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Wer war beim Klimacamp im Rheinland?

Eine Anwohnerin und ein Aktivist berichten

Von Roman Kutzowitz

Berlin. Das Klimacamp im Rheinland ist an diesem Mittwoch zu Ende gegangen. Zelte, Waschbecken und Photovoltaik-Anlagen wurden abgebaut, die Hunderten Teilnehmer befinden sich auf der Rückreise. Wie bewerten die Organisatoren die vergangene Woche? «Die Resonanz aus der Bevölkerung war fantastisch», sagte Johanna Winter, die Sprecherin des Klimacamps. Zu Gesprächen über die Zukunft des Widerstands in der Region seien am Sonntag alleine über 30 Interessierte erschienen. «Wenn wir uns zusammentun, können wir RWE stärker entgegentreten und uns schützend vor die Dörfer stellen, die der Konzern für den Kohleabbau zerstören will», so Winter.

Neben lokalen Bündnissen lag der Fokus des diesjährigen Camps auf Reflexion und Strategiefindung. Neben einer Strategiekonferenz sowie zahlreichen Veranstaltungen gab es auch ein Fußballspiel mit dem TuS Germania Kückhoven, eine Fahrradtour entlang bedrohter Dörfer und eine Andacht an der Ruine des Immerather Doms. «nd» hat mit einem Aktivisten und einer Anwohnerin über ihre Erfahrungen gesprochen.

Jakobs Engagement gegen Kohleabbau begann 2012. Da hatte er das erste Mal einen Tagebau gesehen. «Ich war davon sehr bewegt und auch erschüttert. Ich hatte bis dahin nicht gewusst, das Deutschland der größte Förderer von Braunkohle in der ganzen Welt ist», sagt der heute 32-jährige Aktivist. Der aus Osnabrück stammende Umweltpsychologe versucht seit diesem Tag auf verschiedenen Wegen für Klimagerechtigkeit zu kämpfen. Er macht Bildungsarbeit, organisiert Demonstrationen oder beteiligt sich an Aktionen des zivilen Ungehorsams. Jakob hatte etwa an einer Schienenblockade teilgenommen, um einen Kohlezug zu stoppen. Vor allem die Organisierung von Klimacamps ist ihm wichtig. «Ich habe die Camps immer als Ort erlebt, wo die Menschen zusammen kommen und voneinander lernen können.» Für Jakob bedeutet das im Kleinen die Einrichtung von Kompostklos und Solarversorgung; im Großen aber auch über Gesellschaftsmodelle zu diskutieren, die langfristig überlebensfähig sind. Für das diesjährige Rheinland-Camp hatte der Aktivist eine Radtour organisiert.

Noah wohnt in Erkelenz, in der Nähe vom Tagebau im Rheinland. Direkt betroffen von der Ausbaggerung ist die 29-Jährige nicht – viele Freunde von ihr werden jedoch umgesiedelt. «Das nimmt einen emotional mit. Ich sehe, wie bei uns in der Region hier alles verschwindet», sagt die Sozialpädagogin. Noah versucht sich dagegen wehren. Sie besuchte das jüngste Klimacamp, trifft sich aber auch regelmäßig mit den Bewohnern bedrohter Dörfer. «Diese Menschen haben keine Lobby – umso wichtiger ist es, sich mit ihnen zu vernetzen.» Die Aktivistin wünscht sich, dass die von Umsiedlungen Betroffenen sich noch stärker gegenseitig unterstützen, vor allem aber den Mut finden, sich mit einer gemeinsamen Stimme an die Öffentlichkeit zu wenden. Gleichzeitig ist Noah auch die schwierige Situation der Kohlearbeiter in der Region bewusst. «Ich sehe immer wieder Kohlearbeiter, die Sorgen und Ängste um ihre Arbeitsplätze haben. Diese Ängste möchte ich nicht kleinreden, ich akzeptiere sie.» Man müsse nun zusammenschauen, wie die Transformation zu erneuerbaren Energien gelingen kann.«