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Auch Minderjährige attackiert

Polizei gibt neue Erkenntnisse zu den Übergriffen am Sonntag in Chemnitz bekannt / Szenen sollen sich nicht wiederholen

Von Alina Leimbach

Es sollte ein fröhliches Stadtfest in Chemnitz, Sachsen, werden. Doch es kam anders. In der Nacht zum Sonntag kam es zu einer Messerstecherei, ein 35-jähriger Mann stirbt weniger später im Krankenhaus. Doch damit nicht genug. Ein wütender rechter Mob zieht durch die Straßen, jagt Migrant*innen und Linke. Die Rechten skandieren: »Das ist unsere Stadt« oder die eindeutige Neonaziparole: »Frei, sozial, national.«

Mittlerweile hat auch die Polizei neue Erkenntnisse zu den Ausschreitungen bekannt gegeben. Sie schätzt den Anteil der Gewaltbereiten unter den Demonstranten, die sich am Sonntag in Chemnitz nach dem Tod eines 35-Jährigen versammelt haben, auf rund 50. Diese hätten in dem Aufzug mit rund 800 Teilnehmern den Ton angegeben und gelenkt, sagte die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel auf einer Pressekonferenz am Montag. Auf Polizeiansprache hätten sie nicht reagiert. Polizisten seien mit geworfenen Flaschen und Steinen angegriffen worden.

Vor allem aber schildert die Polizeipräsidentin auch drastische Szenen, die sich am Sonntag abspielten. So seien ein 17-jähriger Afghane und eine 15-jährige deutsche Begleiterin von Menschen aus dem Mob attackiert und leicht verletzt worden. Zudem wurde einem der beiden das Handy aus der Hand geschlagen. Später sei ein 18 Jahre alter Syrer geschlagen worden, die Polizei habe den mutmaßlichen Täter ermittelt. Außerdem sei ein 30-jähriger Bulgare von einem Unbekannten festgehalten und bedroht worden. Polizeipräsidentin Penzel rief Zeugen dazu auf, eventuell vorhandene Videos von den Ausschreitungen an die Behörden zu übergeben.

In dem Fall des getöteten Manns hat die Polizei inzwischen zwei dringend Tatverdächtige festgenommen. Es soll sich laut Staatsanwaltschaft Chemnitz um einen 23 Jahre alten Mann aus Syrien und einen 22-jährigen Iraker handeln.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin, Barbara Ludwig (SPD) drückte ihre Trauer über den Tod des 35-jährigen Manns aus, der am Wochenende umgekommen war. Der Trauerbekundung schloss Ludwig allerdings eine Mahnung an. Sie forderte die Chemnitzer auf, diesen Vorfall nicht zu instrumentalisieren: »Ich hoffe auf die Besonnenheit derer, die trauern und auf die Besonnenheit derer, denen die Stadt wichtig ist.«

Für Montagabend kündigen linke und rechte Gruppen weitere Demonstrationen in Chemnitz an. Die Polizei glaubt, dass sich Szenen wie vom Sonntag nicht wiederholen werden: »Wir sind auf die Einsatzlage heute Abend gut vorbereitet«, sagte Penzel. »Wir haben ausreichend Kräfte angefordert - und wir werden mit der Stadt gemeinsam den Schulterschluss üben und nicht zulassen, dass Chaoten diese Stadt für ihre Zwecke vereinnahmen.«