Im Februar 1990 saß Rolf Henrich am Runden Tisch und galt als politisches Schwergewicht mit Zukunft. Doch es kam alles ganz anders
Es war ein Novum für beide Seiten: Am 9. Februar 1990 druckte das »Neue Deutschland« ein langes Interview mit Rolf Henrich, Autor der spektakulären DDR-Analyse »Der vormundschaftliche Staat«, Mitbegründer des Neuen Forums. Noch wenige Monate zuvor war Henrich als Verräter behandelt worden, er verlor die Zulassung als Anwalt, es folgte der SED-Ausschluss. Zum Zeitpunkt des Interviews wurde der Jurist, der auch am Runden Tisch saß, noch als Mann für höhere Ämter gehandelt. Kaum jemand ahnte, dass er bereits an Rückzug aus der Politik dachte.