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Das Kernziel Nordkoreas

Roland Etzel zum bevorstehenden Gipfel zwischen Kim und Trump

Auch wenn US-Präsident Trump seinen nordkoreanischen Gast mit jovialer Geste empfing: Bei der bisher an den Tag gelegten Unberechenbarkeit der Administration im Weißen Haus in Sachen Korea-Politik - man kann sie mit ebensolcher Berechtigung Unseriosität nennen - muss das noch nicht die letzte Wendung gewesen sein. Noch viel weniger sicher ist ein nachhaltiger Erfolg des Singapur-Gipfels über den 12. Juni hinaus.

Gewiss müssen Verhandelnde vorher nicht in allen Einzelheiten mitteilen, was sie zu geben und zu nehmen bereit sind. Aber was noch immer fehlt, ist eine öffentlich verkündete Nichtangriffsgarantie der USA im Falle eines nordkoreanischen Verzichts auf atomare Bewaffnung. Das ist das Kernziel Nordkoreas. Außerdem: Das von Trump angekündigte Ziel »Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel« schlösse von der sprachlichen und noch mehr von der politischen Logik her den Rückbau des nicht nur konventionellen Drohpotenzials der USA im Süden der Halbinsel natürlich ein. Davon war bisher mit keinem Wort die Rede. Die Führung Südkoreas scheint das aber sehr zu wünschen.

Im Gegensatz zu Japan. Tokio hat diesen Dialogprozess hintertrieben, wo es konnte, wurde folglich links liegengelassen, wird sich damit aber kaum abfinden. Da sind noch Giftpfeile gen Singapur zu erwarten.