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Katalanische Schnellschüsse

Alexander Isele findet die Unabhängigkeit überhastet

»Was du tust, tue es klug und bedenke das Ende!«, sagt eine uralte Weisheit. Die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter haben sich verzockt. Mit dem Referendum haben sie gehofft, Madrid zu Gesprächen über mehr Autonomie zu bewegen, doch die Franco-Nachfolgepartei unter Ministerpräsident Rajoy hat nicht mal daran gedacht.

Gefangen in einer Spirale, in der Reaktion auf Reaktion folgte, hat das katalanische Regionalparlament die Loslösung von Spanien eingeleitet, ohne ein klares Angebot für die Zeit danach zu haben. Damit spaltet sie nicht nur die Katalanen, sondern nimmt den Absturz der Wirtschaft in Kauf und gefährdet damit die Lebensgrundlage der Menschen. Glauben die Befürworter wirklich, dass sie einen Machtkampf auf der Straße gewinnen können? Und selbst wenn sie es schaffen, wie soll ein unabhängiges Katalonien überleben, außerhalb der EU, ohne eigene Währung, mit Zollpflicht und Grenzkontrollen? Das wären die unmittelbaren Konsequenzen einer einseitig ausgerufenen Unabhängigkeit. Immer mehr Katalanen scheinen das zu bemerken: In Umfragen verlieren die Unabhängigkeitsbefürworter ihre bisherige hauchdünne Mehrheit, und die einflussreiche Bürgermeisterin Barcelonas distanziert sich.

Seinen Drohungen und Maximalforderungen musste Puigdemont irgendwann Taten folgen lassen. Diese Eile hat fatale Folgen: Nicht anerkannt und isoliert droht einer Republik Katalonien das Scheitern, bevor es sie überhaupt gibt.