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Die Schulferien sind vorbei, unser Sommerblog neigt sich dem Ende zu. Der letzte Beitrag geht aber in die Verlängerung und sieht dafür etwas anders aus. Ein kurzes Video und ein Diashow rufen zum Rätseln auf:
Die Antworten können als Kommentare online gestellt. Anekdoten zu erkannten Orten sind willkommen, Fantasiebegründungen bei der Identifizierung erlaubt, sogar erwünscht! Die „Lösungen“ werden Ende des Monats in den Blog gestellt.
Viel Spaß beim Rätseln!
Rätsel 1: HIER
Rätsel 2: HIER
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Foto: Charlotte Noblet
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Ein barockes Stadtpalais wurde Anfang der 50er durch freiwillige Aufbauschichten von FDJ-Mitglieder/innen gezaubert bzw. in seiner ursprünglichen Gestalt aufgebaut. Erstaunlich: „Das Zentrum der kulturellen Arbeit der Berliner Jugend“, wie die Berliner Zeitung damals berichtete, war in einem Immobilienschmuck aus dem XVIII. Jahrhundert beherbergt. Auf den ersten Blick überrascht die schicke Fassade des "Podewils’schen Palais", hinter welchem klare kulturelle und politische Bildungsziele für die Jugendlichen in der DDR verfolgt wurden. Im heutigen Hof fällt es erst schwer, sich die „Solidaritätsbasars“ des „zentralen Klubhauses der FDJ“ vorzustellen, bei dem lauter Jugendliche in der DDR-Zeit selbstgemachte Produkte für Freiheitskämpfer oder Bruderländer verkauft haben. Nach ein paar Minuten verschwinden aber die Nachbarn mit Kaffee und Laptops auf der schönen Terrasse und die Zeitreise geht los: Dr. Gabriele Miketta erinnert sich an das Haus der jungen Talente (HdjT), wir sind in den 70er Jahren, mitten in der Hauptstadt der DDR. Nach einem Brand 1966 wurde das Gebäude gerade nochmal vollständig wiederhergestellt und diente weiter als zentrale Einrichtung musisch-künstlerischer Ausbildung für Jugendliche im außerschulischen Bereich.
„Dieses Konstrukt war überhaupt nicht alternativ, sondern komplett politisch gesteuert“, erzählt die Berlinerin, Jahrgang 62. „Es hatte nichts mit der 68er Bewegung zu tun, sondern mit sozialistischen Erziehungsidealen. Das Klubhaus war offiziell und wurde deswegen manchmal nicht ganz angenommen, aber es gab immer wieder große Veranstaltungen und die waren echt attraktiv.“ Dr. Gabriele Miketta erinnert sich besonders an das jährliche Festival des politischen Liedes, wo Künstler aus dem Westen auftraten. „Es waren natürlich Bands, die die Ideale unseres Staats teilten, aber sie kamen trotzdem aus dem spannenden Westen und wir konnten sie live erleben.“ Das Festival zählte zu den bedeutendsten Veranstaltungen für Jugendliche aus der gesamten DDR. Kartenkontingente wurden auch in Betrieben verteilt, damit nicht nur Studenten und Schüler, sondern auch Lehrlinge daran kommen. „Eine gewisse Gleichheit war da.“
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Das Haus der jungen Talente war in der DDR-Zeit eine bekannte Adresse für Jugendliche und junge Erwachsene. Töpfern, Tanzen, Theater, Zeichnen, Textilgestaltung, Fotografie, aber auch Anwendung von Computern mit der Gründung des Computerklubs 1986: „Viele hundert Mädchen und Jungen sind in den rund 50 Zirkeln und Arbeitsgemeinschaften schöpferisch tätig“ schrieb 1965 Neues Deutschland. Anscheinend waren die Ressourcen im kulturellen Bereich im Vergleich zu heute hervorragend, sowohl was Material als auch was Personal angeht.
Eine Vielfalt an Musikveranstaltungen wurde angeboten. „Musik für Fans“ mit Rockformationen, „Neue Gemütlichkeit“ mit Jazz-Musikern oder auch der „Oktoberklub-Keller“ mit Volkstanz. „Es war eine ganz komische Melange“, erinnert sich Dr. Gabriele Miketta. „Alles wurde zwar politisch gesiegelt, aber doch nicht ganz genau angeschaut. Hier sind also natürlich die Überzeugten aufgetreten, aber auch die Pragmatischen, die sonst kaum Möglichkeiten hatten, mit ihren nicht-ganz-konformen Produktionen die Jugendlichen zu erreichen. Die Opportunisten waren auch dabei, sowie die Idealisten, die das System von drinnen ändern wollten.“
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Mit der Wende sollte das HdjT abgewickelt werden. Eine bewegte Zeit. Die ehemalige Leitung richtete ein Nutzungskonzept ein, das Podewils’sche Palais blieb in den Händen des Landes Berlin und wurde sogar weiter als Sitz einer kulturellen Einrichtung verwendet: Von der landeseigenen Berliner Kulturveranstaltungs GmbH (BKV) wurde das Podewil von 1992 bis 2004 betrieben und wurde zum anerkannten „internationalen Zentrum für aktuelle Künste“ im Bereich Tanz, Neue Musik, Theater und Medienkunst. Es gab keine Zirkel mehr, nur Veranstaltungen mit Schwerpunkt Kulturaustausch.
Die finanziellen Mittel wurden dann aber von der Senatsverwaltung gekürzt, das Haus sollte sich genauer profilieren. Als Labor für mediale Künste wurde der Ort von 2005 bis 2007 vom TESLA-berlin e.V. genutzt. Gleichzeitig ist auch der Museumspädagogische Dienst Berlin (MD Berlin) ins Palais gezogen, welcher ein Jahr später mit der BKV zur landeseigenen gemeinnützigen Gesellschaft Kulturprojekte Berlin fusionierte. „Es ging nicht mehr um die Jugendlichen hier, nicht mehr um die kulturelle Bildung“, erklärt Dr. Gabriele Miketta. Seit 1993 arbeitet sie hier und ist zurzeit Pressesprecherin von Kulturprojekte Berlin. „Viele kulturelle Angebote wie die lange Nacht der Museen oder die Transmediale werden hier organisiert, deswegen gibt es viele Büros.“ Seit Februar 2009 hat das GRIPS-Theater seine zweite Spielstätte im Großen Saal des Palais, da sein bisheriger Standort in der Werkstatt des Schillertheaters mit dem Umzug der Staatsoper während ihrer Renovierung besetzt wurde. „Wir haben also noch einen Veranstaltungsort, aber sonst sind hier eher Angebote für Künstler.“
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Viele Organisationen arbeiten nebeneinander im kulturellen Bereich. Tanz und Theater sind dabei ziemlich gut vertreten. „Die derzeitige Konstellation von Institutionen darin hat den Ausschlag gegeben, unser Projektbüro in das Podewil zu verlegen“, sagt Katrin Behrens. „Nicht so sehr die Geschichte des Hauses“. Laut der Projektleiterin von TUSCH, welches Berliner Schulen und Bühnen für kulturelle Bildung im Bereich Theater vernetzt, bietet das heutige Podewil mit Büroräumen, Proberäumen sowie einer gut ausgestatteten Theaterbühne „den geeigneten Rahmen, um Künstler und Schüler zu verschiedenen Terminen zusammen zu bringen und die entstehenden Theaterprojekte auch öffentlich zu präsentieren. Wir finden die Kommunikation und den Austausch unter ähnlich Gesinnten fruchtbar“, sagt auch Katrin Behrens und freut sich über die Nachbarschaft im Palais.
Ein Riesen Synergiepotenzial sei da, es sollte nur aufgebaut werden. „Wir wollen das Haus nutzen und suchen nach einer anderen Form der Öffentlichkeit“, sagt Dr. Gabriele Miketta von Kulturprojekte Berlin. „Bei uns gibt es gerade eine neue Abteilung für kulturelle Bildung, aber es bleibt noch Zukunftsmusik.“ Und die Interdisziplinarität könnte echt mehr werden.
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Außer den Erinnerungen bleibt also nicht viel übrig vom Haus der jungen Talente. Wie die Angebote hat das Personal gewechselt und das Palais selbst wurde in den letzten zwanzig Jahren in mehreren Bauabschnitten renoviert. „Mit der Wende kamen die westlichen Vorschriften für Veranstaltungsorte, erklärt Dr. Gabriele Miketta und schmunzelt: „Im Palais sollte alles modernisiert werden.“
Nach dem Gespräch machen wir uns auf die Suche nach Spuren der Vergangenheit. Zurzeit ist das Foyer mit Renovierung dran. Hier und da können wir dabei die Doppeldecke von früher sehen. „Schauen Sie dieses Baumaterial an, es war typisch in der DDR, wir nannten es Sauerkraut“, erzählt mir Dr. Gabriele Miketta lächelnd. Sie führt mich in die Probebühne sowie das Tanzstudio, welches schon für den Tanz im August umgebaut ist. Auf dem Flur treffen wir immer wieder Kollegen. Der Eine weist auf die alte Türklinke seines Büros hin, die Andere auf einen eingebauten Wandschrank aus Holz. Daneben gibt es noch eine Doppeltür mit Molton, ganz wie früher. Aber außer alten Türen und ein paar rudimentären Neonlampen kaum noch Reste. Selbst die Bühne wurde von dem großen Saal für das GRIPS Theater weggeschafft.
Jetzt geht es in den Keller, wo der berühmte Oktoberklub stattfand. „Treppen runter und dann rechts, so war es damals“, erinnert sich Dr. Gabriele Miketta. Der lange Flur mit dem Verkleidungsholz für die „Annoncen“ steht noch teilweise da, aber sonst… wir stoßen auf den Heizungskeller. „Es kann nur da gewesen sein, aber ich erkenne es nicht.“ Schwierig zu denken, dass mehr als fünfzig Personen da drinnen rocken konnten, selbst ohne die aktuellen Rohre und Heizungsmessgeräte. Als Ausgang benutzen wir einen Weg, der damals gesperrt war: Die Gewölbekeller, die aus einem spätmittelalterlichen Vorgängerbau stammen. Bemerkenswert!
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Vom Schloss Schönhausen aus führt die Tschaikowskistraße weg. Bei den Nummern 45 bis 51 biegt sie in ein kleines Karree. „Privatstraße“ steht da. Vier weiße Plattenbauen aus den 70er Jahren grenzen einen Parkplatz ab. Es sind vier ehemalige Botschaftsgebäude. Einer der dreigeschossigen Würfel steht heute leer, seinem Schicksal überlassen. (Mehr Bilder mit einem Clic auf den Titel)
Wie auf einem Kriegsfeld sieht es da drinnen aus: Glasscheiben liegen auf dem Boden, zerstörte Möbel und kaputte Stühle füllen Räume und Fluren. Mal vom Unkraut bewachsen und mal verbrannt führen Treppen durch das Gebäude. Auf der Fassadenseite bemänteln noch mühsam Tüllgardinen verwüstete Büros aus dem Vor-Computer-Zeitalter, mit mechanischen Schreibmaschinen. Auf der Gartenseite sind auch alte Telefonreste und Faxgeräte zu sehen. Und auf der Terrasse alte Sessel um einen Tisch: Hier wird anscheinend ab und zu gegrillt, im Kerzenlicht. Ein paar alte Matratzen weisen auf ephemere Nachnutzungen des Ortes hin. Und quasi überall zwischen den Scherben liegen auf dem Boden lauter Dokumente auf Arabisch. Die Akten werden ab der zweiten Etage noch zahlreicher. Viele Telefonbücher sind auch dabei, oft halb verbrannt. Und manchmal sind Dokumente auf Deutsch zu erkennen, wie zum Bespiel über „die Barbarei des Regimes in Teheran“. Da lösen Überweisungsscheine aus den 80ern ein Rätsel aus: Die Adresse ist die der Botschaft des Irak.
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Seit dem Zweiten Golfkrieg steht die Botschaft des Irak in der Tschaikowskistraße leer. Im September 1990 stellte ein Bericht von „Junge Welt“ das Botschaftspersonal unter Druck: Sprengstofflager für Terroristen habe die Botschaft angelegt und „Terroristenkommandos“ könnten auch jederzeit auf deutsche Entscheidungen gegenüber dem Krieg reagieren. Waffen wurden gefunden, weitere Recherchen wurden nicht unternommen. Aber im Januar 1991 wurde das Personal im Zuge des Golfkriegs zur Ausreise aufgefordert. Seitdem steht die ehemalige irakische Residenz der DDR leer. Nach zwanzig Jahren sind dort keine Porträts mehr von Saddam Hussein zu sehen, keine Spuren des großen Diktators für den, der kein Arabisch versteht. Selbst die Fliese wurde randaliert. Als Ersatz-Deko sind ein paar gesprayte Sprüche zu lesen: „traq’m embassy“, „bombin die Botschaft“.
Eigenartig. Das 5000 qm Grundstück gehört Deutschland, die Benutzung des Gebäudes aber dem Irak. So steht es im Grundbuch. Die irakische Botschaft in Zehlendorf scheint aber an dem Schicksal der stillgelegten Residenz kaum interessiert zu sein. Investiert wird lieber weiter in Dahlem als wieder in Pankow.
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Um den Ort in der Tschaikowskistraße wird viel spekuliert: Wie waren denn die Beziehungen zwischen der DDR und dem Irak? Der Irak war der erste Staat außerhalb des Ostblocks, der die DDR 1969 diplomatisch anerkannte. Knapp ein Jahr nach dem Beitritt der DDR in die UNO wurde die irakische Botschaft 1974 eröffnet. Ein schönes Grundstück im Grünen für den ölreichen Bruderstaat. 1980 berichtete der Spiegel, dass zwei irakische Botschaftsangehörige aus Pankow in West-Berlin verhaftet worden sind. Sie hätten einen Koffer voll mit Sprengstoff einem Spitzel übergeben wollen. Ziel des Anschlags soll ein Treffen in Wedding von kurdischen oppositionellen Gegnern der Regierung in Bagdad gewesen sein. Es wurde nicht weiter untersucht. An solche Geschichten traut sich kaum einer im Keller der ehemaligen Residenz!
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„Herzbergstraße/Industriegebiet" - Haltestelle in Lichtenberg
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Von diesem Ort habe ich zuerst im Kino gehört. Es war bei der Berlinale 2009. In seiner Doku „Von Wegen“ begleitete der Regisseur Uli Schueppel die West-Berliner Band „Einstürzende Neubauten“ durch Lichtenberg: Zunächst bei ihrem Konzert 1989 und dann noch einmal 2009, zwanzig Jahre später. Der Berliner neben mir war damals auf dem legendären Konzert im Wilhelm-Pieck-Saal des VEB Elektrokohle: „Es war am 21. Dezember 1989, ich kann mich gut daran erinnern. Damals wussten wir nicht, was aus uns wird. Es lag viel Spannung in der Luft! Jetzt wird‘s langsam klar… die Frage ist eher: Wem geht es am schlechtesten? Dem Kulturhaus des VEB Elektrokohle oder unseren Rockstars von gestern?“ (Mehr Bilder mit einem Clic auf den Titel)
Die Rockstars hatte ich bereits gesehen, den Festsaal galt es noch zu entdecken. Einfacher konnte es nicht gehen, die Straßenbahn hält vor der Tür. „Herzbergstraße/Industriegebiet“ heißt die Haltestelle. Ein paar Schornsteine stehen noch, sowie ein paar geschlossene Produktionsgebäude. Die Treppen des Kulturhauses führen zu zugemauerten Türen. Hier wird offensichtlich eher gesprayt als gerockt. Im Schatten zweier Apfelbäume veraltet die „Erdkugel“ der Künstlerin Doris Pollatschek. Ein paar Schritte weiter, am Haupteingang, empfängt das „Dong Xuan Center“ seine Kundschaft mit lauter quietschbunten Plakaten: ein Reisebüro, eine Fahrschule, ein Copyshop, mehrere Handy-Geschäfte, ein Beauty-Shop, ein Auto-Center, ein Asia-Markt und noch mehr für die, die Vietnamesisch lesen können. Direkt am Eingangstor hat sich das "Newyork Nails" im Erdgeschoss des Kulturhauses angesiedelt. Hier geht es aber nicht mehr rein: Kein Geruch vom Nagellackstudio, die Tür bleibt geschlossen und auf dem Vordach wächst ein Baum. Ein paar Meter weiter wird gesägt und gehämmert: Da bietet sich die Chance auf einen Blick hinein. Es braucht viel Fantasie, um sich einen Festsaal vorstellen zu können. Die Bühne ist versteckt, die großen Fenster verschwinden hinter einer Masse von Baumaterial. Regale am Stück, Stühle, Ankleidepuppen: Vieles, was ein Discount-Laden oder Imbiss für die Inneneinrichtung braucht, steht unter den schönen Lampen von damals – von Neonröhren elegant funktionell ergänzt. (Mehr Bilder mit einem Clic auf den Titel)
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Großmarkthalle „Dong Xuan Center"
Foto: Charlotte Noblet
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Die dicken Autos auf dem Parkplatz versprechen viele weitere Aktivitäten auf der 120 000 qm großen Betriebsfläche. Also rein in eine der drei großen weißen Großmarkthallen. Dort sind die Nagellackstudios: Der Geruch mischt sich mit dem Litschi-Aroma vom Lebensmittelladen nebenan. Mehrere Asia-Friseure sind fleißig am Stilisieren, und rechts und links bieten Containerläden Containerwaren: Polyesterblusen, glanzende Jeans- und Lederklamotten, Plastikspielzeuge (meistens mit Batterien) oder noch Kunststoffblumen. Hier geht es nicht um Garantie und Haltbarkeit, unter Augen von kleinen Buddhas wird geschäftig um Preis verhandelt. Wer was kauft bleibt aber ein Mysterium: Die Besitzer von Asia-Restaurants in der Stadt? Die Händler von Märkten? Oder die Polen für ihre Bazars und Grenzgeschäfte? Zwischen den vielen Asiaten machen sich ein paar Polen bemerkbar. Hier wird es internationaler Kitsch, aber „gut und günstig“ wie es überall steht.
Ein riesiges asiatisches Kultur- und Handelszentrum hat sich auf dem Areal seit der Bodenabtragung und Versiegelung der belasteten Fläche 2006 entwickelt. Rund 170 vietnamesische (oft ehemalige Vertragsarbeiter), chinesische und indische Händler bieten preiswerte Waren. Über den stadträumlichen Wandel in den Industriequartieren erklärte Thomas Flierl, ehemaliger Kultursenator von Berlin: „Helmut Kohls Versprechen auf „blühende Landschaften“ im Osten Deutschlands hat auf dem Gelände des früheren VEB Elektrokohle Lichtenberg seine ironische Erfüllung gefunden. (…) Seit einigen Jahren hat sich auf dem Gelände unter anderem der größte vietnamesische Markt in Mitteleuropa etabliert. „Dong Xuan“ bedeutet so viel wie „blühende Wiese“, so heißt auch der größte traditionelle Markt in Hanoi.“ (1)
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Gelände des VEB Elektrokohle
Foto: Charlotte Noblet
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1997 wurde die Großproduktion auf dem Gelände eingestellt. Mehr als hundert Jahre nach dem Beginn des Betriebs Elektrokohle. 1872 hatten Siemens und Halske die Gemeinde Lichtenberg für Teilproduktionsstätte ausgewählt. Der Standort in der Herbertstraße ermöglichte mit dem Westwind Stäube und Gase stadtauswärts zu blasen. Im Laufe der Zeit wurde das Gelände zu einem der größten industriellen Ballungsgebiete im Berliner Osten. Es gab dunkle Stunden wie die Ausbeutung von mehr als 2000 Zwangsarbeitern während des zweiten Weltkriegs, unter anderen Senioren und Kinder. Es gab vorbildliche Zeiten wie schon 1949/1950 in der damals noch sowjetischen Aktiengesellschaft Siemens-Plania mit der Stilisierung des Feuerungsmaurers Hans Garbe zum Helden der Aktivistenbewegung in der DDR.
Viel ist über den seit 1954 als VEB-Elektrokohle Lichtenberg bekannten Betrieb im Museum Lichtenberg im Stadthaus zu erfahren. Dort gibt es auch Ausgaben des Blatts „Elektroköhler“ (1985) zu sehen, sowie Kugellager und Kohlestifte. Auch viele Aufnahmen werden ausgestellt: Die Werkanlagen 1945, der Wilhelm-Pieck-Saal 1955, die Produktionshalle aus der Siegfriedstr 1984, der Frühstücksraum des Wälzlagerwerks 1988, das Verwaltungsgebäude 1988, usw. Über die letzten Stunden wird auch berichtet. Der ehemalige DDR-Vorzeigebetrieb wird nach 1990 in die Elektrokohle Lichtenberg AG umgewandelt. In der Zeit gab es noch 2700 Mitarbeiter. Mit der Aktiengesellschaft begann aber eine unsichere Zukunft. 1991 vermeldete die Presse, dass Kurzarbeiter in einem „Megaprojekt“ große Teile der früheren Produktionsstätte abreißen. „Kurzarbeit Null Stunden“ hieß die traurige Auftragslage für 1000 der insgesamt noch 1750 Beschäftigten. 1996 übernahm der US-amerikanische Konzern UCAR International den Produktionsbereich Großkohle, deren Produktion aber ein Jahr später schon eingestellt wurde. 1997 ging der Bereich Kleinkohle an die deutsche SGL Carbon GmbH. Für die GmbH aus Bonn fertigt das Unternehmen PanTrac GmbH in einigen hinteren Gebäudeteilen heute noch Industriekohlerzeugnisse.
„Es war eine betrübliche Entwicklung“, fasst Christine Steer, Leiterin des Museums, zusammen. „Der Betrieb gehörte zu den bedeutenden Exportunternehmen der DDR als Alleinhersteller sämtlicher Arten technischer Kohleerzeugnisse. Für unseren Bezirk bedeutete die Entwicklung natürlich hohe Arbeitslosigkeit aber auch viele soziale Abstürze in den Familien.“ 2009 hatte sie eine Ausstellung über das Gelände organisiert: „Von Siemens-Plania zu Dong Xuan“ (1). „Wir hatten viele Interessierten an Industriegeschichte aber vorwiegend waren viele ehemalige Mitarbeiter des VEB Elektrokohle da, die alles hautnah erlebt hatten.“
Das Gelände selbst bleibt eine Art Open Air Museum und lädt ein, die Spuren der Vergangenheit zu suchen. Hier Kanaldeckel „Made in GDR“, dort schöne DDR-Laternen aller Sorten. Die Stile werden gemischt: schwere Industrietüren und Pagode-Dekoration, eine stehen gebliebene Uhr und gesprayte Ampelmännchen als Fußgängerwegweiser. Selbst drei Stücke Berliner Mauer vereinsamen zwischen Containern am Rand des Geländes. In einer anderen Ecke wurden lauter Töpfe von Wandfarben vergessen: Grün und vor allem Blau, wie die Fassaden der „Büros zu vermieten – ohne Provision“. Nebenan ist, zwischen wachsenden Pflanzen und Import-Export-Kartons, noch ein komplexes Drehsystem für Züge zu sehen. Die Elektrokohle-Kenner wissen bestimmt, wofür das gedacht war. Vielleicht wissen die auch, warum etwa ein skurriles Ortsausgangsschild „Berlin“ ein paar Meter weiter steht. Da freue ich mich auf Erklärungen. Auch wenn sie der Fantasie entsprungen sind.
Museum Lichtenberg im Stadthaus // Türrschmidtstr. 24 - 10317 Berlin // Ausstellung geöffnet: Di-So 11.00 – 18.00 Uhr // www.museum-lichtenberg.de/
Dong Xuan Center // Herzbergstraße 128-139 - 10365 Berlin // Geöffnet Mi-Mo 9.00 bis 21.00 Uhr
(1)„Von Siemens-Plania zu Dong Xuan“. Das Katalogbuch zur „Ausstellung zu einem Industriestandort mit Theatergeschichte in Berlin-Lichtenberg“. Von Peter Badel, Holger Herschel und Karl Karau. Erhältlich im Museum Lichtenberg im Stadthaus, in dem 2009 die Ausstellung stattfand.
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"Siehe, das Gute liegt so nahe - warum denn in die Ferne schweifen". So literarisch hat mir Günther Kunath letzte Woche ins Ohr geflüstert. Der engagierte Sprecher des Bürgerkomitees Weberwiese in Friedrichshain hatte den Aufruf wahrgenommen, Vorschläge für spannende Geschichten und Orte auf unserem Sommerblog zu machen. Per Mail an community@nd-online.de hat er auf die Fredersdorfer Straße 28 hingewiesen: „Drei Steinwürfe von der ND-Redaktion gen Osten – da ist ein Ort ohne Briefkasten und feste Wohnsitze, aber Montags und Donnerstags voll von pulsierendem Leben“.
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Foto: Günther Kunath
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Lauter kleine Kinder versteckten sich am Gartentisch hinter Münzen und Bechern und auf dem Spielplatz nebenan waren andere Knirpse dabei, fleißig am Hula-Hoop zu trainieren. An der Tischtennisplatte zählten sie Punkte oder profilierten sich als Fußballnachwuchs. Hier und da spielten auch etwas größere Kinder mit: Die Betreuer/innen. Es gab einfach eine schöne Sommerferien-Atmosphäre auf dem Sportplatz in der Fredersdorfer Straße 28.
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Wie das Ganze entstehen konnte, erzählt Günther Kunath, selbst einer der Hauptmitstreiter, gerne. Eigentlich fange die Geschichte Ende 2009 mit der Errichtung der Infotafel am Schulsportplatz an: Dem Bürgerkomittee Weberwiese wurde das ehrenamtliche Hausrecht für das Gelände übertragen. Wie von Zauberhand, letztlich aber vor allem durch eine gute Vernetzung in der Nachbarschaft war es schließlich soweit: Am 12. Juli wurden die Kinder für das erste Sommerferienprogramm voller Spiel und Spaß in der Fredersdorfer Straße empfangen.
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Foto: Günther Kunath
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Das Angebot ist kostenlos für die ganze Familie. „Vormittags kommen die Kinder aus den Nachbarkitas, mal aus dem Kita Fredermäuse, mal aus dem Kita Entdeckerland. Im August kommen auch die Kinder aus dem Hort der Ludwig-Hoffmann Grundschule“, sagt Marion Kochskämper. Und fügt hinzu: „Vormittags sind die Kleinen bei uns. Wir freuen uns auch auf Kinder, die ihre Eltern mitbringen. Hier gibt es genug Platz für alle!“ Die Sonderpädagogin aus der Schule am Friedrichshain ist voller Energie und Begeisterung: Die Verantwortung für das Sommerprogramms übernimmt sie in ihrer Ferienzeit. „Für mich ist es nur kieznahe-Arbeit und selbstverständlich.“ Der Draht zu den Betreuer/innen hat sie durch den NABU.
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Foto: Günther Kunath
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„Ab 15 Uhr sind die Großen dabei“, erzählt mir Günther Kunath vom Bürgerkomitee Weberwiese weiter. „Mitmachen dürfen hier alle Jugendlichen, die schulpflichtig sind. Sie bekommen das erste Mal eine Teilnahme-Karte von uns, dann einen Stempel für jeden Besuch, und schon kann‘s los gehen!“ Auf dem Sport-und-Spaßprogramm steht eine Menge: Fußball, Basketball, Street-Tennis, aber auch Inline-Skaten, Hockey oder noch weniger bekannte Ballspielarten wie Slackline und Sepak Takraw. Dafür haben sich mehrere Organisationen zusammen getan, das Bürgerkomitee Weberwiese aber auch der Jugendclub Feuerwache, Kiezsport „kick“ Friedrichshain, die Workstation Ideenwerkstatt-Berlin sowie die SG “Narva“ und der FC Footstar, mit der Unterstützung des Schulamts Friedrichshain und vieler ehrenamtlichen Mitstreitern. Jacob Pringal bietet seinerseits Kung–Fu-Trainings: „Die Kleinen haben es mit den Figuren schwer, aber auch die Größeren. Alle machen die Erfahrung, dass es mit der Koordinierung bestimmter Bewegungen nicht ganz so einfach ist. Es macht aber Spaß!“, erzählt der Lehrer aus der Ching Wo Sportschule in Hohenschönhausen. Ein anderer Betreuer, Thorsten, hat sich für Fußball-Trainings zuständig erklärt. Seine Jungs seien so talentiert, dass er auf einen Sieg gegen die Minis des VfB Berlin sogar Hoffnung habe. Für den Nachmittag hat sich die Venske-Polizei mit einem Geschicklichkeitsparcours angekündigt.
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Foto: Günther Kunath
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Günther Kunath gibt sich zufrieden über die gute Stimmung auf dem Sportplatz. Genauso wie die anderen Anwohner: Montags und donnerstags kommen die Kinder von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 20 Uhr, damit ist die Mittagsruhe berücksichtigt. „Wir bekommen viel Lob von Nachbarn und es kommen immer mehr Kinder, zum Teil auch mit Ihren Eltern.“ Frau Maenz aus der Kita Entdeckerland ist auch begeistert: „Wir haben oft mit den Kindern über den Zaun auf dem Sportgelände geschaut. Das wir jetzt auf den Platz dürfen ist es wunderbar! Noch toller wäre es, wenn wir auch Zugang während des Schuljahres hätten…“ Eine gute Resonanz bekommt eine schöne Initiative in der Fredersdorfer Straße… die eigentlich noch tiefere Wurzeln hat.
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Foto: Günther Kunath
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Diese Wurzeln erfährt schnell, wer Günther Kunath das Märchen von der Turnhalle erzählen lässt: Auf einmal hat man nicht mehr eine normale Sporthalle unter Augen. Dafür muss man in der Vergangenheit ein bisschen zurückblicken können. 2005 war der Schulabriss und Sanierung der Turnhalle. Neue Wände für neue Geschmiere? „Das wollten die Anwohner sich nicht einreden lassen. Sie wollten auf einem schönen Platz blicken“, kann sich Günther Kunath erinnern. „Wir sahen zwei Möglichkeiten, alles gepflegt zu halten: Mit Hilfe der Polizei oder mit Eigeninitative. Das zweite war sinnvoller, wir haben uns dafür eingesetzt.“ So fing der Abenteuer an… und 2008 fand die große Malaktion statt. Dabei war unter anderen auch Kani Alavi, der auch als Initiator der internationalen Künstlerinitiative East Side Gallery bekannt ist. So lautet die Geschichte der zahlreichen Kinder- und Profimotive auf den heutigen Wänden der Turnhalle. In Stilvielfalt in allen Himmelsrichtungen. Und wer das Märchen von der Turnhalle bei Günther Kunath hört, sieht schon das gemalte Sandmännchen und daneben SpongeBob tanzen… und weiß, dass auf der Südseite der Halle die Zeit anders läuft.
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Foto: PaKo-Info Sonderdruck
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So. Und wer sich noch länger mit dem Sprecher des Bürgerkomitees Weberwiese unterhält, erfährt noch eine Menge mehr! Zum Beispiel, dass man ab einer Höhe von 22 Meter über „Hochhaus“ spricht. Oder dass das ND-Druckereigebäude nebenan zur Opernwerkstätte wird. Gerne empfehlt Günther Kunath auch Literaturstücke über den damaligen Arbeiterbezirk Friedrichshain: "Stube und Küche" von John Stave oder „Die pucklige Verwandtschaft“ von Gerhard Holtz-Baumert. Eigentlich könnte ich noch Vieles aufschreiben: Schliesslich vertreibt Günther Kunath das Kiezblatt „PaKo-Info“ und weiß ganz viel. Vielleicht weiß er sogar was am 29.07 und am 19.08 bei der Tombola auf dem Sportplatz verlost wird? Rendez-vous in der Fredersdorfer Straße 28.
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Foto: Charlotte Noblet
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Während eines Rundgangs um die fünfzig Parzellen erzählt Anne Haertel gerne über das 2006 entstandene Projekt: „Unsere Pächter kommen meistens aus der Nachbarschaft. Dass wir ein interkultureller Garten sind, spielt erstaunlicherweise kaum eine Rolle bei ihrer Entscheidung mitzumachen. Sie sind nicht alternativ, dafür aber authentisch.“
Die Projektleiterin erinnert an die schwierigen Anfänge: „Die NPD wollte die Nachbarn gegen unser Konzept aufbringen. Die Ausländerfeindlichkeit war anfangs sehr groß, aber als die Anwohner über unsere Vorhaben richtig informiert wurden, ist die Akzeptanz gewachsen.“ Seit mittlerweile vier Jahren begegnen sich Migrant/innen und Deutsche aus unterschiedenen Milieus auf dem Grundstück, wo früher zwei Kitas standen.
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Foto: Charlotte Noblet
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Natürlich gibt es verschiedene Arten und Weisen die Beete zu bewirtschaften. Ein Iraner züchtet lauter Rosen, die in seiner Heimat zusammen mit Olivenbäumen eine hohe Symbolik haben. Eine kurdische Familie experimentiert erfolgreich mit importierten Saubohnen. Eine deutsche Gärtnerin zeigt mit Riesenstolz ihre kräftigen Tomaten aus Polen und dicken Kartoffeln aus Belgien. „Die Nationalität macht nicht wirklich den Unterschied beim Gärtnern, eher die Kulturen der verschiedenen Milieus“, kann Anne Haertel bestätigen. Dazu gehören auch der Regel-Fanatiker sowie der Besserwisser. „Es gibt manchmal Krach zwischen den Gärtnern, dann ist die Betreuung sehr wichtig.“
Vieles ist in den interkulturellen Gärten erlaubt: Im Gegensatz zu Kleingärten brauchen sich die Pächter an kaum eine Regel halten, nur die Arbeitseinsätze für die gemeinsamen großen Wiesen, den Rosengarten, den Weidenwald sowie den Kinderspielplatz werden ganz genau vorgegeben. „Dazu haben die Gärtner häufig zwei Meinungen!“ fasst die Projektleiterin zusammen.
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Foto: Charlotte Noblet
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Eine dieser Debatten rund um die Mitbenutzung des Ganzen wird demnächst beendet. „Eigentlich soll das Gelände öffentlich sein“, sagt Anne Haertel. „Da sind auch unterschiedliche Meinungen zu hören“. Die Einen haben Angst, sich nicht mehr zurückziehen zu können. Dafür sind aber die 13 000 qm quasi eine Garantie! Die Anderen wollen wegen der Kinder lieber geschlossene Türen behalten. Das scheint das einzige Argument zu sein, welches die Projektleiterin verstehen kann. Dafür kommt aber die Lösung: Im Eingangsbereich wurde ein schicker Pavillon fertig gebaut, da wird demnächst die „Umweltkontaktstelle“ mit Büros und Infopunkt arbeiten, um den Bereich Umwelt im Bezirk sichtbarer zu machen. „Dann gibt es fast immer jemanden, um die Tür aufzumachen“. Anne Haertel freut sich schon über die offizielle Eröffnung am 3. September: „Vielleicht kriegt unser schöner Garten bis dahin noch eine Klingel und etwas mehr Aufmerksamkeit.“
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Mehr Aufmerksamkeit wünschen sich auch die Stammgärtner aus dem Bürgergarten Laskerwiese im Stadtteil Friedrichshain. Auch hier wird seit 2006 alles grün gemacht. Aus einer ehemaligen Brache sind jetzt ein Nachbarschaftsgarten mit Teich, ein Grillplatz sowie ein Bolzplatz entstanden.
Schön sieht es heutzutage aus, dafür gibt es aber immer wieder eine Menge Gartenarbeit zu leisten. Auf weitere Hilfe jeder Art bei Arbeitseinsätzen freuen sich die Mitglieder des Vereins "Bürgergarten Laskerwiese e.V." Am kommenden Samstag sind sie vor Ort und freuen sich auf neue Gesichter!
Interkulturelle Gärten in Berlin: HIER|
Charlotte Noblet
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Um den S-Bahnhof Schöneweide fliegt was in der Luft: „Sterndamm“, „Segelfliegerdamm“ und sogar „Straße am Flugplatz“. Eine Gedenktafel am Sterndamm 82 zeigt ähnliches: „In diesem Haus wohnte in den Jahren vor 1914 Deutschlands erste Pilotin Melli Beese-Boutard. Sie konstruierte, baute und flog ab 1911 Motorflugzeuge auf dem Flugplatz in Johannisthal“. Ein paar Gebäude weiter wurde mir über den Zaun hinweg verraten, dass die Hallen mit den runden Dächern am Segelfliegerdamm ehemalige Flugzeughallen sind, die später vom VEB Kühlautomat genutzt wurden. Der Hobbyfotograf sei auf dem gesperrten Gelände unterwegs, um die Spuren der Vergangenheit zu fotografieren und hofft noch einen bestimmten verbunkerten Keller zu finden.
So sieht es im Nordwesten des ehemaligen „Flugplatz Johannisthal“ aus: Viele Betriebsgelände, mal in gutem Zustand, mal etwas alt aussehend. Hier und dort weisen noch kleine Details auf die spannende Geschichte des Geländes hin, wo Flugpioniere um 1908 die ersten motorbetriebenen Flugzeuge getestet haben. Die Natur hat sich aber seit der Stilllegung des ersten deutschen Motorflugplatzes 1952, das Gelände zurück erobert. Vor Ort fällt es schwer sich vorzustellen, dass die Anfänge der Geschichte der motorisierten Luftfahrt hier stattgefunden haben, dass viele „Flugapparate“ mit Pioniergeist auf dem Gelände entwickelt und erprobt wurden.
Der Name der ersten deutschen Motorfliegerin Melli Beese ist eng verbunden mit den großen Stunden der „Aviatik“ auf dem Flugplatz Johannisthal. Trotz Ablehnung vieler Fluglehrer konnte die Frau 1910 ihre ersten Flugstunden absolvieren und ein Jahr später ihr Flugführerzeugnis erwerben. Immer wieder musste die Pilotin aber mit der Sabotage ihrer Machine rechnen. „Weiber“ waren im Milieu nicht willkommen. Heute erinnert eine Melli-Beese-Strasse westlich vom ehemaligen Flugplatz an die Flugpionerin und sie wird sogar auf einer der zahlreichen Informationstafeln um das ehemalige Flugfeld erwähnt.
Denn zahlreiche Tafeln direkt am Rand des ehemaligen Flugfeldes erläutern die örtliche Geschichte und vermitteln Informationen über die dortige Tier- und Pflanzenwelt. Aus dem ehemaligen Gebiet des Flugfeldes ist nämlich ein 70 Hektar großer Natur- und Landschaftspark entstanden, eine Grünfläche mit Liegewiesen, Spielplätzen, Spazierwegen und sogar ein 26 Hektar großes Naturschutzgebiet. Dort hat sich ein Lebensraum entwickelt, der in Deutschland nur sehr selten zu finden ist. Um den Bauschutt, die Ziegel und den alten Asphalt herum, haben sich viele Pflanzen und Tiere der Steppe angesiedelt, Sand- und Halbtrockenrasen ist auch überall zu sehen. Ein paar Schafe erhöhen noch den eindrucksvollen Kontrast zur Stadtlandschaft.
Bei der Hitze gab es aber kaum jemand auf dem grünen Rollfeld zu treffen. Auf der Promenade um das Naturschutzgebiet bin ich nur Herrn Erich Degreif begegnet. Der wollte nur seine Hundert Schafe mit Wasser versorgen, hat aber versprochen mir demnächst mehr zu verraten. Hauptsache im Schatten.
Weitere Informationen:
Besuchertipps und Schautafeln im Landschaftspark: HIER
Geschichte des Orts Johannisthal: HIER
Über den ehemaligen Flugplatz: HIER
Jede Woche können Sie hier eine spannende Reportage finden. Los geht es am 10. Juli. Wenn Sie Vorschläge für Geschichten und Orte haben, können Sie diese gern per E-Mail an community@nd-online.de. Bitte geben Sie im Betreff: Sommer in Berlin an.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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