|
Innenhafen
Foto: Charlotte Noblet
|
Willkommen in Duisburgs Hauptbahnhof. Am Gleis erwähnen viele Fahrgäste die Tragödie der letzten Love Parade. Sie wollen die Stadt unter die Herbst-Sonne besichtigen, übersehen aber leider das gelbe Schild, welches zum Ost-Eingang des Bahnhofs führt, zur „Radstation“. Dort wartet ein buntes Team mit grünen Leihrädern: „Die RUHR.2010 lockt viele Touristen aus dem Ausland. Mal wollen sie die Stadt erkunden, mal am Rhein entlang fahren“, erklärt einer aus dem Team. „Viele kennen die Rücktrittbremse nicht“ sagt er noch, und schmunzelt. Der günstige Fahrradverleih direkt am Bahnhof ist unter Anderen von den Duisburger Grünen gefördert und ermöglicht eine Entdeckung der anderen Art durch die Stadt am Niederrhein. Die Radtourentipps auf dem Stadtplan führen in alle Himmelsrichtungen und ausgeschildert sind sie leider nicht; dafür sind aber die Duisburger sehr hilfsbereit bei der Wegsuche, vor allem durch die Innenstadt. Duisburgs Innenstadt ist zur Umweltzone und Einkaufsmeile geworden - wie in vielen anderen Städten des Ruhrgebiets.
Aus der Umgestaltung der Stadt im Strukturwandel wachsen auch spannende Ecken wie der Innenhafen, wo alte Speichergebäude für Holz und Getreide sich mit moderner Architektur mischen und klug umgenutzt werden, zum Beispiel als Lager für die Stadtarchive. Auf so eine Idee waren die Pariser mit ihrer pompösen nationalen Bibliothek an der Seine leider nicht gekommen… und sollten die modernen Glasfassaden der Bibliothek François Mitterand mit Holz umgestalten, um die Bücher vor Licht zu schützen.|
Brücke nach Rheinhausen
Foto: Charlotte Noblet
|
Ein kleiner Umweg in den kreativ umgebauten Rheinpark und über eine alte Eisenbrücke, bringt mich nach Rheinhausen, wohin Alfred Krupp die gesamte Roheisenproduktion von Essen Ende XIX. Jahrhunderts verlegt hatte. Dabei ist die so genannte „Margarethensiedlung“ für die Arbeiter entstanden. Mit jeder Erweiterung der Werksiedlung wird Rheinhausen ein bisschen mehr zur Stadt, günstig gelegen am linken Niederrheinufer. Um den Krupp Platz herrscht noch das Konzept einer Gartenstadt mit vielfältigen Wohnformen und dörflicher Atmosphäre. Um den Berthaplatz herum wandelt es sich jedoch zu einem städtebaulichem Ensemble mit Reihenhäusern. Noch näher am ehemaligen Werk wurden zwei- bis dreigeschossige Mehrfamilienhäuser errichtet. Aus der Krupp-Zeit gibt auch das türkische Viertel, wo die sonst üblichen „Trink- und Verkaufshallen“ mit Diebel Alt fast exotisch erscheinen.
Neben 8300 Arbeitern beschäftigte Krupps Hüttenwerk 1914 auch circa 1000 leitende Angestellte. Bis in die 1950er Jahre müssten sie in Werksnähe wohnen. Dafür wurde ebenfalls eine Siedlung Anfang 20. Jahrhundert fertiggestellt, die sogenannte „Beamtensiedlung Bliersheim“. Einzelvillen für die Betriebschefs, Doppelhäuser für die Betriebsassistenten und eine Direktorenvilla mit Kutscherhaus. Dort ging es wahrscheinlich eher um Residenzgenuss mit Repräsentationsrolle, als um fleißige Residenzpflicht, wie das Casino in der Straße nebenan suggeriert.
|
Krimiautorin Ute Bruckschen
Foto: Charlotte Noblet
|
„Von den Villen hatte ich immer wieder gehört“, sagt Ute Bruckschen. „Ich bin in Rheinhausen groß geworden, meine Eltern waren Kruppianer, aber damals war ich nie bei den Villen, sie waren zu nah am Werk und da ging keiner von uns hin.“ Erst zehn Jahre nach Schließung des Werks war sie auf dem Gelände: „Ich habe 1999 Sylvester im eingeräumten Casino gefeiert. Es war bombastisch! Damals stand das alte Betriebsgelände um das Rondelle der Villenstraße leer. Es machte das Ganze faszinierend und mysteriös.“
Das Erlebnis war Auftakt ihres mittlerweile 10 jährigen beruflichen Abenteuers: Ute Bruckschen schreibt Krimigeschichten und lädt in den Villen ein, ihre Spaßfälle zu lösen. „Es wird mit der Rheinhäuser Geschichte gespielt. Es ist eine lustige Art unsere Region zu entdecken“, sagt Ute Bruckschen. „Langweilig kann es nicht werden: Wir arbeiten nicht nur mit kostümierten Schauspielern, sondern spielen mit den Teilnehmern selbst, sie müssen immer mitmachen“, erzählt sie noch. Sie selbst ist jedes Mal dabei und übernimmt kleine Hilfsrollen. „Am Anfang hatten wir einen Schlüssel und durften in die Villen rein, aber seit ein paar Jahren schon sind sie baufällig und wir bleiben auf dem Gelände.“
Was aus den Villen wird, weiß Ute Bruckschen nicht wirklich. „Die Villen können nur gewerblich benutzt werden. Bisher ist nur eine Villa renoviert worden, aber ich habe von zwei neuen Eigentümern gehört: Ein Eventmensch aus Moers hätte zwei Villen gekauft und letztes Jahr ein Künstler noch zwei weitere. Vielleicht wird es auf dem Gelände lebendig!“ Das hofft sie sehr, sowohl für die Villen, als auch für ihre Krimi-Eventagentur. „Für die RUHR.2010 sind viele Touristen in unsere Region gekommen, leider aber war die freie Szene nicht wirklich in das Konzept der Kulturhauptstadt eingebunden und es ist nicht einfach, da viele Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden.“
Eine Gruppe läuft zwischen den Villen herum. Sie kommen im Rahmen der RUHR.2010 und bereiten eine Performance vor: Sie wollen mit Musik und Licht „die Kapitalisten vertreiben“. Ute Bruckschen lacht: Ob der böse Geist diesen Ort jemals verlassen wird?!
|
Fanfare Harmonie La Concorde am Stadthafen Recklinghausen
Foto: Charlotte Noblet
|
|
Urspuk-Maskenspieler aus Essen und Istanbul
Foto: Charlotte Noblet
|
|
Empfang am Anleger Zweigertbrücke
Foto: Noblet
|
|
Leiterin der Urspuk-Parade, Ana Hopfer
Foto: Noblet
|
|
Die Zeche Carl wird musikalisch
Foto: Noblet
|
|
Foto: Charlotte Noblet
|
|
Der Kasper von Berhardine Lützenburg
Foto: Charlotte Noblet
|
|
Der Kasper von Barbara Schmuschal
Foto: Charlotte Noblet
|
Von dem Supergipfel, der ursprünglich als gemeinsames NATO- und G8-Treffen in Chicago geplant war, nahm die US-Regierung schnell wieder Abstand.
Die Proteste wären wohl aus dem Ruder gelaufen. An diesem Wochenende tagen die Vertreter der G8-Länder in einer militärisch abgeschirmten Sperrzone in Camp David in der Nähe der US-Hauptstadt. Die NATO-Strategen halten dagegen Chicago in Atem. Von dort berichtet Max Böhnel über die internationale Gegenkonferenz namens „NATO Free Future“, zu der auch Vertreter der deutschen Friedensbewegung anreisen. Am Sonntag soll als Höhepunkt gegen den Willen von Stadtverwaltung und Polizei eine Grossdemonstration gegen das Militärbündnis stattfinden.
Blog von Marcus Meier: Welche Chancen erwachsen aus technischen Innovationen - für eine soziale und umweltfreundliche Gesellschaft, für mehr Demokratie, für ein rationaleres Wirtschaftssystem? Wo verhindern kapitalistische Mechanismen den technischen Fortschritt oder den fortschrittlichen Technikgebrauch? Wie, wo und warum generiert der Kapitalismus schlicht Fortschrott? Das sind die Fragen, die das neue nd-Weblog "Linke und Technik..! Fortschritt, Fortschrott und die Folgen " beantworten will. Autor Marcus Meier ist übrigens beides: Technikfreund und Technikskeptiker.
Hausblog: Aus dem nd über das nd: In unserem Hausblog halten wir Sie über alles berichtenswerte aus Redaktion und Verlag auf dem Laufenden.

Marcus Meier ist Journalist und arbeitet zu den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für das nd schreibt er seit Oktober 2009 regelmäßig – und meist zu NRW-Themen. Meier betreibt Das SPRUSKO-Prinzip, ein Weblog »zur Kritik des Ramsch-Kapitalismus«. Er lebt und arbeitet in Bochum. Seine Webseite: www.marcusmeier.de.

Max Böhnel lebt seit dreizehn Jahren in der Nähe von New York und berichtet als freier Journalist für deutschsprachige Radiosender, Print- und Internetmedien, unter anderem auch für nd.
Werbung:
Werbung: