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Wettlauf der Großmächte

Washington, Moskau, Brüssel, Tokio und Peking ringen um eine neue Weltordnung

Berlin. Was in diesen Tagen stattfindet, kann man durchaus als Neuordnung der Welt verstehen. Da treffen sich in Helsinki, das einst als Ort der europäischen Sicherheitskonferenz Geschichte schrieb, die Präsidenten der USA und Russlands. Donald Trump, ein kurzatmiger, unberechenbarer Taktiker, und Wladimir Putin, ein langfristig denkender Stratege, reichen sich die Hände und ziehen sich zum vertraulichen Gespräch zurück. Was noch vor ein paar Jahren weltweites Entzücken hervorgerufen hätte, ist nun Anlass zur Besorgnis auf vielen Seiten. Läuft dieser Kontakt auf globalen Interessenausgleich hinaus oder auf egoistische Eskapaden zweier Supermächte? Langjährige Verbündete der USA sind verunsichert, zumal Trump in rasantem Tempo auch das Regelwerk des Weltkapitalismus zertrümmert. Strafzölle, Ausstieg aus internationalen Abkommen, keine Rücksicht auf alte Partnerschaften - nichts ist mehr sicher.

Da ist es vielleicht ein kalendarischer, aber keineswegs ein politischer Zufall, dass nahezu zeitgleich die EU mit Japan und China, den zwei asiatischen Großmächten, in Verhandlungen steht. Japan und die Europäische Union unterschrieben am Dienstag ein weitreichendes Freihandelsabkommen, in dem es um weitaus mehr geht als um Autos und Käse, Arbeitsplätze und Zollerleichterungen: Es ist ein Signal gegen Trumps Abschottungskurs und für den grenzüberschreitend freien Warenverkehr in anderen Teilen der Welt. Brüssel und Tokio machen die Bahn frei für Konzerninteressen. Ähnliche Gespräche liefen gerade zwischen der EU und China. Und die wirtschaftliche Kooperation zwischen Russland und China wird schon seit Jahren eher im Stillen beschleunigt. Jenseits der freundlichen Fototermine ist das ein knallhartes Armdrücken zwischen den Weltzentren des Kapitals. nd Seiten 2 und 3