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Studentische Selbstverwaltung in Frankreich

Bildungslexikon

Studentische Selbstverwaltung in Frankreich. Grundsätzlich ist das französische Bildungssystem zentral organisiert, mithin verfügen die örtlichen Universitäten nur über begrenzte Entscheidungshoheit. Ihre Selbstverwaltung besteht vornehmlich aus vier Organen: dem Universitätspräsidenten (le Président), dem Verwaltungsrat (le Conseil d’administration), dem Wissenschaftsrat (le Conseil Scientifique) und dem Rat für Studien und universitäres Leben (le Conseil des Etudes et de la Vie Universitaire). Die Räte wählen den Präsidenten als Leiter der Universität. Sie setzen sich unter anderem nach festgelegter Quote aus Vertretern der Studierendenschaft zusammen.

Die studentische Beteiligung wird im Bildungsgesetz, dem Code de l’Education, und vereinzelt auch durch eigene Satzungen der Universität geregelt. Ebenso sind die meisten studentischen Vertretungen national organisiert, mit Sektionen in den Universitäten. Größere Verbindungen, sogenannte syndicats étudiants, stehen entweder Parteien oder Gewerkschaften nahe, wodurch ihr Fokus mehr auf bestimmte Visionen der Hochschulbildung als auf Interessensvertretung der einzelnen Universitäten liegt.

Auch die Interessen der Studierenden werden in den Dienst nationalen Interesses gestellt. So setzt die Verbindung l’Union syndicale Solidaires, die aus der Fusion der SUD Ètudieant und Féderation syndicale étudiante (FSE) hervorging, auf Organisation der Studierenden im Sinne des Klassenkampfs und lehnt eine Kooperation mit der Universitätsdirektion ab. Schon die Gründung der SUD Ètudieant 1996 geschah im Geist eines linken Syndikalismus. Viele ihrer Mitglieder gehören der Neuen Antikapitalistischen Partei an, aber auch Kommunisten, Sozialisten, und Anarchisten sympathisieren mit ihnen. tgn