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Man sollte es lassen

Niklas Franzen über die »Zeit«-Debatte zu Seenotrettung

Die »Zeit« fragt: »Oder sollte man es lassen?« Damit meint das Kampfblatt der linksliberalen Selbstvergewisserung nicht etwa Fotos vom Mittagessen bei Instagram oder den diesjährigen Sommertrend der XXL-Luftmatrazen. Die »Zeit« fragt, ob die Seenotrettung von Geflüchteten im Mittelmeer legitim ist – und hat dafür auf ihrer Seite drei eine Pro- und Contra-Debatte abgedruckt. Nochmal: Auf Seite drei der größten deutschen Wochenzeitung wird über das Für und Wider von Seenotrettung diskutiert.

Die Journalistin Mariam Lau argumentiert, dass alles nicht so einfach sei, wie es von den Seenotrettern dargestellt wird. Diese hätten »null und nichts« zur Lösung von Problemen beizutragen und wirkten an der »Vergiftung des politischen Klimas in Europa« mit. Mit solchen Aussagen schrammt sie nur knapp an der Hetze der Scharfmacher aus München, Rom und Budapest vorbei. Ebenso mit ihrer Verteidigung der Menschenjäger von Frontex. Sogar das Argument, dass Retter »Teil des Geschäftsmodells der Schlepper« seien und diese die oft tödliche Flucht über das Mittelmeer beförderten, wird in dem Text wiedergekaut. Das ist nicht nur falsch, wie viele Studien zeigen, sondern auch politisch höchst problematisch.

Ein Ausrutscher also? Nein, überraschend sind solche Töne nicht. Denn: Ein Rechtsruck hat eben auch in sich, dass weite Teile der Gesellschaft nach rechts rücken – auch die vermeintliche links-liberale Mitte. Nun mag man einwenden, dass eine Debatte in einer Zeitung zwei Seiten darstellen soll - und dabei auch mal zuspitzen darf. Das ist richtig, dennoch: Über Grundwerte wie die Rettung von Menschenleben diskutiert man nicht. Die »Debatte« zeugt vor allem von einem gesellschaftlichen Klima, in dem Rechte immer mehr die Marschrichtung bei politischen Auseinandersetzungen vorgeben. Das ist kein journalistischer Pluralismus, sondern Anbiederung an gesellschaftliche Stimmungen. Man sollte es lassen.

Lesen Sie weitere Beiträge zum Thema Seenottung im Mittelmeer in unserem Dossier: »Seenotretter unter Druck«.

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