miles Davis Hall ab. Insgesamt wurden bis jetzt 73 Künstler und Gruppen verpflichtet.
Das Festival offeriert aber neben den Hauptkonzerten eine Vielzahl von kostenfreien Angeboten, das Programm für diese Gratis-Konzerte werden im Lauf des Juni veröffentlicht.
Tickets können online für einzelne Konzerte erworben werden, die Preise variieren jeweils. Für Montreux-Fans gibt es neben Wochendabonnements auch die Möglichkeit am ganzen Festival teilzunehmen. Dies allerdings für stolze Preise.
"All Music Pass"
(komplettes Programm in beiden Sälen, zwei Wochen) kostet 1500CHF (rund 1250€).
"Top Musik Week"
(alle Konzerte im Auditorium Stravinski von den besten Balkonplätzen, inkl. CHF 100.- Getränkeguthaben, ca.82€))
1. Woche: CHF 1940.- (ca.1614€), 2. Woche: CHF 2240.- (ca.1864€), Ganze Festivaldauer:
CHF 4180.- (ca.3478€)
|
Ein Bösewicht der Musikgeschichte auf der Bühne des Auditorium Stravinsky: Ike Turner und seine Kings of Rhythm. Fünf Jahre nach diesem Auftritt verließ Turner stilsicher nach einer Überdosis Kokain die Bühne des Lebens.
Foto: Repro / A Publishing Company
|
Viele Musiker haben die Ruhe der Alpen rund um den Genfer See genutzt, um Aufnahmen zu machen und einige blieben, um sich dort vom Stress ihres Berufes zu erholen. Queen und David Bowie gehören dazu. David Bowie zog 1978 nach den Aufnahmen von "Heroes" nach Blonay - einer mittelgroßen Gemeinde im Kanton Waadt mit rund 5000 Einwohnern. Das Dorf selbst liegt am Fuss der Pléiades und viele Touristen kommen, um das imposante Schloss zu besichtigen. In wenigen Minuten ist man in Montreux, Abgeschiedenheit und die verblasste Welt der großen Hotels liegen wenige Kilometer Luftlinie auseinander. Bei meinem Montreux-Besuch 2010 hatte ich mich auch in einem Chalet in Blonay einquartiert. Nach der Anreise mit der Zahnradbahn waren die Glocken der Kühe meist die einzigen Geräusche, die hier oben zu hören waren. 1981 entstand mit "Under Pressure" eine Kollaboration von Queen und David Bowie - eine Jamsession unter Nachbarn gewissermaßen.
Bowie lieferte 2002 beim Montreux Jazz Festival einen beeindruckenden Auftritt, diese Tournee wurde zwar "Heathen-Tour" nach dem aktuellen Album genannt, Höhepunkt der Shows war jedoch die Platte "Low" aus dem Jahr 1977, die komplett live performt wurde. "Low" ist der erste der Teil der Berlin Trilogie, die viele zu den besten Arbeiten des musikalischen Chamäleons zählen. Damals wusste niemand, dass die nächste Reise bis heute die letzte bleiben sollte. 2004 erlitt David Bowie bei einem Konzert einen Herzinfarkt und beschränkte seither seine musikalischen Ambitionen auf einige Gastauftritte bei Plattenaufnahmen oder Auftritten anderer Künstler.
Die neuere Musik kommt neben den "üblichen Verdächtigen" mit Muse, Garbage oder Air zum Zuge. Mit Ike Turner trat ein besonders schlecht beleumundeter Musiker am 19. Juli 2002 auf die Bühne des Auditorium Stravinsky. Im biografischen Film über den Aufstieg seiner Frau verkörperte er die Rolle des prügelnden Ehemanns und wurde so einem Massenpublikum als Bösewicht serviert. Claude Jobs schreibt im Erinnerungsbuch, dass es an diesem Abend einen Punkt gab, wo das Publikum nicht mehr aufhören wollte zu applaudieren "and he just couldn't stop crying." Ein Schurke, der zu Tränen gerührt wird - das gibt es auch bei "Funky Claude" nicht alle Tage. Mit Ehefrau hatte Ike auch einen Auftritt in Montreux - allerdings nicht beim Festival. Fünf Jahre nach seinem Auftritt am Genfer See starb Ike Turner stilistisch passend für seine Rolle an einer Überdosis Kokain. Mit dieser Droge hatte auch der "Thin White Duke" Bowie genügend Erfahrungen gesammelt, allerdings rechtzeitig den Absprung aus dieser Szene geschafft.
Aus deutscher Sicht war "Gourmet de Funk" mit Mousse T. einer der Höhepunkte. Der deutsch-türkische Produzent und Komponist befand sich auf dem bisherigen Zenit seiner Karriere. Nach "Horny" und "Sexbomb" für Tom Jones tanzte man in vielen Clubs zum Funk aus Hannover. Wie viele Namen der Programme des Montreux Jazz Festival gehört er heute zu den verblassenden. Die Míschung des Jahres 2002 entsprach der bekannten Hitformel - ein paar Experimente und ein bunter Strauß bewährter Gäste. Büsten von B.B. King und Ray Charles wurden an der Uferpromenade feierlich enthüllt - bis heute zählt der lebendige King zu den gern gesehenen Gästen in Montreux.
|
Ein Mädchen trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Montreux International Festival" - diese Umbenennung sollte dem breiten musikalischen Spektrum ab der zehnten Auflage mehr Rechnung tragen. Doch schon 1978 kommt die Rückkehr des "Jazz" auch im Titel - die Fans hatten sich an den neuen Namen nicht gewöhnen wollen.
Foto: Repro / A Publishing Company
|
Leonhard Cohen eröffnete das Festival, dessen Gästeliste viele heute vergessene oder verblasste Interpreten aufführt. Gordon Lightfood, The Crusaders, The Dubliners oder auch Eric Burdon.
Mit dem Pasadena Roof Orchestra gastierte eine der renommiertesten Bid-Bands am Genfer See. Im kommenden Jahr sollte das 1969 gegründete Orchester die Musik für den letzten Film vom Marlene Dietrich "Schöner Gigolo, armer Gigolo" einspielen, bei dem morbiden 1920er Streifen sollte auch David Bowie als Schauspieler mitwirken. Bowies Berliner Jahre folgten. Für den Film über die Comedian Harmonists sowie für Stars wie Robbie Williams und Bryan Ferry wurde die Big Band in den kommenden Jahrzehnten verpflichtet und feiert auch heute mit ihrem Repertoire des Swing der 1920er und 1930er Jahre weltweit Erfolge.
1973 wird Claude Nobs Schweizer Direktor der Plattenfirma WEA (die drei Buchstaben stehen für die in dem Konglomerat aufgegangenen Labels Warner, Elektra und Atlantic). Zurück ging diese Berufung auf sein erstes Treffen mit Nesuhi Ertegün (im englischsprachigen Raum wird der Name der Plattenmogule Ertegun geschrieben) in den 1960er Jahren zurück - in anderen Versionen dieser Geschichte soll das Treffen mit Ahmet Ertegün stattgefunden haben. Damals war Nobs Buchhalter beim Fremdenverkehrsbüro Montreux und besuchte angeblich ohne Voranmeldung die Büros des Atlantic-Labels in New York. Beide - so geht die Geschichte weiter, gleich welcher der beiden Brüder nun der Gesprächspartner war - können sich leiden und auch neben Englisch auf Schwizerdütsch verständigen, denn der Vater der Ertegün-Brüder war türkischer Botschafter in Bern. Und mit dieser Freundschaft im Gepäck wird das Festival von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut, denn als Schweizer Plattenboss kann Claude Nobs sein mkusikalisches Netzwerk noch enger knüpfen.
Nachdem seit dem ersten Festival immer mehr internationale Acts abseits der Jazz-Genre-Grenzen eingeladen wurden, wurde 1976 der "Jazz" aus dem Namen gestrichen. Auf dem zeitgenössischen Foto trägt ein Mädchen das T-Shirt mit dem neuen Namen, der nur kurz zum Einsatz kommen sollte. Später wird unter dem Label "Montreux Jazz" ein "musikalischer Supermarkt" betriebem, den manche wie die Kollegen von der Zeit auch ein "teures Tuttifrutti" , dessen Definition des Jazzbegriffs auf die einfache Formel zu bringen sei "Jazz ist, was Nobs mag." Jazz-Puristen und Kritiker wandeten sich deshalb vom Festival ab und Joachim E. Berendt schimpfte, dass Montreux "kein Jazz-Festival" sei. Das Publikum hingegen bleibt dem Schweizer "Kessel Buntes" treu und nach Jahren kamen auch die Medien wieder, um sich selbst ein Bild davon zu machen.
Seit 1971 sind auch die Rolling Stones bei Atlantic und damit bei den Ertegüns unter Vertrag. Das erste Konzert außerhalb Englands hatte 1964 Nobs organisiert und als die Steine am Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt sind, kommen sie an den Genfer See um "Black and Blue" aufzunehmen. Die erste Produktion mit dem "neuen" Gitarristen Ronnie Wood, den Keith Richards von den Faces abgeworben hatte. Es gibt ein herrliches Foto von den Stones am Genfer See - aus dem Jahr 1964. Damals tragen sie noch Anzüge und sehen nicht wirklich wilder aus als die angeblich "sanfteren" Beatles. "Black and Blue" wird in München vollendet und seit 1972 hatten die Stones keinen Auftritt mehr in Montreux. Doch das musikalische Netzwerk von Claude Nobs wirkt bis heute - nur wenn er bei David Bowie anrufe, nehme der den Telefonhörer auch ab, lässt sich "Mister Montreux" zitieren.
|
Ahmet Ertegün und Claude Nobs erfrischen sich im Genfer See. Festival-Impressario Nobs ist als hervorragender Gastgeber und Freund in der Musikszene bekannt. Von 1973 an leitete er die Geschäfte des WEA-Konzerns in der Schweiz, das "A" steht im Firmennamen für "Atlantic Records", die Ertegün 1947 gründete.
Das Foto stammt aus der opulenten Jubiläums-Edition "Live from Montreux - 40 years of Music from the Montreux Jazz Festival". Funky Claude - Claude Nobs hatte für dieses vierbändige Werk seine Schatzkammern geöffnet. Herausgegeben von Claude Nobs und Perry Richardson erschien es 2007 und ist weiter auf www.montreuxjazzshop.com als Sammler-Edition erhältlich.
Foto: Repro / A Publishing Company
|
Eine "markante Wiederkehr des Jazz" und "unvergessliche Momente" - so die Festivalleitung in ihrem Resümee - machten es möglich, dass ein neuer Besucherrekord gemeldet wurde: 220.000 Besucher - davon 100.000 Zuschauer in den kostenpflichtigen Sälen. Während im großen Auditorium Stravinski eher alt-bekannte Namen wie Dr. John, B.B. King, Solomon Burke, Cheap Trick oder Deep Purple auftraten konnte man in der kleineren Miles Davis Hall viele Neuentdeckungen sehen. Mark Ronson - noch vor seinem Karrierehöhepunkt mit dem Retro-Soul-Sound für Amy Winehouse - legte Platten auf, Joss Stone, PJ Harvey, Black Rebel Motor Cycledie Scissor Sisters sind nur einige der Acts, die nahezu alle Musikfelder mit Rock, Electro-Pop, Hip Hop, Reggae, Worldmusic, Soul R&B und noch manchem mehr zur Aufführung brachten.
Aus deutscher Sicht waren die Auftritte von Gentleman und Seeed aus Berlin bemerkenswert. Auch Alica Keys war von den Schweizer Bergen fasziniert und posierte hoch über dem Genfer See für ein Foto. Doch mit Status Quo, James Taylor, Phil Collins, Pat Metheny, Gianna Nannini, Van Morrision, Carlos Santana (der gleich drei Abende gastierte - wie auch sieben Jahre später), Bryan Ferry oder Suzanne Vage - insgesamt wurden die Fans des Festivals eher mit bekannten Namen gelockt.
In der Liste fällt mir noch Dido ins Auge, die ein Jahr zuvor mit ihrer "White Flag" vom dazugehörigen Longplayer "Life for Rent" unüberhörbar erfolgreich war. Ihr Auftritt am Genfer See zeigte sie gewissermaßen auf dem Zenit ihrer Karriere, die vor der Jahrtausendwende mit "No Angel" massiv an den Start kam und nach 2005 ins Nichts stürzte. Dido hatte oft ihre Stimme Faithless-Produktionen geliehen, kein Wunder, denn Mastermind Roland "Rollo" Armstrong ist ihr Bruder. Faithless waren ebenfalls beim Festival und erwiesen Gott als Diskjockey (Songtitel) ihre Reverenz. Im Casino Barriere rundete ein Jazzaufgebot die Facetten des Festivals dieses Jahres ab. Besonders eine Hommage an Edith Piaf fand hier viel Beachtung. Dort traten mit Al Jarreau, Herbie Hancokc und Bobby McFerrin einige Legenden der Festival-Geschichte auf.
Zurück zum Bad im See - Ertegün stürzte 2006 bei einem Konzert der Rolling Stones zu Ehren von Bill Clinton so unglücklich, dass er Monate später an den Folgen starb. Der Kontakt zu dem Platten-Mogul hatte den Start des Festivals am Genfer See mit ermöglicht und über die Jahre sollten viele Atlantic-Künstler dort auftreten. Bei Atlantic Records arbeitete seit den späten 1950er Jahren auch sein Bruder Nesuhi. Das Montreux Jazz Festival hatte im Juni 2006 den Eröffnungsabend als Hommage an die beiden Ertegün-Brüder gestaltet.
|
So sah also das Feuer über dem Genfer See aus - ein zeitgenössisches Foto in Farbe. Die meisten Fotos vom wohl bekanntesten Feuer der Musikgeschichte sind schwarz-weiß.
Das Foto stammt aus der opulenten Jubiläums-Edition "Live from Montreux - 40 years of Music from the Montreux Jazz Festival". Funky Claude - Claude Nobs hatte für dieses vierbändige Werk seine Schatzkammern geöffnet. Herausgegeben von Claude Nobs und Perry Richardson erschien es 2007 und ist weiter auf www.montreuxjazzshop.com als Sammler-Edition erhältlich.
Foto: Repro / A Publishing Company
|
Ob wirklich eine im Saal des Casinos abgeschossene Signalpistole die Ursache des Brandes war, ist bis heute nicht zweifelsfrei erwiesen. Claude Nobs bekam neben dem Festival, das in diesem Jahr zum fünften Mal vom 12. bis zum 20. Juni stattfand die Aufgabe, für jeden Monat ein Rock-Konzert zu organisieren. Nobs war damals stellvertretender Direktor des Fremdenverkehrsbüros von Montreux und mit dem Musikfestival sollte eine ähnlich attraktive Reihe begründet werden wie das Filmfestival "Goldene Rose von Montreux". Dieses findet seit 2004 als "Rose d'Or" in Luzern statt. Beim Konzert von Frank Zappa fing der Saal des Casinos Feuer und die Band Deep Purple wurde Augenzeuge des Feuers.
Die Gruppe hatte ursprünglich den Plan mit dem mobilen Tonstudio der Rolling Stones im Casino ihre neue Platte aufzunehmen. Nach dem Feuer wurde zunächst ein Theater ausgesucht, doch die Anwohner wehrten sich gegen die laute Rockmusik. Die Ergebnisse der Sessions, die am Ende dann im leer stehenden Montreux Grand Hotel über die Bühne gingen wurden 1972 unter dem Titel "Machine Head" auf den Markt gebracht. Der bekannteste Song "Smoke on the Water" war der einzige, der nicht im Hotel entstand. Dessen Basistrack wurde im Theater "Pavilon" eingespielt und später vollendet. Das Klappcover der Platte zeigt innen übrigens zeittypisch viele kleine Fotos, darunter auch eines vom Brand in Montreux. Erst die kommenden Jahre sollten Song und Festival zu einer Erinnerungseinheit fügen. Aber so ist das bekanntlich öfter mit Mythen.
Das Festival fand 1971 im Juni statt und einer der Top-Acts war Melanie, die sich fragte, was mit ihrem Lied geschehen sei. Der Titel "What Have They Done to My Song Ma" war Anfang des Jahres in die Charts gelangt und die Sängerin mit dem sperrigen bürgerlichen Namen Melanie Anne Safka-Schekeryk veröffentlicht fleißig weiterhin Platten - aber hören möchten die Fans am liebsten ihren Hit. Den machte in Deutschland übrigens Daliah Levi berühmt, denn Anfang der 1970er Jahre war es noch in Mode, internationale Titel "einzudeutschen". Das Konzert von Melanie erschien noch im gleichen Jahr unter dem wenig spektakulären Titel "Live at Montreux". Das meiste Interesse galt aber dem Auftritt von Aretha Franklin. Weiter waren Family und Roberta Flack zu Gast am See. Das Festival insgesamt war auch bei seiner fünften Auflage noch mehrheitlich stilistisch dem Jazz verpflichtet.
Santana kam 1971 ebenfalls zum ersten Mal an den Genfer See - aber auch sein Auftritt fand nicht während dem eigentlichen Festival statt. Sein Auftritt im Mai wird aber wie manch anderes auch munter zur Festivalgeschichte hinzuaddiert.
|
Ringo Starr posiert in den Schweizer Bergen über dem Genfer See.
Foto aus der opulenten Jubiläums-Edition "Live from Montreux - 40 years of Music from the Montreux Jazz Festival". Das vierbändige Werk von Claude Nobs und Perry Richardson erschien 2007 und ist weiter auf www.montreuxjazzshop.com als Sammler-Edition erhältlich.
Foto: Repro / A Publishing Company
|
Es hat auch bei der 45. Auflage des Montreux Jazz Festivals funktioniert – 16 Tage lang präsentierten sich Musiker nahezu aller Stilrichtungen dieser Welt am Genfer See. Einige Kritiker bezeichnen diese breite Mischung von Jazz, Soul über Rock und Alternative bis hin zu Gospel, HipHop und Elektro zwar abfällig als »Salat Nobs« oder auch als Pizza mit allem obendrauf. Die Organisatoren aber konstatieren: »Dieser eklektische Mix ist charakteristisch und sehr identitätsstiftend.«
Insgesamt 240 000 Menschen folgten in diesem Jahr dieser These und wollten sich Stars wie Santana, B.B. King, Sting, Paul Simon nicht entgehen lassen. Für das jüngere Publikum gab es viele kostenfreie Angebote – im Montreux Jazz Café gastierten Anna Calvi, The Vaccines, Reptile & Retard sowie Casadeur. Den Abschluss machte ein druckvolles Konzert der Montreux-Veteranen Deep Purple, die gemeinsam mit Orchester auf die Bühne traten. Und die natürlich die Hyme dieses Events – »Smoke on the Water« – mit auf den Weg in den Abend gaben.
Eher schwache Auftritte blieben die Ausnahem, etwa die langatmige Anekdotenstunde mit B.B. King oder Stings Unvermögen, seinem Material mittels der Bochumer Symphoniker neue Aspekte zu entlocken. Paul Simon verweigerte sich einer Oldies-but-Goldies-Kaffeefahrt und brach bewusst Konventionen, wenn er etwa »Here comes the Sun« ins Programm baute. Arcade Fire gaben bei ihrem einzigen Auftritt eine Kostprobe ihrer Virtuosität – die Indie-Rockband gilt derzeit als eine der stilprägensten ihres Genres.
Star des Festivals war der Posaunist, Trompeter und Sänger Trombone Shorty, der derzeit nicht nur die Miles Davis Hall in einen Hexenkessel verwandelt. Er musizierte dort stundenlang, anscheinend ohne an musikalischer Intensität zu verlieren.
Das Jubiläum konnte – bedingt auch durch das fast durchweg fabelhafte Wetter – neben dem Besucherrekord auch 18 ausverkaufte Konzertabende melden. Mit den Montreux Jazz Cafés in Flughäfen und Bahnhöfen soll die ständige Präsenz weiter ausgebaut und vor allem das enorme Filmarchiv einem jüngeren Publikum präsentiert werden.
Vielleicht kann man dieses Jahr mit zwei Blitzlichtern besonders kennzeichnen: Die 17-jährige Taylor Momsen von The Pretty Reckless sang, knapp bekleidet mit einem Metallica-Shirt, von Sex, Drugs und Rock’n Roll, während Diva Liza Minelli nach einer bald 50 Jahre andauernden Achterbahnfahrt durch Höhen und Tiefen hoffte: »Maybe this time I'll win.« Diese Mixtur aus unterschiedlichsten Träumen vom gelingenden Leben macht das Festival von Montreux so unverwechselbar.
|
Francesco Laratta ist seit 2006 beim Montreux Jazz Festival und leitet das Pressebüro. In diesem Jahr berichteten vor Ort mehr als 600 Journalisten.
Foto: Christoph Nitz
|
Francesco Laratta: Wir sind sehr zufrieden, wir hatten bereits viele Highlights. Den Auftakt machten Carlos Santana und John McLaughlin, die für Montreux ein besonderes Projekt auf die Beine gestellt haben. Sie stellten ihre gemeinsame Platte, die sie in den 1970er Jahren aufgenommen hatten, erstmals live und exklusiv in Montreux vor. Sowohl Santana wie auch B.B. King traten an mehreren Abenden auf, was natürlich auch ein schönes Geschenk war für dieses Jubiläum. Darüber sind wir sehr stolz und auch sehr glücklich.
Aber es gab auch viele Entdeckungen, neue Talente. Die blutjunge Carly Connor mit einer wuchtigen Stimme etwa. Sie ist ein großer Fan von Tina Turner, und sie hat das Potenzial, sich zu einer künftigen Tina Turner zu entwickeln. Auch Trombone Shorty überzeugte mit einer unglaublichen Performance. Er hat die Miles Davis Hall nicht nur gerockt, er hat gejazzt, er hat gepopt, er gebluest, er hat wirklich alle Register gezogen und hatte von James Brown über Luis Armstrong, bis hin zu Prince und Michael Jackson eigentlich alles in seinem Stil und mit seinem Rhythmus neu präsentiert. Das war unglaublich wuchtig. Das Publikum war im Saal bis halb vier Uhr am Morgen –unglaublich! Er konnte eine unglaubliche Präsenz aufrecht erhalten über all diese Stunden. Seine Energie, die flaute überhaupt nicht ab: Ein Höhepunkt jagte den anderen. Das ist mein persönliches Highlight in diesem Jahr. Unser Jubiläum ist auch beim Publikum enorm erfolgreich, die Besucherzahlen sind signifikant höher als im letzten Jahr. Wir können wahrscheinlich den Rekord von 230.000 Besuchern in diesem Jahr übertreffen.
Laratta: Wir haben noch keine definitiven Zahlen. Beispielsweise das letzte Wochenende mit dem Brasilabend, war das Wochenende mit der größten Frequenz. Die Zuschauerzahlen in Montreux sind schwierig zu beziffern, weil wir nicht nur Tickets verkaufen, zwei Drittel der Konzerte sind gratis. Wir versuchen die Zahlen in Zusammenarbeit mit Polizei und Gemeindeverwaltung zu schätzen. Eigentlich war es an diesem Wochenende fast schon zuviel, zum Teil konnten die Leute sich gar nicht fortbewegen, es war überall voll.
Laratta: Ganz genau, aber es waren mehrere Faktoren. Die WM natürlich, aber auch die nationale Regelung des Rauchverbots hatte Auswirkungen. Wir haben die Infrastruktur des Festivals jetzt den Bedürfnissen der Festivalbesucher besser angepasst. Wir haben überdachte Bars im Freien, die unglaublich beliebt und entsprechend gut besucht sind.
Laratta: Unser Gesamtbudget ist seit einigen Jahren relativ konstant. Man darf nicht vergessen, dass in Montreux beispielsweise die ganze Infrastruktur eigens auf die Beine gestellt wird für die 16 Tage des Festivals. Unsere Einnahmen kann man gut herunter brechen auf folgende Formel: Die Ausgaben für die Festival-Infrastruktur werden mit Sponsorenbeiträgen gedeckt. Die Künstlergagen werden mit dem Verkauf der Tickets gedeckt und das ganze Gratisprogramm wird wenn es um Piano- und Gesangswettbewerbe geht von Mäzenen unterstützt. Die Programme der anderen Bühnen, etwa bei „Music in the Park" und im Montreux Jazz Café werden durch Food & Beverage gedeckt, also durch den Verzehr der Festivalbesucher. Wir wollen nicht, dass beispielweise Gagen von Künstlern von Sponsoren finanziert werden, sonst wären wir nicht mehr frei, unser Programm so zusammenzustellen, wie wir es wollen.
Laratta: Es gab schwierige Jahre, beispielsweise das Festival vor zwei Jahren. Doch seit dem letzten Jahr sind die Finanzen wieder ausgeglichen. Dies zu erreichen ist natürlich sehr schwierig, bei so vielen einzelnen Konzerten muss es natürlich eine gewisse Auslastung geben. Gibt es diese in einem Jahr nicht, wird es natürlich schnell prekär.
Unser Festival ist ja eine Not-Profit-Organisation, wir sehen uns nicht als Kommerzmaschine. Wir wagen natürlich beim Programm in jedem Jahr einiges. Aber solchen Risiken gehen wir gerne ein, wir präsentieren gern Künstler, die uns interessieren, weil wir sie spannend finden. Auch Herbert Grönemeyer war einmal in Montreux. Da stellt sich immer die Frage, ob so ein Konzertabend dann auch vom Publikum angenommen wird. Für uns steht außer Frage, dass wir solche Künstler auch haben wollen, weil für Montreux ist dieser eklektische Mix sehr charakteristisch und sehr identitätsstiftend. Das wollten wir beibehalten, aber das bedeutet auch, dass wir immer wieder Risiken eingehen, die beispielsweise andere Veranstalter nicht eingehen würden. Manchmal wird der Mut belohnt, in anderen Jahren wieder nicht.
Laratta: Ganz genau, das ist ein Aspekt, den andere Festivals nicht bieten können. Die Künstler fühlen sich hier wohl, sie machen dann teilweise auch spontane Auftritte. Montreux bleibt ein Jazzfestival vor allem halt was die Haltung angeht. Wir wollen Neues ausprobieren, spontan sein und Improvisationen folgen.
Laratta: Es stimmt, viele Künstler kommen gern zu uns. Das hat viel mit dem Geist von Montreux zu tun. Die sind Freunde des Festivals. Uns wird beispielsweise auch vorgeworfen, dass wir den B.B. King und Santana im Programm haben. Ganz ehrlich: Wir zucken ein bisschen mit den Schultern und fragen uns beispielsweise, welches Festival würde nicht gerne Carlos Santana an drei Abenden präsentieren und das mit drei verschiedenen Projekten? Man kann es nicht allen recht machen.
Wir profitieren von diesen speziellen Beziehungen mit den Künstlern und das Publikum ist dafür wahnsinnig dankbar. Ich denke, ein Festival ohne Besucher wäre ja kein Festival. Doch wir haben auch viele junge Talente in jedem Jahr hier am Genfer See. Das ganze Programm des Montreux Jazz Café etwa.
Laratta: Das beste Beispiel ist Paolo Nutini. Er ist gerade mal 24 Jahre alt und tritt zum vierten Mal bei uns auf. Erstmals war er mit 20 bei uns, bei er Hommage für Ahmet Ertegun, dem Gründer von Atlantic Records. Damals entstand schon eine Beziehung zwischen Claude Nobs, unserem Festivalgründer, und Paolo, die beiden mochten sich. Ein Jahr später trat er in der Miles Davis Hall auf und dieses Jahr war er Headliner im Auditorium Stravinski! Er kommt nach Montreux mit der ganzen Familie, besucht Claude Nobs in dessen Chalet. Da ist schon eine Freundschaft entstanden auch mit einem jungen Künstler, die so nicht selbstverständlich ist.
Laratta: Das ist schwierig zu sagen und eigentlich auch nicht die Idee. Wir wollen unser phänomenales Archiv, das in nun 45 Jahren entstanden ist mit mehr als 5000 Konzerten, auch Menschen auf anderen Kontinenten zugänglich machen. In den Cafés soll aus gezeigt werden, was das Festival ausmacht. Wir laden ein zu einer kulinarischen, sinnlichen und natürlich musikalischen Reise. Deshalb werden wir demnächst in Zürich und in Paris Cafés eröffnen und langfristig planen wir das auch für London und New York. Hier soll man unsere musikalischen Perlen sehen und diesen Live-Moment erleben können.
Laratta: Wir nehmen alle Auftritte im Auditorium Stravinski und in der Miles Davis Hall mit großen Aufwand auf. Seit den 1990er Jahren in HD-Qualität und seit 2010 in 3-D. Viele Aufnahmen sind einzigartig, weil Künstler miteinander auftraten, die dies normalerweise nicht tun. Diese Schätze wollen wir auch für künftige Nutzergenerationen verfügbar machen.
Laratta: Die Digitalisierung läuft, etwa die Hälfte des Materials dürfte schon fertig sein. Es dauert schätzungsweise noch ein bis zwei Jahre. Dann können wir diese Inhalte auch einem großen Publikum zugänglich machen. Es ist ein großer Kraftakt, stellen Sie sich vor, es handelt sich um mehr als 5000 Konzerte.
Laratta: Wir sehen massive strukturelle Änderungen in den Medien, die sich in diesem Jahr auch hier ausgewirkt haben. Der klassische Rezensionsjournalismus hat stark abgenommen. Der klassische Musikkritiker ist überspitzt gesagt vom Aussterben bedroht. Es gab immer zur Eröffnung Artikel über die Konzerte, dort wurde dann auch das Programm und das Festival selbst vorgestellt. Das Ganze wurde gewissermaßen vor einer höheren Perspektive betrachtet. Das ist so nicht mehr gegeben.
Es wird heute sehr stark auf Fotos fokussiert, und sehr stark die großen Namen wahrgenommen. Die Show von Ricky Martin war etwa unglaublich stark, viele Journalisten haben dies auch so wahrgenommen und waren selbst beinahe den Tränen nahe. Doch am nächsten Tag waren Storys über seine Kinder und ihn zu lesen. Das ist eigentlich schade. Die Resonanz ist in diesem Sinne nicht weniger stark, sie ist oberflächlicher und auch flüchtiger geworden.
Laratta: Das ist eine Reaktion, wir haben uns die Frage gestellt, wie können wir neben den Ausschnitten der Livekonzerte mehr von einem Künstler, von seiner Haltung und seinen Ideen zeigen. So hat sich diese Idee entwickelt, die Filme werden über alle Soziale Netze im Internet verbreitet. Das ist sehr erfolgreich, die Festivalbesucher entdecken so Künstler von einer anderen Perspektive.
|
Kleiner Mann – großer Abend. Paul Simon gab ein künstlerisch überzeugendes Konzert beim 45. Montreux Jazz Festival. Er verweigerte die angesichts seines Songmaterials durchaus mögliche Oldies-but-Goldies-Sause und zeigte sich spielfreudig und experimentierfreudig. Gut, dass auch die inzwischen obligatorischen meist weiblichen Stimm-Unterstützer fehlten.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
Nein, "El Condor Pasa" erklang nicht, obwohl der
Titel 1970 neun Wochen die Schweizer Hitliste anführte. Paul Simon erschien mit
rekordverdächtiger Verspätung beim Montreux Jazz Festival und überzeugte mit
einem künstlerisch ambitionierten Konzertabend. Er hat leicht zerzaustes Haar
und wirkt auf der riesigen Bühne noch kleiner, als man es von Filmaufnahmen
erwarten könnte. Mit "The Boy in the Bubble" lässt er seine
achtköpfige Band gleich zu Beginn mächtig fett einsteigen. Der Titel stammt vom
Meisterwerk "Graceland", das 1986 weltweit für Aufsehen sorgte.
Damals gab es neben Begeisterung für die Arbeit mit südafrikanischen Musikern
auch die Kritik, Simon beute schwarze Künstler aus, um damit Geld zu machen.
Die Gruppe "Los Lobos" warfen ihm gleichfalls Ideendiebstahl bei
einem gemeinsam eingespielten Song für das Album vor. Egal, bis heute ist diese
Platte seine erfolgreichste Solo-Platte geblieben und wer wollte, konnte am 14.
Juli 2011 in Montreux ein "Graceland"-Shirt kaufen und überstreifen.
Der bald 70-jährige Künstler hat mit "So Beautiful or So What" ein
Altersmeisterwerk vorgelegt und dessen Songs möchte er mindestens so gern
präsentieren wie älteres Material. Und damit das Publikum die Stange hält,
mischt er altes und neues Material clever. Auf "Dazzling Blue" folgt
eine sehr relaxte Fassung des Songs über 50 Wege, seinen Lover zu verlassen.
Beim Titelsong des aktuellen Albums lacht er sogar einmal kurz und mit Fortgang
des Abends taut er weiter auf. Allerdings beschränkt sich sein Beitrag zur Bühnenshow
im gestikulieren mit dem Zeigefinger – das Höchstmaß an Ausgelassenheit
erreicht er, wenn er in Hüfthöhe mit den Händen schlackert. Nein, Paul Simon
bleibt trotz all der pulsierenden Rhythmen auf seinen Platten steif und ein
wenig linkisch. Konzentriert wird musiziert und er hat seine Band mit
Fingerspitzen im Griff.
"Vincent braucht eine Gitarre" – ständig muss ein Helfer frisch
gestimmte Gitarren den bis zu vier Gitarristen auf die Bühne bringen. Beinahe
für jeden Titel wechselt Simon das Saiteninstrument, er gibt nicht den netten
Onkel einer Oldies-but-Goldies-Sause, bei der das Publikum schenkelklatschend
mitgröhlen kann. Mit "Hearts and Bones" greift er einen vom
zeitgenössischen Publikum verkannten Schatz aus der Kiste und wenn er fragte
"Why won't you love me for who I am where I am" antwortete das Saxophon
im Dialog. "Slip Slidin' Away" – der Abend glitt angenehm dahin und
wenn es zu wohlig wurde, dann wurde sofort mit einem vorwärtstreibenden Lied
gegengesteuert.
Mit "Sounds of Silence" geht es ein einziges Mal in die Epoche von
"Simon & Garfunkel" und er interpretierte den Song so, als hätte
er dies nicht schon hunderte Male tun müssen. Feinsinnig mischte er mit
"Here comes the Sun" einen Ohrwurm aus fremder Feder ins Programm und
kommentierte hinterlistig "I hope, you enjoyed it." Zum Finale griff
er zum "Kodachrome", gab "Late in the Evening", war natürlich immer noch crazy nach all den Jahren und am Ende durften ihn alle Al nennen. Danke kleiner Mann für diesen großen Abend!
|
So sieht es auf der Bühne des Auditorium Stravinski hinter dem Bühnenvorhang also aus.
Foto: Christoph Nitz
|
Als wir in den Bereich direkt hinter der Bühne des Auditorium Stravinski kommen, ermahnt uns eine resolute ältere Dame, dass wir erst gar nicht auf die Idee kommen sollten, hier Fotos machen zu wollen. In den Garderoben haben sich die Musiker der Bochumer Symphoniker eingerichtet, auf Sofas schlafen Techniker und andere Crew-Mitglieder – teilweise mit einem schwarzen Augenschutz vor dem hellen Licht geschützt. Die Vorbereitungen auf der Bühne laufen auf Hochtouren – abends soll Sting mit dem Orchester sein seit Monaten ausverkauftes Konzert präsentieren. Wie gewohnt beim Montreux Jazz Festival soll alles reibungslos und perfekt über die Bühne gehen, den Zuschauern soll eine perfekte Show geboten werden.
Die Maschinerie des Festivals beginnt hinter dem "Salon de Presse", dem Arbeitsbereich der mehreren hundert Journalisten, die über das Ereignis für Radio, TV, Internet und Printmedien berichten. Annouk Dietschi soll uns hinter die Kulissen im "Montreux Music & Convention Centre" führen. Die Kollegen von Mediaprofil, die jeden Tag eine Sendung vom Festival für die regionalen TV-Stationen der Schweiz produzieren verkabeln Dietschi, sie wollen einen möglichst authentischen Bericht liefern.
Hinter den Scheinwerfern sieht es im "2m2c" aus wie in allen Büro- und Lagerbereichen – Beton und Rohre wohin man blickt. Hier arbeitet das ganze Jahr über ein kleiner Stab von etwa 20 Leuten, um das Festival vorzubereiten. Während des Festivals ist der "Staffway" dann Arbeitsplatz für mehr als 1272 Menschen. Überall zeigen Schilder, wer mit welchem Pass – die nach Hierarchie in verschiedenen Farben angefertigt werden – wo Zugang hat. An verschiedenen Pfeilern sind Flyer für Yoga-Entspannungsmassagen angeschlagen. Der Job hier ist Knochenarbeit – entsprechend sollte man ab und an etwas für den Körper tun.
|
Im Backstage-Bereich des 45. Montreux Jazz Festivals wird versucht, den Künstlern ein Ruhezonen zu bieten. Da die Künstler oft innerhalb einer Tourneereise seit Tagen oder Wochen unterwegs sind, ist es wichtig, ein bisschen Ruckzugsmöglichkeiten und Bequemlichkeit zu bekommen.
Foto: Christoph Nitz
|
In einen eigenen Büro werden die Transporte für das Festival koordiniert. 80 Fahrzeuge pendeln die ganze Zeit mit Künstlern und VIPs zwischen Bahnhöfen, dem Genfer Flughafen, den Hotels und dem "2m2c." Aber auch besondere Wünsche wie die Sightseeing-Tour, die Prince sich wünschte können erfüllt werden. Von hier werden auch die Fahrten nach Caux zum Chalet von Festivalgründer Claude Nobs organisiert. Dessen Refugium besteht inzwischen aus zwei Gebäuden und wurde kürzlich von einem Medienkollegen als Anwesen im Stil des "great Gatsby" beschrieben. Dort zeigt Nobs gern seine Schätze: Schallplatten, Modelleisenbahnen und Musikboxen sammelte er in den Jahrzehnten. Gern bewirtet der gelernte Koch hier auch seine Gäste.
Sind die Künstler in Montreux eingetroffen, haben die Techniker schon versucht, die von den Konzertagenturen oder Managern übermitteln Wünsche zu erfüllen. Diese finden sich in den so genannten "Tour Ridern", die mitunter mehr als 20 Seiten mit Anforderungen umfassen. In Montreux kümmert sich die Firma BBS um die Anforderungen an das musikalische Equipment. Es ist auch günstiger, wenn die Musiker aus USA etwa einfach schreiben, welche Bestandteile das Schlagzeug haben sollte und welches Piano sie gern hätten. Ein Transport für einen Auftritt von manchmal nur einer Stunde wäre in jedem Fall deutlich aufwändiger. Für Keith Jarrett musste einmal ein spezielles Instrument beschafft werden, erklärt Annouk Dietschi. Die meisten Künstler greifen auf diesen Service zurück, zumal das Festival im Ruf steht, hier auf höchste Qualität und Perfektion zu setzen. Große Produktionen wie die von Paul Simon kommen jedoch mit Sattelschleppern und bringen alles selbst auf die Bühne. In den "Ridern" stehen auch die kulinarischen Wünsche der Stars – für die Logen der Künstler und ihrer Crews gibt es einen Koch, der alles entsprechend passend vorbereitet und servieren lässt. Die Künstler sollen sich in Montreux wie bei einem Familienbesuch fühlen – diese Maxime des Gründers Claude Nobs wird hier an jeder Stelle versucht umzusetzen.
Drei Teams kümmern sich um den guten Ton der Veranstaltungen: Einmal wollen die Künstler auf der Bühne hören, was sie spielen – dafür gibt es einen sogenannten Monitormix. Ein weiteres Team kümmert sich um den Klang, den das Publikum vor der Bühne im Auditorium Stravinski oder in der Miles Davis Hall zu hören bekommt. Das ist nicht einfach, denn die Proben finden ja immer ohne Publikum statt und so gilt es, aus Erfahrungen jedes Instrument richtig auszusteuern und den Mix aller Klangquellen vorzunehmen. In Montreux werden seit den ersten Festivals alle Auftritte aufgezeichnet. Seit den 1990er Jahren geschieht dies im HD-Format und seit letztem Jahr sogar im 3-D-Verfahren. Damit auch bei diesen Aufzeichnungen alles gut und authentisch zu hören ist, kümmert sich ein eigenes 40-köpfiges Produktionsteam. Im Mischraum kann auf bis zu 96 Kanäle zurückgegriffen werden und ein Tonmix für Filmaufnahmen stellt ganz andere Anforderungen als für die Konzertbesucher. Beispielsweise werde für die Aufnahmen mehr Bass als im Konzertsaal benötigt. Die Aufnahmen der Festival-Auftritte stellen mittlerweile einen unschätzbaren Wert dar, denn mehr als 5000 Künstler konnten inzwischen auf Zelluloid gebannt werden.
|
Im Lager der Firma BBS, die dafür sorgt, dass jeder Musiker das richtige Instrument und das richtige Equipment auf der Bühne vorfindet. Hier sehen wir Bestandteile von Schlagzeugen gestapelt.
Foto: Christoph Nitz
|
Zurück zu Essen und Trinken – 24 Prozent der Umsätze des Festivals stammen aus dem Verkauf an Bars, in den Restaurants und an Ständen. Entsprechend finden sich enorme Vorräte, die täglich aufgefrischt werden. Allein zwischen 120 000 und 140 000 Liter Bier werden alljährlich während der 16-Festivaltage verkauft. Auch die Cola-Zero, die ich im "Salon de Presse" gratis genießen kann, stammt aus den Lagern unter dem Zentrum. Und sogar an Reserve-Kühlschränke ist gedacht – denn Künstler haben manchmal mehr Durst als geplant. 150 Menschen kümmern sich in dieser Schattenwelt des Festivals darum, dass immer alles läuft, jeder am richtigen Ort ankommt und niemand verhungern muss – 37 000 Arbeitsstunden sind für den reibungslosen Ablauf des Festivals zu leisten. Stunden von denen die Besucher im Konzertsaal nichts bemerken.
|
Bierfässer, soweit das Auge reicht. Unter dem "2m2c" in Montreux werden enorme Mengen an Lebensmittel für die Bars, Restaurants und Stände gelagert. Allein zwischen 120 000 und 140 000 Liter Bier werden jedes Jahr konsummiert. 24 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Verkauf von "Food & Beverages".
Foto: Christoph Nitz
|
|
Sting mit den Bochumer Symphonikern bei seinem Auftritt im Auditorium Stravinski beim 45. Montreux Jazz Festival.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
„Ich mag Sting und deshalb gefällt mir der Abend sehr gut. Er überrascht mich immer wieder. Ich war vor vielleicht zehn Jahren in einem seiner Konzerte, das mehr jazzorientiert war, vor drei Jahren habe ich ihn mit Police gesehen und heute nun mit einem Orchester – es ist für mich immer ein großes Vergnügen. „
„Mir gefällt die Kombination klassicher Musik mit einer Rockband. Ich habe ihn im September in Genf mit dem gleichen Programm gesehen, damit verglichen ist der Abend heute näher dran an seinen früheren Arbeiten.“
„Ich freue mich, diesen großen Star sehen zu können und bin gern hier in Montreux. Mir gefällt die Stadt und es sind hier viele nette Menschen – ich erlebe einfach gute Momente hier.“
„Mir gefällt das Orchester sehr gut, die ganze Stimmung ist sehr sympatisch. Ich finde, dass das klassische Gewand den Popsongs gut steht.“
„Ich habe gemischte Gefühle, vom Orchester kommt für meinen Geschmack zu wenig. Das kann aber auch an der Akkustik liegen. Ich finde es aber insgesamt etwas zu flach.“
„Seine Stimme ist sehr markant, wirklich unglaublich, daneben verblasst das Orchester ein bisschen. Ich bin Fan von solchen speziellen Umsetzungen mit Orchester und deshalb ist es für mich ein besonderer Abend. Ich bin seit meiner Kindheit an Fan von Sting und es ist das erste Mal, dass ich ihn live sehe und deshalb ist es ein sehr spezielles Erlebnis für mich.“
„Teilweise habe ich nichts gehört vom Orchester, es ist vom Arrangement her zu wenig gemacht worden. Bei „Roxanne“ gab es einen Zwischenteil, da ist etwas passiert, bei manchen Songs gab es auch noch Stellen, die interessant waren. Aber insgesamt haben sie es mehr oder weniger so durchgezogen, wie man es gewohnt ist.“
„Die Backgroundsängerin ist wirklich Spitze.“
„Er war nie jemand, der durch die Medien ging oder gezogen wurde. Das macht ihn als Künstler auch sehr sympatisch.“
„Mir standen wirklich manchmal die Haare zu Berg – manchmal habe ich nicht auf die Bühne geschaut, um besser zuhören zu können.“
„It is outstanding.“
„Es ist ein sehr intensives Konzert mit unheimlich viel Emotionen.“
„It’s Sting! Er ist niemals schlecht.“
|
Extra aus Südfrankreich haben sich Amandine Cuji und Melissa Ollivier zum Montreux Jazz Festival auf den Weg gemacht. Tagsüber schminken sie Kinder und abends wechselt mit dem Publikum am Ufer des Genfer Sees auch ihr Angebot: Schmuck und lustige Hüte aus garantiert natürlichen Fasern wollen dann an die Mann und die Frau gebracht werden.
Foto: Christoph Nitz
|
|
Vanessa Scarpati und Delphine Carrupt verteilen Gratis-Jetons für das Casino in Montreux.
Foto: Christoph Nitz
|
|
Rianne Roshier und Angela N'Lep beantworten Fragen der Festival-Besucher in Montreux und sind leicht an ihren roten Mützen und Buttons mit einem Fragezeichen oder "Ask me" zu erkennen.
Foto: Christoph Nitz
|
|
Niklaus Mani ist seit 18 Jahren beim Montreux Jazz Festival dabei und organisiert seit 2000 die musikalischen Zugfahrten des Festivals. Diese werden mit GoldenPass durchgeführt – dem Label der vielen kleinen Zahnrad- und Seilbahnen, die Montreux mit den Bergen im Umland verbinden. Hier im Bild begrüßt er die Passagiere der New-Orleans-Jazz-Fahrt am 7. Juli 2011.
Foto: Christoph Nitz
|
Niklaus Mani: Die Idee entstand entwickelte sich aus der Tatsache, dass früher schon die Jazz-Schiffe gab und Claube Nobs, der Direktor vom Montreux-Jazzfestival ein großer Zugfan ist. Er hat im Keller seines Chalets eine riesige Sammlung Eisenbahn-Modelle, die einzigartig sein dürfte auf der ganzen Welt. Er wohnt direkt an der Bahnlinie von Montreux zum Les Rochers-de-Naye.
Seit 18 Jahren bin ich wiederum verantwortlich für die Mitarbeiter, die im Besucherbereich des Auditorium Stravinski arbeiten. Eines Tages haben wir uns zusammen mit Claude Nobs im Backstage unterhalten und plötzlich entstand die Idee, warum sollte es nicht neben den Jazz-Schiffen auch einen Jazz-Zug geben. Da war er hell begeistert: "Ja, machen wir sofort..." Zum Start – das ist war im Jahr 2000 – schickten wir einen Zug hier zum Rochers-de-Naye sowie einen nach Gstaad. Inzwischen sind es jährlich schon drei Fahren zum Rochers-de-Naye und eine oder zwei nach Gstaad. Das kommt dort immer darauf an, welche sonstigen Großereignisse dort während des Festival-Zeitraums stattfinden – während eines Beachvolley- oder Tennisfestivals können wir natürlich nicht noch zusätzlich mit einem Jazz-Zug dazukommen.
Ungefähr 170 Leute nehmen an einer Zugfahrt teil – nach Gstaad sind etwa 140 Menschen im Zug.
Sie sagten vorhin, dass das Ticket mit dem Jazz-Zug billiger sei als eine normale Fahrkarte. Stimmt das?
Das stimmt, eine normale Zugfahrt kostet 66,40 Franken – ohne Ermäßigungen etwa mit einer Bahncard. Ein Ticket für den Jazz-Zug kostet nur 60 Franken. Dies ist möglich, weil es einerseits eine lange Zusammenarbeit gibt und weil GoldenPass einer der offiziellen Unterstützer des Festivals ist.
Was ist GoldenPass genau?
GoldenPass ist der Name der Vereinigung der ganzen kleinen Bahnen, die von Montreux aus die Berge des Umlandes bedienen. Die Zahnradbahnstrecke hier zum Rochers-de-Naye gibt es seit knapp 120 Jahren, es war glaube ich die erste Bahn in der Gegend, die gebaut wurde. Der Tourismus entstand ja hauptsächlich durch Engländer, die hierher kamen, um das Schloss Chillon zu sehen. Das Gedicht von Lord Byron »Der Gefangene von Chillon« animierte viele, sich das vor Ort einmal anzuschauen.
Damals war Montreux eigentlich noch keine Stadt, es waren kleine Winzerdörfer. Der große Bahnhof war damals noch in Territet, von dort wurde 1883 eine Standseilbahn nach Glion gebaut, später folgte die Zahnradbahn hinauf zum Les Rochers-de-Naye. Erst nach der Jahrhundertwende, ich glaube im Jahr 1909, wurde Montreux mit Glion verbunden, damals entstanden dort auch die großen Hotels.
Die Züge wirken ziemlich alt, planen Sie, diese zu erneuern?
Die kleineren Züge, die wir teilweise noch einsetzen, wurden in den 1930er Jahren gebaut. Die großen – mit denen wir auch die Jazz-Züge fahren – wurden nach 1985 gebaut. Der letzte wurde vergangenes Jahr fertiggestellt – unsere Züge werden natürlich immer wieder erneuert. Aber der Eindruck entsteht, weil es eben eine Zahnradstrecke ist, da ist die Fahrt immer auch ein klein bisschen urig und ein klein bisschen lärmig im Zugabteil, das ist ganz klar.
Die Bands müssen sich stellenweise sehr anstrengen, damit man ihre Musik und nicht den Fahrtlärm des Zuges hört.
Ich sage zu den Gruppen immer, im Zug drin spielt ihr so gut ihr könnt. Das ist gerade für den Trompetisten nicht einfach. Bei einer Zahnradbahn ruckelt es eben immer ein bisschen. Während der zwei Stunden Aufenthalt auf dem Berg geben die beiden Bands dann ein jeweils ein komplettes Konzert mit guten akkustischen Bedingungen.Bei schönem Wetter, wenn die Sonne scheint, auf der Terrasse, dann hallt die Jazzmusik über den ganzen Berg. Die Murmeltiere hier steppen dann dazu ...
Wie viele verschiedene Murmeltierarten leben hier?
Es gibt weltweit 14 verschiedene Arten Murmeltiere, davon haben wir sieben hier in den Parks. Das ist weltweit einzigartig. Fast jedes Jahr gibt es hier auch einen Kongress der Murmeltierspezialisten, die hierher kommen, um die verschiedenen Arten zu beobachten. Neben den Murmeltieren im Alpengarten gibt es hier auch noch die mongolischen Jurten, in denen man auch übernachten kann. Als eine Murmeltiergattung aus der Mongolei eingeführt wurde fuhren wir dorthin, um sie abzuholen. So entstand die Idee, dass man in 2000 Metern Höhe in original mongolischen Jurten schlafen kann. Wir haben damit einen großen Erfolg.
Man kann sich also für eine Übernachtung in der Jurte einmieten?
Genau, auch auf unserer Homepage www.goldenpass.ch kann man die Jurten buchen. Wir haben sieben Jurten, also können maximal 56 Leute auf dem Berg übernachten. Wir haben auch viele Familienfeste oder andere Gruppenausflüge hierher. Hier oben gibt es ja keine Polizeistunde.
Die gibt es in Montreux auch nicht.
Während des Jazzfestivals gibt es dort auch keine Sperrstunde.
Sonst gibt es eine Sperrstunde?
Ja, natürlich. Man kann nicht durchgehend feiern. Bars und Diskotheken haben Verlängerungen, aber die normalen Restaurants sollten um 1 Uhr morgens zumachen.
Also ich komme aus Berlin – da gibt es keine Sperrstunde.
Berlin ist natürlich wieder eine Sache für sich. Ich komme jedes Jahr ein paarmal nach Berlin, insbsondere zur ITB, da ist GoldenPass auch einer der Aussteller. Berlin ist immer eine Reise wert – auch für uns Schweizer – weil es eine Kulturstadt ist und auch eine Lebestadt. Da findet was statt, da ist was los.
Hauptberuflich arbeiten Sie für GoldenPass?
Ja, seit 30 Jahren darf ich für diese wunderbare Eisenbahngesellschaft arbeiten. Nebenbei habe ich dann noch verschiedene andere kleine Ämtchen, die man halt so hat in einer kleinen Stadt wie Montreux. Es sind ja nur rund 15 000 Einwohner, da sind die Vereine darauf angewiesen, dass jeder ein bisschen mitmacht.
Wie lange sind Sie beim Montreux Jazz Festival dabei?
Das Festival ist vor 19 Jahren vom Casino ins Kongresszentrum umgezogen und ein Jahr später bin ich dann zum Jazzfestival gestoßen und darf seither verantwortlich sein für die 75 Leute, die in der Hauptkonzerthalle – dem Auditorium Stravinski – arbeiten. Da haben wir natürlich dann auch regen Kontakt mit den Künstlern...
Sind Sie auch zuständig für die erstaunlich reibungslosen Umbauten auf der Bühne?
Der Umbau gehört zur Produktion. Ich bin verantwortlich, was vor der Bühne stattfindet. Bei Sitzplatzkonzerten werden den Gäste ihre Plätze gezeigt und auch die sonstigen Sicherheitsmaßnahmen fallen in unseren Aufgabenbereich. Also dass niemand auf die Bühne rennt oder dass man sie dann möglichst freundlich wieder von der Bühne herunterbegleitet. Das geschieht natürlich immer in enger Zusammenarbeit mit der Produktion.
Jeden Nachmittag hat man Sitzungen mit den Sicherheitsleuten der Gruppen oder mit den Musikern selbst. Da erklärt man, wie läuft das bei uns beim Festival ab. Montreux ist das einzige Top-Festival mit so bekannten Musikern auf der Bühne, wo es keine Barriere zwischen Publikum und den Musikern. Das macht die Nähe usneres Festivals aus.
Mit 4000 Stehplätzen handelt es sich bei Konzerten etwa mit David Bowie oder Prince eher um Clubkonzerte – das kriegt man nirgendwo sonst.
Genau, es ist auch diese Nähe, was die Musiker hier so schätzen – neben dem persönlichen Kontakt durch Claude, der beinahe jeden Musiker seit langem kennt, sie immer begrüßt und viele auch einlädt in sein Chalet. Publikum und Künstler können sich beinahe berühren. Wenn Ricky Martin ein Konzert in den USA gibt, dann haben sie riesige Sicherheitsvorkehrungen. Wir haben die Leute gestern Abend direkt an die Bühne gelassen. Also die konnten im Prinzip ihm die Schuhe binden. Das macht Montreux so speziell macht – auch die Konzerte im Auditorium Stravinski.
Haben Sie die Konzerte im Casino auch miterlebt?
Damals war ich noch nicht tätig im Staffbereich, aber als Zuschauer bin ich natürlich dort auch regelmäßig hingegangen. Es war ein ganz anderes Ambiente, es war noch persönlicher, denn es war noch kleiner.
Sie sind 18 Jahre dabei, 45 Jahre gibt es das Festival insgesamt. Claude Nobs war im vergangenen Jahr erkrankt und ließ sich viel vom Generaldirektor Mathieu Jaton vertreten. Dieses Jahr ist er wieder mehr präsent. Wenn Nobs nicht mehr dabei sein kann, gibt es dann das Festival noch?
Bestimmt. Es ist eine Institution, das Montreux Jazzfestival und das wird auch so bleiben. Es wird sich sicher etwas verändern – Claude ist die Seele des Festivals. Aber was die technische Abwicklung und vieles andere angeht, da ist ja er schon eigentlich seit längerem nicht mehr so aktiv mit dabei. Wir sind natürlich sehr zuversichtlich, dass er da noch jahre- oder jahrezehntelang mitmacht. Dieses Jahr ist er ist wirklich wieder voll dabei. Also die letzten Nächte bis morgens vier oder fünf Uhr früh war er noch im Jazz-Café, hat mit allen Leuten gesprochen – da denkt man nicht, dass er im Februar 75 Jahre alt geworden ist..
Er sieht zehn Jahre jünger aus.
Er ist wirklich wieder top und fit. Im Vergleich mit ihm gibt es viele Junge, die leisten nie das, was Claude leistet.
Claude ist einfach der Gründer und Direktor, er ist die Seele des Festivals und in dem Sinne so nicht ersetzbar.
In den Jahren ist auch der Personenkult um Claude Nobs immer größer geworden. Ist das ein Problem?
Nein. Ich denke für ihn ist es kein Problem und es ist auch kein Problem für das Festival. Das Festival lebt zu einem großen Teil von und mit und durch Claude Nobs. Es stört sich niemand dran, auch bei uns im Staffbereich nicht. Im Gegenteil, wenn er sich verändern würde durch diesen Kult, dann wäre es natürlich vielleicht etwas anderes. Aber er ist und bleibt unser Claude und er wird immer unser Claude bleiben.
Vielen Dank für das Gespräch.
|
Sting mit dem billigsten Instrument, das man laut Rod Stewart kaufen kann, der Mundharmonika. Mit der schaffte es der Sänger, mehr Atmosphäre und Spannung zu zaubern als der riesige Orchesterklangkörper der "Bochumer Symphoniker" unter Sarah Hicks.
Foto: Lionel Flusin | mjf
|
|
Der irische Folksänger James Vincent McMorrow (links) verzauberte mit seiner wandlungsfähigen Stimme im Vorprogramm von "Arcade Fire" – rechts Jill Deering (rechts), deren Background-Vocals perfekt ergänzten.
Foto: Lionel Rusin / mjf
|
|
Regine Chassagne wechselte ein paar Mal vom Schlagzeug zum Mikroständer und machte dort auch eine gute Figur etwa wie hier bei "Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)" vom aktuellen Album "Suburbs".
Foto: Lionel Rusin / mjf
|
|
Band mit mächtiger LED-Wand, die Technik lenkte aber zu keinem Moment von enorm spielfreudigen Oktett ab.
Foto: Lionel Rusin / mjf
|
|
Bis rund 1200 Menschen an Bord der "MS Lausanne" sind dauert es fast eine Stunde. An Bord fing aber gleich die Brasil-Tropical-Sause an.
Foto: Christoph Nitz
|
|
DJ Rumba Stereo (rechts) ist seit 13 Jahren mit an Bord der Brasil-Boats beim Montreux Jazz Festival – in diesem Jahr mit an den Turntables: DJ Livia (links). Die beiden sind Resident Disc Jockeys der "Tropical Bar" und sorgen dort allabendlich für Stimmung.
Foto: Christoph Nitz
|
|
Ob auf dem Sonnendeck oder im "Salon Haute Savoie" die Devise lautete TANZEN.
Foto: Christoph Nitz
|
|
18 Jahre alt und in der Tat nicht auf den Mund gefallen. Carly Connor rockte das Auditorium Stravinski beim 45. Montreux Jazz Festival.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
Der ehemalige Drummer der Simple Minds, Brian McGee hat das Talent erkannt und arbeitet mit der Glasgowerin an ihrem ersten Album. Immerhin haben Atlantic Records einen Vertrag angeboten und mit "Nightcreeper" die ersten vier Titel als EP herausgebracht. Mit ihrer enormen Stimme und natürlichen Bühnenpräsenz dürfte ihr in der Tat noch einiges zuzutrauen sein. In Montreux zeigte sie schon mal eine halbe Stunde lang einiges von ihrem Potenzial und konnte in leisen Vokalpassagen ebenso überzeugen wie dann, wenn die Shouter-Qualitäten gefragt waren. Auf Facebook dankte sie für eine "überwältigende Nacht an einem schönen Ort". Einkaufshilfe bot sie auch gleich an – viele wollten wissen, woher ihr "Jack kills"-Shirt stammt.
|
Strapazierte bei ihrem Auftritt am 7. Juli 2011 in Montreux mit religiösem Eifer und klebrig-arrangierten Erweckungstiteln: Chaka Khan.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
|
Menschen die bei einem Soul-Funk-Konzert am Boden sitzen, habe ich noch nie gesehen. Hier der Fotobeweis.
Foto: Christoph Nitz
|
|
Blickfang Waschbrett.
Foto: Christoph Nitz
|
Gegen zwei Uhr am Nachmittag erwacht das Festival langsam – bei "Music in the Parc" bringt die Brighton College Swing Band ihr Publikum mit gekonnten Interpretationen von "Theme from Shaft", dem unvermeidlichen "Smoke on the Water" und "Livin' La Vida Loca" in Stimmung – letzteres ein musikalischer Gruß an Ricky Martin, dem Stargast des vorhergehenden Abends, der möglicherweise noch in seiner Suite schlummerte.
Doch mich zieht es zum Bahnhof zurück, denn dort starten die Züge des Montreux Jazz Festival. Niklaus Mani von GoldenPass – dem einheitlichen Marketinglabel der kleinen Bergbahnen, die die alpinen Berge des Genfer Sees erklimmen – begeisterte Claude Nobs für die Zugidee. Der Festivaldirektor wohnt hoch über Montreux in Caux, einer Zugstation auf dem Weg zum 2042 Meter hohen Rochers-de-Naye. In Keller seines legendären Chalet finden sich neben 200.000 Tonträgern – davon 40.000 Vinylplatten – auch Wurlitzer-Jukeboxen und Modelleisenbahnen. So war es ein leichtes, den Festivalchef von den Zugfahrten zu überzeugen, zumal Nobs Züge nicht nur in kleinem Format sammelt, sondern mit den großen Exemplaren seine Reisen durch die Schweiz unternimmt. Dreimal starten die Züge 2011 zu diesem Ziel, eine weitere Musikexpedition auf Schienen wird nach Gstaad führen.
Mehr als 170 Menschen haben in den beiden Zugabteilen Platz genommen und pünktlich zum Start des Zuges beginnen auch die "Jazztronomes" mit ihrem Programm, das New Orleans, Swing und Middle Jazz umfasst. "Jacky au Waschboard" stellt sich vor und die Stimmung steigt je weiter der Zug den Berg hinaufklettert. Neben dem Musikgenuss gibt es auch einen atemberaubenden Blick auf den Genfer See sowie Murmeltiere am Ziel. Sieben von weltweit vierzehn Arten leben in den Parks, wie Niklaus Mani stolz verkündet. Lachend bemerkt er, dass die normalen Zuggäste 6 Franken mehr für die Reise aufbringen müssten – und das ohne New Orleans Jazz wohlgemerkt.
|
Garance Zarn (vorn) sammelt gemeinsam mit Kameramann Maxime Lonfat Eindrücke vom Festival für das Montreux Jazz TV.
Foto: Christoph Nitz
|
Die "Jazztronomes" finden ihren Weg auch ins Internet, denn Montreux Jazz TV begleitet die Zugfahrt und nehmen fleißig Material auf. Garance Zarn ist als Interviewerin zusammen mit Kameramann Maxime Lonfat an diesem Tag im Zug für das neuartige Projekt unterwegs. Rund 30 Leute tragen Material vom gesamten Festival zusammen und stellen dies vor allem für das Web 2.0 zur Verfügung. Zarn meint, man müsse das Festival zeitgemäß auch bei Facebook und vimeo präsent machen. Bei den Dreharbeiten gäbe es fast jeden Tag Überraschungen, „but it's nice" – so auch die Zeit in der Zahnradbahn.
Hier geht es zum Montreux Jazz TV bei vimeo
|
Finale in 2042 Metern Höhe mit den Bands "Les Jazztronomes" und den "New Orleans Swingers" – das Musikfestival in Montreux wird seit 2000 durch musikalische Zugfahrten bereichert.
Foto: Christoph Nitz
|
Die Linie auf das Rochers-de-Naye Bergmassiv existiert seit 1892. Und auch heute ist eine Fahrt mit der Zahnradbahn eine mitreissende Erfahrung. Oben im Restaurant wurden die Jazzfans mit einem Konzert beider Bands unterhalten – der Höhepunkt war die gemeinsame Jamsession, da fast alle Instrumente von Banjo über Trompete bis zu Klarinette doppelt vertreten sind, wurde das Finale mit enormer Power getragen. Nur das Waschbrett von Roland Pellet – so heißt Jacky im bürgerlichen Leben – blieb Unikat. Schnell fand sich auch ein Pärchen, das entspannt zu Tanzen beginnt. Kurz vor 19 Uhr traf die gutgelaunte Reisegesellschaft wieder in Montreux ein, wo der abendliche Konzertmarathon ein weiteres Mal seinen Anfang nahm.
|
Leon Russell beherrschte sein Konzert mit majestätischer Präsenz und Stimme in der Keith-Richards-Liga.
Foto: Daniel Balmat / mjf
|
Vor dem Konzert hatte ich noch einmal bei DJ Livia verbeigeschaut, die ihren freien Tag mit Ruben Blades und Ricky Martin verbringen wollte. So ist das in Montreux, meist fällt die Auswahl schwer. Allerdings hatte auch Festivalgründer es sich nicht nehmen lassen, die beiden Piano-Veteranen zu begrüßen. Bei Leon Russell handelte es sich um seinen ersten Aufritt, obwohl Nobs sich schon seit vielen Jahren um den Südstaaten-Musiker bemüht hatte. Und der Auftritt war schlicht „hammermäßig", wie ein Schweizer Journalistenkollege im Salon de Presse per Telefon weitergab. Ich freue mich schon jetzt auf die Filmaufnahmen, denn in Montreux werden alle Auftritte technisch aufwändig aufgezeichnet.
|
Dr. John kann gleich zwei Tasteninstrumente bedienen und dennoch Contenance behalten. Rechts oben auf dem Flügel der Totenkopf mit schicker Kappe.
Foto: Daniel Balmat
|
|
Olivia Pedroli bot Melancholie zwischen Folk, Klassik und Experiment. Ihre Stimme bot eine enorme Bandbreite und zog die Zuhörer in die Welt der Schweizerin mit.
Foto: Daniel Balmat / MJF
|
|
Nidi d'Arac wurde bei "Music in the Parc" vom fantastischen Elektrogeigen-Wirbelwind Elena Floris unterstützt.
Foto: Marc Ducrest / MJF
|
|
Laut und kurzweilig fiel der Auftritt der "Vaccines" aus - die mit ihrem Debütalbum "What did you expect from the Vaccines" Platz 4 der Charts in England erobern konnten.
Foto: Muriel Rochat / MJF
|
|
Taylor Momsen musste ihre Fans nicht lange rufen: "Zieht mal die Shirts aus und tanzt auf der Bühne""
Foto: Daniel Balmat / mjf
|
|
Melissa von der Maur kam in diesem Jahr tatsächlich in Montreux an - konnte aber mit ihrem Auftritt beim Gipfel der Rockfrauen nicht wirklich punkten.
Foto: Daniel Balmat / mjf
|
|
Sandra Nasic und die reformierten "Guano Apes" gaben ein furioses Konzert beim 45. Montreux Jazz Festival.
Foto: Daniel Balmat / mjf
|
|
Der König des Blues hielt Hof und alle kamen. Man plauderte und B. B. King amüsierte sich bei seiner Party.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
|
Carlos Santana zu Gast bei B. B. King am 3. Juli 2011 im Auditorium Stravinski beim 45. Montreux Jazz Festival.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
|
"Ich kann Euch nicht hören" – B. B. King animiert das Publikum zum Mitmachen beim "Welcome to the Chairman of Board"-Abend des 45. Montreux Jazz Festival am 3. Juli 2011.
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
|
Claude Nobs entert die Bühne des 45. Montreux Jazz Festivals beim Eröffnungskonzert von Carlos Santana und John McLaughlin
Foto: Lionel Flusin / mjf
|
16 Tage dauert die 45. Auflage des Traditionsfestivals. 12 Konzerthallen bieten Programm, davon sind zehn mit freiem Eintritt. Jeden Abend ab 18 Uhr bis Mitternacht und meist noch lange in den Morgen. Mehr als 1000 Musikern bieten mehr als 1000 Stunden Musik. In diesem Jahr rechnen die Organisatoren mit 230.000 Besuchern. 1400 Mitarbeiter sind am Start, damit das Festival reibungslos über die Bühne gehen kann. 450 Journalisten beobachten das musikalische Treiben - darunter auch ich.
4000 Plätze im Auditorium Stravinski
sowie 2500 Plätze in der Miles Davis Hall garantieren auch bei Superstars wie Sting oder Paul Simon eine beinahe intime Clubatmosphäre. Beliebt sind auch die musikalischen Ausflüge mit den Montreux-Jazz-Booten und -Zügen. In zwei Night Clubs (Montreux Jazz Café & Studio 41)
kann nach den Live-Konzerten weiter gefeiert werden. Workshops, Filmvorführungen, Ausstellungen und spezielle Projekte umrahmen das Gesamtprojekt.
Den Auftakt 2011 gestalten Carlos Santana und B.B. King mit mehreren Konzerten. Santana gastierte erstmals 1970 am Genfer See – allerdings mit Startschwierigkeiten, denn sein Tour-Equipment war in Italien beschlagnahmt worden. 5000 Dollar investierte Festival-Impressario Claude Nobs, damit der Latin-Rock planmäßig erklingen konnte. Claude Nobs tüffelte in den folgenden Jahren mit Santana an besonderen Konzerten – der experimentierfreudige Gitarrist begegnete fortan Blues-, Pop- und Worldmusikern. Am 1. Juli trat er erstmals seit Jahren wieder mit John McLaughlin auf. Die beiden spielten ihr 1973er Album "Love, Devotion and Surrender" und beschworen den Zeitgeist der 1970er Jahre: "Invitation to Illumination".
Heute abend stehen die größten Hits aus mehreren Jahrzehnten an und morgen wird Santana bei B.B.Kings "Welcome to the Chairman of the Board"-Konzert einsteigen. Der Bluesgitarrist wird in der Miles Davis Hall seinen zwanzigsten Auftritt in Montreux feiern und seinen kraftvollen Blues zelebrieren. Beim morgigen "Chairman of the Board" werden ihm neben Santana Paolo Nutini, Derek Trucks, Susan Tedeschi, Robert Randolph und John McLaughlin zur Seite stehen. Mit diesem Highlight starte ich mein Montreux Jazz Festival.
Von dem Supergipfel, der ursprünglich als gemeinsames NATO- und G8-Treffen in Chicago geplant war, nahm die US-Regierung schnell wieder Abstand.
Die Proteste wären wohl aus dem Ruder gelaufen. An diesem Wochenende tagen die Vertreter der G8-Länder in einer militärisch abgeschirmten Sperrzone in Camp David in der Nähe der US-Hauptstadt. Die NATO-Strategen halten dagegen Chicago in Atem. Von dort berichtet Max Böhnel über die internationale Gegenkonferenz namens „NATO Free Future“, zu der auch Vertreter der deutschen Friedensbewegung anreisen. Am Sonntag soll als Höhepunkt gegen den Willen von Stadtverwaltung und Polizei eine Grossdemonstration gegen das Militärbündnis stattfinden.
Blog von Marcus Meier: Welche Chancen erwachsen aus technischen Innovationen - für eine soziale und umweltfreundliche Gesellschaft, für mehr Demokratie, für ein rationaleres Wirtschaftssystem? Wo verhindern kapitalistische Mechanismen den technischen Fortschritt oder den fortschrittlichen Technikgebrauch? Wie, wo und warum generiert der Kapitalismus schlicht Fortschrott? Das sind die Fragen, die das neue nd-Weblog "Linke und Technik..! Fortschritt, Fortschrott und die Folgen " beantworten will. Autor Marcus Meier ist übrigens beides: Technikfreund und Technikskeptiker.
Hausblog: Aus dem nd über das nd: In unserem Hausblog halten wir Sie über alles berichtenswerte aus Redaktion und Verlag auf dem Laufenden.

Marcus Meier ist Journalist und arbeitet zu den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für das nd schreibt er seit Oktober 2009 regelmäßig – und meist zu NRW-Themen. Meier betreibt Das SPRUSKO-Prinzip, ein Weblog »zur Kritik des Ramsch-Kapitalismus«. Er lebt und arbeitet in Bochum. Seine Webseite: www.marcusmeier.de.

Max Böhnel lebt seit dreizehn Jahren in der Nähe von New York und berichtet als freier Journalist für deutschsprachige Radiosender, Print- und Internetmedien, unter anderem auch für nd.
Werbung:
Werbung: