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Aktivistische Anwältin

Rashida Tlaib, Anwältin und Tochter palästinensischer Einwanderer, wird die erste Muslima im US-Kongress werden

»Meine Mutter war sauer, ›sie haben dich vor laufenden Fernsehkameras verhaftet‹, und ich sagte ihr, Mom, das war das Amerikanischste, was ich tun konnte«, erzählt Rashida Tlaib von ihrem Protest gegen Donald Trump. Der war als Präsidentschaftskandidat vor dem »Detroit Economic Club« aufgetreten. Zwölf Frauen störten die Veranstaltung im Sommer 2016. Sie konfrontierten Trump etwa mit Fragen zu sexuellem Missbrauch. »Haben Sie schon einmal die Verfassung gelesen?«, rief Tlaib Trump zu.

Die 42-Jährige ist eine von vielen wütenden Frauen, die dieses Jahr gegen Donald Trump antreten, als Anwältin kennt sie sich mit dem Gesetz aus. Und sie wird ziemlich sicher die erste Muslima im Abgeordnetenhaus der USA sein, als Vertreterin des 13. Kongressbezirkes von Michigan.

Tlaib ist die Älteste unter 14 Kindern palästinensischer Einwanderer und war schon vorher die Erste. Von 2009 bis 2015 war sie die erste Muslima im 12. Bezirk des Abgeordnetenhaus des US-Bundesstaates Michigan. Der liegt im industriellen Südwesten von Detroit und kämpft mit dem Erbe des Industriezeitalters. Nachdem sie wegen der Amtszeitbegrenzung 2015 aus dem Parlament ausgeschieden war, organisierte Tlaib als Anwältin für das »Sugar Law Center« Rechtsbeistand für Arbeiter und sorgte dafür, dass die milliardenschweren Gebrüder Koch giftigen Industriemüll entsorgen mussten.

In den letzten Monaten lehnte sich Tlaib - die auch Mitglied der Democratic Socialists of America ist - mit dem demokratischen Establishment von Detroit an. Das wollte die Stadtabgeordnete Brenda Jones in den Kongress hieven. Filmemacher Michael Moore und linke Organisationen wie People for Bernie unterstützten Tlaib. Die will einen 15-US-Dollar-Mindestlohn und die Abschaffung der Studiengebühren an öffentlichen Universitäten. Die Vorwahl letzte Woche gewann Tlaib mit 31,2 Prozent der Stimmen knapp - mit einem Prozent Vorsprung. Die Republikaner haben in dem »tiefblauen« Bezirk keinen Gegenkandidaten für die Kongresswahl im November aufgestellt.