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Grütters für Mauerbau

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wirbt für Offenheit gegenüber dem von ihrem Haus mitgeförderten Mauerbau-Projekt in Berlin. Sie sehe dem Vorhaben mit Spannung entgegen, sagte Grütters in der Fernsehsendung »Der Tag« der Deutschen Welle. Mit Blick auf Kritik etwa von DDR-Bürgerrechtlern an dem Projekt fügte sie hinzu, das Vorhaben könne »natürlich eine Zumutung sein für den einen oder anderen, aber es kann auch ein Weltereignis werden«.

Die CDU-Politikerin sagte weiter, das »DAU«-Projekt stehe in Berlin im Zeichen von Freiheit. »Wo, wenn nicht hier?«, fragte Grütters. Gerade in der deutschen Hauptstadt, »wo sich inzwischen ein harmloses DDR-Bild breitmacht, mit Trabbi-Safaris und Souvenirs«, sei es sinnvoll, »einmal mehr daran zu erinnern, wie schlimm Unfreiheit sein kann und wie nah dran wir immer wieder sind«.

Grütters warb dafür, sich von dem Projekt überraschen zu lassen. Auch müsse der Kunst die Möglichkeit eingeräumt werden, zu provozieren und unbequem zu sein. Zudem sei niemand gezwungen, an dem Projekt teilzunehmen.

Im Rahmen des »DAU«-Kunstprojektes soll ab Mitte Oktober in Berlin für rund vier Wochen wieder eine Mauer errichtet werden. Die baugleiche Rekonstruktion der früheren originalen Berliner Mauer würde Teile der Berliner Innenstadt umschließen. Bei dem Kunst- und Sozialexperiment sollen Besucher unter anderem die Erfahrung von Freiheitsverlust und totalitären Systemen machen können. Den Plänen zufolge müssen Gäste dazu ein Visum beantragen, um in den eingemauerten Bereich zu gelangen, und ihr privates Handy abgeben. Am 9. November - dem Tag des Mauerfalls - soll diese temporäre Berliner Mauer in einer künstlerischen Performance eingerissen werden. Die Berliner Behörden haben das Kunstprojekt bislang nicht bewilligt.

Bei »DAU« handelt es sich um eine Trilogie, die in der Bundeshauptstadt unter dem Titel »Freiheit« laufen solle. Ein zweiter Teil unter dem Titel »Gleichheit« soll dann in Paris und ein dritter Teil »Brüderlichkeit« in London folgen. »DAU« geht auf ein europäisches Film- und Performanceprojekt unter Leitung des russischen Regisseurs Ilja Chrschanowski zurück. Seinen Ursprung hat das Kunstprojekt im ukrainischen Charkiw, wo der Physiker und Nobelpreisträger Lew Landau (1908 - 1968) lebte und arbeitete. epd/nd