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Tunesiens Demokratie erfordert eine starke Wirtschaft
Foto: Ghassan Abid
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Die Rolle des Islams wird in Tunesien neu diskutiert
Foto: Ghassan Abid
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Die schwierigste Herausforderung wird die Etablierung eines nach westlichen Maßstäben ausgerichteten Parteienwettbewerbs sein. Zurzeit entstehen zunehmend mehr neue Parteien. Die Zahlen schwanken um 90 Parteineugründungen seit dem Machtwechsel vor sechs Monaten. Zudem gilt es die verfassungsmäßige Umgestaltung der Republik weg von einer auf den Präsidenten fixierten und zentralistischen Regierungsform hin zu einer parlamentarisch-repräsentativen Demokratie einzuleiten. Essentiell für diesen Erfolg bleibt, so die gemachten Erfahrungen im Irak, dass gewisse Strukturen des „alten Tunesiens" übernommen werden müssten. Die Justiz, das Polizeiwesen und die Geheimdienste erfordern ihren Platz im neuen Demokratiemodell, während das Militär als Hüter des tunesischen Volkes bereits einen guten Ruf genießt. War es die Armee, die während der Umbrüche gegen die Polizei vorging, um die Bürger zu schützen.
Der Irak hat gezeigt, dass die von den USA initiierte Auflösung des Militärs oder der Baath-Partei von Saddam Hussein fatale Konsequenzen hervorgebracht haben, die sich bis zum heutigen Tage in Attentaten widerspiegeln. Bedauerlich ist, dass die Übergangsregierung Tunesiens die Partei von Ben Ali nun aufgelöst hat – ein fataler Fehler. Sollte diese einseitig gedachte Auflösungspraxis auch im Öffentlichen Dienst fortgesetzt werden, so stehen dem Land gefährlichere Zeiten bevor.|
Menschenleerer Souk auf Djerba
Foto: Ghassan Abid
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Deutsche Touristen werden gebraucht
Foto: Ghassan Abid
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Das Militär postiert sich auf die Seite des Volkes
Foto: Ghassan Abid + H. Sassi
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Mohamed Bouazizi ist Tunesiens neuer Nationalheld
Foto: cjb22, Creative Commons by-sa 3.0 de, Wikimedia
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Mohamed Bouazizi ist ein 26-jähriger Hochschulabsolvent aus der nordtunesischen Stadt Sidi Bouzid. Er zählte genauso wie viele andere zu den Verlierern der Nation. Eine Absage nach der anderen folgte auf die Bewerbungsbemühungen des jungen Mannes. Schließlich entschloss sich Bouazizi seinen Lebensunterhalt als einfachen Gemüsehändler zu bestreiten - ohne Gewerbeschein.
Kommunalbedienstete und Polizeibeamte hingegen behinderten seine Arbeit - so die tunesische Presse - mit teils willkürlichen Auflagen. Dieser permanenten Demütigung auf dem Arbeitsmarkt einerseits und der Ohnmacht gegenüber den Staatsdienern andererseits, waren eines Tages einfach nicht mehr zu ertragen. Schließlich zündete sich Mohamed Bouazizi aus der Verzweiflung heraus am 17. Dezember 2010 selbst an. Tunesiens Präsident Zine El Abidine Ben Ali besuchte am 28. Dezember 2010 das Unfallklinikum in Ben Arous bei Tunis, in welchem Bouazizi stationär behandelt wurde. Am 04. Januar 2011 erlag er seinen schweren Verbrennungen.
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Ausgebranntes RCD-Lokalbüro in Südtunesien
Foto: Ghassan Abid
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Sein Tod war es, der den angestauten Zorn des tunesischen Volkes auf die Regierung auslöste. Der Protest ist als „Jasminrevolte/ -revolution" in die Geschichtsbücher eingegangen. Mohamed Bouazizi´s Name ist national und international weiterhin im Munde. Viele Tunesier werden den jungen Mann aus Sidi Bouzid als Märtyrer in Erinnerung behalten, der aus seinem Frust heraus eine Tür der Hoffnung für andere eröffnete.
Der vorliegende Text ist mit freundlicher Genehmigung vom Blog des Autors übernommen worden.
„Die Ben Ali-Diktatur ist weg, doch die des Islamismus ist auf dem Vormarsch", so ein 55-jähriger Ladenbesitzer mit fester Stimme und starrem Blick zu mir. Auch andere Menschen, insbesondere Frauen, beschäftigen sich zunehmend mit dieser Angelegenheit. In Radiosendern wird die Jasminrevolution aus dem Blickwinkel des weiblichen Geschlechts beleuchtet. Gestützt wird meine Furcht auf Ereignisse, wie am 26. Juni 2011 in Tunis zu beobachten gewesen. Die Aufführung der von Nadia El-Feni geführten Dokumentation «Ni Allah ni maître» im Kino Afric'Art, ist durch Islamisten massiv gestört worden. Die auf den Säkularismus basierende Doku sorgte sogar für körperliche Gewaltausbrüche gegenüber den Filmschaffenden seitens der Islamisten. Hinzu kommen mehrere blutige Proteste gegen Polizeistationen in west- und nordtunesischen Städten, die u.a. durch Islamisten organisiert sollen seien. Auch starb bereits in der Nacht zum 18.07.2011 ein 14-jähriger junger Mann in Sidi Bouzid durch von Soldaten ausgelöste Schüsse.
Die nun zugelassene und als islamistisch geltende Partei El Nahda von Rachid al Ghannouchi - so zumindest die Meinung einiger politischer Analysten und die meiner - ist ungefragt für etliche Tunesier die einzige Option bei den Wahlen am 23. Oktober 2011. Die tunesische Presse geht davon aus, dass diese einst verbotene Bewegung zwischen 20 bis 30 Prozent der Stimmen erhalten könnte. Andere sagen sogar einen haushohen Sieg voraus.
Von dem Supergipfel, der ursprünglich als gemeinsames NATO- und G8-Treffen in Chicago geplant war, nahm die US-Regierung schnell wieder Abstand.
Die Proteste wären wohl aus dem Ruder gelaufen. An diesem Wochenende tagen die Vertreter der G8-Länder in einer militärisch abgeschirmten Sperrzone in Camp David in der Nähe der US-Hauptstadt. Die NATO-Strategen halten dagegen Chicago in Atem. Von dort berichtet Max Böhnel über die internationale Gegenkonferenz namens „NATO Free Future“, zu der auch Vertreter der deutschen Friedensbewegung anreisen. Am Sonntag soll als Höhepunkt gegen den Willen von Stadtverwaltung und Polizei eine Grossdemonstration gegen das Militärbündnis stattfinden.
Blog von Marcus Meier: Welche Chancen erwachsen aus technischen Innovationen - für eine soziale und umweltfreundliche Gesellschaft, für mehr Demokratie, für ein rationaleres Wirtschaftssystem? Wo verhindern kapitalistische Mechanismen den technischen Fortschritt oder den fortschrittlichen Technikgebrauch? Wie, wo und warum generiert der Kapitalismus schlicht Fortschrott? Das sind die Fragen, die das neue nd-Weblog "Linke und Technik..! Fortschritt, Fortschrott und die Folgen " beantworten will. Autor Marcus Meier ist übrigens beides: Technikfreund und Technikskeptiker.
Hausblog: Aus dem nd über das nd: In unserem Hausblog halten wir Sie über alles berichtenswerte aus Redaktion und Verlag auf dem Laufenden.

Marcus Meier ist Journalist und arbeitet zu den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für das nd schreibt er seit Oktober 2009 regelmäßig – und meist zu NRW-Themen. Meier betreibt Das SPRUSKO-Prinzip, ein Weblog »zur Kritik des Ramsch-Kapitalismus«. Er lebt und arbeitet in Bochum. Seine Webseite: www.marcusmeier.de.

Max Böhnel lebt seit dreizehn Jahren in der Nähe von New York und berichtet als freier Journalist für deutschsprachige Radiosender, Print- und Internetmedien, unter anderem auch für nd.
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