/ Berlin

Investorenkaufrausch ohne Ende

Skandinavischer Immobilienkonzern gibt Erwerb von fast 4000 Wohnungen in Berlin bekannt

Der skandinavische Immobilienkonzern Heimstaden Bostad hat den Kauf von 130 Häusern in Berlin bekanntgegeben. Laut Mitteilung von Freitagabend sollen für das Gesamtpaket, das 3902 Wohnungen und 208 Gewerbeeinheiten umfasst, rund 830 Millionen Euro fließen. Der Abschluss der Transaktion wird spätestens für das 1. Quartal 2021 erwartet – »vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung und der Ausübung des Vorkaufsrechts der Stadt Berlin«. Heimstaden hat dieses Jahr bereits zwei deutlich kleinere Hauspakete in der Hauptstadt erworben. Für das zweite läuft derzeit die Prüfung, ob ein Vorkaufsrecht ausgeübt werden kann.

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»Wir warten auf die Rückmeldung der Wohnungsbaugesellschaften und prüfen auch die Frage, ob wir preislimitierende Vorkäufe ausüben können«, sagt der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) über den Paketverkauf von Ende August zu »nd«. Bei besonders hohen Preisen besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, den Kaufpreis auf den Verkehrswert abzusenken. »So wie es aussieht, zeigt Heimstaden im Moment keinerlei Interesse an Gesprächen zu Abwendungsvereinbarungen«, sagt Schmidt.
»Fünf Häuser« nennt sich ein Zusammenschluss der von dem August-Deal betroffenen Mieter. Sie hatten herausgefunden, dass das von der Skjerven Group im Auftrag von Heimstaden Bostad AB gekaufte Paket aus insgesamt 16 Häusern in Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Mitte und Neukölln besteht, von denen zehn in Milieuschutzgebieten liegen. »Die millionenschweren Paketkäufe sind eine Kampfansage an die Bezirke, die das Vorkaufsrecht für milieugeschützte Häuser ausüben wollen«, heißt es in einer Mitteilung von »Fünf Häuser«.

Alle Immobilien dieses Pakets stammen aus dem Portfolio eines Firmengeflechts, das in Berlin und Amsterdam unter dem Label Schönhaus Immobilien agiert. Weit über die Hälfte aller Wohnungen in den betroffenen Häusern werden befristet und zu sehr hohen Preisen als möblierte Apartments vermietet. »Opfer dieser seit Jahren betriebenen Geschäftspraxis sind Wohnungssuchende aus dem In- und Ausland, die mit dem deutschen (Miet-)Recht nicht vertraut sind. Es werden dabei Mieten verlangt, die teilweise über dem Doppelten der Miete regulärer Wohnungen im gleichen Haus liegen«, so »Fünf Häuser«.

Beim ersten Paket konnte der Bezirk Mitte Heimstaden bei mindestens zwei Häusern ausbooten. Beim Haus Luxemburger Straße 31 wurde das Vorkaufsrecht zugunsten der landeseigenen WBM ausgeübt, die Degewo übernahm das Haus Waldenserstraße 9.

»Es muss – wie gegen die Deutsche Wohnen – eine abgestimmte Strategie des Senats mit den Bezirken und Mieter*innen entwickelt werden, um die Bewohner*innen abzusichern«, fordert Katrin Schmidberger, Wohnungsexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus. »Denn bisher war Heimstaden nicht einmal bereit, Abwendungsvereinbarungen zu unterzeichnen.«
Europaweit verfügte der Mutterkonzern Heimstaden AB zur Jahresmitte 2020 über 100 000 Wohnungen, davon knapp 44 000 in Skandinavien, rund 42 000 in Tschechien und bisher rund 1000 in Deutschland. Vor kurzem enthüllte das Osloer Stadtmagazin »Natt & Dag«, dass Heimstaden und die norwegische Polizei vereinbart haben, dass die Beamten die Wohnhäuser in Oslo ohne konkreten Tatverdacht zum Zweck des Trainings von Drogenspürhunden betreten dürfen. Laut »Natt & Dag« hält der norwegische Rechtsprofessor Hans Fredrik Marthinussen dies für »eine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention«. Eigentümer der Heimstaden AB ist der norwegische Milliardär Ivar Tollefsen über seine norwegische Investmentgesellschaft Fredensborg AS.