/ Politik

Das Ende der Warenkonkurrenz

Karstadt und Kaufhof sollen fusionieren / Sorgen von Beschäftigten und in Städten

Mancherorts liegen die Filialen von Karstadt und Kaufhof vis-à-vis – wie in Düsseldorf.

Berlin. Es war das immer wieder lancierte Wunschbild der nationalökonomischen Wirtschaftspresse: die Deutsche Warenhaus AG. Immer wenn es in den letzten Jahren bei Karstadt oder Kaufhof kriselte, wurde die Fusion herbeigesehnt. Mehrere Eigentümerwechsel und Gerüchterunden später ist es nun soweit: Der österreichische Karstadt-Besitzer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company kündigten am Dienstag offiziell die Fusion der letzten deutschen Warenhausketten an. Die Verträge seien unterzeichnet.

Wer dies freilich alles andere als herbeisehnt, sind die Beschäftigten. In mehreren deutschen Städten liegen Filialen der beiden Konkurrenten vis-à-vis, auch zwei Konzernzentralen wird es künftig wohl nicht mehr brauchen. Mehr oder weniger angekündigt ist bereits massiver Stellenabbau. Die Gewerkschaft ver.di drängte die Eigentümer, die Arbeitnehmervertreter möglichst schnell in ihre Planungen einzubeziehen. Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl forderte den Erhalt aller Arbeitsplätze und Standorte.

Karstadt und Kaufhof zusammengerechnet haben europaweit 243 Standorte und beschäftigen rund 32 000 Mitarbeiter. Dies zeigt, dass ein Einzelhandelsriese mit enormer Marktmacht entstehen würde. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte an, die Fusionspläne genau unter die Lupe zu nehmen. »Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein.« Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden.

Auch der Deutsche Städtetag sieht die Fusion »nicht ohne Sorge«. Er wünscht, dass möglichst alle Kaufhausstandorte bestehen bleiben. Es ist noch in schlechter Erinnerung, wie viele Kommunen nach der Hertie-Pleite 2009 mit der Verödung der Innenstadt zu kämpfen hatten. nd/Agenturen Seite 16