/ Politik

Acker an Logistiker verkauft

Die Grünen in Hessen haben für ein riesiges Logistikgebiet gestimmt / Bauern und Umweltschützer sind dagegen

Manchmal scheint es, als würden die Planungen für das Logistikgebiet von Geisterhand vorangetrieben. Niemand fühlt sich so recht dafür zuständig. Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz verwies darauf, dass das Projekt ein Erbe der schwarz-gelben Vorgängerregierung sei. Auch Jens Wilhelm (SPD), Bürgermeister von Neu-Eichenberg, wo auf einer Fläche von 80 Hektar Verteilzentren für Onlineunternehmen und Paketdienste entstehen sollen, erklärte, der Anstoß für die Privatisierung der Domäne sei vom Land gekommen. Die Gemeinde unweit von Göttingen führe das Projekt lediglich aus. Schon häufiger haben sich Vertreter des Landes und der Gemeinde die Verantwortung für das äußerst umstrittene Vorhaben gegenseitig zugeschoben. Denn es wird zweifellos auch Schattenseiten haben, worauf Anwohner und Umweltschützer immer wieder hinweisen. Wertvolles Ackerland wird versiegelt, die Hallen werden riesig und der Lärm enorm sein, wenn täglich Tausende LKW über eine Bundesstraße durch den Werra-Meißner-Kreis fahren.

Eine Herzensangelegenheit der Grünen ist das Projekt ganz sicher nicht. Im Gemeinderat stimmen ihre drei Abgeordneten beharrlich gegen das Logistikgebiet, können aber gegen die Mehrheit von CDU und SPD nichts ausrichten. Doch im Hessischen Landtag, wo die Partei zusammen mit der CDU regiert, könnte das anders aussehen. Doch da haben die Grünen am Mittwoch im Haushaltsausschuss in der letzten Sitzung vor der Wahl am 28. Oktober dem Verkauf der Fläche an die Gemeinde zugestimmt.

Damit ist der Weg frei für die Dietz AG, eine Entwicklerin für Gewerbeimmobilien aus dem südhessischen Bensheim. Das Unternehmen werde dort 150 Millionen Euro investieren, erklärte Markus Engelmann aus dem Vorstand der Dietz AG vor zwei Wochen vor Ort auf einer Bürgerversammlung. Schlüsselfertige Hallen will das Unternehmen errichten, um sie dann zu vermieten.

Die Linksfraktion im Hessischen Landtag versuchte vergeblich, die Abstimmung im Ausschuss zu verhindern. »Das ganze Vorhaben ist planerisch absurd und ökologisch eine Katastrophe«, sagte der Abgeordnete Jan Schalauske dem »nd«. »Wir brauchen gute Böden für unsere Ernährung und nicht als Parkplatz und Warenlager.« Als einzige Partei stimmte die LINKE gegen den Verkauf.

Auch die örtliche Bürgerinitiative »NEB bleibt ok« drängte darauf, den Verkauf zu verschieben. In der Gemeinde seien noch viele Fragen bezüglich des Logistikgebiets ungeklärt, erklärte Carolin Benzinger, Sprecherin der Initiative. Derzeit überarbeitet die Gemeindeverwaltung den Bebauungsplan für das Areal.

Als bekannt wurde, dass die Dietz AG das Gelände kaufen will, bekam die Initiative regen Zulauf. Über Jahre lag das seit 2003 bestehende Vorhaben brach, weil es keine Investoren gab. Jetzt könnte es dagegen schnell gehen. Die ersten Hallen könnten bereits Ende 2019 stehen, hofft Engelmann. Kommentar Seite 4