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Im Drogensumpf von Kapstadt

Masande Ntshagnas Roman »positiv« handelt nicht nur vom Leben der HIV-Infizierten in Südafrika

Von Manfred Loimeier

Lindanathi, Cecilia und Ruan sind ein eingespieltes Team, das in Kapstadt von Drogenverkäufen und dem Handel mit gefälschten Medikamenten lebt. Dabei hatte jeder von ihnen einst Beruf und Einkommen, bis sie etwas aus der Bahn warf. Bei Lindanathi war es der Tod des Bruders, weshalb er sich schuldig fühlt und den Kontakt zur Familie abbrach. Lindanathi, Cecilia und Ruan sind aber auch die Hauptfiguren im Roman »positiv« von Masande Ntshanga, 1986 in East London, Südafrika, geboren.

Vor fünf Jahren hatte Ntshanga für eine Kurzgeschichte den PEN International Preis für junge literarische Stimmen aus Afrika gewonnen, und seither gilt er als vielversprechendes literarisches Talent.

Sein Roman »positiv« erfüllt diese Erwartungen nicht. Zwar ist das Buch in dem derzeit üblichen schnoddrigen Slang geschrieben, der Jugendlichkeit vorgaukelt, und überdies ist die Handlung mit Referenzen an bekannte Autoren und Philosophen wie Friedrich Nietzsche durchsetzt, aber dem Roman »positiv« gibt das ebenso wenig Tiefe wie seinen Charakteren. Cecilia und Ruan rutschen bald zu Nebenfiguren ab, und dass Lindanathi leidet, vermittelt sich bei der Lektüre nur am Rande. Dass er währenddessen zudem eine Wandlung durchlebt, die ihn zuletzt zu einer Selbstbesinnung führt, geschieht eher unvermittelt.

So liest sich das Buch »positiv« - Lindanathi glaubt, mit HIV infiziert zu sein, daher dieser Titel im Deutschen - so, als habe der Autor einem Erwartungsdruck folgend einen Roman geschrieben, dabei aber nur die Idee für eine weitere Kurzgeschichte gehabt. Zwar versucht Ntshanda, seiner Geschichte etwas Spannung zu verleihen, indem er eine weitere merkwürdige, entstellte Figur einführt; aber das bringt weder die Handlung voran, noch steigert es die Neugier auf den weiteren Verlauf der diffusen Handlung. So bleibt das erzählte Geschehen flach, entwickelt sich kaum und weist zudem keinerlei dramaturgischen Spannungsbogen auf.

Überhaupt muss man sich als Leser fragen, ob der Alltag in Kapstadt tatsächlich nur aus Elend und Drogen in Townships besteht und keine anderen literarischen Stoffe aufweist, oder ob mit derlei Armutsstereotypen einfach nur herbei fantasierte Lesererwartungen befriedigt werden sollen.

Lindanathi, Cecilia und Ruan sind meist auf Drogen oder schnüffeln Industriekleber. Warum das interessieren soll, bleibt schleierhaft. So ist der Roman »positiv« weder gut geschrieben noch gut komponiert. Was allein daran gut ist, ist die Übersetzung von Maria Hummitzsch, immerhin.

Masande Ntshanga: positiv. Roman. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. Wunderhorn Verlag, 195 S., geb., 24,80 Euro.

Masande Ntshanga liest am Samstag, 8. September, auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin aus seinem Roman, um 19.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele, auf der Bühne im Garten.