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BerlKönig konkurriert mit Taxi und Bus

Sammeltaxidienst der BVG gestartet

Der BerlKönig der BVG

»Ich hätte auch mit der M10 fahren können und ein bisschen laufen«, sagt Christoph, als er kurz nach 21 Uhr am U-Bahnhof Warschauer Straße in den BerlKönig einsteigt. Sein Ziel liegt unweit des Frankfurter Tors - der Mittzwanziger spart sich knapp 600 Meter Fußweg.

BerlKönig, das ist der am Freitagnachmittag gestartete Ridesharing-Dienst der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), eine Art Sammeltaxi, bei dem Nutzer mit ähnlichen Routen ein Stück des Weges gemeinsam fahren. Verfügbar ist der Dienst innerhalb der Osthälfte des S-Bahnrings, außerdem im Weißenseer Komponistenviertel, dem Gebiet um die Michaelangelostraße sowie einem Streifen, der nördlich in Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen bis zur Bornholmer Straße reicht. Angeboten wird er zunächst freitags und samstags ab 17 Uhr nachmittags bis 5 Uhr früh. 40 vollelektrische Mercedes-Benz B-Klassen-Autos mit jeweils vier Fahrgastsitzen sowie zehn Diesel-Kleinbusse des gleichen Herstellers mit je sechs Sitzen sind zunächst unterwegs.

Rund 5000 Zustiegspunkte wurden in dem Areal definiert, etwas über 600 an normalen Bushaltestellen, der Rest sind sogenannte virtuelle Haltestellen, meist an Straßenkreuzungen. Jede einzelne wurde mit der Verkehrslenkung Berlin abgestimmt - ein Grund, warum der Dienst nicht wie geplant bereits im Frühjahr gestartet ist. »Uns war es wichtig, dass alles rechtssicher ist«, so Henrik Haenecke, Digitalisierungsvorstand der BVG. Zwingend für die Nutzung ist ein Smartphone mit installierter App.

Pünktlich zum Start am Freitag übte CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici Kritik am Bediengebiet: »Der König herrscht am falschen Ort«, sagte er. Mindestens ein Stadtrandgebiet mit weniger gut ausgebautem Nahverkehr hätte zum Start schon dabei sein sollen, forderte er. Vor ihm hatten das schon Politiker der Regierungskoalition kritisiert.

Martin Schlegel, Verkehrsexperte des Umweltverbandes BUND Berlin, findet, dass vorrangig der klassische Öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden müsse. »Der BerlKönig ist der untere Teil des Problems«, sagt er auf Anfrage. Für die Innung des Berliner Taxigewerbes ist der neue Anbieter sogar »ein weiterer Schritt Richtung Verkehrsinfarkt« in der Hauptstadt - und natürlich unliebsame Konkurrenz.

»Natürlich würden wir den BerlKönig gerne in den Außenbezirken anbieten, aber die Wirtschaftlichkeit spricht noch dagegen«, entgegnet BVG-Vorstand Haenecke. Die Dichte an »Vollbartträgern und Frauen mit bunten Haaren«, die solche Angebote zunächst ausprobieren, sei dort nicht hoch genug. Er hofft, dass das Produkt gut funktioniere und so schnell das Bediengebiet vergrößert werden könne. Bis zu 300 Fahrzeuge könnten dann verkehren, einschließlich elektrischer Kleinbusse. Bis Jahresende will Mercedes die ersten E-Vitos ausliefern. Betrieb und Software besorgt für die BVG der Anbieter ViaVan, ein Joint Venture des Stuttgarter Autobauers mit dem US-amerikanischen Anbieter Via. Ursprünglich soll die BVG mit Konkurrenten Uber verhandelt haben. Immerhin »für einen Nebenjob ordentlich bezahlt« sei die Tätigkeit in Festanstellung, berichtet ein Fahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. In Amsterdam und London arbeitet ViaVan mit selbstständigen Fahrern und entsprechend schlechteren Bedingungen.

Beim Konkurrenten CleverShuttle, der seit Kurzem mehrheitlich der Deutschen Bahn gehört, ärgert man sich über die Rosinenpickerei. Man selber operiere mit einem vergleichbaren Dienst stadtweit, fast rund um die Uhr und nur mit Elektrofahrzeugen. »Wir wünschen uns Wettbewerb zu den gleichen Spielregeln«, sagt Sprecher Fabio Adlassnigg.

Dass man mit dem BerlKönig seinem eigenen Verkehrsangebot Konkurrenz macht, nimmt die BVG in Kauf. »Lieber kannibalisieren wir uns selber, als wenn jemand anders das macht«, sagt Haenecke. Über 5000-mal wurde die App inzwischen heruntergeladen, Fahrgastzahlen für das erste Wochenende konnte die BVG am Sonntag noch nicht nennen. Zunächst kostet die Mitfahrt pauschal 4 Euro, ab Ende September sollen 1,50 Euro pro Kilometer fällig werden, bei einem Mindestpreis von 4 Euro. Bei hoher Auslastung können noch 25 Prozent Zuschlag dazukommen.