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Der Hipster-Lula

Fernando Haddad wird Präsidentschaftskandidat für Lula da Silva, der aufgrund seiner Haft voraussichtlich nicht antreten kann

Bei den Anhängern der brasilianischen Arbeiterpartei (PT) war der Jubel groß: Am Sonntag erklärte die Partei, dass Fernando Haddad als Vize für Lula da Silva ins Rennen für die Wahlen im Oktober geschickt wird. Dass die Nominierung mehr als eine Formalität ist, ist der Dramatik der brasilianischen Politkrimis geschuldet. Denn: Spitzenkandidat Lula sitzt im Gefängnis. Im April wurde der ehemalige Präsident zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nicht nur Linke sprechen von einem »politischen Prozess«. Die PT stellte ihn trotzdem als Kandidaten auf. Denn der Lula-Hype ist trotz zahlreicher schwerer Skandale in seiner Partei ungebrochen. So führt Lula in allen Umfragen mit klarem Vorsprung. Wahrscheinlich wird er aber aufgrund seiner Verurteilung nicht antreten dürfen. In diesem Fall soll Haddad Nachrücker werden - und die Stimmen seines Mentors einsammeln.

Die Hintergründe der beiden Politiker könnten kaum unterschiedlicher sein: Lula brachte sich einst als armer Landflüchtling das Lesen und Schreiben selbst bei und kam erst über sein Engagement in der Metallarbeitergewerkschaft in die Politik. Haddad stammt aus einer wohlsituierten libanesischen Handelsfamilie, die in den 1940er Jahren nach São Paulo emigrierte. Der 55-Jährige studierte Jura und Philosophie und brachte es bis zum Professor an der renommierten Universität von São Paulo.

Doch auch in der Politik machte er sich einen Namen - erst als Aktivist in studentischen Gruppen, später als Bildungsminister. 2012 gewann er überraschend die Bürgermeisterwahl in der 20-Millionenmetropole São Paulo. Dort drückte er der Stadt vor allem mit Reformen im ökologischen und kulturellen Bereich seinen Stempel auf und entwickelte sich zum Liebling der oft als »Kaviar-Linke« verspotteten urbanen Mittelschicht. Haddad gilt bis heute als linke Seele in einer Partei, die mit Regierungsverantwortung viele soziale Grundsätze über Bord geworfen hat. Dennoch: Dass es dem hippen Haddad wie einst Lula gelingen wird, die arme Bevölkerung hinter sich zu versammeln, darf bezweifelt werden.