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Falsche Eile beim Atommüll

Reimar Paul hält die Verschiebungen bei Schacht Konrad für symptomatisch

Von Reimar Paul

Atommüll in alten Bergwerken zu lagern, ist keine gute Idee. Das zeigt das Beispiel Asse. In das frühere Salzbergwerk dringt Wasser ein, das gesamte Grubengebäude droht einzustürzen. Das zeigt auch das Beispiel Morsleben, wo tonnenschwere Salzbrocken von den Decken krachten. Trotzdem macht die Bundesregierung bei Schacht Konrad denselben Fehler. Ohne vergleichendes Auswahlverfahren wurde ein altes Bergwerk zum Endlager bestimmt.

Die Bundesregierung beteuert, es gebe Unterschiede zu Asse und Morsleben. Vergleichen lassen sich die Standorte aber dennoch: Auch in das Bergwerk Konrad läuft Wasser - nach Angaben von Umweltschützern sogar mehr als in die Asse. Auch hier entsprechen die Pläne nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik, die Sanierung der alten Schächte wirft ständig neue Probleme auf, Transportfragen sind ungeklärt und angesichts der großen Mengen schwach- und mittelradioaktiven Mülls wird ein weiteres Lager notwendig.

Der Bau von Schacht Konrad wird immer teurer, der Beginn der Einlagerung ist schon fünf Mal verschoben worden: von ursprünglich 1988 auf jetzt 2027. Dies wirft auch ein Licht auf den völlig unrealistischen Zeitplan der Standortsuche für den hoch radioaktiven Atommüll. Hier soll laut Koalitionsvertrag das Endlager bis 2031 gefunden sein. Dabei sind sich nahezu alle Experten ausnahmsweise einig: Dieses Ziel ist nicht zu halten.