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Ende Gelände blockiert international

Aktivisten des deutschen Aktionsbündnisses beteiligten sich an der Blockade eines niederländischen Gasfeldes

Von Sebastian Weiermann
Das Bündnis Code Rood blockiert in Groningen die lokale Gasinfrastruktur.

Was hat Ende Gelände dazu bewegt, eine Aktion in den Niederlanden zu unterstützen?

Wir haben uns als Ende Gelände dazu entschieden dieses Jahr auch Aktionen in Tschechien und den Niederlanden zu unterstützen, weil unser Widerstand für Klimagerechtigkeit ein globaler ist. Treibhausgase machen nicht an Grenzen halt, unsere Solidarität im Kampf gegen die Klimakrise auch nicht. In der Region Groningen wehren sich Menschen schon seit Jahren gegen die Zerstörung ihrer Häuser und ihrer Lebensgrundlagen durch das größte europäische Gasfeld. Bei der Förderung und dem Transport von Erdgas entweicht Methan und das ist eines der klimaschädlichsten Treibhausgase die es gibt. Deswegen haben wir uns entschieden Code Rood, ein niederländisches Aktionsbündnis, zu unterstützen.

Reicht es dem Ende Gelände-Bündnis nicht mehr gegen Braunkohle zu protestieren? Warum jetzt auch noch Gas?

Wir fordern den Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern und ein Wirtschaftssystem, dass nicht auf Kosten von Mensch und Natur existiert. In Deutschland kämpfen wir primär für den Kohleausstieg. Dieser darf aber nicht mit einem steigenden Import von Gas aus den Niederlanden oder Steinkohle aus Kolumbien einhergehen.

Was ist Code Rood?

Code Rood ist ein niederländisches Aktionsbündnis, das so ähnlich funktioniert wie Ende Gelände und einen ähnlichen Schwerpunkt hat. Vergangenes Jahr gab es die erste Aktion gegen die Kohleinfrastruktur im Amsterdamer Hafen. Und vergangene Woche gab es die Aktion gegen Gas in der Region Groningen. Der Hintergrund ist, dass sich Menschen in Groningen nationale wie internationale Unterstützung gewünscht hatten. Sie fordern, dass »Nam« ein Tochterunternehmen von Exxon und Shell, für Entschädigungen aufkommt und die Gasförderung beendet wird. Code Rood hat sich entschieden, diesen lokalen Kampf zu unterstützen.

Was ist konkret bei dem Aktionstag passiert?

Wir sind mit insgesamt 700 Menschen auf unterschiedlichen Wegen aufgebrochen. Die einen sind 15 Kilometer gewandert, andere mit Bus und Bahn gefahren. Am Mittag waren wir am Blockadepunkt, einer Speicheranlage für giftiges Gaskondensat. Dort war die Stimmung dann sehr ausgelassen und positiv. Am Abend ist auch noch eine Demonstration aus Groningen angekommen. Viele Menschen sind über Nacht geblieben, ein Teil hat den Ort am nächsten Tag für eine Banneraktion verlassen, andere sind geblieben. Insgesamt konnte die Gasinfrastruktur für rund 48 Stunden blockiert werden.

Was passiert derzeit aus der Sicht von Ende Gelände im Hambacher Forst?

Die Polizei und RWE eskalieren gerade regelmäßig im Hambacher Forst. Das ist ein Skandal. Es ist unmöglich, dass ein Kohle-Konzern dabei unterstützt wird, seine Profite zu schützen, während man den Kohleausstieg verhandelt. Die Bundes- und Landesregierung sollten sich stattdessen für den Klimaschutz einsetzen.

Was plant Ende Gelände, um den Protest im Hambacher Forst zu unterstützen?

Wir rufen dazu auf, am Tag X, also wenn der erste Baum gefällt wird, die Proteste zu unterstützen. Am 6. Oktober wird sich Ende Gelände der Rodung mit einer ersten Aktion zivilen Ungehorsams entgegenstellen. Vom 25. bis 29. Oktober kehren wir dann in den Wald zurück. Mit einer weiteren, diesmal umfassenden Massenaktion zivilen Ungehorsams werden wir dann ein deutliches Zeichen für den sofortigen Kohleausstieg setzen.

Zur Person

Karolina Drzewo ist Pressesprecherin des Aktionsbündnisses Ende Gelände. Das Projekt ist bekannt für seine spektakulären Massenaktionen gegen die Braunkohleförderung in Deutschland. In der vergangenen Woche beteiligten sich Aktive des Bündnisses an der Blockade von Gasinfrastruktur im niederländischen Groningen. Über die Aktionen und die Rodungssaison im Hambacher Forst sprach mit Drzewo Sebastian Weiermann.